In den letzten Jahren ist rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz viel in Bewegung gekommen – doch mittlerweile hat der Wille zu einem ernsthaften ökologischen Wandel wieder rapide abgenommen. Gesellschaftlich und politisch driftet dieses Thema ins Abseits.

Das betrifft natürlich auch die Nachhaltigkeits-Bildung: Was machen wir denn eigentlich, wenn es politischer Wille ist, weiterhin auf fossile Energien zu setzen und gemachte Fortschritte sogar wieder zurückzudrehen? Was heißt das für unser Engagement rund um Schöpfungsbewahrung?

Grundsätzlich: Mit dem weitermachen, was gut läuft. Und das ist der gemeinschaftliche Austausch, das Vernetzen und Zusammenbringen, das von- und miteinander Lernen. An unserer Akademie haben sich zwei Formate etabliert, die genau das bieten: Der „Digitale Öko-Stammtisch“ für Engagierte in den Kirchengemeinden und die „Klimapolitischen Erkundungen“ der Grannies for Future in Köln. Beides erfreut sich großer Beliebtheit.

Zusätzlich: Innehalten und schauen, was jetzt strategisch wirklich sinnvoll ist. Genau das haben wir im Kontext des kirchlichen Nachhaltigkeits-Engagements vor: Im November lädt die Melanchthon-Akademie zusammen mit Kooperationspartnern zu einem Strategietag ein: Was wollen wir eigentlich machen, wenn es gesellschaftlich massiven Gegenwind gibt? Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech ist an dem Tag mit dabei, eine spannende Keynote ist also garantiert.

Neue Schneisen schlagen: Nachhaltigkeit mit der Debatte um Krisenresilienz verknüpfen. Denn konkrete Ideen für gesellschaftliche Krisenresilienz nutzen (fast) immer nachhaltige Methoden und Technologien. Nach dem Fachtag „Über Leben in Kollapsen“ im Februar in Köln folgt nun im November ein Barcamp in Berlin: „Zwischen Klimaanpassung und Klimakollaps. Christliche Beiträge zu kollektiver Krisenresilienz“. Und im Herbst startet noch ein neues, ambitioniertes Vorhaben: Kirchengemeinden befähigen, zu einem „Anker für solidarische Krisenresilienz“ zu werden.

Auf eine wichtige Grundkompetenz setzen: Selbstermächtigung. Haben Sie schon mal von „low tech“ gehört? „Low tech“ bedeutet, auf einfache Lösungen zu setzen, die man selbst reparieren, manchmal sogar selbst bauen kann. Denn wir brauchen nicht überall „high tech“ und manchmal ist weniger Technik die bessere Technologie. Nachhaltigkeitslernen ganz altbacken, im positiven Sinne.

Last but not least: Auch die Voraussetzungen für (Öko-)Engagement im Blick behalten. Ein Thema liegt mir dabei besonders am Herzen: Dass wir in Sachen Digitalität unabhängiger werden von amerikanischen Unternehmen. Das ist jetzt nicht direkt ein Nachhaltigkeitsthema – oder vielleicht gerade doch. Denn wir sind in all unserer (digitalen) Kommunikation völlig abhängig von US-Tech-Firmen. Gesund ist das nicht. Dabei gibt es europäische Alternativen.

Text: Dr. Martin Horstmann