Wenn Musik entsteht, ohne dass sie vorher geschrieben ist, dann öffnet sich ein Raum, in dem Begegnung neu erfunden wird. Vokale Improvisation ist nicht nur ein musikalischer, sondern ein sozialer Akt – ein Hineinhorchen in sich selbst und zugleich in das Gegenüber. Was entsteht, ist mehr als Klang: Es ist Kommunikation, Beziehung, Resonanz.
Im Workshop „Vokale Improvisation und Musikerfindung“ lädt Dagmar Boecker dazu ein, genau diesen Raum zu betreten. Keine Instrumente, keine Notenblätter, kein vorbereitetes Repertoire – nur die Stimme, das Hören und das Jetzt. Das, was uns bewegt, kann zum Ausgangspunkt eines gemeinsamen musikalischen Gesprächs werden: eine Nachricht, ein Traum, ein Geräusch, ein Lächeln.
In einer Zeit, die von Tempo, Reizüberflutung und digitaler Dauerpräsenz geprägt ist, wirkt diese Praxis wie eine Rückkehr zum Ursprung. Atem, Laut und Wort werden zu Werkzeugen einer neuen, unmittelbaren Kunstform, die zugleich tief menschlich ist. Sie entsteht dort, wo Aufmerksamkeit und Hingabe zusammentreffen.
Improvisation bedeutet hier nicht Beliebigkeit, sondern Vertrauen – in den Moment, in das gemeinsame Hören, in das, was sich zeigt, wenn man Kontrolle loslässt. Die Gruppe wird zum Klangkörper, die Teilnehmenden zu Resonanzflächen füreinander. Aus scheinbar zufälligen Tönen werden Dialoge, aus Dialogen Kompositionen, aus Kompositionen Momente von Schönheit und Erkenntnis.
Es ist eine Arbeit an der Wahrnehmung, am Miteinander, an der Fähigkeit, etwas entstehen zu lassen, das keiner allein hervorbringen könnte. Vielleicht ist genau das der gesellschaftliche Wert solcher künstlerischer Praxis: das Üben von Kooperation, von kreativem Vertrauen, von Empathie durch Klang. „Frisch zubereitete Jetzt-Musiken“, nennt Dagmar Boecker das – ein Sinnbild für das gemeinsame Kochen mit Stimmen, für eine klingende Gemeinschaft im Werden.
Wer sich darauf einlässt, findet möglicherweise mehr als nur Musik: einen Weg, den eigenen Ausdruck zu entdecken, das eigene Hören zu verfeinern, die Kunst des Dialogs neu zu lernen – nicht nur musikalisch, sondern menschlich.
Zum Schluss sei die Ankündigung selbst wiedergegeben, die den Geist dieses Workshops bereits atmet wie ein Gedicht über das Lauschen, das Sprechen und das gemeinsame Erklingen:
SEMINARANKÜNDIGUNG
Vokale Improvisation und Musikerfindung – Musikalisch miteinander im Gespräch
Unser Instrument: die eigene Stimme. Wir haben sie einfach dabei. Wir können sie intuitiv bedienen. Atem, Ton, Wort, Laut, Klang, Geräusch sind unsere Materialien.
In diesem Workshop führen wir Musikalische Gespräche und vertonen darin gemeinsam was uns bewegt, uns berührt, uns am Herzen liegt.
Eine aktuelle Nachricht, ein kleines Erlebnis in der U-Bahn, ein Gedicht, ein Foto, der Zauber einer unbekannten Sprache, Bienengesumm im Ohr… all dies kann uns phantasieleitender Impuls für eine musikalische Mitteilung sein.
Atemverbunden schenken wir der Stille und Einander Gehör, öffnen so den musikalischen Raum für unsere kollektiven Spontan-Kompositionen: meditativ, poetisch, skurril, theatral, malerisch… einmalig und noch nie dagewesen.
Je nach Anlass und Bedarf befassen wir uns mit improvisatorischen Spielformen und Herangehensweisen, Gesprächsformen, musikalischen Aspekten oder kompositorischen Perspektiven, gestalterischen Möglichkeiten im Umgang mit Text und Stimme, Sprechen und Gesang, sowie mit der Ausrichtung des Hörens.
Individuelle Ideen oder Motive werden erhört und im Zusammenspiel weiter- gesponnen- gewebt- entfaltet- entwickelt. Gemeinsam erfinden wir Musiken, auf die eben keiner alleine kommen kann.
Von der Forschungsfrage geleitet „was braucht es? damit dies freudvoll und fruchtbar gelingen kann“ erkunden wir verschiedenen musikalische Versuchsaufbauten. Wir öffnen Hör-Bilder-Bücher und Tore zu klingenden Gärten. Wir musizieren jenseits von Stilistik und Genre. Wir sind frei für ganz Neues. Frisch zubereitete Jetzt-Musiken in denen wir schöpferische Kooperation entfalten und überraschendes Miteinander erleben. – Vielleicht eine künstlerische Vorbereitung für notwendige gesellschaftliche Zukunfts-Kultur?
Für alle Menschen, die gerne ernsthaft spielen! Die Lust haben, einander aufmerksam zuzuhören und stimmlich beizutragen, um sich klingend aufeinander zu beziehen – um miteinander in unseren kleinen Musiken ebenso genussvoll und nährend zu verweilen, wie auch entwicklungsbereit und abenteuerlustig voranzuschreiten. Vorkenntnisse sind hierfür ebenso förderlich wie nicht erforderlich. Ich bin gespannt…
Über Dagmar Boecker
Dagmar Boecker ist Sprecherin, Sängerin und Vokalimprovisatorin. Seit über 20 Jahren lehrt sie an verschiedenen Hochschulen mit Schwerpunkt an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Als staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin arbeitet sie seit über 30 Jahren mit Menschen in pädagogischen und künstlerischen Kontexten auf Bühnen und im Leben. Sie ruft Projekte und Ensembles ins Leben für vokale Improvisation, Spontankomposition und kollektive Musikerfindung, z.B. Composing Voices oder das Ensemble für poetische co¬ationen.

Raum für Risse in und um die Kartäuserkirche. Risse wurden durch Bilder, Geschichten, Lesungen, Installationen und partizipativer Kunst sichtbar und hörbar. Dem ‚meltdown‘ (siehe Titelbild), konnte man beim Schmelzen zusehen. Ein Schale wurde mit Kintsugikunst durch goldene Fugen kollektiv repariert, ein Scherbenhaufen für irreparable Risse wurde mit Themen beschriftet, Texte fanden ihren Weg in ein Buch für Risse, das ist nur ein kleiner Teil der Impulse dieses Raumes. Hier ein kleiner Ausschnitt: 
‚Ich denke, in diesen Zeiten leben mehr Menschen in Zerissenheiten und zwischen den Welten als in einheimischen Eindeutigkeiten. Vielleicht sollten wir die Netzwerke aller im Dazwischen weltweit stärken und die Kunst und die Comunities des Dazwischens stärker würdigen… Vielleicht ist so der Schmerz und Ohnmacht besser auszuhalten…. was meinst du?“ Kölnerin mit binationaler Familie September 2025
Seine Oma in Köln schreibt:


In der Welt der Kunst ist der Weg oft ebenso bedeutend wie das Ziel. Für den Künstler Manfred Schmidt, dessen Wurzeln in der Kunstakademie Düsseldorf liegen, ist dieser Weg ein lebendiger Organismus, vergleichbar mit einem Baum, dessen Äste sich in verschiedene Richtungen bewegen. „Wenn man offen ist, hält man öfters an und biegt auch manchmal ab“, erklärt er. Die Metapher beschreibt nicht nur seine künstlerische Entwicklung, sondern auch die ständige Suche nach neuen Ausdrucksformen.
Sein Herz schlägt für seinen Garten im Bergischen Land, der für ihn Ort der Inspiration und des Schaffens ist. Hier kultiviert er über 100 verschiedene Pflanzen und lässt die Bäume individuelle Richtungen einschlagen: „So entsteht ein sich stetig wandelndes Gebilde, das nicht nur das Auge ansprechen soll, sondern auch Raum für andere Kreaturen schafft“, erklärt er leidenschaftlich. Diese Nähe zur Natur spiegelt sich auch in seiner Kunst wider – neben der gegenständlichen Malerei arbeitet er ebenso abstrakt und baut Skulpturen, am liebsten, wenn Glyzinien oder wilder Wein den Dialog mit den Objekten noch befördern.