Es gibt bereits Interessierte für das neue gemeinschaftliche Wohnprojekt auf dem Campus Kartause – eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; in naher Zukunft können die ersten Mietverträge geschlossen werden. Pfarrer i.R. Christoph Nötzel bringt die Perspektive der ökumenischen Community of Iona in das Wohnprojekt ein.
Herr Nötzel, was fasziniert Sie persönlich an Iona – und warum passt diese Vision so gut an diesen besonderen Ort in Köln?
Christoph Nötzel: Dann muss ich zuerst ein wenig von Iona erzählen. Iona ist eine kleine Insel – kaum fünf Quadratkilometer groß – vor der schottischen Westküste. Manchmal denke ich, sie hat etwas von Lummerland: überschaubar, windumtost, mit nur einer kleinen Straße. Und doch ist sie seit Jahrhunderten ein Kraftort für Glaube und Kirche.
Von hier aus zogen im frühen Mittelalter iroschottischeMönche nach Europa – getragen von einem Pilgerethos: Christsein heißt, sich auf den Weg zu machen, auch in die Fremde. In den 1930er Jahren wurde die alte Abbey zum Geburtsort der Iona Community, die heute weltweit verstreut lebt – und doch geistlich verbunden ist. Sie engagiert sich für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben der Menschen, für eine Verbundenheit in Frieden und Gerechtigkeit in und mit der ganzen Schöpfung.
Von Iona sagt man, es sei ein „thin place“ – ein Ort, an dem die Grenze zwischen Himmel und Erde dünn wird wie ein Stück Seidenpapier. Diese Erfahrung von Verbundenheit prägt die Spiritualität der Community: Gott mitten im Alltag zu suchen – und ihn oder sie dort zu loben, wo es hell ist, aber auch in den Abgründen.
Mich fasziniert genau diese Verbindung: ganz fromm – und zugleich mit beiden Füßen auf der Erde. Mystik und Widerstand, wie Dorothee Sölle es genannt hat. Verständigung suchen, Gerechtigkeit einüben, niemanden ausschließen, gemeinsam Verantwortung tragen – partizipativ von Grund auf. Gottesdienste in alltagsnaher und zugleich poetischer Sprache, voller Rhythmus und Musik, feiern Christus und suchen nach Heilung, Frieden und Gerechtigkeit, nach Liebe und Verbundenheit.
Und das passt erstaunlich gut nach Köln. Diese Stadt kennt Lebensfreude und Widerständigkeit, Nähe und Vielfalt. Am Campus Kartause kann dieser Geist der Verbundenheit – zwischen Himmel und Erde, zwischen Menschen, zwischen Kirche und Stadt – einen sichtbaren Ort bekommen.
Die Iona-Community verbindet geistliches Leben, Gemeinschaft und gesellschaftliches Engagement. Wie könnte diese Haltung ganz konkret den Alltag einer Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause prägen?
Christoph Nötzel: Das ist zunächst eine Frage an die Menschen, die sich entscheiden, dort gemeinsam zu leben. Dem kann ich nicht vorgreifen. Aber die Aufgaben liegen auf der Hand.
Wie wollen wir Verbundenheit miteinander leben?
Was teilen wir – Zeit, Räume, Verantwortung – und was bleibt individuell? Und wie machen wir das?
Wie gestalten wir unsere Beziehung zum Campus, zur Südstadt, zu den Menschen um uns herum?
Zur Iona-Haltung gehört auch die Frage nach einem gemeinsamen geistlichen Quellort: Gibt es Zeiten des Gebets, des Innehaltens, des Singens? Orte, an denen wir spüren, wie sich Himmel und Erde in uns berühren?
Und nicht zuletzt: Wie finden wir im Alltag eine ökologische Praxis – ein Leben mit der Schöpfung, nicht gegen sie? Nachhaltigkeit beginnt nicht in Programmen, sondern im täglichen Tun.
All das braucht eine Kultur des Respekts: Achtung vor der Einzigartigkeit jedes Menschen, offene Gespräche, die Fähigkeit zuzuhören, auch kritisch zu sein – und dennoch verbunden zu bleiben. Gemeinschaft ist kein fertiger Zustand, sondern ein immer neuer Versuch.
Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht zu etwas Besonderem – auch im Vergleich zu anderen gemeinschaftlichen Wohnformen?
Christoph Nötzel: Wo Menschen zusammen wohnen, suchen sie ein Zuhause. Dass das gelingt – individuell und miteinander – ist nie selbstverständlich.
Hier kommt jedoch eine zusätzliche Dimension hinzu: Der Leitgedanke der Verbundenheit öffnet den Horizont. Es geht nicht nur um das Miteinander unter einem Dach, sondern um eine doppelte, ja dreifache Beziehung:
Verbundenheit nach innen – zwischen den Mitwohnenden.
Verbundenheit nach außen – mit dem gesellschaftlichen und ökologischen Umfeld.
Und Verbundenheit „nach oben“ – im Sinn einer geistlichen Offenheit für Gott.
Oder anders gesagt: Verbundenheit nach innen und außen, nach unten und oben.
Das macht das Projekt anspruchsvoll – und zugleich besonders. Es ist mehr als eine Wohngemeinschaft. Es ist ein Lebensversuch.
Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, Teil dieser Wohngemeinschaft zu werden: Was würden Sie dieser Person sagen?
Christoph Nötzel: Wer hier glücklich werden und ein Zuhause finden möchte, sollte ein kommunikativer Mensch sein. Damit meine ich nicht zuerst: viel reden. Sondern zuhören können. Sich einfühlen. Auf andere zugehen. Verständigung suchen. Kompromisse aushalten. Teil-nehmen und teil-haben.
Fragen Sie sich: Bewegt mich das?
Habe ich eine spirituelle Empfänglichkeit – und zugleich den Mut, mich gesellschaftlich einzubringen?
Bin ich bereit, nicht nur für mich zu wohnen, sondern mit anderen zu leben?
Gemeinschaft trägt – aber sie fordert auch.
Wenn Sie spüren, dass dieser Geist von Iona Sie innerlich anspricht, dann könnte es sein, dass hier ein zukünftiges Zuhause auf Sie wartet.
Rechtsradikale Einstellungen sind längst kein Randphänomen mehr. Wahlerfolge extremistischer Parteien, rassistische Gewalt und antisemitische Ressentiments stellen Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor enorme Herausforderungen. Was treibt Menschen in rechtsradikale Denk- und Gefühlswelten? Welche psychologischen, sozialen und theologischen Faktoren wirken dabei – und wie kann Prävention gelingen?
Arnd Henze: Wenn wir die Bilder aus Minneapolis sehen, dann erleben wir mit, wie eine Demokratie am Kipppunkt steht. Wir sehen eine Regierung, die mit ihren vermummten Paramilitärs alle roten Linien des Rechtsstaats überschritten hat. Und wir sehen eine Zivilgesellschaft, die sich bei eisigen Temperaturen für den Zusammenhalt und Frieden einsetzt – mit einem beispiellosen Einsatz auch von Glaubensgemeinschaften. Aber auf der anderen Seite wird das brutale Vorgehen von ICE von christlichen Nationalisten gerechtfertigt und angefeuert. Wir erleben also in Echtzeit, wie Religion einerseits zum Brandbeschleuniger entfesselter Machtausübung wird – und das Engagement von Christen, Juden und Muslimen ein wichtiger Teil bei der Verteidigung der Demokratie ist. Ich wünschte, diese Frage meines Buches wäre nicht so dringlich geworden.
Am Vorabend der offiziellen Veröffentlichung seines neuen Buches stellt Henze seine brisante Analyse erstmals der Öffentlichkeit vor. Zu dieser Premiere, zu Buchvorstellung und Gespräch mit anschließendem Empfang, laden wir herzlich ein:
Die Yogapraxis ist kreativ gestaltet und orientiert sich an den Bedürfnissen der Gruppe. Sie schafft einen harmonischen Ausgleich zur Bewegung in der Natur und unterstützt dabei, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen. Atemübungen, Meditation und sanfte Asanas schenken innere Ruhe und stärken zugleich. Klangreisen am Abend lassen die Erlebnisse des Tages nachklingen. Die Schwingungen der Klänge beruhigen den Geist und führen in eine tiefe Entspannung.
Haus Wiesengrund hat über viele Jahre Menschen zusammengebracht, Gemeinschaft gestiftet und einen Ort geschaffen, an dem sich Gruppen wie auch Einzelne angenommen und willkommen fühlten. Die ruhige Lage, die herzliche Atmosphäre und das Engagement für Nachhaltigkeit haben das Haus zu etwas Besonderem gemacht.
Der Preisträger dieses Jahres ist manchen Kölner:innen schon aus der Auslobung des neuen Kunstwerkes zum christlich-jüdischen Verhältnisses am Dom bekannt: Professor Dr. Christian Rutishauser SJ ist ein führender katholischer Vertreter im christlich-jüdischen Dialog in der Schweiz, in Deutschland im weiteren Europa und weltweit. Er lehrt an der Universität Luzern als Professor für Judaistik.
Wenn Musik entsteht, ohne dass sie vorher geschrieben ist, dann öffnet sich ein Raum, in dem Begegnung neu erfunden wird. Vokale Improvisation ist nicht nur ein musikalischer, sondern ein sozialer Akt – ein Hineinhorchen in sich selbst und zugleich in das Gegenüber. Was entsteht, ist mehr als Klang: Es ist Kommunikation, Beziehung, Resonanz.
Charlotte Horn: Wer bei uns ehrenamtlich mitarbeiten will, sollte offen und lebenserfahren sein, sich auf andere Menschen ohne Wertung einstellen können. Man muss psychisch belastbar sein und bereit, sich mit sich selbst und den eigenen Krisen auseinanderzusetzen und Neues zu lernen. Der Einsatz umfasst 15 Stunden pro Monat, auch Nachtdienste. Da wir anonym und verschwiegen arbeiten, kann man mit diesem Ehrenamt keine öffentliche Anerkennung bekommen – jedenfalls nicht persönlich. Wertschätzung erfahren wir in der TS-Gemeinschaft daher vor allem voneinander. Eine unserer Supervisorinnen hat uns neulich ein schönes feedback gegeben: „Ich blicke hier in so viele schöne Gesichter. Gesichter, die von innen leuchten.“ Vielleicht hat diese Wahrnehmung auch damit zu tun: in diesem Ehrenamt sind Menschen bereit, sich immer neu auch mit sich selber und ihren Lebensthemen auseinanderzusetzen. Nur wer sich selber vertieft kennt, auch die eigene Verletzlichkeit, kann bei anderen angstfrei genau hinhören, was Sache ist. Und weil wir persönliche Themen miteinander besprechen, schweißt das natürlich zusammen. So ist für viele die Verbundenheit untereinander das Rückgrat ihres Telefondienstes. Wir erleben diese Verbundenheit bei gemeinsamen Fortbildungen, Supervisionen, bei Gottesdiensten und bei Festen, die wir feiern. Da wird es dann auch mal lustig und leicht und beschwingt. Humor ist eine wichtige Kraftquelle.