Monat: Juli 2026

In Bewegung kommen, wenn alles stillsteht

Qigong in der Trauerarbeit

Bernadette Calenberg ist als Qigonglehrerin freiberuflich im Bereich Gesundheit/Entspannung und in der Trauerbegleitung tätig. Sie arbeitet ehrenamtlich für den Kölner Verein TrauBe (Trauerbegleitung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene).

Bernadette Calenberg ist als Qigonglehrerin freiberuflich im Bereich Gesundheit/Entspannung und in der Trauerbegleitung tätig. Sie arbeitet ehrenamtlich für den Kölner Verein TrauBe (Trauerbegleitung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene). Portrait, Calenberg

Der Verlust eines geliebten Menschen kann das Leben radikal verändern. Nichts fühlt sich mehr vertraut an, oft dominieren Schock, Erstarrung und eine tiefe innere Lähmung. Gerade in der Erwachsenenbildung, in der biografische Brüche und Risse Raum finden, stellt sich die Frage: Wie können Erfahrungsräume gestaltet werden, die Menschen in solchen Lebensphasen unterstützen?

Der Ansatz von Bernadette Calenberg liegt im Qigong – eine jahrtausendealte Praxis aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Übersetzt bedeutet „Qi“ Lebensenergie, „Gong“ steht für beharrliches Üben. Im Kern geht es also darum, die eigene Lebenskraft bewusst zu pflegen und in Fluss zu bringen.

Wie würden Sie das Qigong-Üben mit Trauernden beschreiben?

Es ist eine sanfte Einladung, dem Stillstand des Todes mit ruhigen, fließenden Bewegungen zu begegnen. Qigong kann Trauernden helfen, innerlich in Bewegung zu kommen, wieder Tritt zu fassen, um herauszufinden aus dem tiefen Loch. Man übt in der Hoffnung, dass sich die Erstarrung allmählich lösen kann, und man vertraut darauf, dass die langsamen, sich wiederholenden Bewegungen des Körpers nach und nach auch das Innere, die Seele, erreichen und den Trauerprozess auf positive Weise begleiten.

Zwischen Akzeptanz und Veränderung

Ein zentrales Prinzip im Qigong ist das Zusammenspiel von Gegensätzen: Ruhe und Bewegung, Spannung und Entspannung, Loslassen und Aktivität. Diese Dynamik spiegelt sich auch im Trauerprozess wider. Verlust und Neubeginn sind keine Gegensätze, sondern Teil eines kontinuierlichen Wandels.

Für die Bildungsarbeit eröffnet sich hier ein wertvoller Ansatz: Qigong kann helfen, Akzeptanz nicht als passives Erdulden, sondern als aktiven Prozess zu erleben. Indem Teilnehmende lernen, sich auf Bewegung einzulassen, erfahren sie, dass Veränderung möglich ist – in ihrem eigenen Tempo.

Rituale der Selbstfürsorge

Die Übung kann als heilsames Ritual in der Trauer gesehen werden. Die Sequenz von fließenden Bewegungen wird so lange geübt, bis der Ablauf als intuitives Körperwissen gespeichert ist. Nach einer gewissen Zeit »passieren« Schritte und Bewegungen wie von selbst. Das Denken tritt in den Hintergrund, das Spüren in den Vordergrund. Man lässt sich tragen vom Fluss der Übung. Es ist leicht vorstellbar, dass diese Art der ruhigen körperlichen Betätigung einem Trauernden gut tun, Halt und Sicherheit geben kann in einer Situation, in der alles aus den Fugen zu geraten scheint. Diese Erfahrung kann als Ressource wirken. Teilnehmende berichten häufig, dass sie sich während der Übungen „getragen“ fühlen oder für einen Moment Abstand von belastenden Gedanken gewinnen. Qigong wird so zu einer Form praktizierter Selbstfürsorge.

Bewegung als Zugang zur Seele

Credit: leoon liang

Credit: leoon liang

Trauer zeigt sich nicht nur emotional, sondern auch körperlich: Schlaflosigkeit, innere Unruhe oder Verspannungen sind häufige Begleiter. Qigong setzt genau hier an. Durch langsame, wiederholende Bewegungen wird der Körper sanft aktiviert – ohne Leistungsdruck, ohne Zielorientierung.

Gerade diese Reduktion wirkt: Während der Geist oft kreist, schafft der Körper einen Zugang zu etwas Grundlegendem – dem Spüren. Die Übungen laden dazu ein, aus der inneren Starre herauszutreten und wieder in Bewegung zu kommen. Dabei entsteht eine Form von Stabilität, die nicht kognitiv erarbeitet, sondern körperlich erfahren wird.

Rhythmus der Natur

Die Natur kann in ihrer Schönheit, Erhabenheit und ihrer Kraft etwas sehr Tröstliches sein und Geborgenheit geben. Es ist nicht unbedingt notwendig, Qigong unter freiem Himmel zu üben, um das Gefühl des Eingebundenseins in die Natur entstehen zu lassen.

Bilder, die tragen

Einen Bezug zu den natürlichen Kräften schaffen vor allem die vielfältigen inneren Bilder, die das Üben begleiten: sei es die Vorstellung von der Ruhe des Mondes, der Verwurzelung des Baumes, der Leichtigkeit der ziehenden Wolken und des Vogels, der sich mit kraftvollen Flügeln emporschwingt. Sie eröffnen einen imaginativen Raum, der besonders für Menschen in Trauer zugänglich sein kann: Worte fehlen oft – Bilder hingegen wirken unmittelbar.

Diese Verbindung von Körper, Atmung und Vorstellungskraft schafft einen ganzheitlichen Prozess. Teilnehmende erfahren sich nicht nur als denkende, sondern als fühlende und wahrnehmende Menschen.

Wo liegen die Grenzen?

So wirksam Qigong sein kann: Es ist kein Allheilmittel. Nicht jeder Mensch findet Zugang zu meditativen, langsamen Praktiken. Entscheidend sind Freiwilligkeit und die Offenheit, sich auf innere Prozesse einzulassen. Qigong sollte als Angebot verstanden werden – als Einladung, neue Erfahrungen zu machen. Gelingt dies, kann es ein kraftvolles Instrument sein, um Menschen in schwierigen Lebensphasen zu begleiten.

Denn manchmal beginnt Veränderung mit einer kleinen, achtsamen Bewegung.

 

Probieren Sie es aus:

Halt und Trost

Qigong als heilsame Kraft in der Trauer

07.11. I 10-15 Uhr I 32€ I Nr. 5235BR

 

INFOBOX

Mitten im Leben – Tod, Sterben und Trauer

In Kooperation mit: Ausbildung Ehrenamtlicher Seelsorgender und Lutherkirche Nippes

 

Gefühlswelten

Trauer im systemischen Blick

16.09.2026 I 19-21 Uhr I kostenlos I Nr. xxxxBR

Credit: Rogge und Jankovic

Credit: Rogge und Jankovic

 

Erde zu Erde

Den Tod mitgestalten – Urnen aus Lehm

  1. und 14.11. I 12-16:30 Uhr I 180€ I Nr. 7223F

 

Gutes Abschiednehmen

Wissen und Erfahrungen für die erste Zeit der Trauer

23.11. I 18-20 Uhr I kostenlos I Nr. xxxxBR

Die Grannies for Future in Köln

 „What do we want?

Climate Justice!

When do we want it?

Now!”

„What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!” Als im September 2019 dieser Ruf in Köln wiederholt aus einer Menge von 70.000 Teilnehmer:innen am Klimastreik zu hören war, war dies die Geburtsstunde der „Grannies for Future“. Ziel war, die Fridays for Future zu unterstützen, weil wir überzeugt waren, dass sie Recht hatten mit ihren Befürchtungen: Unsere Erde wäre für uns Menschen bald nicht mehr bewohnbar, wenn alles weiterliefe wie bisher. Die klimapolitischen Ziele – auf der Pariser Klimakonferenz im Jahr davor beschlossen – mussten endlich ernst genommen und politisch umgesetzt werden!

Wenn nicht wir Alten – die wir nicht mehr im Arbeitsalltag eingebunden sind, über viel selbstbestimmte Zeit verfügen und zudem häufig auf viel Erfahrung in sozialen Bewegungen zurückblicken – wer sollte sich denn engagieren?

Im Laufe der Jahre sind wir immer mehr geworden. Inzwischen sind es 40 bis 50 Personen, die sich regelmäßig treffen. Unsere Aktivitäten entwickeln wir jeweils aus der aktuellen Situation heraus. Wir verstehen uns als parteipolitisch unabhängig und Teil der Future-Bewegung und versuchen, unsere Möglichkeiten der Einflussnahme zu nutzen.

So haben wir vor den Wahlen versucht, unsere klimapolitischen Forderungen insbesondere älteren Menschen (ca. 40 % der Wahlberechtigten!) nahezubringen, weil wir denken, dass wir unsere Altersgruppe vielleicht leichter erreichen als die Jüngeren. Dass wir uns bereits in der Klimakrise befinden, Extremwetterereignisse wie Starkregen und Hitzeperioden zunehmen, haben wir im letzten Jahr speziell in Seniorennetzwerken thematisiert, weil Ältere zu den besonders von Hitze bedrohten Gruppen gehören.

Darüber hinaus hat sich im letzten Jahr eine weitere AG gebildet, die den Fokus auf die Situation in Köln richtet, wie die Stadt hitzeresilienter werden kann. Dazu werden wir direkt nach den Sommerferien eine Veranstaltung in der Melanchthon-Akademie machen.

Ein weiteres Angebot sind unsere klimapolitischen Erkundungen, die wir schon seit einigen Jahren durchführen – dankenswerterweise mit großartiger Unterstützung der Melanchthon-Akademie. Dabei handelt es sich um zweistündige Spaziergänge in Köln oder der Umgebung, an Orten, die uns klimapolitisch relevant erscheinen. Das können Naturschutzgebiete sein, aber auch Orte, an denen Bürgerinitiativen sich dafür einsetzen, dass ihr Veedel klima- und menschen-freundlicher wird, indem z. B. Parkplätze in Grünflächen umgewandelt werden, wo alle Altersgruppen sich gerne im öffentlichen Raum treffen und aufhalten. Diese Erkundungen sind kostenlos. Doch sammeln wir immer Spende für unseren jeweiligen Kooperationspartner:innen (wie Naturschutzverbände oder Bürger-Initiativen).

Mit den Erkundungen, die sich stets reger Nachfrage erfreuen, wollen wir auch zeigen, dass es Lösungsmöglichkeiten gibt, und diejenigen unterstützen, die sich auf den Weg gemacht haben – sei es, indem sie die Biodiversität stärken (wie zum Beispiel BUND oder NABU) oder die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und somit auch das soziale Miteinander verbessern (z. B. Superblock-Initiativen).

Seit Kurzem probieren wir für uns neue öffentlichkeitswirksame Aktionsformen aus. Ein Beispiel sind Transparente, aufgehängt am Brückengeländer über einer Straße, auf der sich der Autoverkehr staut, um darauf aufmerksam zu machen, dass es Energiegewinnung gibt, die nicht nur klima-freundlicher ist, sondern auch unabhängig von großen Konzernen sowie Lieferengpässen und Verteuerungen aufgrund von kriegerischen Konflikten macht.

Da wir uns als Teil der Klimagerechtigkeitsbewegung sehen, ist uns die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen sehr wichtig. Anlässlich der letzten Kommunalwahl wurde das Netzwerk 2035 gegründet, in dem sich ca. 20 Gruppen zusammengeschlossen haben. Als Teil dessen wollen wir unterstützen, dass Köln tatsächlich bis 2035 klimaneutral wird.

Nicht destotrotz bleiben Demonstrationen – neben Ständen wie am „Klimatag im Zoo“ – auch für uns „Grannies for Future“ wichtige Aktionen, um auf die Bedrohung durch die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen und auf die öffentliche Meinung einzuwirken. Dass nach einer Zeit, in der die Klimakrise immer mehr in den Hintergrund des öffentlichen Bewusstseins gedrängt wurde, sich dies auch wieder ändern kann, haben die Demos am 18. April gezeigt: In Köln waren wir zu 10.000 auf der Straße, insgesamt waren es 80.000 in nur vier deutschen Städten!

Lisa Löhr für die „Grannies for Future“ in Köln

Wer weitere Informationen sucht oder sich bei den „Grannies“ engagieren möchte, schaut auf die Webseite www.grannies-for-future-koeln.de

Programmhinweise

Hitze in der Stadt

Wie können wir mit der zunehmenden Hitze umgehen?

Die Grannies for Future Köln laden zu einem Info- und Gesprächsabend ein

Di, 1. September 2026, 18:00-19:30 Uhr

Klimapolitische Erkundungen

Im Spätsommer und Herbst wird es wieder drei „Klimapolitische Erkundungen“ geben. Nähere Infos dazu finden Sie ab August auf unserer Webseite.

Im Geist der Zuversicht. Wie wir die Geschichte der Hoffnung weiterschreiben können

Markus Dröge Porträt © Andrea Katheder

Markus Dröge Porträt © Andrea Katheder

Altbischof Dr. Markus Dröge war von 2009-2019 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Seit 2021 ist er Vorstandssprecher der zivilgesellschaftlichen Stiftung Zukunft Berlin. Er lebt in Berlin und Koblenz.

Soeben ist sein Buch „Im Geist der Zuversicht“ (Radius-Verlag Stuttgart 2026) erschienen, das wir im Rahmen der Kooperations-Reihe „AkademieHochVier. Evangelische Dialoge am Rhein“ am Montag, 14. September, 19 Uhr, im Haus der Kirche, Kartäusergasse 9-11, vorstellen

Martin Bock hat mit Markus Dröge ein Interview geführt.

Martin Bock: Lieber Herr Altbischof Dr. Dröge, vor wenigen Monaten haben Sie uns, den Vertreter:innen der evangelischen Stadtakademien in Deutschland, eindrucksvoll geschildert, welche Gefahren für die freiheitliche Demokratie und die damit verbundenen Werte Sie durch die Begegnung mit dem Rechtspopulismus in Berlin-Brandenburg in Ihrer Zeit als Landesbischof erfahren haben. Das „Aufziehen der dunklen Wolken“, wie Sie es nennen, war ein Anlass, sich in Ihrem Buch mit der Verdunkelung der christlichen Hoffnungskraft zu beschäftigen?

Markus Dröge: Nicht direkt. Die Motivation, das Buch zu schreiben, ist dadurch entstanden, dass ich mit vielen Menschen im Gespräch bin. Ich leite eine Stiftung in Berlin, die das zivilgesellschaftliche Engagement in der Berliner Gesellschaft und Politik stark macht. Im Nationalen Begleitgremium für die Atommüllendlagersuche erfahre ich hautnah, wie sensibel es heute ist, konfliktreiche Themen gesellschaftlich zu vermitteln. Und schließlich lebe ich natürlich weiter in meiner Heimat Kirche. Als cantus firmus der Stimmungslage nehme ich einen Grundton der Besorgnis wahr. Das hat mich bewogen, meine Dissertation über Jürgen Moltmann noch einmal in die Hand zu nehmen, und zu fragen: Ist seine „Theologie der Hoffnung“ nur Geschichte?

Martin Bock: Der polnische Soziologe Zygmunt Baumann hat von den allgegenwärtigen „Retropien“, den Blicken zurück statt nach vorne, gesprochen, die Menschen heute augenscheinlich Hoffnung geben, wenn sie auf die Narrative der populistischen Stimmen hören. Das ist ein ungeheurer Paradigmenwechsel gegenüber der Zeit, die unsere ganzen westlichen Gesellschaften und auch die Religionsgemeinschaften seit über 70 Jahren prägen: das nach-Vorne, der Exodus wird abgelöst von einer „Mimikry“ der Zuversicht. Was können wir dem entgegenstellen?

Markus Dröge: Kurz gesagt: Den christlichen Glauben. Die Grundstruktur des christlichen Glaubens ist die Ausrichtung auf den kommenden Herrn. Moltmann hat herausgearbeitet, dass das Christentum diese messianische Hoffnungsstruktur von der jüdischen Mutterreligion übernommen hat. Wenn rechte Populisten versuchen, Hoffnung zu machen, indem sie eine idealisierte Vergangenheit als Zukunftsmodell verkaufen und dazu noch eine Vergangenheit, die erwiesenermaßen ins Unheil geführt hat, ist das so ziemlich das Gegenteil vom christlichen Glauben. Seit dem Erstarken des Rechtsextremismus in Brandenburg habe ich es als meine Aufgabe angesehen, die fundamentale Unvereinbarkeit von Rechtsextremismus und christlichem Glauben klar zu benennen und öffentlich zu bekennen. Das schließt nicht aus, mit dem sachlichen Gegner ins Gespräch zu gehen – aber nur mit klaren Positionen.

Martin Bock: Sie sprechen von einer „Polykrise der Gegenwart“? Was meinen Sie damit genau?

Markus Dröge: Den Begriff habe ich von Jonas Grethlein übernommen. „Polykrise“ meint, dass sich zurzeit viele Krisen überlagern. Krise der Demokratie, der westlichen Werteordnung, der Europäischen Union, der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Wirtschaft und der Staatsfinanzen bis hin zur Krise der geopolitischen Ordnungssysteme … Können wir da ernsthaft noch irgendwie von Hoffnung reden? Ich beobachte, dass viele heute lieber bescheidener von „Zuversicht“ sprechen. Daran knüpfe ich an und versuche die biblisch verstandene Kraft des Geistes neu zu betonen. Sie kann helfen, zuversichtlich das Naheliegende zu tun, dabei aber die großen Hoffnungen der biblischen Verheißungen nicht aufzugeben.

Martin Bock: Jürgen Moltmann war im Erscheinungsjahr seiner „Theologie der Hoffnung“, 1964, fasziniert davon, wie sich die Dynamik des Evangeliums mit dem „Glück der Gegenwart“ verbinden kann. Von der Verbindung von Glück und Aufbruch hat eine ganze Generation, die „Boomer“ gezehrt – und wird dafür heute nicht selten massiv kritisiert. Ich lese Ihr Buch auch so, dass Sie sich mit dieser Anfechtung intensiv auseinandersetzen, ihrer Enttäuschung entgegenwirken wollen …

Markus Dröge: Enttäuscht bin ich nicht. Das würde ja voraussetzen, dass ich die biblisch begründete Hoffnung, die Moltmann entfaltet hat, als „Täuschung“ betrachte. Mein Ansatz ist ein anderer. Seit meiner Dissertation über Moltmann hat mich ein Gedanke nicht verlassen: Im Jahr 1964 war Moltmanns Buch sozusagen – sorry – „zeitgeistig“. Aber sein christologisch-pneumatologischer Ansatz ist so überzeugend, dass er in der Lage ist, die Hoffnung auch in Zeiten stark zu machen, in denen der Zeitgeist gegen den christlichen Glauben steht.   

Martin Bock: Bei unserem Besuch bei Ihnen in Berlin haben Sie mit uns darüber nachgedacht, ob es angesichts der Angriffe auf die Demokratie eine nicht mehr oder nicht mehr vertraute Gestalt von Kirche(n) braucht, die widerstandsfähig ist, die selbst eine geistliche Resilienz in sich trägt. Sehen Sie wieder die Notwendigkeit einer „Bekennenden Kirche 2.0“ auf uns zukommen?

Markus Dröge: Kirche ist, wenn sie wirklich die Kirche Jesu Christi ist, immer bekennende Kirche. Sogar in der Grundordnung der EKD heißt es: „Sie (die EKD) weiß sich verpflichtet, als bekennende Kirche die Erkenntnisse des Kirchenkampfes über Wesen, Auftrag und Ordnung der Kirche zur Auswirkung zu bringen.“ Das müssen wir heute angesichts des neuen Rechtsextremismus allerdings auch wirklich leben. Sonst müssen die uns nachfolgenden Generationen wieder Schuldbekenntnisse verfassen.

PROGRAMMHINWEIS

Mo., 14.09.2026, 19:00 Uhr

AkademieHochVier

Evangelische Dialoge am Rhein

Buchvorstellung „Im Geist der Zuversicht“ (Radius-Verlag Stuttgart 2026)

Im Haus der Kirche, Kartäusergasse 9-11

1 Termin I kostenfrei I 1202B

Professionell Sprechen und Produzieren lernen: D/Eine Story als Podcast

Von der Idee zum fertigen Sound

 In einer Welt, die immer visueller wird, erlebt das Medium Audio eine Renaissance. Warum? Die Vermutung: Weil uns nichts so nah ist wie die menschliche Stimme.

Kulturtechnik Audio: Mehr als nur Gerede

Angeblich ist das Podcasting das demokratischste aller Medien. Erlaubt es uns doch, Themen Tiefe zu geben, die im schnellen Alltag untergehen. Doch wie schafft man es, dass aus einem bloßen Gespräch ein Hörerlebnis wird?

Verschiedene Medientheorien benennen hier das Zusammenspiel aus Präsenz, Technik und Dramaturgie. Wer den „Record“-Button drückt, beginnt eine Inszenierung von Wirklichkeit – und genau hier setzen nicht nur Podcaster an – sondern auch das Radio.

Warum Audio?

Audio-Content schafft Nähe. Ob Reportage, Interview oder atmosphärischer Beitrag – die Kunst liegt darin, Bilder im Kopf der Hörer entstehen zu lassen, allein durch Klang und Wort.

So arbeitet auch der Bürgerfunk von Studio ECK e.V. schon seit vielen Jahren: Ein Thema, das eine gute Geschichte erzählt, andere inspiriert oder tolle Projekte in Köln vorstellt – hier wird es recherchiert, vor Ort aufgesucht und darüber berichtet; gerne mit Ö-Tönen und Soundbeispielen.

Wer Lust hat, beim Radio und in der Ton-Produktion einmal hinter die Kulissen zu blicken, wer erfahren möchte, was man bei professionellen Audio-Aufnahmen beachten muss und wie man einen Bericht nicht nur journalistisch aufbereitet, sondern ihn auch professionell einspricht, für die ist dieses Projekt das richtige:

Workshop: Professionell Sprechen und Produzieren

Gemeinsam mit dem Studio ECK laden wir dazu ein, den Sprung hinter das Mikrofon zu wagen. In diesem kompakten Blended-Learning-Kurs lernt man alles, was man für den Einstieg in die Radio- und Podcast-Welt brauchst.

Das erwartet dich:

Unter der Anleitung von Medientrainerin Babette Braun gestaltest du deine eigene Sendung. Wir decken das gesamte Spektrum ab: von der professionellen Moderation über Umfragen und Wortbeiträge bis hin zum digitalen Schnitt. Das Besondere: Deine Produktion wird nicht nur als Podcast bei NRWision weltweit abrufbar sein, sondern findet auch den Weg ins klassische Radio bei Radio Köln.

  • Wann: Mi–Sa, XX.XX.26-XX.XX.26, täglich 14–19 Uhr
  • Wo: Melanchthon-Akademie, Köln
  • Teilnahme: Kostenlos (Anmeldung erforderlich)
  • Extra: Die Chance zum Einstieg in die Studio ECK Redaktion! Werde Teil einer kreativen Audio-Community.

Liebe deine Stadt – Trotz alledem. Ein Plädoyer für eine neue Erzählung der Kölner Kulturlandschaft

Zwischen Brillanz und Baustellen: Der Kulturstandort Köln

Köln und seine Kultur – das ist eine Beziehung, die oft zwischen tiefer Zuneigung und verzweifeltem Kopfschütteln schwankt. Wer an den Kulturstandort Köln denkt, dem kommen sofort die großen Namen in den Sinn: die Museen von Weltrang, die Philharmonie, eine freie Szene, deren Arbeit einzigartig ist, und eine Geschichte, die tief im europäischen Bewusstsein verwurzelt ist.

Doch in den letzten Monaten und Jahren dominieren oft die metaphorischen und buchstäblichen Baustellen den öffentlichen Diskurs. Ob es die scheinbar unendlichen Sanierungsprojekte sind, die hitzigen Debatten um die Legitimation kostspieliger Kulturbauten oder die Fragen nach einer gerechten Verteilung von Fördergeldern in Zeiten knapper Kassen – die Erzählung über Kölns Kultur ist defensiv geworden.

Im Blickfeld steht das, was nicht läuft, wo es hakt und warum die Strukturen träge wirken – weniger geht es um die Kraft der Kunst selbst und die Menschen, die diese Stadt jeden Tag mit ihren Visionen gestalten.

Eine Allianz für die Stadtgesellschaft

Inmitten dieser spannungsreichen Gemengelage kam von Dr. Sofie Taubert-Marx, Leiterin des Kulturbereichs der Karl-Rahner Akademie, der Impuls, zu diesem Thema gemeinsam zu arbeiten. Unter dem Arbeitstitel „Liebst Du mich noch? Gespräche über die Kultur in Köln“ soll ein Forum entstehen, das den Fokus verschiebt. Der bekannte Schriftzug von Merlin Bauer „Liebe Deine Stadt“ über der Nord-Süd-Fahrt dient dabei nicht nur als Anregung zur Namensgebung, sondern als Programm: Als Aufforderung zur Identifikation und zur aktiven Gestaltung des urbanen Raums. Visionäre im „Kreuzverhör der Hoffnung“

Was bedeutet es heute, in Köln Kultur zu machen? Wie blicken Persönlichkeiten wie der neue Gürzenich-Kapellmeister Andrés Orozco-Estrada, die Theaterleiterin Mareike Marx, die Museumsdirektorin Katharina Koselleck oder die Leiterin der städtischen Flora, Marina Tsaliki, auf diese Stadt? In einer neuen Gesprächsreihe befragen wir sie dazu, wie sie mit ihrer Arbeit gesellschaftliche Realität mitgestalten. Gibt es Strategien, einer pluralen Gegenwart gerecht zu werden, und wie müssen diese kulturpolitisch verankert werden?

Veranstaltungstipp: Liebst Du mich noch? Gespräche über die Kultur in Köln

Gemeinsam mit der Karl-Rahner Akademie laden wir Sie dazu ein, sich neu in die Stadt zu verlieben – nicht blind, sondern mit einem wachen, kritischen und visionären Blick auf das, was wir in Köln wollen. Im Vordergrund stehen die Visionen, mit denen die Personen in Köln Kultur gestalten. Auch Gespräche über Dinge, die in anderen Städten funktionieren, stehen auf dem Programm.

Was kann Kunst und was trauen wir ihr zu? Was kann kulturelle Bildung und was ist sie uns wert? Wenn Kultur mehr ist als Dekoration oder Standortfaktor – wie bleibt sie Ort der Begegnung zwischen verschiedenen Werten, Sprachen und Sparten in Köln?

1 Termin, Datum folgt, s. Web | 10,00 € I Nr. 6200F

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