Reparierbar? Das ist das Thema, das sich durch das Programmheft der Melanchthon-Akademie im ersten Halbjahr 2026 zieht. Das Wort ist sehr konkret, handwerklich. Ich kann mein Fahrrad reparieren, kleine Dinge zu Hause, schon beim Toaster wird es schwierig, von einem Auto ganz zu schweigen. Funktioniert das Reparieren auch im übertragenen Sinn? Kann ich die Welt reparieren? Oder menschliche Beziehungen, oder gar meine Beziehung zum Göttlichen?
Spirituelle Bewegungen sind genau dieser Versuch.
Drei Beispiele:
1.
Das alte und auch das neue Gebäude der Melanchthon-Akademie steht auf dem alten Klostergelände des Kartäuser Ordens, der im 14. Jahrhundert erkannte, dass Kontemplation nicht nur in einsamen Gebirgsgegenden wichtig ist, sondern besonders mitten in der Stadt. So kam es im 14.und 15. Jahrhundert zur Gründung von Stadtkartausen, wie hier in Köln. Ein Beitrag etwas zu reparieren? Vielleicht, bemerkenswert ist auf jeden Fall: Kirche ist nicht nur traditionell, Kirche ist der nächste Schritt.
2.
Im September 2025 führte eine Studienreise der Akademie nach Iona, Schottland. (Welcome to the Iona Community – A Christian ecumenical community) Die Iona-Community ist eine ökumenische, weltweit zerstreut lebende Gemeinschaft von Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Ihr Zentrum haben sie in der alten Benediktiner-Abtei auf der Insel Iona, der Iona-Abbey. Alle Menschen, die dorthin kommen, bilden die Gemeinschaft und erleben Gemeinschaft auf Zeit in ihrer schönsten Form. Es ist das erklärtes Ziel der Community of Iona, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Ich übersetze das so: die Welt ein Stückchen zu reparieren.
Wir machen sie das? Ihre herausfordernde These heißt: nur in und mit Gemeinschaft können wir einen Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit leisten. Gemeinschaft/Beziehung ist ihr Werkzeug zur Reparatur.
Wie geht das konkret? Mit einer einladend, gastfreundlichen Haltung voller Respekt.
Wie sieht das aus? Im alten Refektorium sitzen während der Mahlzeiten immer 10 Menschen auf Bänken am langen Tisch. Ein Platz ist der „Head of the table“. Für diese Mahlzeit ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle eine angenehme Mahlzeit haben. Er achtet darauf, dass die Wasserkaraffen gefüllt sind, genug Brot auf dem Tisch steht, holt die Suppentassen und räumt am Ende den Tisch mit ab. Alle anderen dürfen ihre Mahlzeit einfach genießen. Sie wissen, bei einer der nächsten Mahlzeiten bin ich dran, denn diese Aufgabe wechselt durch.
Gelingende Gemeinschaft braucht respektvolle Kommunikation. Das ist ein Herzstück der Arbeit auf Iona. Respektvolle Kommunikation untereinander, mit der Mitwelt und der Ewigen. Auf Iona sind sich alle klar, dass sich unsere Sprache verändert und es Worte gibt, die nicht mehr für jede/n passen. Sie laden dazu ein, solche Worte zu ändern, tun dies auch selbst. Immer mit Respekt. Die Sprache in den Gottesdiensten ist mitten in der Welt von heute verankert, klar, schlicht und voller Schönheit. Für Jede/n ist ein Wort dabei, das berührt, Gottes Wirklichkeit transparent werden lässt. Ein Wort, das ermutigt diese Haltung, diese Erfahrung nach zu Hause zu tragen, in das eigene Leben.
3.
Diese Ermutigung trägt das Wohnprojekt: Gemeinsam leben – Wohnprojekt im Campus Kartause. Dort können ab Januar 2027 Menschen im Geist der Community of Iona kommunitär zusammen leben.
Hier finden Sie die Ausschreibung:
In der Südstadt von Köln entsteht auf dem Gelände der „Kartause“, des ehemaligen Kartäuserklosters, heute Sitz der Evangelischen Kirche in Köln und einer lebendigen Gemeinde, ein großer Campus – ein Haus der Bildung für Menschen in der langen Spanne des Erwachsenenseins, dazu Wohnraum für Studierende, für Menschen mit und ohne Einschränkungen und vieles mehr. (Home – Campus Kartause)
Es entsteht Raum für gemeinsames Leben, in aller Individualität und persönlichen Freiheit.
Inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona (Welcome to the Iona Community – A Christian ecumenical community), und in der Überzeugung, dass Gemeinschaft verändernde Kraft hat, starten wir ein Wohnprojekt, das Anfang 2027 bezugsfertig ist.
Das wollen wir teilen:
- Wir teilen unsere Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt, in der das Leben für alle Geschöpfe blühen kann.
- Wir teilen Gemeinschaft, die sich als ein offener Prozess versteht.
- Wir teilen geistliches Leben, dessen Formen sich in unserer Gemeinschaft entwickeln werden.
Wir vertrauen dabei auf die verändernde Kraft einer Gemeinschaft, die respektvoll miteinander umgeht, im Hören, Sprechen und Teilen.
Es gibt 9 Appartements und gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich.
Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 qm incl. der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis pro qm beträgt voraussichtlich 18,-€ ohne Nebenkosten.
Wir erwarten, dass sich Interessierte zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Zusammenleben mit der Gruppe verpflichten.
Wenn Sie/Dich das interessiert, können hier Fragen gestellt oder eine Interessensbekundung abgeben werden: rinecker@melanchthon-akademie.de
Text: Anje Rinecker
Programmhighlights
„Ihre Verbindung wird gehalten“. Workshop zum öffentlichen Beten

Holger Pyka.
„Die Sitzung endet mit Gebet“, so heißt es in vielen Sitzungsprotokollen. Nur: Irgendjemand muss es ja machen. Wie kann ich für den gemeindlichen Alltag (und mein persönliches Leben) Gebete formulieren, die einladend sind, theologisch und geistlich weit, aber auch konzentriert, und die andere zum eigenen Mitbeten ermutigen? Wir tasten uns an eigene Worte heran, probieren aus, stellen um, verwerfen oder behalten. Und stellen (hoffentlich) fest: Es geht. Unsere Verbindung wird gehalten…
Mi, 11.03. 19-21 Uhr
Pfr. Dr. Holger Pyka
Antje Rinecker
Kostenfrei, Melanchthon-Akademie, Sachsenring 5, 264124R
Integrale Entwicklungstage “Siehe ich mache alles neu“
Do-So, 23.07.-26.07.2026
Beginn Do. 13 Uhr, Ende So. 13 Uhr
Wandel und Transformation in unserer verletzlichen Welt
Die Integralen Entwicklungstage 2026 öffnen über vier Tage einen gemeinsamen Prozess von Wandel und Transformation. Es entsteht ein Erfahrungsraum für Menschen, die den integralen Weg christlicher Spiritualität leben und vertiefen wollen – eine Spiritualität, die neue Tiefe erfahrbar macht und das transformative Potenzial für unser Leben und die Welt erschließt. Wir erkunden theologisch integral die Begriffe Wandel und Transformation mit Tilmann Haberer und Marion Küstenmacher.
Frühbucherpreis 525 €, Haus Klara, Kloster Oberzell, D-97299 Zell am Main bei Würzburg, Nr. 4119Ra

Maike Nadar: Menschenrechte sind Rechte, die allen Menschen gleichermaßen allein aufgrund ihres Menschseins zustehen und in der Würde eines jeden Menschen gründen. Wie in der UN-Behindertenrechtskonvention beschrieben, muss es allen Menschen ermöglicht werden, ein Bewusstsein ihrer Menschenwürde zu entwickeln.
Über das Reparieren von Rissen, kollektive Krisenresilienz und Widerstand für die Demokratie.
In der Südstadt von Köln entsteht auf dem Gelände der „Kartause“, des ehemaligen Kartäuserklosters, heute Sitz der Evangelischen Kirche in Köln und einer lebendigen Gemeinde, ein großer Campus: Ein Haus der Bildung für Menschen in der langen Spanne des Erwachsenenseins, dazu Wohnraum für Studierende, für Menschen mit und ohne Einschränkungen und vieles mehr. (


Durch Klimawandel, Artensterben und zahlreiche Umweltprobleme steht die Menschheit vor großen Herausforderungen. Mit dem neuen Gebetsraum „
Martin Bock: Sie ist im Gespräch mit dem Komponisten und Musiker Bernhard König bei einer Veranstaltung in Köln-Brück mit der dortigen Kulturreferentin Jane Dunker entstanden. Bernhard König hat sein Buch „Musik und Klima“ vorgestellt und nebenbei erzählt, dass er für einige Zeit in Bonn am Forum für Komparative Theologie der Kath.-Theologischen Fakultät angestellt war. Hier ist vor ca. 2 Jahren die Mutter des „Room of One“ entstanden, als ein gemeinsames Gebet aus jüdischen, muslimischen und christlichen Ressourcen. Es findet dort jeden Donnerstag von 14 – 1.430 h im Kapitelsaal des Bonner Münsters statt. Bernhard König hat das Gebet dort musikalisch mitentwickelt, eigene Kompositionen und Lieder geschaffen, die man
Martin Bock: Wir haben den „Room of One“ als ein sehr respektvolles Zusammentreffen von Menschen verschiedener Religionen in jeweils eigener Tradition im selben Raum erlebt. Für eine halbe Stunde entsteht – auch durch die sehr reflektierte Komposition der einzelnen Gebetsteile, der gemeinsamen Lieder und der Gemeinschaft, die sich so bildet – eine Atmosphäre der Hingabe, der Tiefe und der Würde, die die Religionen in aller Unterschiedlichkeit teilen. Das Motto des Room of One „Faith united für the planet“ soll anzeigen, dass sich dieser Respekt vor den unterschiedlichen Zugängen in jüdischer, christlicher und islamischer Spiritualität durchaus mit dem „großen Ganzen“, dem Einsatz für unseren Planeten, für Klimaschutz, Artenvielfalt und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen verbindet. Wir hoffen, dass sich dieses alltägliche und doch so unalltägliche spirituelle Kreuzen der Wege von Menschen, wie es sich im Bonner Münster vollzieht, auch in der Kölner Südstadt einstellen kann; ich glaube, es kann uns enorm stärken, inmitten der vielen Zerrissenheiten, in denen wir alle stehen, die Kraft der Religion zur Verbindung und zur Compassion zu erleben!
Martin Bock: Den Kölner „Room of One“ gibt es nur durch die Kooperation mit dem Forum für Komparative Theologie. Mit der jüdischen und der muslimischen Mitarbeiterin Annette Boeckler und Nasrin Bani Assadi haben Dorothee Schaper und ich den Kölner Ableger zusammenentwickelt. Frau Boeckler und Frau Assadi werden auch in Köln den jüdischen und den muslimischen Teil gestalten, im christlichen Teil wechseln sich Dorothee Schaper und ich ab. Thomas Frerichs, Kantor der Kartäuserkirche, wird die musikalische Gestaltung übernehmen.
Aus zwei Tonnen Bauton wurden am Ende sogar drei: Unter dem Titel „Chorweiler in Ton – Geschichten und Gemeinschaft im Stadtteil“ ist in der vergangenen Woche an der Freitreppe seitlich vom Liverpooler Platz ein Kunst- und Demokratieprojekt entstanden, das viele Menschen in Köln-Chorweiler zusammenbrachte.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene modellierten gemeinsam ein Tonmodell des Stadtteils. Jede und jeder brachte dabei persönliche Erinnerungen, Gedanken und Ideen ein – so wuchs Stück für Stück ein lebendiges Bild Chorweilers. Begleitet wurde das kreative Arbeiten von Musik, Begegnungen und Gesprächen.
Am 26. September 2025 laden wir Sie in der Zeit von 11.00 bis 17.00 Uhr herzlich zu Erkundungen im „Raum für Risse“ auf dem Gelände der Kartäuserkirche ein. Im „Vorraum für Risse“ am 19. September 2025 von 18.00 bis 21.00 Uhr können Sie sich bereits kreativ schreibend, performativ und künstlerisch den eigenen biografischen und den Weltrissen nähern. Die Kunst- und Wortwerke fließen in den „Raum für Risse“ ein. Begleitend findet sich ein facettenreiches Rahmenprogramm, das im engen (Sinn-)Zusammenhang mit der japanischen Reparaturtechnik „Kintsugi“ steht, bei der Zerbrochenes mit Gold sichtbar zusammengefügt wird. Es geht hier um einen achtsamen Umgang mit Brüchen, Rissen und deren Spuren.

Philipp Staab