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Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“: Warum Helga Winkels Teil des Wohnprojekts werden möchte

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine christliche Wohngemeinschaft geplant. Bald können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Helga Winkels möchte dort einziehen. Sie spricht im Interview darüber, warum sie sich bewusst für ein Leben in Gemeinschaft entschieden hat, welche Hoffnungen und Erwartungen sie mit der christlichen Wohngemeinschaft verbindet, welche Herausforderungen sie sieht – und was ihr persönlich für ein gelingendes, spirituell geprägtes Miteinander wichtig ist.

Warum haben Sie den Wunsch, Teil der neuen christlichen Wohngemeinschaft zu werden?

Helga Winkels: Ich setze mich seit längerem mit dem Gedanken auseinander „Wie möchte ich im Alter leben/wohnen“. Da ich nicht allein, sondern in Gemeinschaft leben und wohnen möchte, bietet es sich natürlich an, eine Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten zu suchen. Das Besondere und was mich am Campus Kartause so fasziniert, begeistert und berührt, ist, dass es sich um eine christliche Wohngemeinschaft handelt: man teilt nicht nur Gemeinschaft, Wohnen, Alltag und Güter miteinander, sondern vor allem auch Spiritualität und moralische Werte.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe und Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der christlichen Wohngemeinschaft?

Helga Winkels: Was ich mir erhoffe, ist auf jeden Fall Gemeinschaft. Man hört viel von Alterseinsamkeit. Dem möchte ich beizeiten vorbeugen. Ist es nicht toll, wenn man sich spontan mit anderen verabreden kann, ohne dass man einen Termin vereinbaren muss, wie das heute oft so üblich ist? Und ist es nicht ferner toll, sich im Rahmen einer Gemeinschaft  gegenseitig zu helfen und zu unterstützen?

Außerdem freue ich mich darauf, dass wir gemeinsam an einem Projekt arbeiten wollen und auf die Spiritualität, die wir gemeinsam leben wollen.

Helga Winkels: Als eine Herausforderung sehe ich auf jeden Fall das Thema: Nähe und Distanz. In den Gesprächen, die wir miteinander als Interessent*innen geführt haben, war das ein großes Thema. Ich glaube, gerade im fortgeschrittenen Alter ist das nochmal ganz besonders wichtig: die Nähe zu anderen, die man sich in einer Wohngemeinschaft wünscht und eine gesunde Distanz.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Helga Winkels: Natürlich möchte und werde ich MICH in die Gemeinschaft einbringen, mit meinen Fertigkeiten und Fähigkeiten, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Ecken und Kanten ;-).

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Helga Winkels: Ich wünsche mir ein Miteinander, das sich durch einen respektvollen und wertschätzenden Umgang auszeichnet, dabei ist es ganz besonders wichtig, den Facetten der anderen mit Offenheit zu begegnen und sie zu respektieren.

Es braucht aber auch den Raum, sich miteinander auseinanderzusetzen, denn nur so können wir als Einzelne und als Gemeinschaft wachsen.

Helga Winkels: Ich wünsche mir Verbundenheit und dass wir Glauben miteinander teilen und praktizieren, z. B. in Form von Andachten, dass wir gemeinsam beten, gemeinsam singen. Gerade auch als Chorsängerin spüre ich immer wieder, wie die Musik und die Worte mich berühren und Kraftquelle sind. Ich möchte, dass unsere gelebte Spiritualität Kraftquelle für unseren Alltag ist. Gerade gestern habe ich in einem Gottesdienst den so schönen Satz mitgenommen: „Ich bin dankbar, unter Deinem Dach in einer Gemeinschaft leben zu können.“ Hier war die Gemeinschaft der Gläubigen gemeint, für mich ist es im Besonderen: die christliche Wohngemeinschaft. Ganz besonders wichtig ist mir auch, dass sich die dort lebenden Menschen wohlfühlen und die Wohngemeinschaft ihr Schutzraum und ihr Zuhause (geworden) ist.

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Pfarrerin Charlotte Horn über Pläne, Prozesse und Perspektiven

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause entwickelt sich weiter: Die geplante christliche Wohngemeinschaft orientiert sich an der Vision der ökumenischen Community auf Iona und verbindet gemeinsames Leben, Glauben und Alltag miteinander. Begleitet wird das Projekt von Pfarrerin Charlotte Horn, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln.

Frau Horn, was ist Ihnen bei den Gesprächen mit den Interessierten besonders aufgefallen? Gab es gemeinsame Erwartungen oder auch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was diese Wohngemeinschaft sein soll?

Charlotte Horn: Wenn wir über konkrete Erwartungen an das Zusammenleben sprechen, gibt es tatsächlich eine gute Schnittmenge. Da, wo es noch nicht zusammenkommt, schauen wir genau hin und gehen in den offenen Austausch. Das heißt, ich moderiere diesen Austausch. Die Gruppe erkennt in der christlichen Ausrichtung nach Iona eine Inspiration für sich. Das war am Abend, als wir mit Pfarrer i.R. Christoph Nötzel darüber ins Gespräch kamen, spürbar.

Unterschiedliche Vorstellungen beziehen sich eher noch auf Praktisches im Alltag. Und manches davon wird sich wohl auch erst im gelebten Alltag ergeben. Deshalb ist es so wichtig, gerade jetzt schon im Vorfeld eine gute Kommunikationskultur grundzulegen, so dass alle den Raum haben, ihre Bedürfnisse und Ansichten zu äußern und an einer gemeinsame Haltung zu arbeiten, die z.B. bedeutet, auch Schwierigkeiten offen anzusprechen.

An welchen Punkten wird gerade besonders deutlich, dass aus den Ideen nun wirklich ein gemeinsames Projekt entsteht?

Charlotte Horn: Hier auf Menschen zu treffen, die bereit sind, sich auf ein Abenteuer einzulassen, das so ein Projekt ja zweifellos auch ist, ist an sich schon verbindend. Sich ernsthaft damit auseinandersetzen, eine gemeinsame Lebensform zu wagen, den eigenen vertrauten Alltag zu öffnen für etwas unkonventionell Neues, führt zusammen, auch wenn die endgültige Entscheidung Einzelner in der Gruppe noch offen ist.

Wie geht es nun weiter?

Charlotte Horn: Wir werden weiter über konkrete Anliegen für das Projekt sprechen, um eine tragfähige Basis zu festigen. Und wir setzen uns gemeinsam mit dem Text der Selbstverpflichtung auseinander, die alle, die mitwohnen, unterschreiben werden. Darin geht es um die Zusage, dass die Einzelnen, die dabei sind, sich mit einer gewissen Verbindlichkeit auf den „Geist“ dieses Zusammenleben einlassen.

Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Mehr Infos: www.campuskartause.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Text: APK
Foto: APK-Archiv

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Pfarrerin Charlotte Horn über die Begehung des Rohbaus

Das gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause nimmt weiter Gestalt an. Die geplante christliche Wohngemeinschaft orientiert sich an der Vision der ökumenischen Community auf Iona und verbindet gemeinsames Leben, Glauben und Alltag. Nun konnten sich Interessierte bei einer Begehung des Rohbaus ein konkretes Bild von den zukünftigen Räumen machen – begleitet wurde der Rundgang von Pfarrerin Charlotte Horn, Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln.

Frau Horn, wie sieht es aktuell auf dem Campus Kartause und in den Räumlichkeiten aus?

Charlotte Horn: Wir wurden bei schönem Wetter vom Bauleiter über das Gelände geführt – alle ausgestattet mit Bauhelmen. Der Rohbau steht bereits und gibt einen sehr anschaulichen Eindruck davon, wie es später einmal aussehen wird. Es ist ein sehr großzügiger Bau mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

Die Wohneinheiten, die wir besichtigt haben – im zweiten und dritten Obergeschoss auf der Nordseite – befinden sich noch im Rohbauzustand. Die Gruppe war sehr interessiert: Man ist durch die einzelnen Wohnungen gegangen, hat sich Notizen gemacht, Fragen gestellt und genau hingeschaut – etwa zur Fenstergröße, zum Lichteinfall, zur Position der Steckdosen oder zur Möglichkeit, eine Küche einzubauen. Außerdem wurden die Gemeinschaftsräume besichtigt, ein sehr großzügiger Wohnbereich. Dort entstand spontan der Wunsch in der Gruppe, eine zusätzliche größere Tür einzubauen, die bisher nicht vorgesehen war.

Was hat Sie bei der Begehung am meisten überrascht oder beeindruckt?

Charlotte Horn: Besonders attraktiv sind die zwei Lofts mit Blick auf den Innenhof. Dort kann man sich gut vorstellen, gemeinsam Zeit zu verbringen – abends zusammenzusitzen oder morgens zu frühstücken. Ein besonderes Detail der Wohnungen auf der Nordseite ist, dass man, wenn man vor die Wohnung tritt, den ganzen Tag über die Sonne von Süden genießen kann.  Diese sogenannten Freigänge bieten viel Platz – etwa für ein großes Sofa oder eine kleine Leseecke. Von dort aus gelangt man in einen großzügigen, überdachten Außenbereich, der sehr attraktiv ist. Dort zu sitzen, ist wirklich etwas Besonderes. Die Lage mitten in der Südstadt, im Severinsviertel, ist kaum zu übertreffen. Es bleibt ein insgesamt attraktives Wohnangebot.

Welche Rolle spielt diese Begehung für die Entscheidungsfindung der Interessierten?

Charlotte Horn: Die Begehung war ein ganz wichtiger Schritt: Sie hat geholfen, der Idee der Wohngemeinschaft eine konkrete räumliche und atmosphärische Vorstellung zu geben. Das war für die Entscheidungsfindung der Einzelnen sehr bedeutsam. Es war spürbar, dass große Lust besteht, diesen Ort mit Leben zu füllen. Gleichzeitig wurde aber auch sehr genau geprüft, ob die Wohnungen zu den eigenen Bedürfnissen passen, etwa in Bezug auf Größe oder Ausstattung.

Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Mehr Infos: www.campuskartause.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Text: APK
Foto: APK-Archiv

Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“: Warum Jochen Anger Teil des Wohnprojekts werden möchte

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine christliche Wohngemeinschaft geplant. Bald können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Jochen Anger möchte dort einziehen. Er spricht im Interview darüber, dass er nach dem Ende seines Berufslebens und einer veränderten familiären Situation in der christlichen Wohngemeinschaft die Chance sieht, Glauben bewusst in Gemeinschaft zu leben und der zunehmenden Isolation unserer Gesellschaft etwas entgegenzusetzen.

Warum haben Sie den Wunsch, Teil der neuen christlichen Wohngemeinschaft zu werden?

Jochen Anger: Anlass ist eine veränderte biographische Situation, Ende des Erwerbslebens und Auflösung der Familie. So sehe ich hier die Möglichkeit, meinen christlichen Glauben jenseits der „bürgerlichen Normalform“ zu leben.

Jochen Anger.

Jochen Anger.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe und Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der christlichen Wohngemeinschaft?

Jochen Anger: Die Begegnung, und sicher auch manche Konfrontation mit den Mitbewohnerinnen, ermöglicht das Einüben von Gemeinschaft, die über eine Wohn- und Zweckgemeinschaft hinausgeht. Damit kann zugleich eine Isolation aufgebrochen werden, die unsere Gesellschaft und auch mich selbst dominiert.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Jochen Anger: Meine Erfahrungen in gemeinschaftlichem Leben (Taizé u.a.) und praktische Talente in organisatorischen und handwerklichen Dingen.

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Jochen Anger: Eine große Offenheit für das Denken, Fühlen und Tun der anderen in dieser Gemeinschaft. Das Suchen und Erkennen von Gemeinsamkeiten und zugleich Respekt vor den Eigenheiten der Mitbewohnerinnen. Die Balance zwischen diesen gegenläufigen Kräften zu finden, ist sicher nicht einfach. Dass wir uns das zutrauen und dafür einander vertrauen, ist eine Voraussetzung für das Gelingen des gemeinsamen Lebens.

Pfarrer Christoph Nötzel über die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrer i.R. Christoph Nötzel bringt die Perspektive der ökumenischen Community of Iona in das Wohnprojekt ein.

Herr Nötzel, was fasziniert Sie persönlich an Iona – und warum passt diese Vision so gut an diesen besonderen Ort in Köln?

Christoph Nötzel: Dann muss ich zuerst ein wenig von Iona erzählen. Iona ist eine kleine Insel – kaum fünf Quadratkilometer groß – vor der schottischen Westküste. Manchmal denke ich, sie hat etwas von Lummerland: überschaubar, windumtost, mit nur einer kleinen Straße. Und doch ist sie seit Jahrhunderten ein Kraftort für Glaube und Kirche.

Von hier aus zogen im frühen Mittelalter iroschottischeMönche nach Europa – getragen von einem Pilgerethos: Christsein heißt, sich auf den Weg zu machen, auch in die Fremde. In den 1930er Jahren wurde die alte Abbey zum Geburtsort der Iona Community, die heute weltweit verstreut lebt – und doch geistlich verbunden ist. Sie engagiert sich für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen, für eine Verbundenheit in Frieden und Gerechtigkeit in und mit der ganzen Schöpfung.

Von Iona sagt man, es sei ein thin place – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Himmel und Erde dünn wird wie ein Stück Seidenpapier. Diese Erfahrung von Verbundenheit prägt die Spiritualität der Community: Gott mitten im Alltag zu suchen – und ihn oder sie dort zu loben, wo es hell ist, aber auch in den Abgründen.

Mich fasziniert genau diese Verbindung: ganz fromm – und zugleich mit beiden Füßen auf der Erde. Mystik und Widerstand, wie Dorothee Sölle es genannt hat. Verständigung suchen, Gerechtigkeit einüben, niemanden ausschließen, gemeinsam Verantwortung tragen – partizipativ von Grund auf. Gottesdienste in alltagsnaher und zugleich poetischer Sprache, voller Rhythmus und Musik, feiern Christus und suchen nach Heilung, Frieden und Gerechtigkeit, nach Liebe und Verbundenheit.

Und das passt erstaunlich gut nach Köln. Diese Stadt kennt Lebensfreude und Widerständigkeit, Nähe und Vielfalt. Am Campus Kartause kann dieser Geist der Verbundenheit – zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen, zwischen Kirche und Stadt – einen sichtbaren Ort bekommen.

Die Iona-Community verbindet geistliches Leben, Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement. Wie könnte diese Haltung ganz konkret den Alltag einer Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause prägen?

Christoph Nötzel: Das ist zunächst eine Frage an die Menschen, die sich entscheiden, dort gemeinsam zu leben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Aber die Aufgaben liegen auf der Hand.

Wie wollen wir Verbundenheit miteinander leben?
Was teilen wir – Zeit, Räume, Verantwortung – und was bleibt individuell? Und wie machen wir das?
Wie gestalten wir unsere Beziehung zum Campus, zur Südstadt, zu den Menschen um uns herum?

Zur Iona-Haltung gehört auch die Frage nach einem gemeinsamen geistlichen Quellort: Gibt es Zeiten des Gebets, des Innehaltens, des Singens? Orte, an denen wir spüren, wie sich Himmel und Erde in uns berühren?

Und nicht zuletzt: Wie finden wir im Alltag eine ökologische Praxis – ein Leben mit der Schöpfung, nicht gegen sie? Nachhaltigkeit beginnt nicht in Programmen, sondern im täglichen Tun.

All das braucht eine Kultur des Respekts: Achtung vor der Einzigartigkeit jedes Menschen, offene Gespräche, die Fähigkeit zuzuhören, auch kritisch zu sein – und dennoch verbunden zu bleiben. Gemeinschaft ist kein fertiger Zustand, sondern ein immer neuer Versuch.

Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht zu etwas Besonderem – auch im Vergleich zu anderen gemeinschaftlichen Wohnformen?

Christoph Nötzel: Wo Menschen zusammen wohnen, suchen sie ein Zuhause. Dass das gelingt – individuell und miteinander – ist nie selbstverständlich.

Hier kommt jedoch eine zusätzliche Dimension hinzu: Der Leitgedanke der Verbundenheit öffnet den Horizont. Es geht nicht nur um das Miteinander unter einem Dach, sondern um eine doppelte, ja dreifache Beziehung:

Verbundenheit nach innen – zwischen den Mitwohnenden.
Verbundenheit nach außen – mit dem gesellschaftlichen und ökologischen Umfeld.
Und Verbundenheit „nach oben“ – im Sinn einer geistlichen Offenheit für Gott.

Oder anders gesagt: Verbundenheit nach innen und außen, nach unten und oben.

Das macht das Projekt anspruchsvoll – und zugleich besonders. Es ist mehr als eine Wohngemeinschaft. Es ist ein Lebensversuch.

Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, Teil dieser Wohngemeinschaft zu werden: Was würden Sie dieser Person sagen?

Christoph Nötzel: Wer hier glücklich werden und ein Zuhause finden möchte, sollte ein kommunikativer Mensch sein. Damit meine ich nicht zuerst: viel reden. Sondern zuhören können. Sich einfühlen. Auf andere zugehen. Verständigung suchen. Kompromisse aushalten. Teil-nehmen und teil-haben.

Fragen Sie sich: Bewegt mich das?
Habe ich eine spirituelle Empfänglichkeit – und zugleich den Mut, mich gesellschaftlich einzubringen?
Bin ich bereit, nicht nur für mich zu wohnen, sondern mit anderen zu leben?

Gemeinschaft trägt – aber sie fordert auch.
Wenn Sie spüren, dass dieser Geist von Iona Sie innerlich anspricht, dann könnte es sein, dass hier ein zukünftiges Zuhause auf Sie wartet.

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Charlotte Horn über spirituelle Verbundenheit und den Mut zum Neuanfang

Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrerin Charlotte Horn ist Leiterin der Evangelischen TelefonSeelsorge Köln und spricht im Interview über ihre Rolle als Moderatorin, eigene Gemeinschaftserfahrungen und die Vision eines Zusammenlebens im Geiste von Iona.

Frau Horn, Sie begleiten als Moderatorin die ersten Begegnungen zwischen Menschen, die sich für die christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause interessieren. Wie kann man sich diese Treffen vorstellen – und was macht sie besonders?

Charlotte Horn: Gemeinschaft, zumal eine, die auch spirituell ausgerichtet ist, will ja ein Raum für Beheimatung, für individuelle und gemeinschaftliche Entfaltung und den praktischen Einsatz für andere sein. In einer Zeit zunehmender Vereinzelung hat gemeinschaftliches Wohnen verändernde Kraft. Es geht darum, miteinander in Solidarität und Verbundenheit zu leben.

Ein solches tragendes Leben entsteht nicht von allein. Gemeinschaft ist ein offener Prozess. Und die Grundlagen werden bereits lange vor dem Einzug in die neuen Räume gelegt: bei unseren vorbereitenden Treffen und auch bei Ausflügen und Unternehmungen, die die Mitglieder auf eigene Initiative planen.

Bei den Gruppenabenden ist es meine Rolle, die Einzelnen bei ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen und Prozesse der Gemeinschaftsbildung anzuregen und zu begleiten. Hierbei greifen wir auf Erfahrungen unterschiedlicher – religiöser wie nichtreligiöser – Gemeinschaften zurück, die in den letzten Jahrzehnten einen reichen Schatz an systematischen Grundlagen und erprobten Methoden entwickelt und zusammengetragen haben. Sie dienen uns als Kompass, um die verschiedenen Aspekte des Zusammenlebens zu beleuchten. Das Besondere ist, dass wir manches davon schon bei unseren Treffen wie in einer Art „Labor“ ausprobieren, erleben und dann gemeinsam reflektieren.

Sie bringen jahrelange Erfahrung im Zuhören und im Begleiten von Menschen mit. Was begeistert Sie persönlich an der Idee dieser Wohngemeinschaft – und was erleben Sie in den Gesprächen mit den Interessierten?

Charlotte Horn: Neben meinen Erfahrungen in Seelsorge und Bildungsarbeit bringe ich auch einen biographischen Zugang mit: vor wenigen Jahren habe ich selber intensiv am Aufbau einer kleinen Gemeinschaft mitgewirkt und dort einige Zeit gelebt. Wo es passt, bringe ich diese Erfahrungen in den aktuellen Prozess mit ein. Ich habe selber erlebt, dass Gemeinschaft eine intensive persönliche Weiterentwicklung ermöglicht; man kommt unweigerlich an eigene „Baustellen“, die bearbeitet sein wollen und erlebt vieles im Alltag intensiver. Ein Wachstumsprozess wird angeregt, der uns miteinander lebendig hält.

Und Gemeinschaft trägt! Meine Zeit in dem Wohnprojekt fiel zufällig in die Coronazeit, die ich trotz aller Isolierung im öffentlichen Raum privat daher in großer Verbundenheit gelebt und überstanden habe.

Schon bei den ersten Treffen mit den Interessierten ist für mich spürbar: das Herz, die Essenz des Projekts zu finden und zu formulieren, ist ein individueller, ein gruppendynamischer und ebenso ein geistlicher Prozess. In geistlicher Hinsicht erinnert er an das Jesus-Wort: 

 …  wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. (Markus 4).

So sind die Vorstellungen von Gemeinschaft, die die Einzelnen mitbringen, die Körner, die eingebracht werden und die sich in eine blühende gemeinsame Vision wandeln können. Hingabe und Auferstehung, wenn Sie so wollen.

Die künftige geistliche Kommunität will sich inspirieren lassen von der Vision der ökumenischen Community of Iona (Schottland). Das bedeutet, gemeinsam die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und erneuerter Achtung vor der Schöpfung Gestalt werden zu lassen. Eine solche Gemeinschaft kann hineinwirken in den Campus Kartause, in die Kölner Südstadt, in die „Welt“ hinaus. Dass all das auf dem Boden der mittelalterlichen Kartause, einem Schweigeorden, entstehen soll, empfinde ich als besonderen Schatz. Es liegt nahe, dass künftig das Element der Stille, der Kontemplation hier wieder einen Platz haben wird, stelle ich mir vor.

Gemeinschaft entsteht, wenn Menschen offen aufeinander zugehen. Welche Chancen sehen Sie für Menschen, die sich auf dieses Abenteuer einlassen – und was würden Sie jemandem sagen, der noch überlegt, ob das Projekt zu ihm oder ihr passt?

Charlotte Horn: Jemandem, der sich mit der Grundidee identifiziert, aber noch zögert, würde ich raten, einfach dazuzukommen und sich ein Bild zu machen. Die Kommunität ist ja noch im Aufbau. Und so hat die Gruppe große Gestaltungsfreiheit und die Einzelnen können sich sehr persönlich in den Prozess einbringen. Einige Eckdaten stehen: die Ausrichtung im Geiste von Iona, nach dem Einzug ein wöchentliches Treffen der Kommunität, eine wenigstens dreijährige Wohnzeit.

Wie das konkrete Zusammenleben aussieht, entwickelt die Gruppe erst nach und nach. Die Mitglieder verständigen sich in Prozessen, die ich moderiere, über persönliche Erwartungen und gemeinsame Werte und wie sie ihren Alltag und das geistliche Leben konkret gestalten werden.

Wer sich selber gegenüber achtsam ist, wer authentisch in Kontakt zu den andern geht, wer Konflikte nicht scheut, sondern als Chance für persönliches Wachstum sieht, wer wertschätzend kommuniziert, trägt zum Gelingen einer solchen Gemeinschaft Wesentliches bei. An dieser Bewusstheit arbeiten wir bei den Gruppentreffen. Sie ist die Grundlage für alles Weitere.

Und ja, es gehört auch Mut dazu, sich auf das Abenteuer einzulassen, klar! So wie bei allem, was wir neu beginnen.

Unheilige Allianz: Arnd Henze über Trumps religiöse Basis und seine Gefahr für uns alle

Ohne die christlichen Nationalisten wäre Donald Trump nicht ins Weiße Haus gewählt worden. Doch was hält diese unheilige Allianz seit nunmehr zehn Jahren zusammen? Gemeinsame Inhalte sind es kaum – der Präsident kennt nur sich selbst als Inhalt. Das Verbindende ist die Sehnsucht nach Rache: an der liberalen Gesellschaft und am demokratischen Rechtsstaat, die ihren Allmachtsphantasien immer wieder Grenzen gesetzt haben.

Der Journalist und Publizist Arnd Henze beobachtet die religiöse Rechte in den USA und ihre internationalen Netzwerke seit Jahren. Seine Warnung ist unmissverständlich: Das Gift des christlichen Nationalismus bedroht die Demokratie nicht nur in Amerika – es geht uns alle an. Wir haben mit ihm über die Brisanz des Themas gesprochen.

Was erwartet die Besucher bei der Buchvorstellung am 10. März in Köln?

Arnd Henze: Wenn wir die Bilder aus Minneapolis sehen, dann erleben wir mit, wie eine Demokratie am Kipppunkt steht. Wir sehen eine Regierung, die mit ihren vermummten Paramilitärs alle roten Linien des Rechtsstaats überschritten hat. Und wir sehen eine Zivilgesellschaft, die sich bei eisigen Temperaturen für den Zusammenhalt und Frieden einsetzt – mit einem beispiellosen Einsatz auch von Glaubensgemeinschaften. Aber auf der anderen Seite wird das brutale Vorgehen von ICE von christlichen Nationalisten gerechtfertigt und angefeuert. Wir erleben also in Echtzeit, wie Religion einerseits zum Brandbeschleuniger entfesselter Machtausübung wird – und das Engagement von Christen, Juden und Muslimen ein wichtiger Teil bei der Verteidigung der Demokratie ist. Ich wünschte, diese Frage meines Buches wäre nicht so dringlich geworden.

Welche Perspektiven bringen die internationalen Gäste ein?

Arnd Henze: Mit Karen Georgia Thompson habe ich schon auf dem Kirchentag in Hannover über das Thema sprechen können. Damals spürte man bereits die Sorge über das, was sich seitdem nicht nur in Minneapolis, sondern auch in vielen anderen Städten entwickelt hat. Wir werden von ihr ein authentisches Bild einer Kirche im Widerstand bekommen. Philip Gorski ist einer der führenden Religionssoziologen der USA und wird den wissenschaftlichen Blick auf den christlichen Nationalismus beitragen.

Sie argumentieren, dass christlicher Nationalismus auch uns in Deutschland angeht. Welche Warnsignale sollten wir erkennen?

Arnd Henze: Auch in einigen Nachbarländern gibt es eine unheilige Allianz aus Religion und Macht – etwa in Ungarn und Polen. Und in Russland ist es die russisch-orthodoxe Kirche. Da gibt es längst transatlantische Netzwerke, die auch auf Europa einwirken. Die Trump-Regierung inszeniert sich als Schutzmacht einer angeblich bedrohten Meinungs- und Religionsfreiheit und meint damit extrem rechte Gruppierungen, aber auch den Kampf gegen Gesetze, die Hass und Hetze im Internet verbieten. Das bedeutet eine Herausforderung für Kirchen, die menschenfeindlichen Positionen keinen Raum auf der Kanzel geben dürfen.

Was können wir von den amerikanischen Erfahrungen lernen?

Arnd Henze: Der transatlantische Austausch war noch nie so notwendig wie heute. Ich erfahre täglich, wie wichtig es für die Menschen in Minneapolis ist, dass wir sie wahrnehmen. Wir sollten unsere noch relativ komfortable Situation als Chance nutzen, von der Zivilgesellschaft in den USA zu lernen: klare Sprache, neue Aktionsformen, kluge Nutzung des digitalen Raums. In den USA steht die Demokratie am Kipppunkt – da gibt es längst keine Komfortzone mehr. Wir sollten uns auch bei uns darauf vorbereiten, dass Wegducken keine Option mehr ist.

Am Vorabend der offiziellen Veröffentlichung seines neuen Buches stellt Henze seine brisante Analyse erstmals der Öffentlichkeit vor. Zu dieser Premiere, zu Buchvorstellung und Gespräch mit anschließendem Empfang, laden wir herzlich ein:

„Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“ Buchvorstellung und Gespräch mit internationalen Gästen

„Welche Rolle spielt christlicher Nationalismus für die Demokratie – nicht nur in den USA, sondern weltweit?“ – Dieser Frage geht der Journalist und Publizist Arnd Henze am Dienstag, 10. März, 19.30 bis 21 Uhr, im Haus der Evangelischen Kirche, Kartäusergasse 9–11, nach. Anlass ist die Vorstellung seines neuen Buches „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht“, das am 11. März im Gütersloher Verlagshaus erscheint. In der Kooperationsveranstaltung von AmerikaHaus Nordrhein-Westfalen, Melanchthon-Akademie, Evangelischer Akademie im Rheinland und Karl Rahner Akademie analysiert Arnd Henze den wachsenden politischen Einfluss christlich-nationalistischer Bewegungen, ihre Strategien und Netzwerke sowie die Gefahren, die von ihnen für demokratische Gesellschaften ausgehen. Im anschließenden Gespräch diskutiert der Autor mit Philip Gorski, Yale University, Thomas Rachel, Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie Karen Georgia Thompson, Präsidentin der United Church of Christ und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt; der Hauptteil wird auf Deutsch gestaltet, das Gespräch mit den Gästen aus den USA auf Englisch, mit einer inhaltlichen Zusammenfassung der englischen Beiträge auf Deutsch. Im Anschluss klingt der Abend bei einem Empfang aus. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung unter Telefon 0221/9318030 oder per E-Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de ist erforderlich.
http://www.melanchthon-akademie.de

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Das Interesse ist groß

Das Interesse ist groß: Einige Menschen haben sich bereits für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause gemeldet – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden.

Was ist die ökumenische Community of Iona?

Es handelt sich um eine christliche, überkonfessionelle  Gemeinschaft von Menschen aus allen Kontinenten, die ihr Zentrum in einer alten Benediktinischen Abtei mit dazugehöriger Klosteranlage auf der schottischen Insel Iona hat. Dort leben Menschen zwischen sieben Wochen bis drei Jahren in einfachen Verhältnissen zusammen. Ziel ihrer Arbeit ist es, das christliche Zeugnis in der Mitverantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu leben. Die Gemeinschaft tut das unter anderem durch neue Gottesdienstformen und Lieder sowie den Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. In der Gemeinschaft von Iona sind lesbische und schwule, bi-,trans-, intersexuelle und queere Menschen (LSBTIQ) herzlich willkommen. 260 Mitglieder, 1600 assoziierte Mitglieder und 1600 Freunde bilden weltweit die Gemeinschaft von Iona – dort, wo sie leben und ihr Christsein teilen. Weitere Informationen erhalten Sie auf der (englischsprachigen) Internetseite der Community.

Gemeinsames Wohnprojekt auf dem Campus Kartause

Inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona und in der Überzeugung, dass Gemeinschaft verändernde Kraft hat, gehen die Menschen dieser Wohngemeinschaft auf einen Weg mit diesen Werten:

  •    der Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt, in der das Leben für alle Geschöpfe blühen kann.
  •    einer Gemeinschaft, die sich als ein offener Prozess versteht.
  •    einem geistliches Leben, dessen Formen sich in der konkreten  Gemeinschaft entwickeln wird.

Die Menschen, die sich auf dieses Projekt einlassen, vertrauen auf die verändernde Kraft einer Gemeinschaft, die respektvoll miteinander umgeht, im Hören, Sprechen und Teilen. Für ein gelingendes Miteinander seien Bewusstsein für eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten ebenso wichtig wie Freude am geistlichen Austausch: „Wer gemeinschaftlich leben will, sollte sich darüber bewusst sein: Was brauche ich und was kann ich geben? Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues, das erscheint mir ein guter Mix“, erklärt Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie.

Das Wohnprojekt umfasst neun Appartements sowie großzügige Gemeinschaftsbereiche mit Küche und Essbereich. Die Wohnflächen der Appartements liegen zwischen 59 und 83 Quadratmetern inklusive anteiliger Gemeinschaftsräume. Der Mietpreis beträgt voraussichtlich 18 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. Interessierte sollten sich idealerweise für mindestens drei Jahre zum gemeinschaftlichen Leben verpflichten.
Kontakt für Interessierte: rinecker@melanchthon-akademie.de

Wohnprojekt im „Campus Kartause“: Warum Christiane Pawlik Teil der neuen christlichen Wohngemeinschaft werden möchte

Christiane Pawlik.

Christiane Pawlik.

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine christliche Wohngemeinschaft geplant. Bald können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Christiane Pawlik möchte dort einziehen. Sie erhofft sich von der christlichen Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause eine wohlwollende, lebendige Gemeinschaft, in der Nächstenliebe gelebt wird, Verantwortung übernommen wird und Raum für gemeinsames Menschsein entsteht – ohne Dogmen, aber mit viel Miteinander, Spiritualität und Offenheit.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe, Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der christlichen Wohngemeinschaft?

Christiane Pawlik: Ich erhoffe mir eine wohlwollende, lebendige Gemeinschaft, verbunden durch das Band christlicher Nächstenliebe – das Teilen von Zeit innerhalb meines weltlichen und christlichen Lebens mit der Chance, ein WIR-Gefühl zu entwickeln und zu leben.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Christiane Pawlik: Ich bringe mich mit meiner Person ein, mit all meinen Möglichkeiten und meiner Neugier auf dieses Projekt.

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Christiane Pawlik:  Ich wünsche mir das Schaffen von Gemeinsamkeiten, Verantwortungsbewusstsein und Verbindungen, ich wünsche mir christliches Handeln in zu findenden Strukturen ohne Dogma, ich wünsche mir ein Neben- und ein Miteinander, ich möchte lachen, lieben, weinen, tanzen, beten, still sein, trauern – eben Mensch sein. 🙂

„Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Christliche Wohngemeinschaft im „Campus Kartause“ geplant

Neue Debatten: Nachhaltiger und krisenresilienter leben

Wer nachhaltig lebt, lebt ökologischer und naturbezogener. So weit so klar. In den letzten Jahren ist mir noch ein weiterer Aspekt klargeworden, was „nachhaltig leben“ bewirken kann: Nachhaltigkeit führt zu einer höheren Krisenresilienz. Nachhaltigkeit und Krisenresilienz hängen eng zusammen, denn nachhaltige Strukturen sind langfristig stabiler, anpassungsfähiger und weniger verletzlich.

Regionale Lebensmittel und kurze Lieferketten, immer mehr Photovoltaik-Anlagen in privater Hand oder begrünte Wohnviertel sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bieten auch bei anhaltender Starkhitze, Stromausfällen oder Versorgungsengpässen wichtige Ressourcen, um klarzukommen.

Dieser Zusammenhang gilt auch umgekehrt, auch wenn er nicht so leicht gesehen wird. Wer für Krisen vorsorgen will, nutzt meistens Ressourcen, die eben nachhaltig sind. Zum Beispiel sich nachbarschaftlich zu unterstützen. Oder wissen, wer einem bestimmte Dinge leihen oder sie reparieren kann.

In diesem Zusammenhang erlebt ein Stichwort erlebt gerade einen Boom: „Solidarisch Preppen“. „Preppen“ bedeutet, sich auf mögliche Krisen so vorzubereiten, dass man einigermaßen gut versorgt ist: zum Beispiel mit Lebensmittelvorräten, Wasser und Energie. Neu ist die Idee des „Solidarischen Preppens“. Hier geht es nicht nur um materielle Vorsorge, sondern auch um soziale Kontakte und emotionalen Support, um nachbarschaftliche Unterstützung und die Stärkung von Infrastrukturen im Stadtteil. Wer gut vorgesorgt hat, kann andere unterstützen. Letztlich geht es um kollektive Krisenresilienz

Der Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Krisenresilienz ist spannend und noch gar nicht so stark im Blick. Wir wollen anfangen, diesen Blick zu schärfen und schauen, wie wir nachhaltiger & krisenresilienter leben können. Und dabei an der Idee eines „Guten Leben für Alle“ festhalten – selbst in harten Zeiten.

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