Tim Lahr

Tim Lahr

Die Melanchthon-Akademie ist eine Einrichtung des Kirchenverbandes Köln und Region. Das ist etwas Besonderes, denn die Gemeinden haben damit eine Bildungseinrichtung, die die gemeindlichen Bezüge Glaube, Verkündigung, Gemeinschaft, Engagement mit Bildungsformaten in unterschiedlichster Form unterstützt und begleitet; die qualifiziert, Räume für Begegnung öffnet, Bildungsakzente in der Kölner Stadtgesellschaft setzt. In unserer modernen Welt gehören Glauben und Denken selbstverständlich zusammen. Oder nicht?

Die ev. Kirchengemeinde Köln-Deutz/Poll hat ein neues Gottesdienstformat aufgelegt: „Glauben & Denken“.

Warum habt ihr mit „Glauben & Denken“ begonnen?

Tim Lahr: Weil ich gemerkt habe: Die großen Fragen unserer Zeit finden fast nur noch im Internet statt – und dort eskalieren sie oft schneller, als dass sie verstanden werden. Alle haben eine Meinung, aber kaum noch Räume, in denen man sich wirklich begegnet. „Glauben & Denken“ ist unser Versuch, genau so einen Raum zu schaffen: offline, echt, mit Menschen, die sich ansehen, widersprechen und zuhören. Und gleichzeitig orientieren wir uns bewusst am Dreischritt von Dorothee Sölle: Information, Kontemplation, Aktion. Also nicht nur reden – sondern verstehen, reflektieren und daraus etwas machen.

Glauben & Denken gehören doch eigentlich zusammen – warum muss man das extra betonen?

Tim Lahr:  Weil sie im Alltag oft auseinandergerissen sind. Im Netz wird extrem viel gedacht – schnell, zugespitzt, oft aggressiv. In der Kirche wird oft geglaubt –  manchmal zu wenig hinterfragt. Wir versuchen, beides wieder zusammenzubringen. Nicht abstrakt, sondern konkret im Raum. Dass Menschen, die sich sonst vielleicht nur in Kommentarspalten begegnen würden, plötzlich nebeneinandersitzen und merken: Da ist ein Mensch, nicht nur eine Meinung. Auch hier hilft uns dieser Dreischritt: Erst Information – also wirklich verstehen, worum es geht. Dann Kontemplation – aushalten, was das mit mir macht. Und erst dann Aktion – also Position beziehen. Das verändert die Qualität von Gesprächen komplett.

Ihr legt biblische Texte und gesellschaftliche Fragen bewusst nebeneinander – was ist euer Ziel?

Tim Lahr: Unser Ziel ist nicht Harmonie. Unser Ziel ist Reibung – aber eine konstruktive. Wir bringen bewusst Dinge zusammen, die Spannung erzeugen: ein biblischer Text und eine aktuelle gesellschaftliche Frage. Und dann passiert etwas: Die Diskussion wird tiefer als das, was man aus Social Media kennt. Weil wir eben nicht sofort reagieren müssen. Weil wir Zeit haben. Weil wir uns gegenseitig wahrnehmen. Und weil wir diesen Prozess strukturieren: Information – wir holen alle auf einen Stand. Kontemplation – wir lassen Raum für persönliche Resonanz. Aktion – wir überlegen, was das konkret für unser Handeln bedeutet. Das Ziel ist nicht die schnelle Antwort, sondern eine andere Art zu denken. Weniger reflexhaft, mehr reflektiert.

Wie sind eure ersten Erfahrungen?

Tim Lahr: Überraschend stark. Was mich am meisten beeindruckt: Menschen nutzen diesen Raum wirklich anders als das, was sie aus dem Internet kennen. Es wird diskutiert, teilweise auch kontrovers. Aber es kippt nicht so schnell ins Persönliche oder ins Rechthaben. Das liegt genau an diesem Setting: Man sitzt zusammen, man hört einander, man hält auch mal Stille aus. Und viele sagen hinterher: „So habe ich noch nie über das Thema nachgedacht.“ Gleichzeitig merken wir auch: Das Format fordert mehr. Es ist kein Konsumformat, man muss sich einlassen. Genau darin liegt die Kraft: ein Raum, der Menschen wieder ins echte Gespräch bringt – jenseits von Kommentarspalten.

 

Empfehlungen:

So. 30. August 11:00 Uhr

„Glauben & Denken“ Gottesdienst

St. Johannes-Kirche, Köln Deutz, Tempelstr. 29

Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

 

So. 20. September 11:00 Uhr

„Mensch Erde!“  Der ökologische Gottesdient

Stadtkirche Köln-Chorweiler, Pariser Platz 32

„Mensch, Erde!“ ist eine besondere Gottesdienstform, die der ökologischen Krise einen geistlichen Ort gibt. Ein Ort für Christ:innen, die von Klimawandel und Schöpfungsliebe bewegt sind. Es ist ein liturgisches Format, in dem der Schmerz um Gottes Schöpfung wahrgenommen und den spirituellen Fragen in dieser Krise Raum gegeben wird.

„Mensch, Erde!“ will dabei auch informieren, inspirieren und unterstützen, ins Handeln zu kommen. Die Verbindung von Spiritualität und praktischem Handeln ist ein zentrales Anliegen.
Eintritt frei. Ohne Anmeldung.

 

So, 27.09.2026, 11:00 – 12.45 Uhr

Ökumenische Beatmesse – auch im Livestream

zum Thema sexualisierte Gewalt in den Kirchen

Johanneskirche, Nonnenwerthstraße 78, 50937 Köln

Liturgie: Pfarrer Ivo Masanek, Dominikanerpater Diethard Zils.

Musik: RUHAMA.

Predigt: Marcus Bensmann, Investigativjournalist für das Recherchenetzwerk Correctiv. Nach dem Mittagessen folgen der Correctiv-Film „Die Akten des Missbrauchs“ und Austausch mit dem Journalisten. (www.beatmesse.de)

Eintritt frei. Ohne Anmeldung.