Monat: August 2026

Die EFI-Community … so viel mehr als ein bloßes Bildungsangebot im Akademie-Programm!

Das Titelbild dieses Programms entstand bei einem Treffen der EFI-Community. Was hat es damit auf sich?

Seit über zehn Jahren werden in der Melanchthon-Akademie mit der EFI-Bildungswerkstatt jährlich Seminare zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen, ehrenamtlichen Engagements angeboten. Die Bezeichnung EFI ist einem Bundesprogramm entlehnt und steht als Abkürzung für „Erfahrungswissen für Initiativen“.

Im Mittelpunkt der Bildungswerkstatt steht die Verbindung von Persönlichkeitsentwicklung mit Projekt- und Organisationsentwicklung – und dies immer im Zusammenhang mit der Frage, wie Demokratie, wie ein demokratisches Miteinander in der pluralen Gesellschaft gefördert werden kann. Teilnehmende erhalten und geben sich gegenseitig Impulse und Ideen, die sie dabei unterstützen, ihren eigenen, ganz persönlichen Weg ins gesellschaftliche Engagement zu finden.

Über die Bildungswerkstätten hat sich seit 2019 eine EFI-Community mit zwei Gruppen und insgesamt 26 Aktiven etabliert, die sich in regelmäßigen Abständen treffen.

Was bedeutet den Referentinnen der Bildungswerkstatt EFI?

Karin Nell, seit Beginn des bundesweiten Projekts „Erfahrungswissen für Initiativen“ 2005 mit „im EFI-Boot“ und seit 2010 für das EFI-Programm an der Melanchthon-Akademie tätig: „EFI ist für mich ein think tank, ein wertvolles Entwicklungs-Netzwerk von und für Menschen im nachberuflichen Leben. Es ist am Rand der klassischen Erwachsenenbildungsarbeit und Freiwilligenarbeit entstanden. Es ist alltagstauglich. Und es hat Tiefgang.

Im EFI-Programm geht es nicht darum, schlaue Teilnehmer:innen noch schlauer zu machen und „helfende Hände” für gesellschaftliche Aufgaben zu gewinnen. Es geht vielmehr darum, zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen zu erkennen, das in den Gruppen vorhandene (Erfahrungs-)Wissen zu ermitteln und zu bündeln, Kompetenzen und Begabungen kreativ zusammenzuführen und alte und neue Ideen klug zu vernetzen. Wichtig ist es, ins Handeln zu kommen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Über das EFI-Programm hat sich eine Szene gebildet, die neue Konzepte und neue Formate des freiwilligen nachberuflichen Engagements prägt.“

Eva-Maria Antz, seit 2024 im EFI-Referentinnen-Team: „Das Interessante für mich ist, dass wir kein enges Curriculum haben. Wir können Impulse setzen, Orientierung anbieten – und die Teilnehmenden dann in ihrer Suche und in ihren Aufbrüchen unterstützend begleiten. Hervorheben möchte ich aber auch die Teilnehmenden: das ist immer eine spannende Zusammensetzung von Menschen mit vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die sich in dieser Lebensphase und mit den Impulsen aus der Bildungswerkstatt auf einen neuen Weg machen – oft auch mit Neugierde, Lust und Freude. Das sind genau die richtigen Voraussetzungen für selbstbestimmtes Lernen, für eine gegenseitige Stärkung und für Selbstermächtigung.“

Lisa Frohn: „Für mich ist EFI seit 2013 ein Teil meines Lebens. Erst als Teilnehmerin der Seminare, damals mit Karin Nell als Referentin, später dann, ab 2017, als Teil des Referentinnen-Teams. Bei EFI nutzen wir die Freiheit der nachberuflichen Lebensphase als Möglichkeit, „einfach immer weiter zu lernen“, und das nicht nur in den EFI-Seminaren, sondern auch anschließend in den monatlichen Community-Treffen, wo wir unsere Themen selbst wählen, die Methoden, die in der Bildungswerkstatt erlernt wurden, nutzen und jedes Mal neu ausmachen, wer welche Rolle für die jeweils anstehenden Aufgaben übernimmt. EFI ist für mich gemeinsames selbstbestimmtes Lernen im Alter, das in einem Raum zwischen institutionell organisiertem und selbstorganisiertem Lernen stattfindet. Die Melanchthon-Akademie unterstützt diese freie Form des miteinander Lernens, indem sie Räume und Infrastruktur zur Verfügung stellt. Für das Vertrauen, und auch für den Kaffee, den Tee und die Kekse, sind alle EFIs der Akademie sehr dankbar.“

Die nächste EFI-Bildungswerkstatt findet an drei Doppelterminen statt:  am 6. & 7. Oktober, am 13. & 14. Oktober und am 3. & 4. November 2026. Wer nach der Teilnahme an der Bildungswerkstatt „einfach weiter voneinander und miteinander lernen“ möchte, hat die Möglichkeit, Teil der EFI-Community zu werden.

Stimmen aus der EFI-Community, die Lisa Frohn „eingefangen“ hat:

Auguste: „Ich bin seit 2019 Teil der EFI-Community – für mich ein Ort, an dem ich wachsen, Impulse mitnehmen und mich aktiv einbringen kann.“

Eleonore: „Direkt nachdem ich in Rente gegangen bin, habe ich an der Bildungswerkstatt teilgenommen. Ich finde es toll, mich in regelmäßigen Abständen mit dieser Gruppe zu treffen und da auch immer wieder auf bekannte Gesichter zu stoßen. Der Austausch ist mir wichtig, das Miteinandersprechen, neue Eindrücke zu bekommen von dem, was die anderen machen. Ich lerne immer etwas, manchmal sehr überraschende Dinge, alltägliche Dinge oder überhaupt lerne ich neue Themen kennen, neue Arten und Weisen, wie man mit Dingen umgeht, mit Themen umgeht.“

Gisela: „EFI ist für mich eine wichtige Gruppe geworden in der ich in einem geschützten Raum, Methoden aus den Bereichen Theater und Supervision, die ich in  Aus- und Weiterbildungen erlernt habe, anwenden kann. Aber genauso lerne ich von den anderen, wir bereichern und inspirieren uns gegenseitig.“

Claudia L.: „EFI bedeutet für mich, qualitativ sehr hoher Austausch mit Gleichgesinnten zu gesellschaftsrelevanten gesellschaftspolitischen Themen, und darüber hinaus auch manchmal Austausch etwas mehr im privateren Bereich. Ich freue mich jedes Mal auf diese Runden, weil sie mir sehr viel geben.“

Gülsen: „Mich interessieren die unterschiedlichen Personen, deren Gedanken, deren Lebensweisen, das inspiriert mich und hilft mir auch, mir selber bewusst zu werden, was ich will, was ich kann. Und ja, es ist eine ganz tolle Gruppe. Und ich freue mich immer wieder, einmal im Monat dabei zu sein.“

Ulrich: „EFI ist für mich ein Erfahrungsraum, in dem ich mich inspiriert fühle durch das Netzwerk, durch die Äußerungen und durch die Ideen der anderen. Und es ist auch eine kleine Denkfabrik, wo sich einfach neue Aspekte für mich eröffnen und ich neue Ideen habe, was noch alles in meinem Leben geschehen könnte.“

Doro: „Ich definiere die Gruppe für mich als Möglichkeit eines Denkraumes. Und ich merke, dass sich unsere Zusammentreffen sehr auf meine Persönlichkeitsentwicklung auswirken. Darüber hinaus geht es aber auch in andere private Kontexte, und es entstehen spannende Unterhaltungen.“

Harald: „Für mich ist die EFI-Gruppe so ein über den Tellerrand schauen. Es sind manchmal Themen, die auf den ersten Blick völlig allgemein klingen, die dann aber durch die Methode, wie mit Sprechen & Zuhören den Raum schaffen, dass jeder seinen Teil einbringt, ohne dass das direkt kommentiert wird. Dabei kommen dann Aspekte raus, die ich oft überhaupt nicht erwartet habe. Und es ist gleichzeitig so eine Runde von Gleichaltrigen. Also ich bin in verschiedenen Initiativen beteiligt. Aber das ist anders, wenn man so mit einer Gruppe von Gleichaltrigen auch Themen bespricht, die halt mit Ende 60 und über 70 Thema sind. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Klaus: „Für mich ist EFI einfach eine Auszeit und ein Ankommen, jedes Mal mit anderen Konstellationen, aber mit einem sehr starken und sehr großen Tiefgang. Diese Gruppe ist für mich sehr belebend und hat vor allen Dingen auch eine vollkommen andere Qualität als im normalen Umgang, den ich sonst pflege. Aus diesem Grunde ist mir EFI wirklich ans Herz gewachsen und trotz des Abstandes von einem Monat ist es jedes Mal wieder ein neues Ankommen.“

Claudia P.: „EFI war anfangs so eine Art Startrampe in eine neue Lebensphase nach dem Beruf, wo ich mich neu verorten konnte. Ich will nicht sagen, dass ich schon abgehoben habe, aber ich nehme diese Treffen als so eine Art Tankstelle wahr, wo ich Impulse kriege von anderen, wo ich mich reflektiere und auch mich überprüfen kann Und das nicht nur, um mein persönliches Wohlbefinden, meine Weiterentwicklung im Blick zu haben, sondern auch zu gucken, wo stehe ich als Einzelne zu anderen in der Nachbarschaft, im Freundeskreis. Vielleicht auch gesellschaftlich, weil die Zeiten sind ja so, wo viele über Vereinzelung und Isolierung sprechen, dass so ein Zusammenhalt wichtig ist.“

Bärbel: „Bei EFI sind viele Menschen in der gleichen Lebensphase wie ich; Menschen, die Lust haben, sich mit sich selbst und mit gesellschaftlichen Themen zu beschäftigen und durch das Besondere des intensiven Seminars am Beginn, haben wir uns sehr genau kennen gelernt und das macht es auch leichter, sich zu öffnen.“

Andrea: „Ich war immer schon neugierig auf Menschen und hab bei den EFIs viele andere neugierige, kluge Menschen, meist Frauen, gefunden, die mit mir seitdem auf dem Weg sind. Und ich habe auch viel entwickelt, wie zum Beispiel mir mehr zuzutrauen, auch methodisch für andere Gruppen mal eine Moderation zu machen oder irgendeine Methode einzuführen, das hab ich bei EFI gelernt.“

Annette: „Ich finde bei EFI den Austausch mit Menschen, mit Frauen hauptsächlich, mit denen ich sonst nicht zusammengekommen wäre.“

Eva: „Ich bin seit 2017 bei EFI, und der Austausch unter ähnlich alten Frauen ist für mich so eine Bereicherung. Ich erfahre hier auch Ermutigung für Veränderungen bzw. ich weiß, dass ich Veränderungen gestalten möchte und bekomme hier ganz wichtige Impulse. EFI ist für mich Kommunikation in ganz verschiedenen Formen und eine ganz wunderbare Erfahrung.“

Marlene: „EFI ist für mich eine Gruppe von Menschen mit denen ich gerne zusammen bin. Aus unterschiedlichen Richtungen haben wir uns in der Gruppe zusammengefunden. Wir wagen Neues, finden Vertrauen, lachen und weinen und denken und begleiten uns auf schwierigen Wegstrecken. EFI ist für mich ein Anker im Strudel des Alltags. Hier darf ich sein und werde nicht übervorteilt, verurteilt und ausgegrenzt. Ich liebe die Treffen und trage gerne meinen Teil bei.“

„Glauben & Denken“ – Antje Rinecker im Interview mit Pfarrer Tim Lahr

Tim Lahr

Tim Lahr

Die Melanchthon-Akademie ist eine Einrichtung des Kirchenverbandes Köln und Region. Das ist etwas Besonderes, denn die Gemeinden haben damit eine Bildungseinrichtung, die die gemeindlichen Bezüge Glaube, Verkündigung, Gemeinschaft, Engagement mit Bildungsformaten in unterschiedlichster Form unterstützt und begleitet; die qualifiziert, Räume für Begegnung öffnet, Bildungsakzente in der Kölner Stadtgesellschaft setzt. In unserer modernen Welt gehören Glauben und Denken selbstverständlich zusammen. Oder nicht?

Die ev. Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll hat ein neues Gottesdienstformat aufgelegt: „Glauben & Denken“.

Warum habt ihr mit „Glauben & Denken“ begonnen?

Tim Lahr: Weil ich gemerkt habe: Die großen Fragen unserer Zeit finden fast nur noch im Internet statt – und dort eskalieren sie oft schneller, als dass sie verstanden werden. Alle haben eine Meinung, aber kaum noch Räume, in denen man sich wirklich begegnet. „Glauben & Denken“ ist unser Versuch, genau so einen Raum zu schaffen: offline, echt, mit Menschen, die sich ansehen, widersprechen und zuhören. Und gleichzeitig orientieren wir uns bewusst am Dreischritt von Dorothee Sölle: Information, Kontemplation, Aktion. Also nicht nur reden – sondern verstehen, reflektieren und daraus etwas machen.

Glauben & Denken gehören doch eigentlich zusammen – warum muss man das extra betonen?

Tim Lahr:  Weil sie im Alltag oft auseinandergerissen sind. Im Netz wird extrem viel gedacht – schnell, zugespitzt, oft aggressiv. In der Kirche wird oft geglaubt –  manchmal zu wenig hinterfragt. Wir versuchen, beides wieder zusammenzubringen. Nicht abstrakt, sondern konkret im Raum. Dass Menschen, die sich sonst vielleicht nur in Kommentarspalten begegnen würden, plötzlich nebeneinandersitzen und merken: Da ist ein Mensch, nicht nur eine Meinung. Auch hier hilft uns dieser Dreischritt: Erst Information – also wirklich verstehen, worum es geht. Dann Kontemplation – aushalten, was das mit mir macht. Und erst dann Aktion – also Position beziehen. Das verändert die Qualität von Gesprächen komplett.

Ihr legt biblische Texte und gesellschaftliche Fragen bewusst nebeneinander – was ist euer Ziel?

Tim Lahr: Unser Ziel ist nicht Harmonie. Unser Ziel ist Reibung – aber eine konstruktive. Wir bringen bewusst Dinge zusammen, die Spannung erzeugen: ein biblischer Text und eine aktuelle gesellschaftliche Frage. Und dann passiert etwas: Die Diskussion wird tiefer als das, was man aus Social Media kennt. Weil wir eben nicht sofort reagieren müssen. Weil wir Zeit haben. Weil wir uns gegenseitig wahrnehmen. Und weil wir diesen Prozess strukturieren: Information – wir holen alle auf einen Stand. Kontemplation – wir lassen Raum für persönliche Resonanz. Aktion – wir überlegen, was das konkret für unser Handeln bedeutet. Das Ziel ist nicht die schnelle Antwort, sondern eine andere Art zu denken. Weniger reflexhaft, mehr reflektiert.

Wie sind eure ersten Erfahrungen?

Tim Lahr: Überraschend stark. Was mich am meisten beeindruckt: Menschen nutzen diesen Raum wirklich anders als das, was sie aus dem Internet kennen. Es wird diskutiert, teilweise auch kontrovers. Aber es kippt nicht so schnell ins Persönliche oder ins Rechthaben. Das liegt genau an diesem Setting: Man sitzt zusammen, man hört einander, man hält auch mal Stille aus. Und viele sagen hinterher: „So habe ich noch nie über das Thema nachgedacht.“ Gleichzeitig merken wir auch: Das Format fordert mehr. Es ist kein Konsumformat, man muss sich einlassen. Genau darin liegt die Kraft: ein Raum, der Menschen wieder ins echte Gespräch bringt – jenseits von Kommentarspalten.

 

Empfehlungen:

So. 30. August 11:00 Uhr

„Glauben & Denken“ Gottesdienst

St. Johannes-Kirche, Köln Deutz, Tempelstr. 29

Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

 

So. 20. September 11:00 Uhr

„Mensch Erde!“  Der ökologische Gottesdient

Stadtkirche Köln-Chorweiler, Pariser Platz 32

„Mensch, Erde!“ ist eine besondere Gottesdienstform, die der ökologischen Krise einen geistlichen Ort gibt. Ein Ort für Christ:innen, die von Klimawandel und Schöpfungsliebe bewegt sind. Es ist ein liturgisches Format, in dem der Schmerz um Gottes Schöpfung wahrgenommen und den spirituellen Fragen in dieser Krise Raum gegeben wird.

„Mensch, Erde!“ will dabei auch informieren, inspirieren und unterstützen, ins Handeln zu kommen. Die Verbindung von Spiritualität und praktischem Handeln ist ein zentrales Anliegen.
Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

 

So, 27.09.2026, 11:00 – 12.45 Uhr

Ökumenische Beatmesse – auch im Livestream

zum Thema sexualisierte Gewalt in den Kirchen

Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln

Liturgie: Pfarrer Ivo Masanek, Dominikanerpater Diethard Zils.

Musik: RUHAMA.

Predigt: Marcus Bensmann, Investigativjournalist für das Recherchenetzwerk Correctiv. Nach dem Mittagessen folgen der Correctiv-Film „Die Akten des Missbrauchs“ und Austausch mit dem Journalisten. (www.beatmesse.de)

Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

Wie wir werden, wer wir sind: Un/Doing Age

„Im Prinzip ist das Alter bei uns erlaubt, es wird nur nicht gern gesehen!“ – Diese spitze Bemerkung von Dieter Hildebrandt trifft den Kern einer gesellschaftlichen Herausforderung. Wie wir altern, ist nicht nur eine biologische Tatsache, sondern ein fortwährender Prozess der Inszenierung und Dekonstruktion.

Das Konzept „Doing Age“: Die Bühne des Älterwerdens

In der Soziologie hat sich der Begriff Doing Age (in Anlehnung an das Konzept des „Doing Gender“) etabliert. Er besagt, dass Alter nichts ist, was man einfach „hat“, sondern etwas, das man „tut“. Wir stellen Alter her – durch unsere Kleidung, unsere Bewegungen, unsere Sprache und die Art, wie wir am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Körperliche Zeichen des Älterwerdens sind dabei weit mehr als biologische Marker; sie fungieren als alterssignifikante Symbole. Sie bestimmen, wie wir von anderen wahrgenommen und oft auch kategorisiert werden. Doch hier entsteht oft eine Diskrepanz: Viele Menschen erleben das sogenannte „Masken-Phänomen“. Man fühlt sich im Inneren agil und unverändert, während die äußere Erscheinung wie eine Maske wirkt, die die „wahre“, zeitlose Identität dahinter verbirgt. Wir handeln ständig in einem Spannungsfeld zwischen innerem Erleben und äußerer Erwartung.

„Undoing Age“: Die Befreiung von der Norm

Hier setzt das Gegenkonzept an: Undoing Age. Wenn Alter eine soziale Konstruktion ist, dann können wir diese Konstruktion auch wieder auseinandernehmen (dekonstruieren). Es geht darum, die starren Altersnormierungen und die oft einseitigen, einschränkenden Leitbilder unserer Gesellschaft zu demontieren.

Undoing Age bedeutet:

  • Die Gleichung „Schönheit = Jugend“ aktiv zu verlernen.
  • Räume zu öffnen für neue, vielfältige Arten des Alterns.
  • Sich gegen die Unsichtbarkeit im öffentlichen Raum zu wehren.

„Neue Bilder braucht das Altern – aber wie wollen wir uns selber sehen?“

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Seminarankündigung: Alter, Schönheit und Sichtbarkeit

Wie gehen wir mit unseren eigenen Altersbildern um? Wie nehmen wir andere Frauen wahr, und wie eignet man sich als ältere Frau den öffentlichen Raum an? In unserem kommenden Workshop widmen wir uns genau diesen Fragen mit einer Mischung aus Theorie, Beobachtung und kreativer Praxis.

Workshop-Details

Daten: 12. September 2026, 11-16 Uhr | 27€

Fokus: Sichtbarkeit, Altersbilder und kreative Aneignung

Was erwartet Sie?

  • Reflexion: Wir beschäftigen uns mit unserem persönlichen „Doing Age“ und hinterfragen herrschende Schönheitsideale.
  • Veedels-Spaziergang: Wir verlassen den Seminarraum und gehen auf Entdeckungstour. Wie zeigen sich ältere Frauen in unserem Viertel? Welche Präsenz haben sie im öffentlichen Raum?
  • Kreative Werkstatt: Unsere Beobachtungen halten wir künstlerisch fest. Ob Fotografie, Zeichnung oder Collage – wir geben dem Altern ein neues, eigenes Gesicht.
  • Diskurs: Gibt es Kunst im öffentlichen Raum, die ältere Frauen zeigt? Und vor allem: Wie möchten wir dargestellt werden?

Lassen Sie uns gemeinsam die Vielfalt feiern, die uns täglich umgibt, und neue Perspektiven auf das Thema Alter und Schönheit gewinnen. Wir freuen uns auf einen inspirierenden Tag voller Entdeckungen!

„Zuhören als Lebensmotto“. Danke, Margret und Werner Müller!

Am 14. Oktober 2026 wird Margret Müller um 19.00 Uhr im Kollwitz Museum der diesjährige Giesberts-Lewin-Preis der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit verliehen. Mit dem Preis wurden in den letzten Jahren herausragende Persönlichkeiten wie z. B. Gerhart Baum, Beate Klarsfeld, Volker Beck, Dr. Barbara Becker-Jákli und Esther Bejarano mit der Band Microphone Mafia geehrt.

Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Gesellschaft, betonte in seiner Rede bei der Preisverleihung an Letztere: „Eine Parallele zwischen den Namensgebern unseres Preises, Johannes Giesberts und Dr. Shaul Lewin, und unseren heutigen Preisträgern ist die kontinuierliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus und der damit verbundene lange Atem, der notwendig ist bei der gesellschaftlichen Vermittlung dieses höchst schwierigen Themas. Sie setzen die Erinnerung an den Nationalsozialismus immer wieder in Bezug zur Gegenwart.“

Genau in diesem Sinne hat sich Margret Müller – und zwar immer zusammen mit ihrem am 16. April 2025 verstorbenen Mann Werner – in besonderer Weise verdient gemacht. Im Jahr 2022 wurden beide deshalb bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Geehrt wurde damit ihr jahrzehntelanges Engagement, den Überlebenden des Holocaust in der Ukraine und in Polen eine Stimme zu geben und ihre Geschichten zu dokumentieren. Sie haben damit in einer Zeit begonnen, in der diese Arbeit alles andere als einfach war – nur wenige in Deutschland hatte sich zuvor mit den Gräueln der Nationalsozialisten und ihrer Helfer in Polen und der Ukraine – geschweige denn mit den Opfern der Barbarei – beschäftigt, der Kalte Krieg erschwerte grenzüberschreitendes Engagement und Kontakte massiv. Im Gespräch mit Studienleiter Dr. Stefan Hößl geht sie auf die zugrundeliegende Motivation und die damit verbundene Selbstverpflichtung mit den schlichten Worten ein: „… das war einfach nötig.“

Das Ehepaar Müller besuchte unzählige Male Polen und die Ukraine, führte Interviews mit Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie, korrespondierte und sammelte Dokumente. Vertrauen entstand. Freundschaften entstanden. Die Bereitschaft und die Selbstverpflichtung, Verantwortung übernehmen zu wollen, blieb beständig.

Über die Jahre erschienen mehrere Publikationen, von denen das 2019 veröffentlichte Buch „Leben und Tod in der Epoche des Holocausts in der Ukraine“, welches das Ehepaar Müller gemeinsam mit dem ukrainischen Historiker Dr. Boris Zabarko herausgab, besonders hervorzuheben ist. In ihm sind unzählige Zeugnisse von KZ- und Ghetto-Überlebenden dokumentiert. Zu diesem über 1.100 Seiten umfassenden Werk bemerkt Prof. Dr. Wolfgang Benz, ehem. Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, ganz offensichtlich beeindruckt: „Das Buch ist in seiner Monumentalität nur mit Claude Lanzmanns Film ‚Shoah‘ zu vergleichen“.[1]

Werner und Margret Müller haben bereits zugehört, als nur wenige zuhören wollten; Frau Müller spricht von „Zuhören als Lebensmotto“.

Die beiden haben dokumentiert, damit das Geschehene niemals in Vergessenheit gerät. Sie haben Menschen, die nicht wahrgenommen und gehört wurden, zugehört und ihre Berichte anderen zugänglich gemacht. Sie haben Vertrauen geschaffen und Brücken gebaut. Und sie haben hat nicht mehr aufgehört damit – jahrzehntelang und immer zusammen.

Ein solches Engagement, ein solches Lebenswerk ist wahrlich außergewöhnlich.

Die Melanchthon-Akademie gratuliert von Herzen!

Bilder: © Metropol-Verlag, zwei Fotos: © privat

[1] Vgl. https://www.sueddeutsche.de/politik/holocaust-ukraine-1.4887923.

Christliche Spiritualität ist eine Übungspraxis

Spiritualität ist eine Übungspraxis, dieser Satz klingt banal. Doch wenn es darum geht, nicht darüber zu reden, sondern ins Handeln zu kommen, stoßen wir sehr schnell an unsere Grenzen.

Was kann ich denn tun?

Christliche Spiritualität ist ein Transformationsgeschehen.

Ein Weg der Umkehr hin zu Frieden und Versöhnung. Dazu braucht es Mitgefühl. All das passiert nicht einfach so, sondern muss geübt werden: eingeübt und ausgeübt.

Wir denken meist ans Ausüben. Deutlich wird dies an der Formulierung: „Nächstenliebe üben“.

Wir hören sofort den Auftrag, sie zu tun, sie auszuüben. Doch wir wissen, ohne sie vorher für uns selbst einzuüben, gelingt das nicht ohne Weiteres.

Das Christentum ist durchaus  reich an Übungswegen, Herzensgebet, Kontemplation, Exerzitien, geistliche Übungen ökologischer Spiritualität und mehr. Das ist wichtig, weil der Wunsch nach Veränderung, Transformation oder Umkehr ohne das Wissen, wie es gehen kann, ohne „Umkehr-Know-how“ einfach wenig bringt.

Welcher Weg passt zu mir?

Im nächsten Semester können Sie aus unterschiedlichen Übungspraktiken wählen.

Keiner dieser Übungswege ist eine Heilslehre an sich, aber sie sind hilfreich, um die eigene christliche Spiritualität vital zu erhalten oder vitaler zu machen.

Und wir gehen die Übungswege gemeinsam. Es geht ja gerade um Verbundenheit, viele Prozesse funktionieren nur gemeinsam mit anderen.

Was ist das Herzensgebet?

Es gibt viele mögliche Antworten: ein Meditationsweg, ein schweigendes Gebet, ein Gebet, das sich immer wiederholt, ein Mantra, eine Übung für besondere Zeiten und gleichsam immerwährende Übung…

Ganz praktisch ist das Herzensgebet eine Meditationsübung, bei der ein geistliches Wort – in der Urform der Name Jesu – immerwährend innerlich gesprochen wird.

Das Wort wird dabei ständig wiederholt, verbunden mit dem Atem, Atemzug um Atemzug.

Die Schlichtheit und Gradlinigkeit des Herzensgebets sind seine Stärke.

Das Komplexe ist nicht die konsequente Übung, es ist der Prozess, auf den der Mensch sich mit diesem Übungsweg einlässt. (Rüdiger Maschwitz: Das Herzensgebet)

Was ist Handauflegen?

Das Handauflegen ist eine Gabe, die in jedem Menschen angelegt ist. Behutsame Berührung in achtsamer Präsenz – getragen von einer klaren ethischen Haltung – kann eine unterstützende Kraft entfalten. Sie ermöglicht eine Verbindung zum inneren Wesen, zur Quelle und zu den selbstregulierenden Kräften. Sie öffnet den Zugang zu dem, was in jedem Menschen heil und unverlierbar bleibt. Open Hands verbindet dabei alte Weisheit mit moderner Wissenschaft und erfährt zunehmend Anerkennung als begleitendes Angebot in öffentlichen Einrichtungen.
(Lydia Debusmann: www.handauflegen-als-weg.de )

Was ist Gewaltfeie Kommunikation?

Die „Gewaltfeie Kommunikation“ GFK (nach Marshall Rosenberg) ist eine Selbsterkundungspraxis mit dem Ziel, das menschliche Zusammenleben zu verbessern.

Im Kern geht es darum, Bedürfnisse zu klären – die eigenen und die der anderen.

Oft wird sie als reine Kommunikationsmethode verstanden, sie ist aber im Grunde eine Friedens -Versöhnungs- und Heilungsarbeit.

Die GFK hat keine religiösen Bezüge, doch was den Kern christlicher Spiritualität ausmacht, kann durch die GFK stärker im Alltag gelebt und geübt werden. Warum?
Die GFK bietet ein großes Repertoire an Handwerkszeug, um das zu leben, was Jesus lehrte: Umkehr und Liebe.

Die GFK hilft einen anderen Lebensstil einzuüben und stärkt die Fähigkeit zu lieben, sowohl sich selbst als auch andere. (Martin Horstmann: erdliebe.org)

Was ist ökologische Spiritualität?

Was trägt dich? Vielleicht ist die Antwort näher, als du denkst: die Erde, auf der du gehst und stehst. Die Erde, die dich nährt, dir Heimat gibt und Leben ermöglicht. Zu spüren, dass wir von der Erde getragen sind, ist eine tiefe spirituelle Erfahrung.

Es geht um Praktiken und geistliche Übungen einer „ökologischen Spiritualität“. Wir suchen in der Mitte und an den Rändern der christlichen Tradition, was uns trägt – in Verbundenheit mit der Erde und allem Leben auf ihr.

 Seminarempfehlungen:

Mi, 23.09.26, / 30.09.26, /, 07.10.26, /  14.10.26, 17-18:30 Uhr

Schweigen – Gehen – Sitzen – Hören

Einführungsseminar in das Herzensgebet der christlichen Tradition

Ursula Gröger-Mocka

4 Termine |60 Euro| 64244R

Beginn: Fr, 18.09.  Uhr   19.30-21:00 Uhr

In der Stille mit Gott

Regelmäßige Gruppe zum Herzensgebet im Rechtsrheinischen

Ira und Lothar Linz

7 Termine |kostenlos | 264245R

Fr., 20.11. von 16-20 Uhr und Sa., 21.11. von 9:30-17 Uhr

Handauflegen – Open Hands Einführungskurs

Der Kurs richtet sich an Interessierte mit und ohne Vorerfahrung.

Lydia Debusmann und Elisabeth Reiter

Haus der Evangelischen Kirche

1 Termin |130 Euro | 264247R

Beginn: Mo, 14.09.    18.30-21.15 Uhr

Übungsgruppen Handauflegen

Für Menschen mit „Open Hands“-Einführung

Elisabeth Reiter und Margret Diedenhofen

2 Termine |22 Euro pro Termin | 264248R

Sa. 19.09., 10-16 Uhr

Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation

Ich sein – in der Gemeinschaft mit anderen

Sigrid Schulze

1 Termin |48 Euro | 264241R

Beginn Fr, 28.08.-04.12., 17-19 Uhr

Worte verwandeln im Rechtsrheinischen

GFK-Übungsgruppe – weil jede Sprache Training braucht…

Antje Rinecker

5 Termine |60 Euro | 264243 R

Mi, 16.09.-09.12.    18-20 Uhr

GFK-Übungsgruppe im Linksrheinischen

Weil jede Sprache Training braucht …

Sigrid Schulze

4  Termine| 50 Euro | 264242R

Mo, 31.08, 12.10., 16.11., 21.12.    19:00-20:30 Uhr

Was dich trägt

Übungsgruppe Ökologische Spiritualität – online

Alle, die Lust haben, christliche Spiritualität „ökologisch fruchtbar“ zu machen, sind herzlich eingeladen, an der Übungsgruppe teilzunehmen.

Martin Horstmann

4 Termine |kostenfrei | 264253 Ho

„Low tech“ als Selbstermächtigung: Ein neuer Zugang zur Nachhaltigkeits-Bildung. Interview mit Erhard Maria Klein

Unsere Welt wird immer komplexer. So weit, so bekannt. Doch wie reagieren wir darauf? In der Regel mit noch mehr Komplexität. Das kann man besonders gut im technischen Bereich sehen: Ständig müssen wir unsere Computer aufrüsten, updaten oder sogar neu kaufen, weil die Anforderungen immer höher werden – dabei machen wir mit unseren Rechnern meist das gleiche, wie Jahre zuvor. Wir müssen beschleunigen, um standzuhalten, sagt der Soziologe Hartmut Rosa. Oder ist es doch möglich, wieder in einfacheren Lösungen zu denken, unsere Abhängigkeiten von Systemen reduzieren, die wir längst nicht mehr verstehen und uns selbst wieder handlungsfähig zu machen? Die „Low tech“-Idee will genau das. Auf den ersten Blick sieht es vielleicht wie Bastler-Romantik aus, aber es ist viel mehr. Studienleiter Dr. Martin Horstmann spricht mit Erhard Maria Klein, einem profunden Kenner der „Low tech“-Szene. Ende September gibt Erhard Maria Klein eine Einführung in die „Low tech“-Prinzipien als Auftakt zu einer neuen Serie: „Low Tech Lessons“.

Du beschäftigst dich im Grunde schon dein Leben lang mit der Idee von „Low tech“. Was ist das denn eigentlich?

Erhard Maria Klein: „Low tech“ meint einfache, nachhaltige und reparaturfreundliche Technologien, die wenig Energie verbrauchen. Vieles kann man sogar selbst bauen – wenn man das denn will. „Low tech“ spielt natürlich sprachlich mit dem Gegensatz zu „high tech“, aber es ist keineswegs technologiefeindlich. Es geht also um eine Technik, die gesellschaftlich verstehbar, aneignungsfähig und selbstbestimmter nutzbar bleibt.

Wasserfilter, Kochkisten, Solarladestationen, Warmwasseraufbereitung… all das kann „Low tech“ sein.

Erhard Maria Klein: Ja. Das sind alles gute Beispiele. Aber es gibt die Tendenz, den Begriff auf konkrete Produkte anzuwenden und als Label zu vermarkten, etwa bei „Low-tech-Gebäuden“. Auch das „Low-tech-Lab“ rund um Corentin de Chatelperron, dessen Arbeit ich sehr schätze, verfolgt stärker einen konkreten, praxis- und technologiebezogenen Ansatz: Low tech erscheint dort oft als Sammlung nützlicher, zugänglicher und reproduzierbarer Lösungen.

Was ist es denn dann für dich?

Erhard Maria Klein: Erstmal: „Low tech“ ist kein geschützter oder eindeutiger Begriff. Deshalb existieren unterschiedliche Deutungen: von konkreten technischen Lösungen über Designprinzipien bis hin zu umfassender Gesellschaftskritik. Ich vertrete ganz klar den Ansatz, den Kris De Decker mit dem „Low-Tech-Magazine“ geprägt hat.

Er verwendet „Low tech“ nicht als Bastlerromantik oder Produktkategorie, sondern als Technik-, Energie- und Zivilisationskritik. Die Grundannahme ist: Nicht jedes gesellschaftliche oder ökologische Problem verlangt nach einer neuen Hightech-Lösung. Stattdessen geht es darum, welche einfacheren, sparsameren oder historisch verdrängten Systeme unter den Bedingungen ökologischer und materieller Grenzen tragfähiger sein könnten.

Die zentrale Frage ist: Welche Bedürfnisse haben wir und welche technische Komplexität ist dafür überhaupt nötig? Low tech ist hier also nicht „weniger fortschrittlich“, sondern die Suche nach einem angemessenen technischen Niveau innerhalb planetarer Grenzen.

Das heißt konkret: Man schaut auf den Energiebedarf, die erforderlichen Ressourcen und Lieferketten, die Reparierbarkeit, die Skalierung, und schließlich auch auf die Machtstrukturen und den gesellschaftlichen Kontext. Low tech ist damit weniger eine Eigenschaft von Dingen als eine Frage nach ihrer Angemessenheit.

Low tech ist denn eher ein Mindset? Kann man das so sagen?

Erhard Maria Klein: Genau. Eine Art Methode, technologische Selbstverständlichkeiten zu überprüfen, ob sie unter realen ökologischen, sozialen und energetischen Bedingungen dauerhaft sinnvoll sind.

Und wonach beurteilt man, ob etwas in diesem Sinne angemessen ist?

Erhard Maria Klein: Ein zentrales Prinzip wäre zum Beispiel: Energiebegrenzung statt Energieblindheit. Viele Hightech-Systeme setzen voraus, dass Energie billig und dauerhaft verfügbar ist. Low tech fragt dagegen: Welche Technologien bleiben auch dann tragfähig, wenn Energie knapp, lokal oder unzuverlässig ist? Daher das Interesse an Windkraft, Fahrradinfrastruktur, Solarthermie oder mechanischen Lösungen.

Mir gefällt daran, dass solche Lösungen irgendwie „handhabbarer“ sind…

Erhard Maria Klein: Ja, darum geht’s. Komplexitätsreduktion als Resilienzstrategie könnte man dieses Prinzip nennen. Bevorzugt wird alles, was reparierbar, lokal wartbar, transparent und weniger abhängig ist von globalen Lieferketten, Spezialwissen oder seltenen Rohstoffen. Ivan Illich hat dies mit seiner Idee der „Konvivialität“ bereits beschrieben: Technik soll menschliche Handlungsspielräume erweitern, gemeinschaftlich nutzbar bleiben und Menschen nicht durch übermäßige Systemkomplexität, Expertenabhängigkeit oder technokratische Kontrolle entmündigen.

Woher kommen die Ideen?

Erhard Maria Klein: Im Low-tech-Denken gelten vergangene Techniken als Ideenarchiv für post-fossile Zukünfte. Aber alte Technologien gelten nicht automatisch als besser, sondern als verdrängtes Reservoir möglicher Lösungen. Historisches Lernen statt Fortschrittslinearität!

„Low tech“ ist also nicht „Zurück in die Vergangenheit“, sondern eher Fortschritt durch Begrenzung, selektive Wiederentdeckung und technische Demut. Manchmal ist weniger Technik die intelligentere Technologie. Zugespitzt formuliert: Low tech ist nicht die Ablehnung von Fortschritt, sondern die Kritik an Fortschritt, wenn darunter immer mehr Komplexität, Energieverbrauch und Abhängigkeit verstanden wird.

Links

https://solar.lowtechmagazine.com/de/

https://lowtechlab.org/en

Bilder: Screenshots

Programmhinweise

einfach, nachhaltig, krisensicher

Mit „Low tech“ zur Selbstermächtigung

Di, 29.09.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

Low Tech Lessons (1): Heizen

Menschen wärmen, nicht Räume

Di, 17.11.2026, 19:30-21:00, online, 8€

Mit Erhard Maria Klein

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