Autor: Frauke Komander (Seite 5 von 8)

Credo? Nicäa: Was uns verbindet – 1700 Jahre Glaubensdialog

Vor 1.700 Jahren beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 rangen die Christen mit Fragen des Glaubens und ihrer Identität. Die damals noch junge Kirche, vor kurzem noch verfolgt und nun aus den Katakomben hervorgekommen, gab sich ein verbindliches Bekenntnis, eine Lehrgrundlage für eine Gemeinschaft, die zur Weltreligion wurde.

Foto: Griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin

Seit 381, dem Konzil von Konstantinopel, gilt das Nicäno-Konstantinopolitanum bis heute konfessionsübergreifend als das maßgebliche Bekenntnis der Christenheit. Ein ökumenischer Schatz.

Heute, 2025 Jahre nach Christi Geburt und 1700 Jahre nach Nicäa, steht unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen und ringt erneut um ihre Identität und Einheit. Beunruhigende geopolitische Entwicklungen fordern uns heraus. Und immer wieder steht da die Frage nach einem Gott, der so etwas eigentlich nicht zulassen kann.

Wenn wir in unserer Zeit von Diskussionskultur sprechen, ist unsere Bereitschaft, Ansichten und Positionen respektvoll zu teilen, mit schlüssigen Argumenten zu untermauern und dem Gesprächspartner das Recht einer anderen Meinung einzuräumen, oft zu bezweifeln.

Warum also das Jubiläum einer Synode längst vergangener Zeiten feiern, wenn sich sowieso alle uneins sind?

Nicäa war eine Zäsur! Die theologischen Unterschiede jener Zeit wurden in einem Gesprächsprozess auf Augenhöhe erörtert, führten zu einem für alle gültigen Ergebnis. Die Bereitschaft in Nicäa, eine konkrete Formulierung zu finden, die das Zeugnis des Glaubens in Form goss und vermittelbar machte, war die Grundlage dieser Zusammenkunft.

Ebendieser Umstand sollte uns motivieren, den Dialog zu intensivieren und seine Chancen zu erkennen.

Es lohnt sich, das Credo auf verschiedenste Weisen weiterzubuchstabieren.

Eine Weise ist die Verwandlung von Worten in Bilder, eine Visualisierung des christlichen Glaubens. Dafür steht die in diesem Jahr neugeschriebene „Nicäa-Ikone“. Die byzantinische Konstantins-Ikone zeigt, worum es geht: Einheit in Christus! Sie kommt im September nach Köln und ermutigt uns, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt durch den Dialog und den Einsatz aller zu stärken und gemeinsam in die Welt hineinzuwirken.

Eine andere Weise führt uns in das Reich der Musik. Wir brauchen Klänge und Töne, die mehr sagen können als tausend Worte. Für Luther war das Reich Christi ein Hör-Reich, nicht ein Seh-Reich. Weil das Ohr so nah an unserer Seele ist, weil es das Erste und Letzte ist, was uns zu Geschöpfen macht.

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Mo., 08.09.2025, 19:00–21:00 Uhr
Knotenpunkt „Nicäa“
Zur Entwicklung und Beziehung des christlichen und jüdischen Glaubens in den ersten drei Jahrhunderten
Prof. Jens Schroeter, Prof. Matthias Morgenstern
In Zusammenarbeit mit der Karl Rahner-Akademie
14,00 € | Anmeldung erforderlich | Nr. 1212B

Fr., 26.09.2025, 16:30–17:30 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst im Kölner Dom
Anlässlich des 1700-jährigen Geburtstages des Glaubensbekenntnisses von Nicäa mit einer musikalischen Uraufführung von
„Credo. Six Composers – Six Parts – One Christian Faith“
Ökumenischer Projektchor, Erzpriester Constantin Miron,
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Köln

Fr., 26.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Unglaublich. Bekennen heute
Eine Soiree
Mit: Erzpriester Constantin Miron, Prof. Dirk Ansorge, Dr. Reiner Leister, LKR Markus Schaefer
Domforum, Domkloster 3

Mi., 08.10.2025, 20:00–21:30 Uhr
CREDO? Ich glaub schon
Ein Liederworkshop
Mechthild Brand, Helga Heyder-Späth, Antje Rinecker
Kostenfrei | Gemeindehaus der Ev. Christuskirche Köln-Dellbrück
Dellbrücker Mauspfad 345
Nr. 4214R

Das neue Kunstwerk zum christlich-jüdischen Verhältnis im Kölner Dom: Kunstbegriff auf dem Prüfstand

„Mit der Judensau steht neben der Glaubwürdigkeit der kirchlichen Umkehr

von 2000-jähriger Judenfeindschaft

auch unser Kunstbegriff insgesamt auf dem Prüfstand.“

Fotorechte; Hohe Domkirche Köln; Visualisierung: A. Büttner auf Basis einer Fotografie von C. Knieps

Marten Marquardt, ehemaliger Akademieleiter der Melanchthon-Akademie, hatte im Jahr 2002 zusammen mit Reiner Bernstein und anderen eine Tagung zum Thema „Gewalt im Kopf. Tod im Topf“ initiiert. Mit ihr war eine Kunstaktion verbunden. Der Aktionskünstler Wolfram Kastner ging vor dem Portal des Doms mit einem Schild um den Hals umher, auf dem stand: „Judensau!“. Mit der Empörung und der öffentlichen Aufmerksamkeit für die damals noch wenig bekannten antijüdischen Kunstwerke im Dom nahm eine Auseinandersetzung ihren Anfang, deren Meilenstein in diesem Jahr 2025 dazu geführt hat, dass wir von zahlreichen antijüdischen Artefakten im Dom wissen, die vom Mittelalter bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts führen. Von einer „ostentativen Ahnungslosigkeit“ bis in diese jüngste Zeit spricht daher zu Recht Bernd Wacker, ehemaliger Leiter der Karl Rahner-Akademie, der sich auf dem langen Weg seit 2002 bis zur Gegenwart maßgeblich für einen tiefgreifenden Weg der Umkehr im christlich-jüdischen Dialog eingesetzt hat.

Umso beglückender ist es, dass in diesem Jahr ein vom Domkapitel ausgerichteter internationaler Kunstwettbewerb im Kölner Dom stattfand – mit einem aufregenden Ergebnis. Das Kunstwerk der Berliner Künstlerin Andrea Büttner „Ohne Titel“ wurde ausgelobt und wird vom kommenden Jahr an in einer ständigen Intervention an der Stirnwand der Marienkapelle im Süden des mittelalterlichen Doms zu sehen sein. Es wird eine Wandmalerei mit dem Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge zeigen, die im 15. Jahrhundert nach der Vertreibung der Juden aus Köln in eine Ratskapelle umgewandelt wurde. In dieser Kapelle, die eigentlich die Synagoge der vertriebenen Juden ist, stand bis zur Zeit des 2. Weltkriegs der Altar der Stadtpatrone, der dann nach Zerstörung der Ratskapelle in den Dom wanderte. Das neu entstehende Bild des schwebenden Fundaments des Thoraschreins über dem christlichen Altar macht einen neuralgischen Punkt im jüdisch-christlichen Verhältnis sichtbar, zeigt eine offene Wunde in diesen Beziehungen und lässt den Altar der Stadtpatrone auch als Zeugnis beschämender christlicher Machtinteressen erkennen. Der Eingriff der Künstlerin spiegelt das jüdisch-christliche Verhältnis auf subtile Weise: Er reflektiert die Stadtgeschichte hinsichtlich des belasteten Verhältnisses und zeigt beispielhaft eine tiefe Verletzung – so hat es Abraham Lehrer, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, ausgedrückt.

Die jüdische Gemeinde war – auch das ist eine beglückende Erfahrung – von Anfang an in die Initiative zu dem Kunstwettbewerb eingebunden, hat ihn mitgetragen, ebenso wie die Kölner Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, der durch unsere Akademie in der Jury vertreten war.

„Unser Kunstbegriff steht auf dem Prüfstand.“ Wir sind in den 23 Jahren nach 2002 einem erneuerten Verhältnis von Christinnen und Juden ein Stück nähergekommen – und zwar nicht in theologischer Sprache, sondern im Medium zeitgenössischer Kunst.

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Mo., 29.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Alte und neue Kunst – Zwischen Christen und Juden
M. Bock, D. Schaper, P. Füssenich, u. a.
Kostenlos | Nr. 1207B

Philosophische Praxis an der Akademie: Markus Melchers bringt uns den “Sinn auf Rädern”

Wer eine Philosophische Praxis gründet, weiß nicht, worauf er (oder sie!) sich einlässt. Dies galt schon 1998, als „Sinn auf Rädern“ startete. Und dies gilt auch heute noch. Wer eine Praxis gründet, muss wissen, mit welchem Angebot und welchen Fähigkeiten er am Markt (– ein Wort, das im Studium so gut wie nie vorkommt –) bestehen kann. Aber wie macht man das, ohne BWL-Studium, ohne Vorbereitung an der Uni? Und existiert für den Fall des Scheiterns ein „Plan B“? Diese Fragen, die auch heute noch von Absolvent:innen immer wieder gestellt werden, hat Markus Melchers sich auch gestellt. Seine Antwort darauf war die Veränderung des Konzepts von Philosophischer Praxis, das 1981 in Bergisch Gladbach vorgestellt wurde und bis heute Nachahmung findet.

Fotorechte: M. Melchers

Philosophische Hausbesuche, die schon in der äußeren Form die Distanz zu jedweder Therapieform ausdrücken, das war ein grundlegender Gedanke. Im Rahmen ambulanter Philosophie zeigt sich bis heute, dass wer zu Gast ist oder als Gastgeber:in den Praktiker, die Praktikerin einlädt, sich auch als Gast verhält und sich als Gastgeber:in eben nicht als Klient:in versteht. Gleichberechtigung und das Ernstnehmen der Position der Gesprächspartner:innen sind bei diesen Zusammentreffen die entscheidenden Kriterien. Abstraktionsakrobatik, Unverständlichkeit und Schulbildung sind fehl am Platz. Denn im Zentrum der Arbeit des Praktikers und der Praktikerin steht dasjenige philosophische Wissen, das für die individuelle Lebensführung bedeutsam ist oder es werden kann. Die daraus folgende argumentierende Beratung beruht auf diesen Voraussetzungen.

Der andere grundlegende Gedanke betraf die Namensgebung der Praxis. Nach einigem Nachdenken stand „Sinn auf Rädern“ fest – es ist einprägsam und verweist auf die Mobilität des Angebots. Damit aber ist noch nicht – und dies ist ein anderer wichtiger Punkt – der Schritt in die Öffentlichkeit getan. Denn was nutzt ein Praxisschild an der Haustür, wenn niemand so recht weiß, was eine Philosophische Praxis ist? Wo ist der Ort, an dem sich das grundlegende Verständnis des Philosophischen Praktikers von ihm selbst regelmäßig mitteilen lässt? Wie lässt sich dieses Verständnis so formulieren, dass es nicht nur die Expert:innen erreicht?

Das Philosophische Café Bonn, das am 17.07.1998 zum ersten Mal durchgeführt wurde und bis heute monatlich stattfindet, war dieser Schritt in die Öffentlichkeit. Hier konnten und können die Teilnehmenden den Praktiker, Markus Melchers, regelmäßig erleben. Dies und die bald einsetzende Berichterstattung, die sich nur wünschen, aber nicht herbeiführen lässt, waren die Elemente, die zu einiger Bekanntheit führten.

Auch Buch- und Essayveröffentlichungen (bis heute mehr als 50 zu verschiedenen philosophischen, soziologischen, künstlerischen Themen) trugen dazu bei, wie auch Einladungen zu Tagungen und Workshops. Katholische und evangelische Träger der Erwachsenenbildung, Firmen, Verbände, Akademien, Universitäten und Privatpersonen engagieren „Sinn auf Rädern“ bis heute, sodass dessen jährliches Output bei bis zu 200 Veranstaltungen liegt. Markus Melchers gründete die Philosophische Bücherschau Bonn und als Mitherausgeber auch das Fachmagazin „Leidfaden. Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer“. Seit 2020 erscheint seine monatliche Kolumne „Sinn und Sein“ im Bonner Stadtmagazin „Schnüss“.

Philosophische Praxis ermöglicht es uns, die Philosophie aus der Theorie und dem akademischen Elfenbeinturm in unsere konkrete Lebenswelt zu integrieren und hier anwendbar zu machen. Sie eröffnet Raum für Reflexion, Selbstverantwortung und Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt. Durch ihre Anwendungsbezogenheit hilft sie dabei, existenzielle Fragen, ethische Dilemmata oder persönliche Krisen mit klarem Denken und begrifflicher Schärfe zu beleuchten. Dies stärkt die Urteilskraft, fördert innere Klarheit und hilft, einen bewussteren, sinnstiftenden Lebensstil zu entwickeln.

Dafür steht auch Markus Melchers’ Angebot an der Melanchthon-Akademie: Seit einigen Jahren bietet er bereits und mit einiger Gegenliebe das Philosophische Café an der Akademie an, bei welchem die Gespräche, ohne den Umweg über eine bestimmte Theorie zu nehmen, sich direkt an die Menschen wenden, die auch die eigene Biografie zum Ausgangspunkt des Nachdenkens machen können. So können auch die verschiedenen Philosophien im Hinblick auf ihre Bedeutung für die eigene Lebensführung befragt werden. Eine philosophische Grundbildung ist dafür nicht notwendig, einzig die Freude am Nachdenken und gemeinsamen Sinnieren qualifiziert für die Teilnahme.

Inzwischen gibt es auch weitere Angebote, die sich auf bestimmte Philosoph:innen beziehen und tiefer in die Textarbeit einsteigen. Nach ethischen und sozialphilosophischen Auseinandersetzungen mit Immanuel Kant, Eva Illouz und Hannah Arendt wird in diesem Semester Martin Seel philosophisch bis politisch nach dem menschlichen Wohlergehen befragt.

VERANSTALTUNGSTIPPS

Do., 11.09., 09.10., 13.11., 11.12.2025, 19:00–21:00 Uhr
Das Philosophische Café
Das beliebte Format mit Markus Melchers
Markus Melchers
7,00 € je Termin | Nr. 6240F ff.

Di., 25.11.2025, 19:00–21:00 Uhr
Textseminar: Martin Seel
Wohlergehen – über einen Grundbegriff der praktischen Philosophie
Markus Melchers
10,00 € | Nr. 6244F

Weiterdenken – ein Jahr nach der ForuM-Studie

Tanz aus der Wunderkammer: Künstlerische Begleitung der Tagung durch Ulrike Oeter. Weiße Kinderkleider der Unschuld durchschreiten den Raum. Tanzende, springende Wesen voller Energie verzaubern. Schutzkleider und Mummenschanz treten in einen Dialog.

Tanz aus der Wunderkammer: Künstlerische Begleitung der Tagung durch Ulrike Oeter. Weiße Kinderkleider der Unschuld durchschreiten den Raum. Tanzende, springende Wesen voller Energie verzaubern. Schutzkleider und Mummenschanz treten in einen Dialog. Foto: U. Oeter

Der Studientag im März 2025 war ein Baustein, um konkrete Schritte hin zu einer traumasensibleren Kirche zu gehen und weiterzudenken. Entstanden sind Fragen, Ideen, Workshopwünsche:

  • Was brauche ich als Betroffene oder Überlebende, damit ich in Kirche und Gottesdienst das bekomme, was ich brauche?

  • Wie schaffen wir Räume/Atmosphären/Einstellungen und Strukturen, in denen die Scham die Seite wechselt?

  • Wie geht das mit Schuld, Wut, Trauer, Rachelust und Vergebung eigentlich wirklich?

  • (Wie) können wir Kirche in einem Gemenge von Täter:innen, Betroffenen, Verbündeten, Unterstützenden, Indifferenten, Bystandern leben?

  • Was verändert sich, wenn wir biblische Texte als Traumaliteratur lesen?

VERANSTALTUNGEN

Do., 27.11.2025, 10:00–12:00 Uhr
Sexualisierte Gewalt in der Kirche überwinden: welche Gottesdienste wollen wir feiern?
Wie klingt unsere Gottesdienstsprache im Ohr von Menschen mit Gewalterfahrungen? Wo haben Wut, Angst, nicht vergeben können Platz? Welche Gebete, Fürbitten, Lieder brauchen wir als Menschen mit unterschiedlichen Gewalterfahrungen? Ein Workshop nach der ForuM-Studie für Gottesdienstvorbereiter:innen und Interessierte.
Eli Wolf, Pfarrerin
9,00 € | Anmeldung erforderlich | Nr. 02515

Nachdenken zwischen Wäldern, Nature Journaling und im Buch der Natur lesen: Draußen abtauchen

Foto: T. Wester

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte. Ich wollte nicht das Leben, was nicht Leben war, das Leben ist so kostbar. Ich wollte tief leben… sodass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“ So formuliert es Henry David Thoreau in seinem Buch Walden, in dem er sein zwei Jahre zurückgezogenes Leben im Wald beschreibt. Thoreau suchte in der Begegnung mit Natur mehr als nur die (wissenschaftlich) beschreibbare Natur. Er will den Raum des Dazwischen erkunden, indem die Kräfte der Natur auf ihn wirken.

Der Theologe Uwe Habenicht, der in St. Gallen im Rahmen der „Forest Church Bewegung“ das Gottesdienstformat „WaldWunder“ draussen abtauchen in der Natur anbietet, spricht vom „Buch der Natur“ als Ort der Begegnung mit Gott. Das Buch der Natur ist allerdings von anderen Buchstabenbüchern deutlich unterschieden. Ob wir im Buch der Natur lesen können, hängt nicht vom Wissen und Gelehrsamkeit ab. Es geht nicht darum einzelne Zeichen erkennen und deuten zu können… Das Buch der Natur ist Chiffre für das Ganze, in das wir eintauchen. Nicht nur wir blättern im Buch der Natur, sondern das Buch der Natur blättert zugleich in uns…

Im Buch der Natur zu lesen heißt, in es abzutauchen, sich in ihm zu bewegen… Im Buch der Natur eröffnet sich der Zwischenraum der Begegnung und ist zugleich der Zwischenraum, in dem Gott mit uns und wir mit Gott co-präsent, gleichzeitig werden ohne ein zu werden.

Nature Journaling – eine Reise zu den Wundern der Natur, so bezeichnet Sibylle Kamphuis in ihrem 2. Naturnotizbuch das genaue Hinschauen und Staunen, das zu ihrem 2. Naturtagebuch geführt hat. Ein solches Naturnotizbuch zu führen ist mehr als nur Zeichnen – es ist eine Haltung der Neugier und Offenheit. Es lehrt mich jeden Tag neu, die Wunder der Schöpfung zu bestaunen.

VERANSTALTUNGEN

Sa., 06.09.2025, 12:00–15:00 Uhr
Komm’ mit und staune
Nature Journaling
1 Termin | 10,00 € | Nr. N2105

Sa., 06.09.2025, 15:00–16:00 Uhr
In die Schöpfung eintauchen
Dorothee Schaper
1 Termin | Eintritt frei | Nr. N2205

Raum der Freiheit: Perspektivwechsel gestalten – Zwischen Notwendigkeit und Freiheit

Gibt es in einer Welt, die voller Räume mit Rissen und Notwendigkeiten ist, einen Gegenentwurf? Gibt es einen Raum der Freiheit? Wo ist er wohl und wie kann er aussehen?

Foto: Seleneos von photocase

Im Nachdenken über Engagement und inspiriert von dem Journalisten und Philosophen Jürgen Wiebicke habe ich diesen „Goldstaub“ gefunden, um behutsam mit der Metapher von Kintsugi zu arbeiten.

Wie entsteht eigentlich eine gute Idee, aus der sich Engagement entwickelt? Die Antwort so einfach wie überzeugend: indem ein paar wenige Menschen zusammen sind, sich wohlfühlen und sich erlauben, ein wenig verrückt zu sein. Wenige bewirken viel!

Wenige bewirken viel, widerspricht den aktuellen Narrativen der Ohnmacht: ich kann ohnehin nichts bewirken. Wenige bewirken viel, wenn Begegnung gelingt, man sich dann tief in die Augen schaut, sich eine Prise Verrücktheit erlaubt und etwas wagt.

Dabei ist wichtig: es ist die Begegnung, die jedem guten Engagement zugrunde liegt. Erst Begegnung, dann Engagement! Wenn eine gute Idee nicht/nicht mehr funktioniert, dann nicht deshalb, weil die Idee nicht mehr gut ist, sondern weil das Miteinander und die Kultur der Begegnung nicht/nicht mehr funktionieren.

Der Gewinn gelingenden Engagements liegt auf der Hand. Es entsteht Unterstützung, ein großartiges Projekt, Gemeinschaft und die einzelnen Engagierten gewinnen auch. Sie können das Land der Notwendigkeiten, im Privaten wie im Beruflichen verlassen und das Land der Freiheit betreten.

Gemeinsam an etwas zu arbeiten, etwas zu machen, verleiht Macht, Wirksamkeit, manchmal sogar Erfüllung. Wenn Begegnung derart moralbefreit in Engagement mündet, dann ist es ansteckend, gelingt es auch.

Als Engagierte wenden wir den Blick von den Krisen ab und dem Möglichen zu. Die neue Welt fängt mitten in der alten an. Was für ein Perspektivwechsel!

Perspektivwechsel kann ich einüben. Auch hier gilt, in Begegnung, in Gemeinschaft mit anderen gelingt das besser. Auch hier verlasse ich das Land meiner Notwendigkeiten und betrete das Land der Freiheit. Ich richte mich gemeinsam mit anderen aus. Richte mich aus auf das, was in mir ist, was erspürt werden will, was wachsen will, in mir oder in der Gruppe.

Als Gruppe richten wir uns aus auf den Geist, die Inspiration. In solchen Momenten der Präsenz liegt die Chance, dass alte Bilder wegkippen und sich in der Aufmerksamkeit des Augenblicks Neues zeigen kann.

Räume der Freiheit zu eröffnen – das ist der rote Faden der Angebote in diesem Halbjahr.

PROGRAMMHIGHLIGHTS

Fr., 19.09.2025, Fr., 07.11.2025, 18:00–22:00 Uhr
Zusammen.LEBEN.Gestalten
Eine Inspirations-Fortbildung
Antje Rinecker, Stefan Hößl, Martin Bock
2 Termine | kostenfrei | Nr. 4221R

Do., 09.10.2025, 19:30–21:00 Uhr
„Herzensweite und klare Kante“ – Warum beides zusammen gehört.
Keltische Spiritualität für heute

Gerold Vorländer
1 Termin | 8,00 € | Nr. 4215R

Di., 28.10.2025, Di., 18.11.2025, 17:00–21:00 Uhr
„Am Anfang war…“
Zwei Workshops zu den biblischen Schöpfungserzählungen

Karsten Leverenz
2 Termine | je 15,00 € | Nr. 4233R

Mi., 27.11.2025, 19:00–21:00 Uhr
„Schäm Dich!?“
Vom Sinn und Drama unserer Schamgefühle – Drei biblische Schamgeschichten

Jörg Heimbach, Antje Rinecker
3 Termine | 24,00 € | Nr. 4217R

„Schreiben ist mein Kompass“: Ein Gespräch mit unserer Schreibdozentin Claudia Satory

Foto: Costa Belibasakis

Frau Satory, was ist der rote Faden in Ihrer Arbeit?

Claudia Satory: Menschen sind einzigartig und unverwechselbar. Ob Coachees, Romanfiguren, Schüler:innen oder Teilnehmende meiner Workshops und Kurse – sie alle bewegen mich, und ich bewege sie. Normen und biografische Risse bestimmen oft unser Denken, dabei verlieren wir schnell unsere Ziele aus dem Blick – und uns selbst! Ich sehe es als meine Aufgabe, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, sich selbst wiederzufinden, sich neu zusammenzusetzen – durch Sprache und Lebensgeschichten, um einen klaren Blick auf das eigene Leben zu gewinnen. Damit wird der rote zum goldenen Faden.

Wie begann Ihr Weg in diese Richtung?

Claudia Satory: Nach einer Bankausbildung und einem BWL-Studium zog es mich zur Literatur und zur Arbeit mit Menschen. Neben einer Coachingausbildung, und zahlreichen Fortbildungen in Persönlichkeitsentwicklung, leitete ich meine eigenen Schreibwerkstätten. Heute verbinde ich kreatives Schreiben mit Entspannungstechniken – und begleite Menschen auf ihrem Weg zu mehr Klarheit und Selbstverbindung.

Sie sagen, Schreiben sei mehr als ein Werkzeug – es sei Kompass, Taschenlampe und Atem zugleich. Was meinen Sie damit?

Claudia Satory: Schreiben bringt Klarheit. Es ist Mittel zum Zweck, um den inneren Prozess anzustoßen und dem Schreibenden sichtbar zu machen. Wenn wir unsere Gedanken auf Papier bringen, können wir verstehen, was uns bewegt – und warum. Es ist ein innerer Monolog und oft erkenntnisreicher als jedes Gespräch. Worte öffnen Räume – für Schmerz, für Schönheit, für alles, was oft unausgesprochen bleibt. Schreiben ist ein Aufbruch, wieder zu sich selbst zu finden.

„Mit Herzblut und Wind unter den Füßen“

Wie sind Sie auf die Idee des Lebenskompass gekommen?

Claudia Satory: Schreiben war für mich immer ein Weg, dem Ungeklärtem mit Worten eine Kontur zu geben. Gefühle, die mich einnahmen, haben oft erst auf dem Papier eine Form bekommen, die ich hinterfragte. Daraus habe ich den Lebenskompass entwickelt – eine Methode, mit der ich biografische Erinnerungen durch Perspektivwechsel, Fiktion und kreative Zugänge sichtbar mache. Manchmal macht die „andere“ Ebene ein Erinnern erst möglich. Ich entdecke meinen Kern, und befähige mich, eigenverantwortlich zu handeln und verfolge meine wirklichen Interessen.

Was geschieht konkret beim Schreiben als Lebenskompass?

Claudia Satory: Am Anfang steht das Ereignis, das sich im Schreibprozess zeigt und die Spuren, die es hinterlassen hat. Dabei entstehen Klarheit, Verständnis, manchmal auch Versöhnung und Transformation. Die Erkenntnis schafft Raum für Neues. Am Ende wissen viele: Jetzt kenne ich meine Richtung und weiß, was zu tun ist.

Wie begleiten Sie Ihre Teilnehmenden auf diesem Weg?

Claudia Satory: Ich arbeite im Kern mit offenen, intuitiven Fragen. Jede Kompassgruppe bringt ihre eigenen Themen mit. Das bedeutet für mich, neben meinem übergeordneten Konzept auch zwischen den Zeilen zu lesen und zu spüren, welche unausgesprochenen Fragen nach Antworten suchen. Wichtig ist mir, dass meine Teilnehmenden ihren individuellen Weg finden. Es geht nicht um perfekte Texte, sondern um Wahrhaftigkeit. Meine Empfehlung ist, sich treiben zu lassen. Wie ein Kind, das Raum und Zeit vergisst und in seinem Tun aufgeht.

Was erleben Ihre Teilnehmenden beim „Schreiben als Lebenskompass“?

Claudia Satory: Sie erleben, dass Schreiben nicht nur Ausdruck ist – sondern Erkenntnis. Nicht nur Rückblick – sondern ganz wesentlich der Blick ins Jetzt, um dann nach vorn zu schauen. Zu Beginn kommen einige mit vagen Fragen oder einem Gefühl von „So geht es nicht weiter“. Im Verlauf kommt es zu Aussagen wie: „Ich wusste gar nicht, dass das in mir ist“ oder „Ich spüre, wohin es gehen soll – auch wenn ich den Weg noch nicht kenne.“ Und ja – es wird gelacht, geweint und geschwiegen. Schreiben ist Hingabe. An sich selbst und das Leben.

Und am Ende?

Claudia Satory: Viele fühlen sich „wie neu zusammengesetzt“, wie es eine Teilnehmerin für sich auf den Punkt brachte. „Ich gestalte meinen Lebensweg ab heute.“ Und genau das ist der Anfang. „Schreiben als Lebenskompass“ geht weiter …

Schreiben als Lebenskompass ist eine selbstbestimmte Form, die eigenen Risse und Prägungen zu betrachten – damit umzugehen und vielleicht sogar zu transformieren.

Probieren Sie es mit diesem Schreibimpuls aus:
„Ein Brief aus der Zukunft an mein heutiges Ich“

VERANSTALTUNGEN

Di., 09.09.–09.12.2025, 18:00–20:15 Uhr
Schreiben am Abend – Denken auf Papier
8 Termine | 99,00 € | Nr. 7244F

Sa., 13.09., 11.10., 15.11.2025, 10:00–16:00 Uhr
Schreiben als Lebenskompass in Beruf und Alltag
Semestergruppe: Persönlichkeitsentwicklung mit biografischem Schreiben
3 Termine | 120,00 € | Nr. 3233BR

Sa., 04.10.2025, 11:00–16:00 Uhr
Schreiben am Samstag – Kreatives Schreiben lernen in Gemeinschaft
1 Termin | 33,00 € | Nr. 7247F

Mo.–Fr., 20.07.–24.07.2026, Bildungsurlaub
Schreiben als Lebenskompass in Beruf und Alltag – Fokussieren mit Biografiearbeit
5 Termine | 300,00 € | Nr. 26U389BR

Interreligiöse Inspirationen zur Schöpfungsbewahrung: Gemeinsam für Klima und Umwelt

Diesmal ist unsere Nachhaltigkeitsseite inspiriert vom Gebets- und Liederbuch für Klimaaktionen von GreenFaith. GreenFaith ist eine globale multireligiöse Klimabewegung, die Menschen verschiedenen religiösen und spirituellen Backgrounds zusammenbringt, um sich gemeinsam um Klimagerechtigkeit zu bemühen.
Religionsgemeinschaften spielen eine entscheidende Rolle im Klimaschutz, daher will GreenFaith e. V. spirituell motivierte Menschen inspirieren und mobilisieren, mit dem Ziel einer Weltgemeinschaft, in der alle dem Leben Ehrfurcht und Wertschätzung entgegenbringen. Religionen und spirituelle Traditionen lehren uns, die Erde zu schützen und die Würde aller Menschen und Tiere zu achten. Daher wollen wir an dieser Stelle nicht nur die heiligen Worte verschiedener Religionen zum Thema abbilden, sondern auch ganz praktische Anleitungen zum Einsatz für den Klimaschutz geben.

Christentum: Gebet von Frère Alois, Communauté de Taizé
Heiliger Geist, du schenkst uns die Freiheit, die zu lieben, die du uns anvertraust, und die Schöpfung mit neuen Augen zu sehen. Alles Geschaffene kommt von dir, wie ein Geschenk, das du uns anvertraust.

Islam: Hazrat Inayat Khan, Sufi Lehrer
Es gibt ein heiliges Buch, das heilige Manuskript der Natur, die einzige Schrift, die den Leser erleuchten kann… Für das Auge des Seher ist jedes Blatt des Baumes eine Seite des heiligen Buches, das göttliche Offenbarung enthält, und er wird jeden Augenblick seines Lebens inspiriert, indem er ständig die Heilige Schrift der Natur liest und versteht.

Buddhismus: Die Zenrin
[…] Berge und Flüsse, die ganze Erde, – Alle offenbaren die Essenz des Seins. Die Stimme des Gebirgsbach ist von einer großen Zunge; Die Linien der Hügel, sind sie nicht der reine Körper des Buddhas? Nehmt einen Grashalm auf, benutze ihn als einen sechsen Fuß hohen goldenen Buddha.

Indigene Traditionen: Häuptling Seattle, Duwamish
Die Menschheit hat das Netz des Lebens nicht gewoben. Wir sind nur ein Faden in ihm. Was immer wir dem Netz antun, tun wir uns selbst an. Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Hinduismus: Bhagavad Gita, 7:4ff.
Die sichtbaren Formen meiner Natur sind acht: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther; der Verstand, die Vernunft und das Gefühl des „Ich“. Aber jenseits meiner sichtbaren Natur ist mein unsichtbarer Geist. Das ist die Quelle des Lebens, aus der dieses Universum sein Wesen hat.

Judentum: Bereschit 2:15
Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.

Bahá’í: Aus den Schriften von Baha’u’llah
Betrachtet die Welt als den Körper eines Menschen, der mit verschiedenen Krankheiten behaftet ist und dessen Heilung davon abhängt, dass alle seine Bestandteile in Einklang gebracht werden.

Was kann ich heute konkret für Klimagerechtigkeit tun?

10 Impulse angelehnt an das GreenFaith Gebets- und Liederbuch

  1. Demonstrationen
    Öffentliche Proteste nutzen das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, um sichtbar und hörbar für Klimagerechtigkeit einzutreten – z. B. mit Zitaten, Liedern oder symbolischen Handlungen.
  2. Kreative Aktionsformen mit Symbolkraft
    Künstlerische Aktionen und Interventionen wie Straßentheater oder Kunst im öffentlichen Raum sprechen emotional an und transportieren zentrale Botschaften.
  3. Rituale an bedeutsamen Orten
    Rituale an symbolträchtigen Plätzen – etwa Kirchen oder Moscheen – machen durch Gebet und Musik spirituelle Tiefe sichtbar und verbinden Glauben mit Klimaschutz.
  4. Virtuelle Aktionen
    Online-Formate wie Social Media-Kampagnen oder digitale Gesprächsrunden helfen, Menschen schnell zu mobilisieren und Bewusstsein für die Klimakrise zu schaffen.
  5. Pray-Ins im öffentlichen Raum
    Gebete oder Gedichte an weltlichen Orten als Form friedlichen Protests zeigen spirituellen Widerstand gegen Umweltzerstörung und verbinden Intellekt und Glauben mit zivilem Ungehorsam.
  6. Schweigemärsche und Geh-Meditationen
    Stille Protestformen entfalten durch Präsenz, Symbolik und Rituale wie Kerzenlicht eine tiefe emotionale Wirkung und regen zum Nachdenken an.
  7. Pilgern für Klimagerechtigkeit
    Spirituelle Wanderungen mit dem Ziel, Bewusstsein für Klima- und soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Dabei wird der Weg selbst zum Ausdruck des Engagements.
  8. Lieder als Protest
    Gemeinsames Singen als musikalischer Protest verbindet und lässt die Herzen für die gleiche Sache schlagen.
  9. Müllsammelaktion
    Müllsammeln ist eine ganz praktische Form der “Sorge um das eigene Haus”. Zusammen anzupacken vereint Menschen in einem gemeinsamen Ziel in einer konkreten Handlung für den Erhalt aller Geschöpfe.
  10. Baumpflanz-Aktion
    Das Pflanzen eines Baumes als Akt des Widerstands rührt an unsere persönliche Verantwortung zur Wiederherstellung von Ökosystemen und ist Anlass genug, sich mit Gleichgesinnten zu verbünden.

Miteinander reden?! Zuhören, Widersprechen, Grenzen setzen – Gesprächskultur in der Demokratie

Eine plurale Demokratie ist immer und konstitutiv auf Aushandlungsprozesse angewiesen. Sie lebt von einem konstruktiven Miteinander, von Streit in fairen Settings, vom Aushalten von Unterschieden, von Empathie für das Gegenüber und immer auch vom Zuhören und Reflektieren sowie von der grundsätzlichen Bereitschaft, das Wahrgenommene auch als potentiellen Lernanlass für Veränderungen der bisher als selbstverständlich wahrgenommenen eigenen Perspektiven und Haltungen wertzuschätzen. Für Demokratie ist eine Gesprächskultur fatal, in der sich ein zwischenmenschlicher Austausch nur auf das Senden von Ich-Botschaften reduziert.

Foto: V. Hryshchenko von Unsplash

Aber: Wo gehen wir in Diskussionen? Wo halten wir die Kommunikation aufrecht, auch wenn unser Gegenüber nicht unsere Wertorientierungen und Weltanschauungen teilt? … und was ist, wenn das so richtig weh tut und eigentlich nur schwer auszuhalten ist? Wo ziehen wir Grenzen? Wo beenden wir Gespräche?
Klar: vor dem Hintergrund unserer Orientierung am Grundgesetz können wir nie neutral sein; dürfen wir gegenüber Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Rechtsextremismus, Islamismus etc. nicht neutral sein.
Aber wenn wir sagen: „Wenn die Grundwerte dieser Gesellschaft bedroht oder mit Füßen getreten werden, gilt es klare Grenzen zu ziehen.“ – Wie machen wir das?
Wie machen wir das in sozialen Räumen, in denen z. B. rechte Denk- und Wahrnehmungsweisen nicht mehr „nur“ von Einzelnen, sondern von Vielen, vllt. sogar einer Mehrheit geteilt werden? Oder auch im pädagogischen Feld: Viele junge Menschen experimentieren mit Versatzstücken antidemokratischer Ideologien – wenn wir hier repressive Strategien wählen, das Gespräch beenden und ausgrenzen, ist das mit Blick auf andere Anwesende oder auch real oder potentiell z. B. von Rassismus oder Antisemitismus Betroffene ggf. sehr sinnvoll; aber wir reduzieren dann auch unsere Möglichkeiten zur pädagogischen Einflussnahme auf jene, die Problematisches artikuliert haben.

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Miteinander Reden!“ laden wir Sie herzlich ein, um derartige Fragestellungen mit uns zu vertiefen:

Am Donnerstag, den 04.09.2025, 18.30 ‒ 20.00 Uhr,
widmet sich PD Dr. Harald Weilnböck (Cultures Interactive e.V.) in einem Online-Vortrag sog. narrativen Gesprächsgruppen als Methode zur Förderung der demokratischen Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen, wobei es hier um Menschen geht, die ansonsten nur schwer ansprechbar oder erreichbar sind.
Nr. 2213H

Am Donnerstag, den 02.10.2025, 18.30–20.00 Uhr,
geht der Bildungswissenschaftler Marcus Kindlinger (Universität Duisburg-Essen und Universität Münster) in einem Vortrag darauf ein, dass Demokratie vom Streit lebt. Was aber, wenn sich Grenzverletzungen ereignen? Der Referent stellt die Frage „Wo endet der (offene) Diskurs?“ und blickt in seinem Beitrag vor allem auf die Grenzen politischer Streitkultur.
Nr. 2218H

Am Dienstag, den 25.11.2025, 17.30–19.30 Uhr,
setzt Lisa Frohn einen Workshop um, den sie unter den Titel „Sprechen & Zuhören“ gestellt hat und in dem die Frage „Wie geht es dir mit all dem, was gerade in der Welt passiert?“ im Mittelpunkt steht. Sprechen & Zuhören stellt ein besonderes Gesprächsformat dar, in dem der Name tatsächlich auch Programm ist.
Nr. 2224H

Impulse für ein gemeinsames, glaubensoffenes Miteinander

Illustration: Konstanze Ebel

„Es gibt einen Riss in allem. So kommt das Licht herein.“
– „There is a crack in everything. That’s how the light gets in.”

So singt es Leonard Cohen in seiner berühmten „Anthem“ aus dem Jahr 1992. Dieses Lied, so schreibt unsere Münchener Kollegin Jutta Höcht-Stöhr treffend, „bietet eine sehr nüchterne Zeitanalyse: Die Kriege werden weitergehen. Die heilige Taube, die Friedentaube, wird wieder und wieder eingefangen werden. Es gibt Gesetzlosigkeit und es gibt Scheinheiligkeit. Menschen, die töten, sprechen zugleich lauthals Gebete. Die Zeichen sehen nicht gut aus. Sie stehen auf Sturm.“ Aber die Zeichen der Zeit, wie sie Leonard Cohen sieht, sind zugleich nicht eindeutig. Sie wollen und können so gesehen werden, dass „durch den Riss im System das Licht hereinkommt“.

An der Melanchthon-Akademie treiben wir deshalb so Theologie, dass immer wieder licht-durchflutende Risse erkennbar werden, die sich einer Logik des nur Konfessionellen widersetzen. Mehr denn je glauben wir, dass Theologie verwickelt sein muss in die großen gesellschaftlichen, ökologischen und spirituellen Transformationen, denen wir ausgesetzt sind. Hier schärft sich das, was wir angesichts von Gottes Offenbarungen sagen und gestalten möchten. Wir sehen eine große Chance darin, in interreligiöser Offenheit Theologie (nach vorne) zu treiben, konsequent jüdische, christliche und muslimische Stimmen aufeinander zu beziehen.

SEMINAREMPFEHLUNG

Room of one. Raum für alle.
Ein multireligiöses Gebet in der Kartause.
Das inspirierende Projekt des „Zentrums für Komparative Theologie“ am Bonner Münster wird nach den Herbstferien auch in Köln im Refektorium des Hauses der Kirche gastieren. Jüd:innen, Muslim:innen und Christ:innen setzen wöchentlich am Dienstagnachmittag ein gemeinsames spirituelles Zeichen des Friedens und der Versöhnung.
Dr. Nasrin Assadi, Dr. Annette Boeckler, Dr. Martin Bock, Dorothee Schaper, u.a.
Refektorium | Kartäusergasse 9–11 | Eintritt frei | Nr. 1205B

Erster Termin: 24.09.–25.09.2025, An der Kante der Schöpfung
Zweiter Termin: 12.11.–13.11.2025, An der Kante der Worte – Stille
An den Kanten STARK
Interreligiös Theologie treiben.
STARK“ ist ein an der Melanchthon-Akademie schon etabliertes Langzeit-Projekt für Laien, die lernen, Theologie aus verschiedenen Perspektiven zu treiben. Das kommende STARK-Projekt wird online (mittwochs, 19–21 Uhr) und präsentisch (donnerstags, 18–22 Uhr) stattfinden, damit wir uns in diesen beiden Begegnungs- und Lernräumen kennenlernen. Sie benötigen kein besonderes Vorwissen, keine konfessionelle oder religiöse Bindung. Allein Ihre Neugier und Ihre Lust, Neues und neue Menschen kennenzulernen, ist wichtig.
September 2025 – November 2026
7 Doppeltermine | 49 Ustd | 260,00 € | Nr. 1204B

So., 21.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Gebet der Religionen am Weltfriedenstag der UN
Der Rat der Religionen Köln lädt ein: in diesem Jahr im Haus der Kirche – welcome!
1 Termin | Eintritt frei | Nr. 1206S

Mo., 29.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Alte und neue Kunst zwischen Christen und Juden.
Das internationale Kunstprojekt am Kölner Dom.
2023 lobte das Domkapitel des Kölner Doms einen internationalen Kunstwettbewerb aus, aus dem im März 2025 die Berliner Künstlerin Andrea Büttner mit „Ohne Titel“ als Preisträgerin hervorging (s. S. 26). Alle 15 im Wettbewerb eingeladenen Kunstschaffenden haben beeindruckende Vorschläge gemacht, die wir an diesem Abend mit Mitgliedern der Jury auf uns wirken lassen.
Dr. Martin Bock, Dorothee Schaper, Peter Füssenich (angefr.)
1 Termin | 7,00 € | Nr. 1207S

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