Schlagwort: Spiritualität im Alltag

Christliche Spiritualität ist eine Übungspraxis

Spiritualität ist eine Übungspraxis, dieser Satz klingt banal. Doch wenn es darum geht, nicht darüber zu reden, sondern ins Handeln zu kommen, stoßen wir sehr schnell an unsere Grenzen.

Was kann ich denn tun?

Christliche Spiritualität ist ein Transformationsgeschehen.

Ein Weg der Umkehr hin zu Frieden und Versöhnung. Dazu braucht es Mitgefühl. All das passiert nicht einfach so, sondern muss geübt werden: eingeübt und ausgeübt.

Wir denken meist ans Ausüben. Deutlich wird dies an der Formulierung: „Nächstenliebe üben“.

Wir hören sofort den Auftrag, sie zu tun, sie auszuüben. Doch wir wissen, ohne sie vorher für uns selbst einzuüben, gelingt das nicht ohne Weiteres.

Das Christentum ist durchaus  reich an Übungswegen, Herzensgebet, Kontemplation, Exerzitien, geistliche Übungen ökologischer Spiritualität und mehr. Das ist wichtig, weil der Wunsch nach Veränderung, Transformation oder Umkehr ohne das Wissen, wie es gehen kann, ohne „Umkehr-Know-how“ einfach wenig bringt.

Welcher Weg passt zu mir?

Im nächsten Semester können Sie aus unterschiedlichen Übungspraktiken wählen.

Keiner dieser Übungswege ist eine Heilslehre an sich, aber sie sind hilfreich, um die eigene christliche Spiritualität vital zu erhalten oder vitaler zu machen.

Und wir gehen die Übungswege gemeinsam. Es geht ja gerade um Verbundenheit, viele Prozesse funktionieren nur gemeinsam mit anderen.

Was ist das Herzensgebet?

Es gibt viele mögliche Antworten: ein Meditationsweg, ein schweigendes Gebet, ein Gebet, das sich immer wiederholt, ein Mantra, eine Übung für besondere Zeiten und gleichsam immerwährende Übung…

Ganz praktisch ist das Herzensgebet eine Meditationsübung, bei der ein geistliches Wort – in der Urform der Name Jesu – immerwährend innerlich gesprochen wird.

Das Wort wird dabei ständig wiederholt, verbunden mit dem Atem, Atemzug um Atemzug.

Die Schlichtheit und Gradlinigkeit des Herzensgebets sind seine Stärke.

Das Komplexe ist nicht die konsequente Übung, es ist der Prozess, auf den der Mensch sich mit diesem Übungsweg einlässt. (Rüdiger Maschwitz: Das Herzensgebet)

Was ist Handauflegen?

Das Handauflegen ist eine Gabe, die in jedem Menschen angelegt ist. Behutsame Berührung in achtsamer Präsenz – getragen von einer klaren ethischen Haltung – kann eine unterstützende Kraft entfalten. Sie ermöglicht eine Verbindung zum inneren Wesen, zur Quelle und zu den selbstregulierenden Kräften. Sie öffnet den Zugang zu dem, was in jedem Menschen heil und unverlierbar bleibt. Open Hands verbindet dabei alte Weisheit mit moderner Wissenschaft und erfährt zunehmend Anerkennung als begleitendes Angebot in öffentlichen Einrichtungen.
(Lydia Debusmann: www.handauflegen-als-weg.de )

Was ist Gewaltfeie Kommunikation?

Die „Gewaltfeie Kommunikation“ GFK (nach Marshall Rosenberg) ist eine Selbsterkundungspraxis mit dem Ziel, das menschliche Zusammenleben zu verbessern.

Im Kern geht es darum, Bedürfnisse zu klären – die eigenen und die der anderen.

Oft wird sie als reine Kommunikationsmethode verstanden, sie ist aber im Grunde eine Friedens -Versöhnungs- und Heilungsarbeit.

Die GFK hat keine religiösen Bezüge, doch was den Kern christlicher Spiritualität ausmacht, kann durch die GFK stärker im Alltag gelebt und geübt werden. Warum?
Die GFK bietet ein großes Repertoire an Handwerkszeug, um das zu leben, was Jesus lehrte: Umkehr und Liebe.

Die GFK hilft einen anderen Lebensstil einzuüben und stärkt die Fähigkeit zu lieben, sowohl sich selbst als auch andere. (Martin Horstmann: erdliebe.org)

Was ist ökologische Spiritualität?

Was trägt dich? Vielleicht ist die Antwort näher, als du denkst: die Erde, auf der du gehst und stehst. Die Erde, die dich nährt, dir Heimat gibt und Leben ermöglicht. Zu spüren, dass wir von der Erde getragen sind, ist eine tiefe spirituelle Erfahrung.

Es geht um Praktiken und geistliche Übungen einer „ökologischen Spiritualität“. Wir suchen in der Mitte und an den Rändern der christlichen Tradition, was uns trägt – in Verbundenheit mit der Erde und allem Leben auf ihr.

 Seminarempfehlungen:

Mi, 23.09.26, / 30.09.26, /, 07.10.26, /  14.10.26, 17-18:30 Uhr

Schweigen – Gehen – Sitzen – Hören

Einführungsseminar in das Herzensgebet der christlichen Tradition

Ursula Gröger-Mocka

4 Termine |60 Euro| 64244R

Beginn: Fr, 18.09.  Uhr   19.30-21:00 Uhr

In der Stille mit Gott

Regelmäßige Gruppe zum Herzensgebet im Rechtsrheinischen

Ira und Lothar Linz

7 Termine |kostenlos | 264245R

Fr., 20.11. von 16-20 Uhr und Sa., 21.11. von 9:30-17 Uhr

Handauflegen – Open Hands Einführungskurs

Der Kurs richtet sich an Interessierte mit und ohne Vorerfahrung.

Lydia Debusmann und Elisabeth Reiter

Haus der Evangelischen Kirche

1 Termin |130 Euro | 264247R

Beginn: Mo, 14.09.    18.30-21.15 Uhr

Übungsgruppen Handauflegen

Für Menschen mit „Open Hands“-Einführung

Elisabeth Reiter und Margret Diedenhofen

2 Termine |22 Euro pro Termin | 264248R

Sa. 19.09., 10-16 Uhr

Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation

Ich sein – in der Gemeinschaft mit anderen

Sigrid Schulze

1 Termin |48 Euro | 264241R

Beginn Fr, 28.08.-04.12., 17-19 Uhr

Worte verwandeln im Rechtsrheinischen

GFK-Übungsgruppe – weil jede Sprache Training braucht…

Antje Rinecker

5 Termine |60 Euro | 264243 R

Mi, 16.09.-09.12.    18-20 Uhr

GFK-Übungsgruppe im Linksrheinischen

Weil jede Sprache Training braucht …

Sigrid Schulze

4  Termine| 50 Euro | 264242R

Mo, 31.08, 12.10., 16.11., 21.12.    19:00-20:30 Uhr

Was dich trägt

Übungsgruppe Ökologische Spiritualität – online

Alle, die Lust haben, christliche Spiritualität „ökologisch fruchtbar“ zu machen, sind herzlich eingeladen, an der Übungsgruppe teilzunehmen.

Martin Horstmann

4 Termine |kostenfrei | 264253 Ho

ZUSAMMEN. LEBEN. GESTALTEN. Unser neues Programm lädt Sie ein!

Unser neues Programm ist da. ZUSAMMEN. LEBEN. GESTALTEN. ist nicht nur der Titel einer spannenden Fortbildungsreihe, die unsere Kollegin Antje Rinecker auf den Weg gebracht hat und seit Beginn des Jahres 2025 mit anderen Studienleitenden und Kooperationspartner:innen umsetzt. In dieser Worte-Trias spiegeln sich vielmehr essentielle Aspekte der Arbeit und des Selbstverständnisses der Melanchthon-Akademie, angefangen beim Fokus auf Gemeinschaftliches (zusammen!), aber auch hinsichtlich einer Handlungsorientierung (gestalten!).

Im Gestalten steckt viel: Aktivität. Optimismus, etwas umsetzen, schaffen oder entstehen lassen zu können. Aber auch ein Lernen in Bezug auf das WIE des Gestaltens, etwa, wenn es um neue Techniken, Perspektiven, Möglichkeitsräume oder Herangehensweisen geht. Durch die Einbettung von LEBEN zwischen ZUSAMMEN und GESTALTEN werden schließlich Möglichkeiten zum neuen Arrangement der Worte wie ZUSAMMENLEBEN GESTALTEN erkennbar.

Zusammen.Leben.Gestalten. Vor dem Hintergrund der globalen Krise liberaler Demokratien und damit verbundener Brüche und Polarisierungen stecken in diesen Worten immer auch Wertorientierungen – und diese finden auch in unserem aktuellen Programm ihren Ausdruck.

Unser aktuelles Titelbild greift vieles hiervon auf. Es ist in der Veranstaltung „Kintsugi in der Trauerarbeit“ entstanden. Die japanische Reparaturtechnik „Kintsugi“, bei der Zerbrochenes mit Gold sichtbar zusammengefügt wird, steht sinnbildlich für den achtsamen Umgang mit Brüchen und deren Spuren. Thematisch verbunden ist hiermit immer eine gewisse Unvollkommenheit und Verletzlichkeit, aber auch das Nachdenken über biografische und gesellschaftliche Risse sowie Verwundungen und das, was daraus entstehen kann, drängt sich recht unmittelbar auf. Mit Fokus auf „Risse“ finden sich im aktuellen Programm zahlreiche Veranstaltungsformate.

Insbesondere laden wir sie in diesem Zusammenhang ganz herzlich zu Erkundungen im „Raum für Risse“ am 27. September auf dem Gelände der Kartäuserkirche ein.

Aus der Tagung „Traumasensiblere Kirche werden“ ergaben sich wertvolle Impulse und Fragen, aus denen wir weitere Bildungsangebote entwickeln.

2025 ist ein Jubiläumsjahr – auch eines, in dem dem ZUSAMMEN eine besondere Bedeutung zukommt. Vor 1.700 Jahren, im Jahr 325, fand das ökumenische Konzil von Nicäa statt. Hier rangen Christ*innen mit Fragen ihres Glaubens. Die damals noch junge Kirche gab sich ein verbindliches Bekenntnis, eine Lehrgrundlage für eine Gemeinschaft, die zur Weltreligion wurde. Gleichwohl war und ist es ein fragiles Projekt, den komplexen christlichen Glauben in eine verbindliche Form zu versetzen. Bestimmte Erfahrungen kamen und kommen dabei nicht alle zu Wort. Wie pluralitäts- und dialogfähig ist also das Christentum? Was bedeutet es heute, ‚meinen‘ Glauben zu bekennen und zu vertreten? In verschiedenen Veranstaltungen mit verschiedenen ökumenischen Partner:innen rückt das Bekenntnis von Nicäa in diesem Halbjahr in den Mittelpunkt – nicht nur über das Wort, sondern auch über die Musik. Freuen Sie sich besonders auf eine musikalische Uraufführung des CREDO im Kölner Dom am 26. September 2025 um 16.30 Uhr und auf die anschließende Soirée im Domforum.

Auch im neuen Semester wird an unserem Dauerthema „Stadt der Zukunft“ weitergearbeitet und -gestaltet: Neben Veranstaltungen im Stadtraum und zu den Themen Stadt, Beteiligung und Intervention im öffentlichen Raum nimmt dabei die Ausstellung „Die Stadt aus meiner Perspektive“ eine besondere Bedeutung ein. Über ein Jahr lang fotografierten dafür Klient:innen der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie am Kölner Salierring mithilfe von Einwegkameras. Entstanden ist daraus eine schonungslos-beeindruckende, sensible bis kraftvolle, vielfältig-bewegende Fotostrecke, zu der Sie mehr in diesem Heft erfahren können. Im Fokus steht dabei die selbst erzählte Geschichte.

Mit Blick auf das ZUSAMMEN sind auch aus unserer Akademie Neuigkeiten zu vermelden: Seit April 2025 ist unser Kollege Dr. Martin Horstmann nach einjährigem Projekt in der „Werkstatt Ökonomie“ in Heidelberg wieder zurück auf seiner Stelle als Studienleiter und damit zurück im Team der Akademie, was uns alle sehr freut – in menschlich-kollegialer, aber auch in fachlicher Hinsicht und mit Blick auf die inhaltliche Breite unserer Veranstaltungen im Fachbereich „Nachhaltigkeit“.

Als Einrichtung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region sind auch wir als Akademie von den drastisch schwindenden finanziellen Mitteln, die uns durch die Kirchensteuer zukommen, betroffen. Der Vorstand des Kirchenverbandes hat uns deshalb gebeten, eine moderate Erhöhung der Teilnehmendengebühren für unsere Veranstaltungen anzustoßen. Das haben wir für das kommende Semester getan. Gleichwohl gibt es weiterhin die gewohnten Ermäßigungen! Bitte sprechen Sie uns an, wenn es für Sie mit Schwierigkeiten verbunden sein sollte, die Teilnahmebeiträge aufzubringen. Dann finden wir einen Weg. Ihre Nachfrage behandeln wir immer vertraulich.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns ZUSAMMEN.LEBEN.GESTALTEN!

Text: Team der Melanchthon-Akademie

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