Monat: August 2026

„Zuhören als Lebensmotto“. Danke, Margret und Werner Müller!

Am 14. Oktober 2026 wird Margret Müller um 19.00 Uhr im Kollwitz Museum der diesjährige Giesberts-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit verliehen. Mit dem Preis wurden in den letzten Jahren herausragende Persönlichkeiten wie z. B. Gerhart Baum, Beate Klarsfeld, Volker Beck, Dr. Barbara Becker-Jákli und Esther Bejarano mit der Band Microphone Mafia geehrt.

Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Gesellschaft, betonte in seiner Rede bei der Preisverleihung an Letztere: „Eine Parallele zwischen den Namensgebern unseres Preises, Johannes Giesberts und Dr. Shaul Lewin, und unseren heutigen Preisträgern ist die kontinuierliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der damit verbundene lange Atem, der notwendig ist bei der gesellschaftlichen Vermittlung dieses höchst schwierigen Themas. Sie setzen die Erinnerung an den Nationalsozialismus immer wieder in Bezug zur Gegenwart.“

Genau in diesem Sinne hat sich Margret Müller – und zwar immer zusammen mit ihrem am 16. April 2025 verstorbenen Mann Werner – in besonderer Weise verdient gemacht. Im Jahr 2022 wurden beide deshalb bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Geehrt wurde damit ihr jahrzehntelanges Engagement, den Überlebenden des Holocaust in der Ukraine und in Polen eine Stimme zu geben und ihre Geschichten zu dokumentieren. Sie haben damit in einer Zeit begonnen, in der diese Arbeit alles andere als einfach war – nur wenige in Deutschland hatte sich zuvor mit den Gräueln der Nationalsozialisten und ihrer Helfer in Polen und der Ukraine – geschweige denn mit den Opfern der Barbarei – beschäftigt, der Kalte Krieg erschwerte grenzüberschreitendes Engagement und Kontakte massiv. Im Gespräch mit Studienleiter Dr. Stefan Hößl geht sie auf die zugrundeliegende Motivation und die damit verbundene Selbstverpflichtung mit den schlichten Worten ein: „… das war einfach nötig.“

Das Ehepaar Müller besuchte unzählige Male Polen und die Ukraine, führte Interviews mit Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, korrespondierte und sammelte Dokumente. Vertrauen entstand. Freundschaften entstanden. Die Bereitschaft und die Selbstverpflichtung, Verantwortung übernehmen zu wollen, blieb beständig.

Über die Jahre erschienen mehrere Publikationen, von denen das 2019 veröffentlichte Buch „Leben und Tod in der Epoche des Holocausts in der Ukraine“, welches das Ehepaar Müller gemeinsam mit dem ukrainischen Historiker Dr. Boris Zabarko herausgab, besonders hervorzuheben ist. In ihm sind unzählige Zeugnisse von KZ- und Ghetto-Überlebenden dokumentiert. Zu diesem über 1.100 Seiten umfassenden Werk bemerkt Prof. Dr. Wolfgang Benz, ehem. Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, ganz offensichtlich beeindruckt: „Das Buch ist in seiner Monumentalität nur mit Claude Lanzmanns Film ‚Shoah‘ zu vergleichen“.[1]

Werner und Margret Müller haben bereits zugehört, als nur wenige zuhören wollten; Frau Müller spricht von „Zuhören als Lebensmotto“.

Die beiden haben dokumentiert, damit das Geschehene niemals in Vergessenheit gerät. Sie haben Menschen, die nicht wahrgenommen und gehört wurden, zugehört und ihre Berichte anderen zugänglich gemacht. Sie haben Vertrauen geschaffen und Brücken gebaut. Und sie haben hat nicht mehr aufgehört damit – jahrzehntelang und immer zusammen.

Ein solches Engagement, ein solches Lebenswerk ist wahrlich außergewöhnlich.

Die Melanchthon-Akademie gratuliert von Herzen!

Bilder: © Metropol-Verlag, zwei Fotos: © privat

[1] Vgl. https://www.sueddeutsche.de/politik/holocaust-ukraine-1.4887923.

Christliche Spiritualität ist eine Übungspraxis

Spiritualität ist eine Übungspraxis, dieser Satz klingt banal. Doch wenn es darum geht, nicht darüber zu reden, sondern ins Handeln zu kommen, stoßen wir sehr schnell an unsere Grenzen.

Was kann ich denn tun?

Christliche Spiritualität ist ein Transformationsgeschehen.

Ein Weg der Umkehr hin zu Frieden und Versöhnung. Dazu braucht es Mitgefühl. All das passiert nicht einfach so, sondern muss geübt werden: eingeübt und ausgeübt.

Wir denken meist ans Ausüben. Deutlich wird dies an der Formulierung: „Nächstenliebe üben“.

Wir hören sofort den Auftrag, sie zu tun, sie auszuüben. Doch wir wissen, ohne sie vorher für uns selbst einzuüben, gelingt das nicht ohne Weiteres.

Das Christentum ist durchaus  reich an Übungswegen, Herzensgebet, Kontemplation, Exerzitien, geistliche Übungen ökologischer Spiritualität und mehr. Das ist wichtig, weil der Wunsch nach Veränderung, Transformation oder Umkehr ohne das Wissen, wie es gehen kann, ohne „Umkehr-Know-how“ einfach wenig bringt.

Welcher Weg passt zu mir?

Im nächsten Semester können Sie aus unterschiedlichen Übungspraktiken wählen.

Keiner dieser Übungswege ist eine Heilslehre an sich, aber sie sind hilfreich, um die eigene christliche Spiritualität vital zu erhalten oder vitaler zu machen.

Und wir gehen die Übungswege gemeinsam. Es geht ja gerade um Verbundenheit, viele Prozesse funktionieren nur gemeinsam mit anderen.

Was ist das Herzensgebet?

Es gibt viele mögliche Antworten: ein Meditationsweg, ein schweigendes Gebet, ein Gebet, das sich immer wiederholt, ein Mantra, eine Übung für besondere Zeiten und gleichsam immerwährende Übung…

Ganz praktisch ist das Herzensgebet eine Meditationsübung, bei der ein geistliches Wort – in der Urform der Name Jesu – immerwährend innerlich gesprochen wird.

Das Wort wird dabei ständig wiederholt, verbunden mit dem Atem, Atemzug um Atemzug.

Die Schlichtheit und Gradlinigkeit des Herzensgebets sind seine Stärke.

Das Komplexe ist nicht die konsequente Übung, es ist der Prozess, auf den der Mensch sich mit diesem Übungsweg einlässt. (Rüdiger Maschwitz: Das Herzensgebet)

Was ist Handauflegen?

Das Handauflegen ist eine Gabe, die in jedem Menschen angelegt ist. Behutsame Berührung in achtsamer Präsenz – getragen von einer klaren ethischen Haltung – kann eine unterstützende Kraft entfalten. Sie ermöglicht eine Verbindung zum inneren Wesen, zur Quelle und zu den selbstregulierenden Kräften. Sie öffnet den Zugang zu dem, was in jedem Menschen heil und unverlierbar bleibt. Open Hands verbindet dabei alte Weisheit mit moderner Wissenschaft und erfährt zunehmend Anerkennung als begleitendes Angebot in öffentlichen Einrichtungen.
(Lydia Debusmann: www.handauflegen-als-weg.de )

Was ist Gewaltfeie Kommunikation?

Die „Gewaltfeie Kommunikation“ GFK (nach Marshall Rosenberg) ist eine Selbsterkundungspraxis mit dem Ziel, das menschliche Zusammenleben zu verbessern.

Im Kern geht es darum, Bedürfnisse zu klären – die eigenen und die der anderen.

Oft wird sie als reine Kommunikationsmethode verstanden, sie ist aber im Grunde eine Friedens -Versöhnungs- und Heilungsarbeit.

Die GFK hat keine religiösen Bezüge, doch was den Kern christlicher Spiritualität ausmacht, kann durch die GFK stärker im Alltag gelebt und geübt werden. Warum?
Die GFK bietet ein großes Repertoire an Handwerkszeug, um das zu leben, was Jesus lehrte: Umkehr und Liebe.

Die GFK hilft einen anderen Lebensstil einzuüben und stärkt die Fähigkeit zu lieben, sowohl sich selbst als auch andere. (Martin Horstmann: erdliebe.org)

Was ist ökologische Spiritualität?

Was trägt dich? Vielleicht ist die Antwort näher, als du denkst: die Erde, auf der du gehst und stehst. Die Erde, die dich nährt, dir Heimat gibt und Leben ermöglicht. Zu spüren, dass wir von der Erde getragen sind, ist eine tiefe spirituelle Erfahrung.

Es geht um Praktiken und geistliche Übungen einer „ökologischen Spiritualität“. Wir suchen in der Mitte und an den Rändern der christlichen Tradition, was uns trägt – in Verbundenheit mit der Erde und allem Leben auf ihr.

 Seminarempfehlungen:

Mi, 23.09.26, / 30.09.26, /, 07.10.26, /  14.10.26, 17-18:30 Uhr

Schweigen – Gehen – Sitzen – Hören

Einführungsseminar in das Herzensgebet der christlichen Tradition

Ursula Gröger-Mocka

4 Termine |60 Euro| 64244R

Beginn: Fr, 18.09.  Uhr   19.30-21:00 Uhr

In der Stille mit Gott

Regelmäßige Gruppe zum Herzensgebet im Rechtsrheinischen

Ira und Lothar Linz

7 Termine |kostenlos | 264245R

Fr., 20.11. von 16-20 Uhr und Sa., 21.11. von 9:30-17 Uhr

Handauflegen – Open Hands Einführungskurs

Der Kurs richtet sich an Interessierte mit und ohne Vorerfahrung.

Lydia Debusmann und Elisabeth Reiter

Haus der Evangelischen Kirche

1 Termin |130 Euro | 264247R

Beginn: Mo, 14.09.    18.30-21.15 Uhr

Übungsgruppen Handauflegen

Für Menschen mit „Open Hands“-Einführung

Elisabeth Reiter und Margret Diedenhofen

2 Termine |22 Euro pro Termin | 264248R

Sa. 19.09., 10-16 Uhr

Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation

Ich sein – in der Gemeinschaft mit anderen

Sigrid Schulze

1 Termin |48 Euro | 264241R

Beginn Fr, 28.08.-04.12., 17-19 Uhr

Worte verwandeln im Rechtsrheinischen

GFK-Übungsgruppe – weil jede Sprache Training braucht…

Antje Rinecker

5 Termine |60 Euro | 264243 R

Mi, 16.09.-09.12.    18-20 Uhr

GFK-Übungsgruppe im Linksrheinischen

Weil jede Sprache Training braucht …

Sigrid Schulze

4  Termine| 50 Euro | 264242R

Mo, 31.08, 12.10., 16.11., 21.12.    19:00-20:30 Uhr

Was dich trägt

Übungsgruppe Ökologische Spiritualität – online

Alle, die Lust haben, christliche Spiritualität „ökologisch fruchtbar“ zu machen, sind herzlich eingeladen, an der Übungsgruppe teilzunehmen.

Martin Horstmann

4 Termine |kostenfrei | 264253 Ho

„Low tech“ als Selbstermächtigung: Ein neuer Zugang zur Nachhaltigkeits-Bildung. Interview mit Erhard Maria Klein

Unsere Welt wird immer komplexer. So weit, so bekannt. Doch wie reagieren wir darauf? In der Regel mit noch mehr Komplexität. Das kann man besonders gut im technischen Bereich sehen: Ständig müssen wir unsere Computer aufrüsten, updaten oder sogar neu kaufen, weil die Anforderungen immer höher werden – dabei machen wir mit unseren Rechnern meist das gleiche, wie Jahre zuvor. Wir müssen beschleunigen, um standzuhalten, sagt der Soziologe Hartmut Rosa. Oder ist es doch möglich, wieder in einfacheren Lösungen zu denken, unsere Abhängigkeiten von Systemen reduzieren, die wir längst nicht mehr verstehen und uns selbst wieder handlungsfähig zu machen? Die „Low tech“-Idee will genau das. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht wie Bastler-Romantik aus, aber es ist viel mehr. Studienleiter Dr. Martin Horstmann spricht mit Erhard Maria Klein, einem profunden Kenner der „Low tech“-Szene. Ende September gibt Erhard Maria Klein eine Einführung in die „Low tech“-Prinzipien als Auftakt zu einer neuen Serie: „Low Tech Lessons“.

Du beschäftigst dich im Grunde schon dein Leben lang mit der Idee von „Low tech“. Was ist das denn eigentlich?

Erhard Maria Klein: „Low tech“ meint einfache, nachhaltige und reparaturfreundliche Technologien, die wenig Energie verbrauchen. Vieles kann man sogar selbst bauen – wenn man das denn will. „Low tech“ spielt natürlich sprachlich mit dem Gegensatz zu „high tech“, aber es ist keineswegs technologiefeindlich. Es geht also um eine Technik, die gesellschaftlich verstehbar, aneignungsfähig und selbstbestimmter nutzbar bleibt.

Wasserfilter, Kochkisten, Solarladestationen, Warmwasseraufbereitung… all das kann „Low tech“ sein.

Erhard Maria Klein: Ja. Das sind alles gute Beispiele. Aber es gibt die Tendenz, den Begriff auf konkrete Produkte anzuwenden und als Label zu vermarkten, etwa bei „Low-tech-Gebäuden“. Auch das „Low-tech-Lab“ rund um Corentin de Chatelperron, dessen Arbeit ich sehr schätze, verfolgt stärker einen konkreten, praxis- und technologiebezogenen Ansatz: Low tech erscheint dort oft als Sammlung nützlicher, zugänglicher und reproduzierbarer Lösungen.

Was ist es denn dann für dich?

Erhard Maria Klein: Erstmal: „Low tech“ ist kein geschützter oder eindeutiger Begriff. Deshalb existieren unterschiedliche Deutungen: von konkreten technischen Lösungen über Designprinzipien bis hin zu umfassender Gesellschaftskritik. Ich vertrete ganz klar den Ansatz, den Kris De Decker mit dem „Low-Tech-Magazine“ geprägt hat.

Er verwendet „Low tech“ nicht als Bastlerromantik oder Produktkategorie, sondern als Technik-, Energie- und Zivilisationskritik. Die Grundannahme ist: Nicht jedes gesellschaftliche oder ökologische Problem verlangt nach einer neuen Hightech-Lösung. Stattdessen geht es darum, welche einfacheren, sparsameren oder historisch verdrängten Systeme unter den Bedingungen ökologischer und materieller Grenzen tragfähiger sein könnten.

Die zentrale Frage ist: Welche Bedürfnisse haben wir und welche technische Komplexität ist dafür überhaupt nötig? Low tech ist hier also nicht „weniger fortschrittlich“, sondern die Suche nach einem angemessenen technischen Niveau innerhalb planetarer Grenzen.

Das heißt konkret: Man schaut auf den Energiebedarf, die erforderlichen Ressourcen und Lieferketten, die Reparierbarkeit, die Skalierung, und schließlich auch auf die Machtstrukturen und den gesellschaftlichen Kontext. Low tech ist damit weniger eine Eigenschaft von Dingen als eine Frage nach ihrer Angemessenheit.

Low tech ist denn eher ein Mindset? Kann man das so sagen?

Erhard Maria Klein: Genau. Eine Art Methode, technologische Selbstverständlichkeiten zu überprüfen, ob sie unter realen ökologischen, sozialen und energetischen Bedingungen dauerhaft sinnvoll sind.

Und wonach beurteilt man, ob etwas in diesem Sinne angemessen ist?

Erhard Maria Klein: Ein zentrales Prinzip wäre zum Beispiel: Energiebegrenzung statt Energieblindheit. Viele Hightech-Systeme setzen voraus, dass Energie billig und dauerhaft verfügbar ist. Low tech fragt dagegen: Welche Technologien bleiben auch dann tragfähig, wenn Energie knapp, lokal oder unzuverlässig ist? Daher das Interesse an Windkraft, Fahrradinfrastruktur, Solarthermie oder mechanischen Lösungen.

Mir gefällt daran, dass solche Lösungen irgendwie „handhabbarer“ sind…

Erhard Maria Klein: Ja, darum geht’s. Komplexitätsreduktion als Resilienzstrategie könnte man dieses Prinzip nennen. Bevorzugt wird alles, was reparierbar, lokal wartbar, transparent und weniger abhängig ist von globalen Lieferketten, Spezialwissen oder seltenen Rohstoffen. Ivan Illich hat dies mit seiner Idee der „Konvivialität“ bereits beschrieben: Technik soll menschliche Handlungsspielräume erweitern, gemeinschaftlich nutzbar bleiben und Menschen nicht durch übermäßige Systemkomplexität, Expertenabhängigkeit oder technokratische Kontrolle entmündigen.

Woher kommen die Ideen?

Erhard Maria Klein: Im Low-tech-Denken gelten vergangene Techniken als Ideenarchiv für post-fossile Zukünfte. Aber alte Technologien gelten nicht automatisch als besser, sondern als verdrängtes Reservoir möglicher Lösungen. Historisches Lernen statt Fortschrittslinearität!

„Low tech“ ist also nicht „Zurück in die Vergangenheit“, sondern eher Fortschritt durch Begrenzung, selektive Wiederentdeckung und technische Demut. Manchmal ist weniger Technik die intelligentere Technologie. Zugespitzt formuliert: Low tech ist nicht die Ablehnung von Fortschritt, sondern die Kritik an Fortschritt, wenn darunter immer mehr Komplexität, Energieverbrauch und Abhängigkeit verstanden wird.

Links

https://solar.lowtechmagazine.com/de/

https://lowtechlab.org/en

Bilder: Screenshots

Programmhinweise

einfach, nachhaltig, krisensicher

Mit „Low tech“ zur Selbstermächtigung

Di, 29.09.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

Low Tech Lessons (1): Heizen

Menschen wärmen, nicht Räume

Di, 17.11.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

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