Kategorie: Neues aus der Akademie (Seite 1 von 6)

„Brot & Buch & Innenhof“: Semestereröffnung der Melanchthon-Akademie

MAK-Leiter Pfarrer Dr. Martin Bock und Verwaltungsmitarbeiter Matthias Franke interpretierten John Lennons Song „Imagine“.

MAK-Leiter Pfarrer Dr. Martin Bock und Verwaltungsmitarbeiter Matthias Franke interpretierten John Lennons Song „Imagine“.

„Was ist reparierbar und was nicht?“ Diese Frage hat die Eröffnung des 2. Halbjahres der Melanchthon-Akademie (MAK) in der Kölner Südstadt dominiert. Gleichwohl ging es an diesem spätsommerlichen Abend im zentralen Innenhof des Hauses der Evangelischen Kirche auch um Ermutigung, Inspiration und Trost. Wie gewohnt machten MAK-Leiter Dr. Martin Bock, die Studienleitenden sowie weitere MAK-Mitarbeitende mit individuell gestalteten Buchvorstellungen neugierig auf Veranstaltungen der Bildungseinrichtung in den nächsten Monaten. Willkommen geheißen wurden die Besuchenden in der „(UN)REPARIER-BAR“ mit John Lennons Song „Imagine“ in der Interpretation von Sänger Bock und dem Gitarre spielenden MAK-Webmaster Matthias Frank.

„Unsere Welt, unser Kontinent, unsere Stadt, unsere Seelen und Herzen brauchen Reparatur in diesen Zeiten“, verwies Bock auch auf den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt am Vortag. „Wie damit umgehen, was unreparierbar ist?“ Dem wolle man aus den verschiedenen Perspektiven des MAK-Programms auf den Grund gehen und vor dem Austausch bei Brot und Getränken die Gäste auf heilsame und wirksame Gedanken bringen.

Annika Kruger-Bremicker: „Lieber Max,“

Zunächst tauschte sich Studienleiterin Lena Marie Felde mit Annika Kruger-Bremicker über deren Dachbodenfund, dessen Geschichte und die Folgen aus. Kruger-Bremicker waren die im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges begonnenen Tagebücher ihrer Großmutter Gisela in die Hände gefallen: „Ich konnte nicht aufhören, darin zu lesen“. Aus ihnen stellte die Enkelin schließlich ein Buch zusammen. Am 8. Oktober wird es in der MAK vorgestellt. Eigentlicher Adressat der Tagebücher war Giselas 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geratener Mann Max. Bis zu seiner Heimkehr habe seine Frau für ihn sechs Jahre lang Seite um Seite gefüllt, so Kruger-Bremicker. „Meine Oma wollte ihm berichten, wie das Leben im Krieg und danach war, wie es ihr ergangen ist in seiner Abwesenheit.“ Die Autorin empfindet diese stille Arbeit ihrer Oma als einen Brückenschlag zu ihrem Mann, als Versuch, deren Beziehung und Liebe aufrecht zu erhalten. Quasi „diese verlorene Zeit für ihn zu reparieren und wiederzubringen“.

„Politische Theologie der Modernen Welt“

Studienleiterin Lena Marie Felde und Autorin Annika Kruger-Bremicker tauschten sich aus.

Studienleiterin Lena Marie Felde und Autorin Annika Kruger-Bremicker tauschten sich aus.

Antje Rinecker widmete sich mit „Politische Theologie der Modernen Welt“ dem 2021 vorgelegten, letzten Buch von Jürgen Moltmann. Darin habe er seinen wachsenden Glauben und sein theologisches Denken zusammengebracht. Sie nannte den 2024 hochbetagt Verstorbenen einen der großen Theologen des 20./21. Jahrhunderts. Atheistisch aufgewachsen, habe er in britischer Kriegsgefangenschaft eine Bibel in die Hand bekommen. „Und dann ist das passiert, was ihn sein ganzes Leben beschäftigt hat.“ Besonders berührt haben die Studienleiterin an diesem „sehr gut zu lesenden“ Buch zwei Punkte: „Es hat mir Zusammenhänge erschlossen, von denen ich vorher nichts wusste.“ Zweitens hat es „mich getröstet angesichts der Situation in unserer Welt auch schon vor dem gestrigen Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt“. Rinecker beklagte, dass durch eine zunehmend entfesselte Sprache und einfach Machtinteressen legitimierende entfesselte Theologie, sie nannte beispielhaft Patriarch Kyrill I. in Russland, die Theologie einen unreparierbaren Schaden erfahren könne. „Dann stehe ich da mit meiner Leidenschaft für das Christentum, meiner Spiritualität und der tiefen Überzeugung, dass theologisches Denken so viel zu geben hat und zur Reparierbarkeit der Welt beitragen kann.“ Und das funktioniere in diesem Buch, in dem es darum gehe, was christliche Theologie in der Verantwortung für die Welt zu bieten habe. „Es kommt im Buch zusammen, was uns sonst so leicht auseinanderfällt: nämlich Denken und Glauben.“

„Ist denn schon alles gesagt?“

Bock hatte neben Büchern eine Erfahrung im Gepäck, „die alle etwas mit Kommunikation, Erzählen, Zuhören zu tun haben“. Er blickte kurz zurück auf eine Reise im Juli mit einer fast dreißigköpfigen Gruppe auf den Spuren der Familie Bonhoeffer in Polen sowie Sachsen-Anhalt. Kurz vor der dortigen Landtagswahl habe man in einer Kleinstadt erst nach längerem Suchen kleine Plakate demokratischer Parteien gefunden, aber keines von der AfD. „Was für eine gespenstige Atmosphäre. Der Gedanke kam auf: Ist hier schon alles klar und geredet worden?“

Reden lassen und zuhören

Nach ihrem Wahlkampf 2024 in Thüringen, in dem die Bundestagsabgeordnete Kathrin Göring-Eckhardt (Grüne) auf fast jeder Veranstaltung  nicht zu Wort gekommen und aggressiv beschimpft worden sei, habe sie die Tür hinter sich nicht zugeschlagen, sondern ein Buch geschrieben: „Deutschland, lass uns reden, Eine Reise durch die Seele der Republik“. Dafür habe sie sich mit vielen Menschen getroffen, sich Zeit genommen, auf Wut, Verwundungen, Haltlosigkeit, Überforderung, Sorgen und Lasten zu hören, sagte Bock. Und die Politikerin habe das, „was gesagt werden musste“, erst mal wirken lassen. Dabei habe sie gemerkt, dass die Wut der Gesprächspartner deutlich abgenommen habe – und ihre eigene Wut auf die Wütenden immer kleiner geworden sei. In ihrem Buch folge Göring-Eckhardt den Spuren ihrer Gespräche und Erfahrungen, so Bock. Am Ende stehe ein Schwenk zur Zuversicht, dass man durch das Zuhören und Reden lassen schließlich „wieder Grund findet, Grund, Mut in die Demokratie zu haben“.

„Jenseits der Brandmauer. Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“

Mitglieder des Pädagogischen Teams und Verwaltungsteams der Melanchthon-Akademie sowie Gäste sprachen und musizierten zum Thema „Was ist reparierbar und was nicht?“

Mitglieder des Pädagogischen Teams und Verwaltungsteams der Melanchthon-Akademie sowie Gäste sprachen und musizierten zum Thema „Was ist reparierbar und was nicht?“

„Feine Sahne Fischfilet – was fällt Ihnen dazu ein?“, fragte Dorothee Schaper in die Runde. Einige wussten Bescheid. Die Studienleiterin wollte nicht auf eine Speisevariante hinaus, sondern auf die Polit-Punk-Band aus Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern. Noch genauer: auf deren Frontsänger Jan Gorkow. Unter seinem Spitznamen Monchi erschien jüngst das Buch „Jenseits der Brandmauer. Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz“. Sein „Plädoyer gegen Schwarz-Weiß-Denken und für den Versuch eines Miteinanders“ ist Pfarrerin Schaper im Urlaub „über den Weg gelaufen“. Es handele von Monchis Rückumzug nach Jarmen. In seinem Geburtsort, „wo er fast jeden kennt“, erreichte die AfD bei der letzten Bundestagswahl 54 Prozent der Stimmen. Er habe es kaum fassen können, so Schaper. „Und dann schreibt er seine Erfahrung auf aus seinem Dorf.“ Er betone, dass er sich nicht von hier vertreiben lasse, sondern hier leben und bleiben wolle. Schaper berührt sein Buch, „weil er nicht aufhört zu reparieren, nicht aufgibt, und den Menschen, die im Alltag so sein wollen, wie sie sind, Mut macht“. Ermutigt hat es auch die Pfarrerin, die nach der oben genannten Studien- und Gedenkreise selbst durch „Meck-Pomm“ gereist ist und „viele Menschen getroffen hat, die dort leben wollen, so wie sie sind.“

Maximaler Gewinn und die Flucht von der Erde als Ziele der Tech-Elite

„Die Welt reparieren mag das Ziel einer demokratischen Öffentlichkeit sein. Aber nicht alle wollen das“, stellte Matthias Frank fest. „Eine Tech-Elite hat ganz andere Ziele: maximalen Gewinn und letztlich die Flucht von der Erde.“ Genau das arbeite Douglas Rushkoff in seinem Buch „Survival of the Richest. Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind“ heraus. Der US-amerikanische Professor für Medientheorie und digitale Ökonomie betrachte die Welt des digitalen Kapitalismus aus einer kapitalismuskritischen und humanistischen Perspektive, sagte Frank. Als Insider der Tech-Szene habe der Autor deren Entwicklung in Kalifornien seit den 1980er Jahren begleitet, beschrieben und auch als Theoretiker beeinflusst. „Dabei sieht er heute eine seltsame Mischung aus Angst und Weltherrschaftsphantasien bei deren Protagonisten am Werk.“

Mit ihrer Reise zum Mars wollten sie sich und wenige Auserwählte vor einer zusammenbrechenden Welt in Sicherheit bringen. Das Mindset der Tech-Elite bildet laut Frank den zentralen Begriff in Rushkoffs Ausführungen. Danach speise sich deren Gedankenwelt und Handlungskraft aus digitaler Technologie und Kapitalismus. „Zerstörung von Kulturen und Volkswirtschaften, von Ökosystemen und Nachbarschaften ist nicht Kollateralschaden, sondern durchaus beabsichtigt“, so Frank. „Wer unsere Welt heute verstehen will, kommt um die Tech-Elite, deren Gedankenwelt und Protagonisten nicht herum.“ Rushkoff liefere den Schlüssel zu ihrem Verständnis.

„Vieles, was nicht mehr gerettet, repariert oder aufgehalten werden kann.“

Oft würden Hoffnungen auf ein erfolgreiches Reparieren am Ende nur enttäuscht, gab Dr. Stefan Hößl zu bedenken. Er verstehe das Bedürfnis, etwas heilen, richten zu wollen. Darin aber spiegelten sich mit Blick auf die Welt doch oft Sehnsüchte und Projektionen – viel mehr als reale Möglichkeiten bestünden. Denn auf absehbare Zeit gebe es vieles, was nicht mehr gerettet, repariert oder, wie der Klimawandel, aufgehalten werden könne, meinte der Studienleiter. Der unbedingte Wunsch nach Instandsetzung verstellt laut Hößl den Blick auf ganz andere Notwendigkeiten. Auch angesichts gegenwärtiger Erscheinungsformen des Antisemitismus fragte der auf diesen Bereich spezialisierte Erziehungswissenschaftler, wo wir denn anfangen sollten mit dem Heilen.

So nehme er wahr, dass Menschen in seinem nahen Umfeld „auch fast 82 Jahre nach Auschwitz keinen Begriff von Antisemitismus haben“. Mit „großem Gewinn gelesen“ hat Hößl das von ihm vorgestellte Buch „Antisemitismus definieren. Anleitung zur Abgrenzung“ von Nikolas Lelle und Tom Uhlig. Der Sozialphilosoph und der Sozialpsychologe griffen darin „die Missverständnisse, Leerstellen und Verkürzungen um Antisemitismus“ auf, um den Begriff und „das Phänomen am Ende besser fassen zu können“. Es gehe eben nicht nur um das Reparieren. „Es geht vor allem um eine Schärfung des Blicks, um realen Problemsituationen am Ende besser begegnen zu können als bisher.“ Ganz konkret gehe es um einen realistischeren Kampf gegen Antisemitismus im privaten und öffentlichen Raum.

Nachhaltigkeitsideen voranbringen

Dr. Martin Horstmann empfahl die Publikation „Aufbäumen gegen Dürre und Fluten. Wie uns die Natur helfen kann, den Wassernotstand zu beenden. Alles über regenerative Landwirtschaft, Schwammstädte, Klimalandschaften & Co.“ von Ute Scheub und Stefan Schwarzer. Der Studienleiter zeigte sich „sehr geflasht“ von diesem „sehr konstruktiv-positiv“ verfassten Buch. Es nehme einen mit, mache Lust aufs Tüfteln. Lust darauf, sich mit „low tech“ und „einfachen Lösungen“ auf den Weg zu machen und kleine Nachhaltigkeitsideen voranzubringen – auch innerhalb von MAK-Angeboten. Zu unseren Aufgaben zählte Horstmann „nicht groß im Wege zu stehen, nicht noch mehr kaputt zu machen.“ Zu seinen „kleinen Erkenntnissen“ gehört beispielsweise, dass das in Pflanzen gespeicherte Wasser „Grünes Wasser“ genannt wird. Wer Bäume pflanze, pflanze Wasser. Wer begrüne, wirke positiv auf das Mikroklima und Schließen von Wasserkreisläufen ein. Er plädierte, „Nachhaltigkeit mit der Debatte um Krisenresilienz zu verknüpfen“. Auch bezogen auf den Umgang von Kirche und Diakonie mit den immer spürbarer werdenden klimatischen Veränderungen.

Denk-Erzähl-Essay: „Die Arbeit der Vögel“

Lea Braun beschloss den Reigen der Buchvorstellungen mit „Die Arbeit der Vögel. Seelenstenogramme“ von Marica Bodrožić. „Sie beschäftigt sich mit der Flucht Walter Benjamins im September 1940 über die Pyrenäen“, nach deren Gelingen der Schriftsteller und Philosoph sich das Leben genommen habe. Sie wandere auf dessen Pfad und verwebe ihre Biografie mit der damaligen Zeit „ganz künstlerisch“, fasste die Studienleiterin zusammen. Für Braun ist dieses „so dicht geschriebene“ Werk „nicht wirklich“ ein Roman, sondern „irgendwie ein Denk-Erzähl-Essay“. Darin streife Bodrožić Themen von Trauma, Erinnerung und Zugehörigkeit, Verlust, Philosophie und Psychoanalyse. „Und auch das Thema Flucht ist immer wieder präsent.“

Text und Fotos: Engelbert Broich

„Brot und Buch“ lädt am 7. September auf das Kartäusergelände

Neulich in der „Theologischen Akademie am Vormittag“:

15 Menschen haben Prosa, Gedichte, Texte, Musik mitgebracht, die sie mit dem Thema „Widerstand“ verbinden. „Die Romantherapie“ heißt die Methode, mit der wir die Kraft geschriebener und gelesener Worte in eine gemeinsame Mitte sprechen. Für einen Moment empfinden alle stark mit, welcher Impuls von Literatur und Kunst ausgeht, die aus dem individuellen Genuss zu einem Kollektivum wird! Ich liebe in der Erwachsenenbildung diesen Augenblick, in dem Dozierende von ihrem vorgetragenen „Wissen“ zurücktreten und sich das Erfahrungs- und Lebenswissen einer Lerngruppe entfalten kann.

Auf dem Titelbild des Programm sehen Sie eine Lerngruppe der EFI-Community „Erfahrungswissen für Initiativen“, die sich in der Melanchthon-Akademie trifft, um sich gegenseitig zu inspirieren, bereits vorhandene Ideen weiterzuentwickeln oder in Projekte einfließen zu lassen. Persönlichkeitsentwicklung, Engagement für eine demokratiefähige Gesellschaft und Anstöße zur Organisationsentwicklung kommen im EFI-Projekt zusammen – einem Angebot für Menschen im nachberuflichen Leben, die ihre Talente und Erfahrungen sinnvoll einbringen wollen. Wir sind sehr dankbar für dieses, auch von der Stadt Köln mitgeförderte Programm und die Kraft, die es – sichtbar! – entfaltet. Herzlichen Dank an alle, die es mittragen und an unsere Dozentinnen Eva-Maria Antz, Lisa Frohn und Karin Nell! Wenn Sie sich dafür interessieren und mehr wissen möchten, lesen Sie auf Ss. 8 ff.

Unser Programm nimmt Sie auch mit in eine andere Community der Akademie: die Schreibwerkstatt unserer Dozentin Claudia Satory. Kurze Augenblicks-Gedichte aus ihrem Kurs, HAIKUS, durchziehen deshalb die Seiten unseres Magazins.

Dieses Halbjahr wird das letzte sein, das sich zwischen Sachsenring und dem Haus der Kirche abspielt. Im Februar 2027 ist der Umzug der Melanchthon-Akademie in das neue „Haus der Bildung“ am Kartäuserwall 24b geplant, in das wir zusammen mit den anderen evangelischen Bildungseinrichtungen einziehen. Helle, große, einladende und kommunikative Räume erwarten uns, ein Miteinander des Lernens und Lebens mit Menschen verschiedener Generationen auf dem CampusKartause (www.campuskartause.de). Wir halten Sie über unsere Webseite und bei jeder Anmeldung über die Veränderungen auf dem Laufenden.

Seit Anfang Mai ist unsere Kollegin Dorothee Schaper aus ihrem Kontaktstudium des Ökumenischen Rates der Kirchen in Palästina wieder in der Akademie. Herzlich willkommen zurück! Ihre Erfahrungen fließen auch in die Gestaltung des Fachbereichs „Theologie treiben“ ein. Wir sind auf den Austausch mit Ihnen gespannt.

Martin Bock

Martin Bock

Bleibt, Sie herzlich zu unserer Semestereröffnung „Buch und Brot“ am Montag, 7. September, ab 18 Uhr in das Haus der Kirche einzuladen. Das Thema „Reparierbar?!“ nehmen wir als roten Faden unserer Buch- und Themenvorschau mit in diesen Abend.

Für das Team der Akademie

Martin Bock

 

Herzliche Einladung zur Programmeröffnung am 7. September mit dem bewährten

BROT UND BUCH

Foto: Lea Braun

Das gesamte Team der Melanchthon Akademie lädt Sie wieder herzlich ein

mit uns das kommende Halbjahr zu eröffnen:

Mit Brot und Buch ziehen wir durch das Kartäusergelände

und stellen ihnen in Ecken und Innenhöfen

unsere Lieblingsbücher

zum Stichwort

Un-reparierbar?

vor:

Unsere Welt, unser Kontinent, unsere Stadt, unsere Seelen und Herzen brauchen Reparatur in diesen Zeiten. Was ist reparierbar und was nicht?

Und wie gehen wir mit dem, was unreparierbar ist um? Dem wollen wir aus den verschiedenen Perspektiven unseres Programmes mit unseren Buchvorstellungen auf den Grund gehen und bei Brot und Getränk im schönen Kartäusergelände mit ihnen ins Gespräch kommen.

Herzlich Willkommen!

Montag, 7.9., 18 Uhr

Treffpunkt: Im Hof vor der Kartäuserkirche

“Action speaks louder than words”?! Neues Programm der Melanchthon-Akademie für die zweite Jahreshälfte

Das neue Programm der Melanchthon-Akademie für die zweite Jahreshälfte ist nun erschienen und an mehr als 4300 Haushalte, an öffentliche Kultur-Orte und Gemeinden in Köln und Region verschickt worden. Interessierte können es ab sofort online einsehen, sich informieren und anmelden.

Köln. In einer zunehmend komplexen Welt neigen wir dazu, Krisen, gesellschaftlichen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen rein kognitiv zu begegnen: Wir analysieren, debattieren und theoretisieren – und stoßen dabei oft an die Grenzen dessen, was sich begreifen und verbal benennen lässt. Unter dem Leitmotiv „Action speaks louder than words?!“ wagt das neue Programm der Melanchthon-Akademie das bewusste Überschreiten der reinen Intellektualisierung, um Lernerfahrungen zu ermöglichen, die nicht nur den Kopf ansprechen, sondern den ganzen Menschen. Das Ziel: Ein praktischer, weltzugewandter und spürbarer Zugang zur Wirklichkeit, der neben dem Denken auch den Körper, das gelebte Handeln und die Emotionen als genuine Erkenntnisquellen nutzt. Dabei werden Räume eröffnet, in denen Erkenntnis nicht nur durch das Vermitteln von Theorien entsteht, sondern durch Begegnung, Bewegung, gemeinsames Tun und gelebte Praxis.

„Wir erleben in der Erwachsenenbildung oft Momente, in denen reines Faktenwissen zurücktreten muss, damit sich echtes Erfahrungs- und Lebenswissen entfalten kann“, erklärt Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie. Das aktuelle Veranstaltungsmagazin setzt genau hier an und rückt Erfahrungsräume in den Fokus, in denen Theorie in lebendige Praxis übergeht. Wie die Bewegung von der Kognition zum „Hands-on“-Erleben gelingt, zeigen unter anderem vier programmatische Highlights:

EFI – Erfahrungswissen für Initiativen
Die EFI-Bildungswerkstatt setzt auf das, was Menschen im nachberuflichen Leben bereits mitbringen: Erfahrungen, Fähigkeiten und gelebtes Wissen. Mithilfe des im Beruf gesammelten Expert:innenwissen entsteht hier ein gemeinsamer Lernraum, in dem Teilnehmende ihre Ideen entwickeln, Projekte anstoßen und gesellschaftliche Verantwortung praktisch übernehmen. Hier wird Demokratie diskutiert und gleichzeitig durch die unmittelbare, gemeinschaftliche Entwicklung von Initiativen als lebendiges Handeln erfahrbar gemacht.
EFI-Bildungswerkstatt: Startdatum Di., 6.10., 10 Uhr. Dozentinnen: K. Nell, L. Frohn, E. Antz

Qigong als heilsame Kraft in der Trauerarbeit
Wenn der Verlust eines geliebten Menschen zu Schock und innerer Lähmung führt, versagen rein kognitive Bewältigungsstrategien und Worte oft gänzlich. Trauer ist mehr als ein Gedanke – sie lebt im Körper. Dieses Angebot eröffnet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mitten im Leben – Tod, Sterben und Trauer“ einen Zugang, der nicht primär über Worte oder Erklärungen führt, sondern über Atem, Bewegung und Achtsamkeit. Man übt, dem Stillstand des Todes mit fließenden, körperlichen Bewegungen zu begegnen. Das Denken tritt behutsam in den Hintergrund, während ein intuitives Körperwissen Platz greift und die emotionale Erstarrung über das physische Spüren gelöst wird.
Qigong als heilsame Kraft in der Trauer: Sa., 7.11., 10 Uhr. Dozentin: B. Calenberg

Wir werden, wer wir sind – Un/Doing Age
Wie entsteht Alter eigentlich? Und welche Bilder von Alter tragen wir in uns? Das Älterwerden wird soziologisch und biologisch meist als unveränderliche Tatsache oder starre Kategorie analysiert. Der Ansatz des „Un/Doing Age“ lenkt den Blick sensibel darauf, dass Alter ein fortwährender, aktiver Prozess der eigenen Inszenierung und des körperlichen Erlebens ist. Der Workshop lädt dazu ein, diese Fragen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern die eigenen Altersrollen und Zuschreibungen wahrzunehmen, zu hinterfragen und spielerisch und körperbezogen auszuprobieren, um im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen unsere zeitlose, innere Identität lebendig ausdrücken zu können.
Über die Kunst, das Altern neu zu gestalten. Doing Age: 12.9., 11 Uhr. Dozentin: E. Hopstein

Katrin Göring-Eckardt: „Köln, Deutschland lass uns reden“ – im ökumenischen Gottesdienst und im Gespräch mit Abraham Lehrer
Politische Verantwortung und demokratischer Widerstand erschöpfen sich in Zeiten von Krisen oft in theoretischen Debatten oder starren, medialen Schlagabtauschen. Im Zentrum dieser Begegnung steht nicht das fertige Urteil, sondern die demokratische Praxis des Gesprächs. Wie gelingt Zusammenhalt trotz unterschiedlicher Perspektiven? Wie wird aus politischer Verantwortung konkretes Handeln? Hier wird das „Sich-Verstehen-Wollen“ zu einer aktiven Beziehungsarbeit im städtischen Raum, in der lebendiger Dialog nicht nur Thema ist, sondern eingeübt und erlebt werden kann.
Katrin Göring-Eckardt, MdB und ehemalige Vizepräsidentin des Bundestages, wird – auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Köln – am Fr., 25.9. im Kölner Dom in einem ökumenischen Gottesdienst sprechen und am Mo., 28.9., 18 Uhr, in den Dialog mit Abraham Lehrer, dem stv. Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland im Haus der ev. Kirche, treten.

Gesellschaftliche Resilienz braucht beides: das Denken und das Tun. Die Fähigkeit zur Analyse ebenso wie den Mut, sich berühren zu lassen, Verantwortung zu übernehmen und Erfahrungen zu machen. Denn manches verstehen wir erst wirklich, wenn wir es nicht nur durchdenken, sondern leben.

Die Melanchthon-Akademie des Ev. Kirchenverbandes Köln und Region ist eine anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung und hält ein vielseitiges Programm vor. In jedem Semester finden rund 300 Veranstaltungen statt.

Kontakt:

Melanchthon-Akademie
Sachsenring 6, 50677 Köln

0221.931803-0

www.melanchthon-akademie.de
www.melanchthon-blog.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause kommt nicht zustande

Die geplante christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause wird nicht realisiert. Nach einem intensiven Prozess mit Gesprächen, Begegnungen und gemeinsamer Suche hat sich gezeigt, dass sich nicht genügend Personen verbindlich für das Wohnprojekt interessiert haben.

Die Idee der Wohngemeinschaft war von der Vision getragen, gemeinsames Leben, Glauben und Alltag miteinander zu verbinden. Inspiriert von der ökumenischen Community auf Iona sollte ein Ort entstehen, an dem Menschen ihren Alltag teilen, christliche Spiritualität leben und sich auf eine verbindliche Form des Miteinanders einlassen. Begleitet wurde der Prozess unter anderem von Pfarrerin Charlotte Horn, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln, und Antje Rinecker, Studienleiterin für Spiritualität an der Melanchthon-Akademie.

Auch wenn das Projekt nun nicht umgesetzt wird, bleibt die Dankbarkeit für das große Engagement aller Beteiligten. Viele Menschen haben Zeit, Gedanken, Hoffnungen und Fragen eingebracht. In den Gesprächen wurde spürbar, wie wertvoll es ist, neue Formen christlichen Lebens und Wohnens zu denken und gemeinsam auszuloten. Der Campus Kartause bleibt ein Ort, an dem Gemeinschaft, Glaube und neue Formen kirchlichen Lebens weitergedacht werden. Die Erfahrungen aus dem Prozess der christlichen Wohngemeinschaft werden dabei nicht verloren gehen, sondern können Impulse für künftige Ideen und Entwicklungen geben.

Weitere Informationen:

www.campuskartause.de

Gottesdienst zu ökologischen Themen: „Mensch, Erde!“ am 14. Juni in der Matthäuskirche

Die Erde brennt und die Schöpfung stöhnt: Die ökologische Zerstörung schreitet weiter voran. In Zeiten wie diesen tut es Not, auch die spirituelle Dimension der (Klima-)Krise wahrzunehmen und ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Der nächste Gottesdienst mit dem Titel „Mensch, Erde!“ findet am 14. Juni um 11:15 Uhr in der Matthäuskirche in Köln-Lindenthal statt.

„Mensch, Erde!“ ist eine besondere Gottesdienstform, die der ökologischen Krise einen geistlichen Ort gibt. Ein Ort für Christ:innen, die von Klimawandel und Schöpfungsliebe bewegt sind. Es ist ein liturgisches Format, in dem der Schmerz um Gottes Schöpfung wahrgenommen und den spirituellen Fragen in dieser Krise Raum gegeben wird.

„Mensch, Erde!“ will dabei auch informieren, inspirieren und unterstützen, ins Handeln zu kommen. Die Verbindung von Spiritualität und praktischem Handeln ist ein zentrales Anliegen dieser Gottesdienstform.

„Mensch, Erde!“ ist letztlich von Dorothee Sölles „Politischem Nachtgebet“ inspiriert. Dieses war dafür bekannt, spirituelle Erfahrungen mit den drängendsten gesellschaftlichen Problemen zu verknüpfen. Es bot einen Raum, um die sozialen, politischen und ethischen Fragen ihrer Zeit zu reflektieren. Diese Idee ist es, die wieder aufgegriffen wird.

Getragen wird das „Mensch, Erde!“ von der Evangelischen Studierenden-Gemeinde Köln, der Melanchthon-Akademie und vor allem von engagierten Christ:innen aus Köln.

Der Gottesdienst „Mensch, Erde!““ findet einmal im Quartal in wechselnden Kirchengemeinden in Köln statt. Unter diesem Titel finden seit dem Frühjahr 2022 Gottesdienste zu ökologischen Themen statt.

Frühere Gottesdienste:

22.02.2026 Mensch Erde. Voll rabenschwarzer Zuversicht

16.11.2025 Mensch Erde. Keine Hoffnung ohne Zumutung

07.09.2025 Mensch Erde. Gott und Natur

26.05.2025 Was wäre, wenn wir mutig sind?

16.03.2025 Mensch Erde. Kleidung

19.11.2024 Mensch Erde. Von der Würde der Tiere.

25.08.2024 Mensch Erde. Angst, Wut, Hoffnung in der Klimakrise.

15.03.2024 Mensch Erde. Am Puls der Schöpfung.

08.10.2023 Ökologisches Abendgebet. Zwischen Anpassen und Vorbeugen

23.07.2023 Ökologisches Abendgebet

16.04.2023 Ökologisches Abendgebet. Der Baum – mehr als nur ein Freund

22.01.2023 Ökologisches Abendgebet

13.11.2022 Ökologisches Abendgebet. Vielfalt statt Einfalt

Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“: Warum Helga Winkels Teil des Wohnprojekts werden möchte

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine christliche Wohngemeinschaft geplant. Bald können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Helga Winkels möchte dort einziehen. Sie spricht im Interview darüber, warum sie sich bewusst für ein Leben in Gemeinschaft entschieden hat, welche Hoffnungen und Erwartungen sie mit der christlichen Wohngemeinschaft verbindet, welche Herausforderungen sie sieht – und was ihr persönlich für ein gelingendes, spirituell geprägtes Miteinander wichtig ist.

Warum haben Sie den Wunsch, Teil der neuen christlichen Wohngemeinschaft zu werden?

Helga Winkels: Ich setze mich seit längerem mit dem Gedanken auseinander „Wie möchte ich im Alter leben/wohnen“. Da ich nicht allein, sondern in Gemeinschaft leben und wohnen möchte, bietet es sich natürlich an, eine Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten zu suchen. Das Besondere und was mich am Campus Kartause so fasziniert, begeistert und berührt, ist, dass es sich um eine christliche Wohngemeinschaft handelt: man teilt nicht nur Gemeinschaft, Wohnen, Alltag und Güter miteinander, sondern vor allem auch Spiritualität und moralische Werte.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe und Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der christlichen Wohngemeinschaft?

Helga Winkels: Was ich mir erhoffe, ist auf jeden Fall Gemeinschaft. Man hört viel von Alterseinsamkeit. Dem möchte ich beizeiten vorbeugen. Ist es nicht toll, wenn man sich spontan mit anderen verabreden kann, ohne dass man einen Termin vereinbaren muss, wie das heute oft so üblich ist? Und ist es nicht ferner toll, sich im Rahmen einer Gemeinschaft  gegenseitig zu helfen und zu unterstützen?

Außerdem freue ich mich darauf, dass wir gemeinsam an einem Projekt arbeiten wollen und auf die Spiritualität, die wir gemeinsam leben wollen.

Helga Winkels: Als eine Herausforderung sehe ich auf jeden Fall das Thema: Nähe und Distanz. In den Gesprächen, die wir miteinander als Interessent*innen geführt haben, war das ein großes Thema. Ich glaube, gerade im fortgeschrittenen Alter ist das nochmal ganz besonders wichtig: die Nähe zu anderen, die man sich in einer Wohngemeinschaft wünscht und eine gesunde Distanz.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Helga Winkels: Natürlich möchte und werde ich MICH in die Gemeinschaft einbringen, mit meinen Fertigkeiten und Fähigkeiten, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Ecken und Kanten ;-).

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Helga Winkels: Ich wünsche mir ein Miteinander, das sich durch einen respektvollen und wertschätzenden Umgang auszeichnet, dabei ist es ganz besonders wichtig, den Facetten der anderen mit Offenheit zu begegnen und sie zu respektieren.

Es braucht aber auch den Raum, sich miteinander auseinanderzusetzen, denn nur so können wir als Einzelne und als Gemeinschaft wachsen.

Helga Winkels: Ich wünsche mir Verbundenheit und dass wir Glauben miteinander teilen und praktizieren, z. B. in Form von Andachten, dass wir gemeinsam beten, gemeinsam singen. Gerade auch als Chorsängerin spüre ich immer wieder, wie die Musik und die Worte mich berühren und Kraftquelle sind. Ich möchte, dass unsere gelebte Spiritualität Kraftquelle für unseren Alltag ist. Gerade gestern habe ich in einem Gottesdienst den so schönen Satz mitgenommen: „Ich bin dankbar, unter Deinem Dach in einer Gemeinschaft leben zu können.“ Hier war die Gemeinschaft der Gläubigen gemeint, für mich ist es im Besonderen: die christliche Wohngemeinschaft. Ganz besonders wichtig ist mir auch, dass sich die dort lebenden Menschen wohlfühlen und die Wohngemeinschaft ihr Schutzraum und ihr Zuhause (geworden) ist.

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Pfarrerin Charlotte Horn über Pläne, Prozesse und Perspektiven

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause entwickelt sich weiter: Die geplante christliche Wohngemeinschaft orientiert sich an der Vision der ökumenischen Community auf Iona und verbindet gemeinsames Leben, Glauben und Alltag miteinander. Begleitet wird das Projekt von Pfarrerin Charlotte Horn, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln.

Frau Horn, was ist Ihnen bei den Gesprächen mit den Interessierten besonders aufgefallen? Gab es gemeinsame Erwartungen oder auch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was diese Wohngemeinschaft sein soll?

Charlotte Horn: Wenn wir über konkrete Erwartungen an das Zusammenleben sprechen, gibt es tatsächlich eine gute Schnittmenge. Da, wo es noch nicht zusammenkommt, schauen wir genau hin und gehen in den offenen Austausch. Das heißt, ich moderiere diesen Austausch. Die Gruppe erkennt in der christlichen Ausrichtung nach Iona eine Inspiration für sich. Das war am Abend, als wir mit Pfarrer i.R. Christoph Nötzel darüber ins Gespräch kamen, spürbar.

Unterschiedliche Vorstellungen beziehen sich eher noch auf Praktisches im Alltag. Und manches davon wird sich wohl auch erst im gelebten Alltag ergeben. Deshalb ist es so wichtig, gerade jetzt schon im Vorfeld eine gute Kommunikationskultur grundzulegen, so dass alle den Raum haben, ihre Bedürfnisse und Ansichten zu äußern und an einer gemeinsame Haltung zu arbeiten, die z.B. bedeutet, auch Schwierigkeiten offen anzusprechen.

An welchen Punkten wird gerade besonders deutlich, dass aus den Ideen nun wirklich ein gemeinsames Projekt entsteht?

Charlotte Horn: Hier auf Menschen zu treffen, die bereit sind, sich auf ein Abenteuer einzulassen, das so ein Projekt ja zweifellos auch ist, ist an sich schon verbindend. Sich ernsthaft damit auseinandersetzen, eine gemeinsame Lebensform zu wagen, den eigenen vertrauten Alltag zu öffnen für etwas unkonventionell Neues, führt zusammen, auch wenn die endgültige Entscheidung Einzelner in der Gruppe noch offen ist.

Wie geht es nun weiter?

Charlotte Horn: Wir werden weiter über konkrete Anliegen für das Projekt sprechen, um eine tragfähige Basis zu festigen. Und wir setzen uns gemeinsam mit dem Text der Selbstverpflichtung auseinander, die alle, die mitwohnen, unterschreiben werden. Darin geht es um die Zusage, dass die Einzelnen, die dabei sind, sich mit einer gewissen Verbindlichkeit auf den „Geist“ dieses Zusammenleben einlassen.

Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Mehr Infos: www.campuskartause.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Text: APK
Foto: APK-Archiv

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Pfarrerin Charlotte Horn über die Begehung des Rohbaus

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause nimmt weiter Gestalt an. Die geplante christliche Wohngemeinschaft orientiert sich an der Vision der ökumenischen Community auf Iona und verbindet gemeinsames Leben, Glauben und Alltag. Nun konnten sich Interessierte bei einer Begehung des Rohbaus ein konkretes Bild von den zukünftigen Räumen machen – begleitet wurde der Rundgang von Pfarrerin Charlotte Horn, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln.

Frau Horn, wie sieht es aktuell auf dem Campus Kartause und in den Räumlichkeiten aus?

Charlotte Horn: Wir wurden bei schönem Wetter vom Bauleiter über das Gelände geführt – alle ausgestattet mit Bauhelmen. Der Rohbau steht bereits und gibt einen sehr anschaulichen Eindruck davon, wie es später einmal aussehen wird. Es ist ein sehr großzügiger Bau mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

Die Wohneinheiten, die wir besichtigt haben – im zweiten und dritten Obergeschoss auf der Nordseite – befinden sich noch im Rohbauzustand. Die Gruppe war sehr interessiert: Man ist durch die einzelnen Wohnungen gegangen, hat sich Notizen gemacht, Fragen gestellt und genau hingeschaut – etwa zur Fenstergröße, zum Lichteinfall, zur Position der Steckdosen oder zur Möglichkeit, eine Küche einzubauen. Außerdem wurden die Gemeinschaftsräume besichtigt, ein sehr großzügiger Wohnbereich. Dort entstand spontan der Wunsch in der Gruppe, eine zusätzliche größere Tür einzubauen, die bisher nicht vorgesehen war.

Was hat Sie bei der Begehung am meisten überrascht oder beeindruckt?

Charlotte Horn: Besonders attraktiv sind die zwei Lofts mit Blick auf den Innenhof. Dort kann man sich gut vorstellen, gemeinsam Zeit zu verbringen – abends zusammenzusitzen oder morgens zu frühstücken. Ein besonderes Detail der Wohnungen auf der Nordseite ist, dass man, wenn man vor die Wohnung tritt, den ganzen Tag über die Sonne von Süden genießen kann.  Diese sogenannten Freigänge bieten viel Platz – etwa für ein großes Sofa oder eine kleine Leseecke. Von dort aus gelangt man in einen großzügigen, überdachten Außenbereich, der sehr attraktiv ist. Dort zu sitzen, ist wirklich etwas Besonderes. Die Lage mitten in der Südstadt, im Severinsviertel, ist kaum zu übertreffen. Es bleibt ein insgesamt attraktives Wohnangebot.

Welche Rolle spielt diese Begehung für die Entscheidungsfindung der Interessierten?

Charlotte Horn: Die Begehung war ein ganz wichtiger Schritt: Sie hat geholfen, der Idee der Wohngemeinschaft eine konkrete räumliche und atmosphärische Vorstellung zu geben. Das war für die Entscheidungsfindung der Einzelnen sehr bedeutsam. Es war spürbar, dass große Lust besteht, diesen Ort mit Leben zu füllen. Gleichzeitig wurde aber auch sehr genau geprüft, ob die Wohnungen zu den eigenen Bedürfnissen passen, etwa in Bezug auf Größe oder Ausstattung.

Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Mehr Infos: www.campuskartause.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Text: APK
Foto: APK-Archiv

Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“: Warum Jochen Anger Teil des Wohnprojekts werden möchte

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine christliche Wohngemeinschaft geplant. Bald können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Jochen Anger möchte dort einziehen. Er spricht im Interview darüber, dass er nach dem Ende seines Berufslebens und einer veränderten familiären Situation in der christlichen Wohngemeinschaft die Chance sieht, Glauben bewusst in Gemeinschaft zu leben und der zunehmenden Isolation unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.

Warum haben Sie den Wunsch, Teil der neuen christlichen Wohngemeinschaft zu werden?

Jochen Anger: Anlass ist eine veränderte biographische Situation, Ende des Erwerbslebens und Auflösung der Familie. So sehe ich hier die Möglichkeit, meinen christlichen Glauben jenseits der „bürgerlichen Normalform“ zu leben.

Jochen Anger.

Jochen Anger.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe und Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der christlichen Wohngemeinschaft?

Jochen Anger: Die Begegnung, und sicher auch manche Konfrontation mit den Mitbewohnerinnen, ermöglicht das Einüben von Gemeinschaft, die über eine Wohn- und Zweckgemeinschaft hinausgeht. Damit kann zugleich eine Isolation aufgebrochen werden, die unsere Gesellschaft und auch mich selbst dominiert.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Jochen Anger: Meine Erfahrungen in gemeinschaftlichem Leben (Taizé u.a.) und praktische Talente in organisatorischen und handwerklichen Dingen.

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Jochen Anger: Eine große Offenheit für das Denken, Fühlen und Tun der anderen in dieser Gemeinschaft. Das Suchen und Erkennen von Gemeinsamkeiten und zugleich Respekt vor den Eigenheiten der Mitbewohnerinnen. Die Balance zwischen diesen gegenläufigen Kräften zu finden, ist sicher nicht einfach. Dass wir uns das zutrauen und dafür einander vertrauen, ist eine Voraussetzung für das Gelingen des gemeinsamen Lebens.

Pfarrer Christoph Nötzel über die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrer i.R. Christoph Nötzel bringt die Perspektive der ökumenischen Community of Iona in das Wohnprojekt ein.

Herr Nötzel, was fasziniert Sie persönlich an Iona – und warum passt diese Vision so gut an diesen besonderen Ort in Köln?

Christoph Nötzel: Dann muss ich zuerst ein wenig von Iona erzählen. Iona ist eine kleine Insel – kaum fünf Quadratkilometer groß – vor der schottischen Westküste. Manchmal denke ich, sie hat etwas von Lummerland: überschaubar, windumtost, mit nur einer kleinen Straße. Und doch ist sie seit Jahrhunderten ein Kraftort für Glaube und Kirche.

Von hier aus zogen im frühen Mittelalter iroschottischeMönche nach Europa – getragen von einem Pilgerethos: Christsein heißt, sich auf den Weg zu machen, auch in die Fremde. In den 1930er Jahren wurde die alte Abbey zum Geburtsort der Iona Community, die heute weltweit verstreut lebt – und doch geistlich verbunden ist. Sie engagiert sich für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen, für eine Verbundenheit in Frieden und Gerechtigkeit in und mit der ganzen Schöpfung.

Von Iona sagt man, es sei ein „thin place“ – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Himmel und Erde dünn wird wie ein Stück Seidenpapier. Diese Erfahrung von Verbundenheit prägt die Spiritualität der Community: Gott mitten im Alltag zu suchen – und ihn oder sie dort zu loben, wo es hell ist, aber auch in den Abgründen.

Mich fasziniert genau diese Verbindung: ganz fromm – und zugleich mit beiden Füßen auf der Erde. Mystik und Widerstand, wie Dorothee Sölle es genannt hat. Verständigung suchen, Gerechtigkeit einüben, niemanden ausschließen, gemeinsam Verantwortung tragen – partizipativ von Grund auf. Gottesdienste in alltagsnaher und zugleich poetischer Sprache, voller Rhythmus und Musik, feiern Christus und suchen nach Heilung, Frieden und Gerechtigkeit, nach Liebe und Verbundenheit.

Und das passt erstaunlich gut nach Köln. Diese Stadt kennt Lebensfreude und Widerständigkeit, Nähe und Vielfalt. Am Campus Kartause kann dieser Geist der Verbundenheit – zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen, zwischen Kirche und Stadt – einen sichtbaren Ort bekommen.

Die Iona-Community verbindet geistliches Leben, Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement. Wie könnte diese Haltung ganz konkret den Alltag einer Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause prägen?

Christoph Nötzel: Das ist zunächst eine Frage an die Menschen, die sich entscheiden, dort gemeinsam zu leben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Aber die Aufgaben liegen auf der Hand.

Wie wollen wir Verbundenheit miteinander leben?
Was teilen wir – Zeit, Räume, Verantwortung – und was bleibt individuell? Und wie machen wir das?
Wie gestalten wir unsere Beziehung zum Campus, zur Südstadt, zu den Menschen um uns herum?

Zur Iona-Haltung gehört auch die Frage nach einem gemeinsamen geistlichen Quellort: Gibt es Zeiten des Gebets, des Innehaltens, des Singens? Orte, an denen wir spüren, wie sich Himmel und Erde in uns berühren?

Und nicht zuletzt: Wie finden wir im Alltag eine ökologische Praxis – ein Leben mit der Schöpfung, nicht gegen sie? Nachhaltigkeit beginnt nicht in Programmen, sondern im täglichen Tun.

All das braucht eine Kultur des Respekts: Achtung vor der Einzigartigkeit jedes Menschen, offene Gespräche, die Fähigkeit zuzuhören, auch kritisch zu sein – und dennoch verbunden zu bleiben. Gemeinschaft ist kein fertiger Zustand, sondern ein immer neuer Versuch.

Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht zu etwas Besonderem – auch im Vergleich zu anderen gemeinschaftlichen Wohnformen?

Christoph Nötzel: Wo Menschen zusammen wohnen, suchen sie ein Zuhause. Dass das gelingt – individuell und miteinander – ist nie selbstverständlich.

Hier kommt jedoch eine zusätzliche Dimension hinzu: Der Leitgedanke der Verbundenheit öffnet den Horizont. Es geht nicht nur um das Miteinander unter einem Dach, sondern um eine doppelte, ja dreifache Beziehung:

Verbundenheit nach innen – zwischen den Mitwohnenden.
Verbundenheit nach außen – mit dem gesellschaftlichen und ökologischen Umfeld.
Und Verbundenheit „nach oben“ – im Sinn einer geistlichen Offenheit für Gott.

Oder anders gesagt: Verbundenheit nach innen und außen, nach unten und oben.

Das macht das Projekt anspruchsvoll – und zugleich besonders. Es ist mehr als eine Wohngemeinschaft. Es ist ein Lebensversuch.

Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, Teil dieser Wohngemeinschaft zu werden: Was würden Sie dieser Person sagen?

Christoph Nötzel: Wer hier glücklich werden und ein Zuhause finden möchte, sollte ein kommunikativer Mensch sein. Damit meine ich nicht zuerst: viel reden. Sondern zuhören können. Sich einfühlen. Auf andere zugehen. Verständigung suchen. Kompromisse aushalten. Teil-nehmen und teil-haben.

Fragen Sie sich: Bewegt mich das?
Habe ich eine spirituelle Empfänglichkeit – und zugleich den Mut, mich gesellschaftlich einzubringen?
Bin ich bereit, nicht nur für mich zu wohnen, sondern mit anderen zu leben?

Gemeinschaft trägt – aber sie fordert auch.
Wenn Sie spüren, dass dieser Geist von Iona Sie innerlich anspricht, dann könnte es sein, dass hier ein zukünftiges Zuhause auf Sie wartet.

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