Schlagwort: Sibylle Kamphuis

„Melt down“, Kintsugi & Scherbenhaufen: Was im Raum für Risse passiert ist

Raum für Risse in und um die Kartäuserkirche. Risse wurden durch Bilder, Geschichten, Lesungen, Installationen und partizipativer Kunst sichtbar und hörbar. Dem ‚meltdown‘ (siehe Titelbild), konnte man beim Schmelzen zusehen. Ein Schale wurde mit Kintsugikunst durch goldene Fugen kollektiv repariert, ein Scherbenhaufen für irreparable Risse wurde mit Themen beschriftet, Texte fanden ihren Weg in ein Buch für Risse, das ist nur ein kleiner Teil der Impulse dieses Raumes. Hier ein kleiner Ausschnitt: 

 

„Risse bedeuten nicht nur Bruch – sie eröffnen Räume. Zwischen Steinen wächst Moos. In Mauerspalten siedeln sich Pflanzen an, finden Insekten Schutz. Selbst kleinste Fugen werden zu Mikro-Lebensräumen. Wir wenden unseren Blick auf das Unscheinbare. Wir erforschen, was dort lebt und wächst, wo Risse sichtbar werden.  Und vielleicht entdecken wir nicht nur Risse – sondern auch Verbindungslinien zwischen uns und der Natur.“     aus dem Nature Journaling workshop mit Sibylle Kamphuis

 

„Risse können wachsen. Manchmal entstehen sie leise, fast unbemerkt, doch mit der Zeit werden sie größer. Sie sind nicht nur Brüche, sondern lassen Durchblicke zu. Durch sie wird sichtbar, dass eine Biografie nicht nur aus einem Stück besteht, sondern aus vielen Schichten, Sprachen und Geschichten. Aber das Durchblicken kann auch bedeuten, immer wieder mit der eigenen Zerrissenheit konfrontiert zu sein; Identität nicht als geschlossene Einheit, sondern ein Zusammenspiel von Fragmenten, in Spannung zueinander.“                       palästinensische Kölnerin  September 2025

 

‚Ich denke, in diesen Zeiten leben mehr Menschen in Zerissenheiten und zwischen den Welten als in einheimischen Eindeutigkeiten. Vielleicht sollten wir die Netzwerke aller im Dazwischen weltweit stärken und die Kunst und die Comunities des Dazwischens stärker würdigen… Vielleicht ist so der Schmerz und Ohnmacht besser auszuhalten…. was meinst du?“                                              Kölnerin mit binationaler Familie September 2025

 

Was ist eigentlich ein Riss? Risse zwischen Ländern. Risse zwischen Zeiten. Zwischen Menschen. Religionen. Kriegen. Welten. Regionen. Orten. Was ist eigentlich ein Riss?… Gibt es einen Ort, wo man all den Rissen entkommen kann?

In einer ganz anderen Welt, in einem ganz anderen Ort, liegt das Wunderland. Es gibt einen Ort, das Wunderland. Ohne Risse. Nur freies Land. Wunderland. Ist es aber wirklich ein Wunderland? Ein Ort ohne Risse, ist das überhaupt möglich?“ 11-jähriger Enkel aus Israel

 

Seine Oma in Köln schreibt:

„Dennoch will ich die Hoffnung auf ein Wunder nicht verlieren. Ein Wunder habe ich nämlich schon erlebt: Anwar el Sadats Landung in Ben Gurion 1977 war so eins.“

eine Kölner Israelin September 2025

Ohne Risse kein Leben, oder wie kommt sonst das Küken in die Welt?

 

UN/REPARIER/BAR ?

Ab 17h ein Barcamp rund um das Thema ‚Reparatur der Innen- und Außenwelt (wie) geht das?‘  Wir bieten Impulse und freuen uns über die Ihrigen  –  im interaktiven Frageraum

Ab 18.30h: nach dem Barcamp öffnet die UN/ REPARIER/BAR mit alkoholfreien und -vollen  Cocktails

Samstag 13. 6.  17h

im Innenhof/Haus der Kirche, Kartäusergasse 9-11

Anmeldung erwünscht

 

REPARATURWERKSTATT

 

Copyright: Jörn Neumann

Scherbenhaufen

Goldfarbener Kitt

viele Menschen um den Werkstatttisch

Reparieren und reden

Über Brüche und Gold und Scherben

und und und

Scherben setzen sich wieder zusammen

Kann goldfarbener Kitt einen Bruch reparieren?

 

WER?

Wer?  Wer repariert?  Wer repariert was?  Wer repariert?  Wer?

 

 

Reparare/wieder herstellen Aktiv:

ich stelle wieder her

du stellst wieder her

er /sie/ es stellt wieder her

wir stellen wieder her

ihr stellt wieder her

sie stellen wieder her

Reparare wieder herstellen Passiv:

ich werde wieder hergestellt

du wirst wieder hergestellt

er/sie/es wird wieder hergestellt

wir werden wieder hergestellt

ihr werdet wieder hergestellt

sie werden wieder hergestellt

 

Wer?  Wer repariert?  Wer repariert was?  Wer repariert?  Wer? WER?

Nachdenken zwischen Wäldern, Nature Journaling und im Buch der Natur lesen: Draußen abtauchen

Foto: T. Wester

„Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten, zu sehen ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hatte. Ich wollte nicht das Leben, was nicht Leben war, das Leben ist so kostbar. Ich wollte tief leben… sodass alles, was nicht Leben war, in die Flucht geschlagen wurde.“ So formuliert es Henry David Thoreau in seinem Buch Walden, in dem er sein zwei Jahre zurückgezogenes Leben im Wald beschreibt. Thoreau suchte in der Begegnung mit Natur mehr als nur die (wissenschaftlich) beschreibbare Natur. Er will den Raum des Dazwischen erkunden, indem die Kräfte der Natur auf ihn wirken.

Der Theologe Uwe Habenicht, der in St. Gallen im Rahmen der „Forest Church Bewegung“ das Gottesdienstformat „WaldWunder“ draussen abtauchen in der Natur anbietet, spricht vom „Buch der Natur“ als Ort der Begegnung mit Gott. Das Buch der Natur ist allerdings von anderen Buchstabenbüchern deutlich unterschieden. Ob wir im Buch der Natur lesen können, hängt nicht vom Wissen und Gelehrsamkeit ab. Es geht nicht darum einzelne Zeichen erkennen und deuten zu können… Das Buch der Natur ist Chiffre für das Ganze, in das wir eintauchen. Nicht nur wir blättern im Buch der Natur, sondern das Buch der Natur blättert zugleich in uns…

Im Buch der Natur zu lesen heißt, in es abzutauchen, sich in ihm zu bewegen… Im Buch der Natur eröffnet sich der Zwischenraum der Begegnung und ist zugleich der Zwischenraum, in dem Gott mit uns und wir mit Gott co-präsent, gleichzeitig werden ohne ein zu werden.

Nature Journaling – eine Reise zu den Wundern der Natur, so bezeichnet Sibylle Kamphuis in ihrem 2. Naturnotizbuch das genaue Hinschauen und Staunen, das zu ihrem 2. Naturtagebuch geführt hat. Ein solches Naturnotizbuch zu führen ist mehr als nur Zeichnen – es ist eine Haltung der Neugier und Offenheit. Es lehrt mich jeden Tag neu, die Wunder der Schöpfung zu bestaunen.

VERANSTALTUNGEN

Sa., 06.09.2025, 12:00–15:00 Uhr
Komm’ mit und staune
Nature Journaling
1 Termin | 10,00 € | Nr. N2105

Sa., 06.09.2025, 15:00–16:00 Uhr
In die Schöpfung eintauchen
Dorothee Schaper
1 Termin | Eintritt frei | Nr. N2205

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