Kategorie: Kreativ werden

Musik aus dem Moment – Vokale Improvisation als Zukunftskultur am 25. April

Wenn Musik entsteht, ohne dass sie vorher geschrieben ist, dann öffnet sich ein Raum, in dem Begegnung neu erfunden wird. Vokale Improvisation ist nicht nur ein musikalischer, sondern ein sozialer Akt – ein Hineinhorchen in sich selbst und zugleich in das Gegenüber. Was entsteht, ist mehr als Klang: Es ist Kommunikation, Beziehung, Resonanz.

Im Workshop „Vokale Improvisation und Musikerfindung“ lädt Dagmar Boecker dazu ein, genau diesen Raum zu betreten. Keine Instrumente, keine Notenblätter, kein vorbereitetes Repertoire – nur die Stimme, das Hören und das Jetzt. Das, was uns bewegt, kann zum Ausgangspunkt eines gemeinsamen musikalischen Gesprächs werden: eine Nachricht, ein Traum, ein Geräusch, ein Lächeln.

In einer Zeit, die von Tempo, Reizüberflutung und digitaler Dauerpräsenz geprägt ist, wirkt diese Praxis wie eine Rückkehr zum Ursprung. Atem, Laut und Wort werden zu Werkzeugen einer neuen, unmittelbaren Kunstform, die zugleich tief menschlich ist. Sie entsteht dort, wo Aufmerksamkeit und Hingabe zusammentreffen.

Improvisation bedeutet hier nicht Beliebigkeit, sondern Vertrauen – in den Moment, in das gemeinsame Hören, in das, was sich zeigt, wenn man Kontrolle loslässt. Die Gruppe wird zum Klangkörper, die Teilnehmenden zu Resonanzflächen füreinander. Aus scheinbar zufälligen Tönen werden Dialoge, aus Dialogen Kompositionen, aus Kompositionen Momente von Schönheit und Erkenntnis.

Es ist eine Arbeit an der Wahrnehmung, am Miteinander, an der Fähigkeit, etwas entstehen zu lassen, das keiner allein hervorbringen könnte. Vielleicht ist genau das der gesellschaftliche Wert solcher künstlerischer Praxis: das Üben von Kooperation, von kreativem Vertrauen, von Empathie durch Klang. „Frisch zubereitete Jetzt-Musiken“, nennt Dagmar Boecker das – ein Sinnbild für das gemeinsame Kochen mit Stimmen, für eine klingende Gemeinschaft im Werden.

Wer sich darauf einlässt, findet möglicherweise mehr als nur Musik: einen Weg, den eigenen Ausdruck zu entdecken, das eigene Hören zu verfeinern, die Kunst des Dialogs neu zu lernen – nicht nur musikalisch, sondern menschlich.

Zum Schluss sei die Ankündigung selbst wiedergegeben, die den Geist dieses Workshops bereits atmet wie ein Gedicht über das Lauschen, das Sprechen und das gemeinsame Erklingen:

SEMINARANKÜNDIGUNG

Vokale Improvisation und Musikerfindung – Musikalisch miteinander im Gespräch

Unser Instrument: die eigene Stimme. Wir haben sie einfach dabei. Wir können sie intuitiv bedienen. Atem, Ton, Wort, Laut, Klang, Geräusch sind unsere Materialien.

In diesem Workshop führen wir Musikalische Gespräche und vertonen darin gemeinsam was uns bewegt, uns berührt, uns am Herzen liegt.

Eine aktuelle Nachricht, ein kleines Erlebnis in der U-Bahn, ein Gedicht, ein Foto, der Zauber einer unbekannten Sprache, Bienengesumm im Ohr… all dies kann uns phantasieleitender Impuls für eine musikalische Mitteilung sein.

Atemverbunden schenken wir der Stille und Einander Gehör, öffnen so den musikalischen Raum für unsere kollektiven Spontan-Kompositionen: meditativ, poetisch, skurril, theatral, malerisch… einmalig und noch nie dagewesen.

Je nach Anlass und Bedarf befassen wir uns mit improvisatorischen Spielformen und Herangehensweisen, Gesprächsformen, musikalischen Aspekten oder kompositorischen Perspektiven, gestalterischen Möglichkeiten im Umgang mit Text und Stimme, Sprechen und Gesang, sowie mit der Ausrichtung des Hörens.

Individuelle Ideen oder Motive werden erhört und im Zusammenspiel weiter- gesponnen- gewebt- entfaltet- entwickelt. Gemeinsam erfinden wir Musiken, auf die eben keiner alleine kommen kann.

Von der Forschungsfrage geleitet „was braucht es? damit dies freudvoll und fruchtbar gelingen kann“ erkunden wir verschiedenen musikalische Versuchsaufbauten. Wir öffnen Hör-Bilder-Bücher und Tore zu klingenden Gärten. Wir musizieren jenseits von Stilistik und Genre. Wir sind frei für ganz Neues. Frisch zubereitete Jetzt-Musiken in denen wir schöpferische Kooperation entfalten und überraschendes Miteinander erleben. – Vielleicht eine künstlerische Vorbereitung für notwendige gesellschaftliche Zukunfts-Kultur?

Für alle Menschen, die gerne ernsthaft spielen! Die Lust haben, einander aufmerksam zuzuhören und stimmlich beizutragen, um sich klingend aufeinander zu beziehen – um miteinander in unseren kleinen Musiken ebenso genussvoll und nährend zu verweilen, wie auch entwicklungsbereit und abenteuerlustig voranzuschreiten. Vorkenntnisse sind hierfür ebenso förderlich wie nicht erforderlich. Ich bin gespannt…

Über Dagmar Boecker

Dagmar Boecker ist Sprecherin, Sängerin und Vokalimprovisatorin. Seit über 20 Jahren lehrt sie an verschiedenen Hochschulen mit Schwerpunkt an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Als staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin arbeitet sie seit über 30 Jahren mit Menschen in pädagogischen und künstlerischen Kontexten auf Bühnen und im Leben. Sie ruft Projekte und Ensembles ins Leben für vokale Improvisation, Spontankomposition und kollektive Musikerfindung, z.B. Composing Voices oder das Ensemble für poetische co&notationen.

„Melt down“, Kintsugi & Scherbenhaufen: Was im Raum für Risse passiert ist

Raum für Risse in und um die Kartäuserkirche. Risse wurden durch Bilder, Geschichten, Lesungen, Installationen und partizipativer Kunst sichtbar und hörbar. Dem ‚meltdown‘ (siehe Titelbild), konnte man beim Schmelzen zusehen. Ein Schale wurde mit Kintsugikunst durch goldene Fugen kollektiv repariert, ein Scherbenhaufen für irreparable Risse wurde mit Themen beschriftet, Texte fanden ihren Weg in ein Buch für Risse, das ist nur ein kleiner Teil der Impulse dieses Raumes. Hier ein kleiner Ausschnitt: 

 

„Risse bedeuten nicht nur Bruch – sie eröffnen Räume. Zwischen Steinen wächst Moos. In Mauerspalten siedeln sich Pflanzen an, finden Insekten Schutz. Selbst kleinste Fugen werden zu Mikro-Lebensräumen. Wir wenden unseren Blick auf das Unscheinbare. Wir erforschen, was dort lebt und wächst, wo Risse sichtbar werden.  Und vielleicht entdecken wir nicht nur Risse – sondern auch Verbindungslinien zwischen uns und der Natur.“     aus dem Nature Journaling workshop mit Sibylle Kamphuis

 

„Risse können wachsen. Manchmal entstehen sie leise, fast unbemerkt, doch mit der Zeit werden sie größer. Sie sind nicht nur Brüche, sondern lassen Durchblicke zu. Durch sie wird sichtbar, dass eine Biografie nicht nur aus einem Stück besteht, sondern aus vielen Schichten, Sprachen und Geschichten. Aber das Durchblicken kann auch bedeuten, immer wieder mit der eigenen Zerrissenheit konfrontiert zu sein; Identität nicht als geschlossene Einheit, sondern ein Zusammenspiel von Fragmenten, in Spannung zueinander.“                       palästinensische Kölnerin  September 2025

 

‚Ich denke, in diesen Zeiten leben mehr Menschen in Zerissenheiten und zwischen den Welten als in einheimischen Eindeutigkeiten. Vielleicht sollten wir die Netzwerke aller im Dazwischen weltweit stärken und die Kunst und die Comunities des Dazwischens stärker würdigen… Vielleicht ist so der Schmerz und Ohnmacht besser auszuhalten…. was meinst du?“                                              Kölnerin mit binationaler Familie September 2025

 

Was ist eigentlich ein Riss? Risse zwischen Ländern. Risse zwischen Zeiten. Zwischen Menschen. Religionen. Kriegen. Welten. Regionen. Orten. Was ist eigentlich ein Riss?… Gibt es einen Ort, wo man all den Rissen entkommen kann?

In einer ganz anderen Welt, in einem ganz anderen Ort, liegt das Wunderland. Es gibt einen Ort, das Wunderland. Ohne Risse. Nur freies Land. Wunderland. Ist es aber wirklich ein Wunderland? Ein Ort ohne Risse, ist das überhaupt möglich?“ 11-jähriger Enkel aus Israel

 

Seine Oma in Köln schreibt:

„Dennoch will ich die Hoffnung auf ein Wunder nicht verlieren. Ein Wunder habe ich nämlich schon erlebt: Anwar el Sadats Landung in Ben Gurion 1977 war so eins.“

eine Kölner Israelin September 2025

Ohne Risse kein Leben, oder wie kommt sonst das Küken in die Welt?

 

UN/REPARIER/BAR ?

Ab 17h ein Barcamp rund um das Thema ‚Reparatur der Innen- und Außenwelt (wie) geht das?‘  Wir bieten Impulse und freuen uns über die Ihrigen  –  im interaktiven Frageraum

Ab 18.30h: nach dem Barcamp öffnet die UN/ REPARIER/BAR mit alkoholfreien und -vollen  Cocktails

Samstag 13. 6.  17h

im Innenhof/Haus der Kirche, Kartäusergasse 9-11

Anmeldung erwünscht

 

REPARATURWERKSTATT

 

Copyright: Jörn Neumann

Scherbenhaufen

Goldfarbener Kitt

viele Menschen um den Werkstatttisch

Reparieren und reden

Über Brüche und Gold und Scherben

und und und

Scherben setzen sich wieder zusammen

Kann goldfarbener Kitt einen Bruch reparieren?

 

WER?

Wer?  Wer repariert?  Wer repariert was?  Wer repariert?  Wer?

 

 

Reparare/wieder herstellen Aktiv:

ich stelle wieder her

du stellst wieder her

er /sie/ es stellt wieder her

wir stellen wieder her

ihr stellt wieder her

sie stellen wieder her

Reparare wieder herstellen Passiv:

ich werde wieder hergestellt

du wirst wieder hergestellt

er/sie/es wird wieder hergestellt

wir werden wieder hergestellt

ihr werdet wieder hergestellt

sie werden wieder hergestellt

 

Wer?  Wer repariert?  Wer repariert was?  Wer repariert?  Wer? WER?

StudioECK: Bürgerfunk an der Akademie

StudioECK ist eine Bürgerfunk-Redaktion mit 16 freien Journalist:innen und Techniker:innen, die an der Melanchthon Akademie angesiedelt ist. Die Redaktionsleitung hat Anne Siebertz inne.

Von links: Melani Köroglu, Birgit Niclas, Silvio Cisamolo, Priska Mielke, Martina Schönhals, Hartmut Leyendecker, Jutta Hölscher,Anne Siebertz, Patrick Kloß.

Von links: Melani Köroglu, Birgit Niclas, Silvio Cisamolo, Priska Mielke, Martina Schönhals, Hartmut Leyendecker, Jutta Hölscher,
Anne Siebertz, Patrick Kloß. Foto: Sabine Lehmann

Liebe Anne, was genau ist Studio ECK und was machst Du dort? Wie kommt Ihr auf Eure Ideen?

A. Siebertz: Beim Bürgerfunk von StudioECK machen wir Radio und Podcasts und das seit vielen Jahren mit einem engagierten Team. Viele von uns sind mit Mikrofon und Aufnahmegerät unterwegs und recherchieren Beiträge rund um die Themenbereiche Soziales, Kultur, Kirche oder bürgerschaftliches Engagement. Andere kümmern sich um die Technik, also das Zusammenführen und Abmischen von Beiträgen, Moderation und Musik zu einer Sendung. Ich leite die Redaktion, d. h. ich plane die Sendungen der nächsten Wochen und sorge wöchentlich dafür, dass sie bei den Lokalsendern Radio Köln und Radio Erft ausgestrahlt werden. Und die Ideen? Viele von uns sind seit Jahren dabei und bringen eigene Themen mit. Zudem zeige ich in der Redaktionssitzung ein breites Spektrum an Vorschlägen auf.

StudioECK produziert auch Beiträge für das lokale Fenster der landesweiten Kirchensendung „Himmel und Erde“. Ausgestrahlt werden diese Beiträge sonntagvormittags über die Sender Radio Köln, Radio Erft und Radio Berg. Die Leitung der Redaktion „Himmel und Erde“ liegt bei Christina Löw aus der Bürgerfunk-Redaktion.

Liebe Christina, was können wir uns unter der Sendung „Himmel und Erde“ vorstellen? Wie wählt Ihr aus, über wen berichtet werden soll?

C. Löw: Seit dem Start der NRW-Lokalradios im Jahr 1990 haben auch die beiden großen Kirchen ihren festen Platz im Programm: Jeden Sonntag sowie an kirchlichen Feiertagen geht „Himmel und Erde – das Magazin der Kirchen“ von 8 bis 9 Uhr „on Air“. Produziert und verantwortet wird die Sendung im wöchentlichen Wechsel von der katholischen und der evangelischen Redaktion. In unseren Beiträgen für das lokale Fenster greifen wir ganz unterschiedliche Themen aus den ortsansässigen Gemeinden auf: Ein neu gegründeter Kinderchor findet dabei ebenso Beachtung wie ein besonderer Gottesdienst, eine ökumenische Spendenaktion oder kulturelle Angebote oder auch Veränderungen in Gemeindestrukturen und Kirchenräumen. Besonders freuen wir uns dabei auch über Inhalte, die direkt aus den 25 Evangelischen Gemeinden und Einrichtungen in und um Köln kommen, die Mitglieder im Förderverein Studio ECK e. V. sind.

Im letzten Jahr produzierte StudioECK insgesamt 59 Magazinsendungen mit 133 Beiträgen, die wöchentlich donnerstags um 20:30 Uhr und einmal im Monat auch eine Stunde lang auf Radio Köln ausgestrahlt wurden. 7 Stunden-Sendungen mit insgesamt 20 Beiträgen wurden davon auf Radio Erft (alle zwei Monate, sonntagsabends um 19 Uhr) ausgestrahlt. Zwei der Magazinsendungen sind mit Studierenden der Uni Köln gemeinsam entstanden. Hartmut Leyendecker ist nicht nur langjähriges Redaktionsmitglied, sondern auch der Vorsitzende des Vereins.

Lieber Hartmut, bist du ein Gründungsmitglied vom Verein Studio ECK? Was macht für Dich den Reiz am Bürgerfunk aus oder am Radio allgemein?

Hartmut Leyendecker. Foto: Ute Glaser

Hartmut Leyendecker. Foto: Ute Glaser

H. Leyendecker: Ich bin 1995 über ein Seminar der Melanchthon-Akademie zu Studio ECK gekommen, bin also kein Gründungsmitglied. Radio als Medium fand ich immer spannend und durch viele Besuche im WDR in meiner Jugend habe ich gesehen, was hinter den Kulissen stattfindet. Das haben wir mit ein paar Leuten mit Tonbandaufnahmen, die wir als Cassetten rumgeschickt haben, nachgemacht. Über den Kartäuser-Krankenhausfunk aus dem Keller der Melanchthon-Akademie und später über Programme für einige Altenheime in Köln habe ich das immer weiter betrieben. Jetzt finde ich es spannend, dass ich über die Interviews sehr viele Menschen mit interessanten Ideen kennenlerne. Und jedes Mal lerne ich neue Dinge über Köln und die Welt.

Ein breites Themenspektrum kennzeichnet die Magazinbeiträge der Redaktion. Pro Jahr gibt es zudem zwei Themenschwerpunkte. 2024 waren das „Köln – zuhause und in der Welt“ und „Hürden – da geht noch was“. In diesem Jahr geht es um: „Radeln – mehr als frischer Wind um die Nase“ und „Gemeinsinn“. Auch Jutta Hölscher ist langjähriges Redaktionsmitglied.

Liebe Jutta, Du produzierst selber aktiv Sendungen und bist auch oft als Moderatorin zu hören. Gibt es ein Highlight in Deiner Zeit bei StudioECK, an das Du Dich noch gerne zurückerinnerst?

J. Hölscher: Ich war von Anfang an vom Radio-Virus infiziert und bei StudioECK dabei und habe diverse Höhen und Tiefen, Umzüge und die Umstellung von analog auf digital miterlebt. Am Bürgerfunk gefällt mir, dass er so vielfältig und unabhängig ist. Ich lerne immer wieder neue Initiativen, Vereine und Themen kennen. Ich mache am liebsten „reportagige“ Beiträge, die den Zuhörer mit auf eine Audio-Reise nehmen. Ein Highlight habe ich nicht, denn in allen Beiträgen steckt immer Herzblut und der Wunsch, die Zuhörer:innen zu erreichen. Umso schöner, wenn ich ein positives Feedback bekomme! Wir sind ein tolles Team und können uns aufeinander verlassen, deshalb macht das Radiomachen auch noch nach so vielen Jahren sehr viel Spaß!

Die Redaktion wächst ständig und Nachwuchs ist willkommen. Wer Interesse hat, gegen Aufwandsentschädigung Radiobeiträge zu verfassen oder sich in der Radio-Moderation zu versuchen, kann einfach bei den Redaktionssitzungen vorbeikommen. Das Handwerk kann man erlernen, ebenso bei Interesse auch die technische Erstellung einer Radio-Sendung.

Im nächsten Halbjahr finden Redaktionssitzungen statt am 6.8., 17.9., 29.10. und am 10.12., immer ab 19 Uhr.

Aktuelle Mitglieder der Redaktion sind:

Hartmut Leyendecker – Moderation, Technik, Beiträge
Florian Hügel – Technik, Beiträge
Tom Eggemann – Technik
Georg Bongartz – Technik
Christian Klein – Technik, Beiträge
Silvio Ciasamolo – Technik, Beiträge
Anne Siebertz – Moderation, Beiträge
Christina Löw – Moderation, Beiträge
Jutta Hölscher – Moderation, Beiträge
Vincent op het Veld – Moderation, Technik
Melani Köroglu – Beiträge, Moderation
Priska Mielke – Beiträge
Birgit Niclas – Beiträge
Eva-Maria-Marx – Beiträge
Elisabeth Kausche – Beiträge
Lea Braun – Beiträge

Der künstlerische Weg als lebendiges Gebilde

EIN GESPRÄCH MIT MANFRED SCHMIDT

In der Welt der Kunst ist der Weg oft ebenso bedeutend wie das Ziel. Für den Künstler Manfred Schmidt, dessen Wurzeln in der Kunstakademie Düsseldorf liegen, ist dieser Weg ein lebendiger Organismus, vergleichbar mit einem Baum, dessen Äste sich in verschiedene Richtungen bewegen. „Wenn man offen ist, hält man öfters an und biegt auch manchmal ab“, erklärt er. Die Metapher beschreibt nicht nur seine künstlerische Entwicklung, sondern auch die ständige Suche nach neuen Ausdrucksformen.

Obwohl die ersten Jahre an der Akademie für ihn wichtig waren – vor allem durch den Austausch mit Kommilitonen und Professoren – betont er, dass die wahren Anregungen oft außerhalb des traditionellen Kunstbetriebs lagen. Es ist diese Unabhängigkeit von konventionellen Strukturen, die seinen kreativen Prozess prägt. „Man hat sein eigenes Magnetfeld“, sagt er und deutet damit auf die individuelle Natur des Schaffens hin.

Ein entscheidender Moment in seiner Entwicklung war die Erkenntnis, dass Intuition eine zentrale Rolle spielt. „Ich sehe den künstlerischen Weg aus der Distanz“, reflektiert er und kommt auf das Bild des wachsenden Baumes zurück: „Jeder Ast steht für eine Entscheidung oder eine Wendung im Leben.“ Diese Sichtweise hat nicht nur seine Herangehensweise an die Malerei geprägt (er malt jeden Tag gleich mehrere Bilder, als seien sie Früchte, die der Baum hervorbringt), sondern auch seine Verbindung zur Natur gestärkt.

Sein Herz schlägt für seinen Garten im Bergischen Land, der für ihn Ort der Inspiration und des Schaffens ist. Hier kultiviert er über 100 verschiedene Pflanzen und lässt die Bäume individuelle Richtungen einschlagen: „So entsteht ein sich stetig wandelndes Gebilde, das nicht nur das Auge ansprechen soll, sondern auch Raum für andere Kreaturen schafft“, erklärt er leidenschaftlich. Diese Nähe zur Natur spiegelt sich auch in seiner Kunst wider – neben der gegenständlichen Malerei arbeitet er ebenso abstrakt und baut Skulpturen, am liebsten, wenn Glyzinien oder wilder Wein den Dialog mit den Objekten noch befördern.

Manfred Schmidts Reise zeigt den Einfluss von persönlichen Erfahrungen und Umgebungen auf das künstlerische Schaffen. Sein Werk ist nicht nur von Farben und Formen geprägt, sondern auch von den Geschichten und Erlebnissen, die ihn umgeben haben. In einer Welt voller Ablenkungen bleibt er dem Wesentlichen treu: dem Dialog zwischen Mensch und Natur sowie dem ständigen Streben nach neuen Ausdrucksformen. Sein künstlerischer Weg bleibt spannend und vielversprechend – ein Baum voller Möglichkeiten.

Manfred Schmidt ist Dozent an der Melanchthon-Akademie und bietet folgende Kurse an:

Fr., 07.02.2025, 18:00–20:15 Uhr
Malen am Abend mit Aquarellfarben und Gouache
Wir erproben die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten mit leuchtenden wasserlöslichen Farben auf unterschiedliche Weise: abstrakte Farbverläufe, Porträts, Landschaften und Atmosphären. Der erfahrene Dozent holt Sie da ab, wo Sie mit Ihrer Erfahrung beim Malen stehen, und führt Sie zu erstaunlichen Resultaten. Bitte bringen Sie vorhandenes Malmaterial mit!
3 Termine | 36,00 € | Nr. 7134F

Sa., 15.03.2025, 10:00–14:00 Uhr
Garantiert Malen und Zeichnen lernen – Lernen zu klassischen Motiven der gegenständlichen Malerei
Die Lehrmethoden der amerikanischen Zeichenlehrerin und Psychologin Betty Edwards werden hier vorgestellt und eingeübt. Darauf aufbauend widmen wir uns den klassischen Motiven der gegenständlichen Malerei (Stillleben, Landschaft, Porträt und Akt). Bitte bringen Sie vorhandenes Mal- und Zeichenmaterial mit (Gouache, Aquarell, Pinsel, Stifte). Einfaches Papier und verschiedenfarbige Kreiden werden gestellt.
2 Termine | 64,00 € | Nr. 7135F

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