„Im Prinzip ist das Alter bei uns erlaubt, es wird nur nicht gern gesehen!“ – Diese spitze Bemerkung von Dieter Hildebrandt trifft den Kern einer gesellschaftlichen Herausforderung. Wie wir altern, ist nicht nur eine biologische Tatsache, sondern ein fortwährender Prozess der Inszenierung und Dekonstruktion.
Das Konzept „Doing Age“: Die Bühne des Älterwerdens
In der Soziologie hat sich der Begriff Doing Age (in Anlehnung an das Konzept des „Doing Gender“) etabliert. Er besagt, dass Alter nichts ist, was man einfach „hat“, sondern etwas, das man „tut“. Wir stellen Alter her – durch unsere Kleidung, unsere Bewegungen, unsere Sprache und die Art, wie wir am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Körperliche Zeichen des Älterwerdens sind dabei weit mehr als biologische Marker; sie fungieren als alterssignifikante Symbole. Sie bestimmen, wie wir von anderen wahrgenommen und oft auch kategorisiert werden. Doch hier entsteht oft eine Diskrepanz: Viele Menschen erleben das sogenannte „Masken-Phänomen“. Man fühlt sich im Inneren agil und unverändert, während die äußere Erscheinung wie eine Maske wirkt, die die „wahre“, zeitlose Identität dahinter verbirgt. Wir handeln ständig in einem Spannungsfeld zwischen innerem Erleben und äußerer Erwartung.
„Undoing Age“: Die Befreiung von der Norm
Hier setzt das Gegenkonzept an: Undoing Age. Wenn Alter eine soziale Konstruktion ist, dann können wir diese Konstruktion auch wieder auseinandernehmen (dekonstruieren). Es geht darum, die starren Altersnormierungen und die oft einseitigen, einschränkenden Leitbilder unserer Gesellschaft zu demontieren.
Undoing Age bedeutet:
- Die Gleichung „Schönheit = Jugend“ aktiv zu verlernen.
- Räume zu öffnen für neue, vielfältige Arten des Alterns.
- Sich gegen die Unsichtbarkeit im öffentlichen Raum zu wehren.
„Neue Bilder braucht das Altern – aber wie wollen wir uns selber sehen?“

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Seminarankündigung: Alter, Schönheit und Sichtbarkeit
Wie gehen wir mit unseren eigenen Altersbildern um? Wie nehmen wir andere Frauen wahr, und wie eignet man sich als ältere Frau den öffentlichen Raum an? In unserem kommenden Workshop widmen wir uns genau diesen Fragen mit einer Mischung aus Theorie, Beobachtung und kreativer Praxis.
Workshop-Details
Daten: 12. September 2026, 11-16 Uhr | 27€
Fokus: Sichtbarkeit, Altersbilder und kreative Aneignung
Was erwartet Sie?
- Reflexion: Wir beschäftigen uns mit unserem persönlichen „Doing Age“ und hinterfragen herrschende Schönheitsideale.
- Veedels-Spaziergang: Wir verlassen den Seminarraum und gehen auf Entdeckungstour. Wie zeigen sich ältere Frauen in unserem Viertel? Welche Präsenz haben sie im öffentlichen Raum?
- Kreative Werkstatt: Unsere Beobachtungen halten wir künstlerisch fest. Ob Fotografie, Zeichnung oder Collage – wir geben dem Altern ein neues, eigenes Gesicht.
- Diskurs: Gibt es Kunst im öffentlichen Raum, die ältere Frauen zeigt? Und vor allem: Wie möchten wir dargestellt werden?
Lassen Sie uns gemeinsam die Vielfalt feiern, die uns täglich umgibt, und neue Perspektiven auf das Thema Alter und Schönheit gewinnen. Wir freuen uns auf einen inspirierenden Tag voller Entdeckungen!
Von der Idee zum fertigen Sound
Wenn Musik entsteht, ohne dass sie vorher geschrieben ist, dann öffnet sich ein Raum, in dem Begegnung neu erfunden wird. Vokale Improvisation ist nicht nur ein musikalischer, sondern ein sozialer Akt – ein Hineinhorchen in sich selbst und zugleich in das Gegenüber. Was entsteht, ist mehr als Klang: Es ist Kommunikation, Beziehung, Resonanz.
Raum für Risse in und um die Kartäuserkirche. Risse wurden durch Bilder, Geschichten, Lesungen, Installationen und partizipativer Kunst sichtbar und hörbar. Dem ‚meltdown‘ (siehe Titelbild), konnte man beim Schmelzen zusehen. Ein Schale wurde mit Kintsugikunst durch goldene Fugen kollektiv repariert, ein Scherbenhaufen für irreparable Risse wurde mit Themen beschriftet, Texte fanden ihren Weg in ein Buch für Risse, das ist nur ein kleiner Teil der Impulse dieses Raumes. Hier ein kleiner Ausschnitt: 
‚Ich denke, in diesen Zeiten leben mehr Menschen in Zerissenheiten und zwischen den Welten als in einheimischen Eindeutigkeiten. Vielleicht sollten wir die Netzwerke aller im Dazwischen weltweit stärken und die Kunst und die Comunities des Dazwischens stärker würdigen… Vielleicht ist so der Schmerz und Ohnmacht besser auszuhalten…. was meinst du?“ Kölnerin mit binationaler Familie September 2025
Seine Oma in Köln schreibt:


In der Welt der Kunst ist der Weg oft ebenso bedeutend wie das Ziel. Für den Künstler Manfred Schmidt, dessen Wurzeln in der Kunstakademie Düsseldorf liegen, ist dieser Weg ein lebendiger Organismus, vergleichbar mit einem Baum, dessen Äste sich in verschiedene Richtungen bewegen. „Wenn man offen ist, hält man öfters an und biegt auch manchmal ab“, erklärt er. Die Metapher beschreibt nicht nur seine künstlerische Entwicklung, sondern auch die ständige Suche nach neuen Ausdrucksformen.
Sein Herz schlägt für seinen Garten im Bergischen Land, der für ihn Ort der Inspiration und des Schaffens ist. Hier kultiviert er über 100 verschiedene Pflanzen und lässt die Bäume individuelle Richtungen einschlagen: „So entsteht ein sich stetig wandelndes Gebilde, das nicht nur das Auge ansprechen soll, sondern auch Raum für andere Kreaturen schafft“, erklärt er leidenschaftlich. Diese Nähe zur Natur spiegelt sich auch in seiner Kunst wider – neben der gegenständlichen Malerei arbeitet er ebenso abstrakt und baut Skulpturen, am liebsten, wenn Glyzinien oder wilder Wein den Dialog mit den Objekten noch befördern.