Schlagwort: christliche Spiritualität

„Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Evangelische Kommunität im „Campus Kartause“ geplant

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine evangelische Kommunität geplant: Das  Wohnprojekt ist inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona  und wird Anfang 2027 bezugsfertig sein. Bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge unterschrieben werden.

Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, berichtete auf der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region, dass die geplante evangelische Kommunität auf dem Campus Kartause bald ins öffentliche Gespräch gebracht werde. „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich in diese Kommunität einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“ Drei Grundregeln für die Kölner Kommunität sind schon geplant. Diese beinhalten einen gemeinsamen Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis und Engagement bei den spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.

Gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich

Es gibt neun Appartements und gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich. Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 Quadratmeter inklusive der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis pro Quadratmeter beträgt voraussichtlich 18 Euro ohne Nebenkosten. Es wird erwartet, dass sich Interessierte zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Zusammenleben mit der Gruppe verpflichten. Bei Interesse bitte melden unter: rinecker@melanchthon-akademie.de

Antje Rinecker, Studienleiterin bei der Melanchthon-Akademie im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region, beschreibt, wie das gemeinschaftliche Wohnprojekt durch geteiltes geistliches Leben, verantwortlichen Umgang mit Ressourcen und bewusstem Miteinander Einsamkeit begegnen kann und eine tiefe, nachhaltige Form von Gemeinschaft entstehen lassen kann:

Was ist für Sie die größte Stärke dieses Projekts – und warum braucht es gerade jetzt solch neue Formen von Gemeinschaft?

Antje Rinecker: Gesellschaftlich gibt es in meinen Augen zwei Themen, die viele Menschen im Alltag umtreiben: Einsamkeit und Wohnen. Darin liegt die große Stärke des Projekts. Menschen teilen ihr alltägliches und ihr geistliches Leben. Das verbindet, schafft einen Raum in dem Vertrauen, Miteinander und, wer weiß, auch Kreativität und Engagement blühen können. Der Zuschnitt der Appartements bietet darüber hinaus genug Offenheit für Rückzug und Individualität.
Dieses freie und gleichzeitig verbindliche Miteinander geht über eine traditionelle Wohngemeinschaft hinaus. Wer zusammen betet, sich mit der Bibel und geistlichen Fragen beschäftigt, lernt sich auf einer anderen Ebene kennen. Das Miteinander gewinnt an Tiefe. Eine gemeinsame Aufgabe, wie z.B. das Gestalten einer Andacht im Raum der Stille o.ä., gibt zusätzlich Struktur und erlaubt zugleich sich experimentell auszuprobieren.

Sie orientieren sich bei der Entwicklung des Wohnprojekts an der Vision der Iona-Community. Welche Elemente aus Iona sind auch für Köln besonders wichtig?

Antje Rinecker: Die Community of Iona orientiert sich an wenigen, grundlegenden Regeln: Neben Gebet und Bibelstudium sind das vor allem der verantwortliche Umgang mit den Ressourcen Geld und Zeit und der Einsatz für Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden. Diese Ausrichtung passt in ihrer Aktualität perfekt in den Kontext der Kölner Südstadt. Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Frieden sind unsere heutigen brennenden Themen. Sie fordern von uns ein Umdenken in Hinblick auf Gewohnheiten unseres Lebens. Doch wie kann das konkret aussehen, wie können wir uns gegenseitig ermutigen und unterstützen? Die Community of Iona bietet spannende Materialien und Diskussionsforen. In meinen Augen ist der größte „Gamechanger“ die Möglichkeit der gegenseitigen kollegialen Beratung im Umgang mit den eigenen Ressourcen im Wohnprojekt. Im konstruktiven Austausch können neue Perspektiven entstehen, auf die man alleine gar nicht kommt.

Gelingende Gemeinschaft lebt von Menschen, die sich bewusst aufeinander einlassen. Was sollten Interessierte mitbringen?

Antje Rinecker: Wer gemeinschaftlich leben will, sollte sich darüber bewusst sein: Was brauche ich und was kann ich geben? Denn das konkrete Miteinander müssen die Menschen, die zusammen wohnen wollen, aushandeln. Und jede/jeder braucht den Wunsch, miteinander an geistlichen Themen zu arbeiten, zusammen zu beten und sich mit biblischen Texten zu befassen. Nicht immer, aber regelmäßig. Einmal pro Woche ist im Augenblick angedacht. Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues, das erscheint mir ein guter Mix.

Credo? Nicäa: Was uns verbindet – 1700 Jahre Glaubensdialog

Vor 1.700 Jahren beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 rangen die Christen mit Fragen des Glaubens und ihrer Identität. Die damals noch junge Kirche, vor kurzem noch verfolgt und nun aus den Katakomben hervorgekommen, gab sich ein verbindliches Bekenntnis, eine Lehrgrundlage für eine Gemeinschaft, die zur Weltreligion wurde.

Foto: Griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin

Seit 381, dem Konzil von Konstantinopel, gilt das Nicäno-Konstantinopolitanum bis heute konfessionsübergreifend als das maßgebliche Bekenntnis der Christenheit. Ein ökumenischer Schatz.

Heute, 2025 Jahre nach Christi Geburt und 1700 Jahre nach Nicäa, steht unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen und ringt erneut um ihre Identität und Einheit. Beunruhigende geopolitische Entwicklungen fordern uns heraus. Und immer wieder steht da die Frage nach einem Gott, der so etwas eigentlich nicht zulassen kann.

Wenn wir in unserer Zeit von Diskussionskultur sprechen, ist unsere Bereitschaft, Ansichten und Positionen respektvoll zu teilen, mit schlüssigen Argumenten zu untermauern und dem Gesprächspartner das Recht einer anderen Meinung einzuräumen, oft zu bezweifeln.

Warum also das Jubiläum einer Synode längst vergangener Zeiten feiern, wenn sich sowieso alle uneins sind?

Nicäa war eine Zäsur! Die theologischen Unterschiede jener Zeit wurden in einem Gesprächsprozess auf Augenhöhe erörtert, führten zu einem für alle gültigen Ergebnis. Die Bereitschaft in Nicäa, eine konkrete Formulierung zu finden, die das Zeugnis des Glaubens in Form goss und vermittelbar machte, war die Grundlage dieser Zusammenkunft.

Ebendieser Umstand sollte uns motivieren, den Dialog zu intensivieren und seine Chancen zu erkennen.

Es lohnt sich, das Credo auf verschiedenste Weisen weiterzubuchstabieren.

Eine Weise ist die Verwandlung von Worten in Bilder, eine Visualisierung des christlichen Glaubens. Dafür steht die in diesem Jahr neugeschriebene „Nicäa-Ikone“. Die byzantinische Konstantins-Ikone zeigt, worum es geht: Einheit in Christus! Sie kommt im September nach Köln und ermutigt uns, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt durch den Dialog und den Einsatz aller zu stärken und gemeinsam in die Welt hineinzuwirken.

Eine andere Weise führt uns in das Reich der Musik. Wir brauchen Klänge und Töne, die mehr sagen können als tausend Worte. Für Luther war das Reich Christi ein Hör-Reich, nicht ein Seh-Reich. Weil das Ohr so nah an unserer Seele ist, weil es das Erste und Letzte ist, was uns zu Geschöpfen macht.

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Mo., 08.09.2025, 19:00–21:00 Uhr
Knotenpunkt „Nicäa“
Zur Entwicklung und Beziehung des christlichen und jüdischen Glaubens in den ersten drei Jahrhunderten
Prof. Jens Schroeter, Prof. Matthias Morgenstern
In Zusammenarbeit mit der Karl Rahner-Akademie
14,00 € | Anmeldung erforderlich | Nr. 1212B

Fr., 26.09.2025, 16:30–17:30 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst im Kölner Dom
Anlässlich des 1700-jährigen Geburtstages des Glaubensbekenntnisses von Nicäa mit einer musikalischen Uraufführung von
„Credo. Six Composers – Six Parts – One Christian Faith“
Ökumenischer Projektchor, Erzpriester Constantin Miron,
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Köln

Fr., 26.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Unglaublich. Bekennen heute
Eine Soiree
Mit: Erzpriester Constantin Miron, Prof. Dirk Ansorge, Dr. Reiner Leister, LKR Markus Schaefer
Domforum, Domkloster 3

Mi., 08.10.2025, 20:00–21:30 Uhr
CREDO? Ich glaub schon
Ein Liederworkshop
Mechthild Brand, Helga Heyder-Späth, Antje Rinecker
Kostenfrei | Gemeindehaus der Ev. Christuskirche Köln-Dellbrück
Dellbrücker Mauspfad 345
Nr. 4214R

Loslassen und Neues begrüßen: Spirituelle Veranstaltungen und eine Übung für Balance

Spirituelle Übungen können dabei helfen, loszulassen und Neues zu begrüßen. Eine kleine spirituelle Übung geht so:

Ich sitze auf einem Stuhl, aufgerichtet und dennoch entspannt. Meine Hände liegen auf meinen Oberschenkeln mit den Handflächen nach unten.
Meine Gedanken begleiten alles, was ich gerade loslassen möchte oder wovon ich mich unfreiwillig verabschieden muss. Freundlich betrachte ich Situationen, Menschen, Dinge, bedanke mich bei ihnen und lasse sie gehen. Lasse sie – gefühlt – aus meinen Fingerspitzen hinausfließen.

Wenn ich damit fertig bin, drehe ich meine Hände um, nun liegen sie mit den Handflächen nach oben auf meinen Oberschenkeln. Wie offene Schalen.
Was kommt auf mich zu, was will von mir begrüßt werden? Wieder betrachte ich alles freundlich, heiße es willkommen. Ich überlege, was ich brauche, um mich gut mit dem Neuen anfreunden zu können. Ich beende die Übung, wenn ich spüre, für heute ist genug.

Klein und unaufwändig entfaltet diese Übung große Wirkung.

Sie erdet mich. Nicht alles, was ich loslasse, macht mich traurig, oft genug bin ich auch erleichtert, etwas gehen zu lassen. Erstaunlicherweise spüre ich Ge-LASSEN-heit.

Sie richtet mein Augenmerk auf das, was ich brauche, um mit dem Neuen gut zurechtzukommen. Ich kann den Wandel begleiten, sogar gestalten, bin ihm nicht einfach ausgeliefert.

Zwischen diesen beiden Polen bleibt ein Drittes: „Prüfet aber alles und das Gute behaltet“. (1.Thess 5,21) So bilden das Loslassen (Exnovation), das Behalten (Tradition) und das Neue (Innovation) eine Balance. Von diesem Zusammenspiel hängt der Erfolg von Transformationen ab. Das gilt auch für die großen Transformationen, in denen wir uns gerade befinden, klimatisch, gesellschaftlich oder kirchlich.


PROGRAMMHIGHLIGHTS

Di., 28.01.2025, 19:00–21:00 Uhr ONLINE
Wie entsteht eine gute Zukunftskultur?
Eine Kooperationsveranstaltung mit der Ev. Akademie im Rheinland
Isabel Hartmann, Prof. Dr. Rainer Knieling
1 Termin | 3 Ustd | kostenlos | Nr. 4122R

Mi., 05.02.2025, 19:30–21:00 Uhr ONLINE
Keltische Spiritualität – Frischluftzufuhr aus den Tiefen der Geschichte
Gerold Vorländer
1 Termin | 2 Ustd | 8,00 € | Nr. 4124R

Mi., 19.02.2025, 19:00–21:00 Uhr
Die „Glaubens-WG“ – Big Brother religiös?
1 Termin | 2 Ustd | 8,00 € | Nr. 1012B |
Melanchthon-Akademie | Sachsenring 6

Do., 04.09.2025 – Sa., 13.09.2025
Studienfahrt nach Iona – Time and Space – leben mit der Community of Iona
Informationen unter:
rinecker@melanchthon-akademie.de
Nr. 4136R

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