Autor: Frauke Komander (Seite 4 von 5)

Flucht, Gemeinschaft, Zukunft: MAK und Juref laden zu den Sommernächten des „Jungen Campus“ ein

Schon gehört? Die Sommernächte starten – mit zwei besonderen Veranstaltungen im Juni. Organisiert vom Jungen Campus, einer Kooperation der Melanchthon-Akademie und des Evangelischen Jugendreferats, erwarten Sie inspirierende Abende unter freiem Himmel mit bewegenden Geschichten und Gesprächen:

Am Freitag, 13. Juni, 20 Uhr, findet im Kirchhof der Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, die Lesung „Das Schimmern der See“ mit Adrian Pourviseh (Sea-Watch) statt. Im Mittelpunkt steht eine Dokumentation über 72 Stunden an Bord der Sea-Watch 3 während einer Rettungsmission im zentralen Mittelmeer im Jahr 2021.
Am Montag, 23. Juni, 19.30 Uhr, wird im Haus der Evangelischen Kirche im historischen Innenhof, Kartäusergasse 9, der Dokumentarfilm „Lützerath – Gemeinsam für ein gutes Leben“ gezeigt. Im Anschluss findet ein Gespräch mit der Regisseurin Carmen Eckhardt statt. Der Film dokumentiert über 20 Monate das Leben und Wirken einer Gemeinschaft, die Lützerath als Experimentierraum für nachhaltiges und solidarisches Leben gestaltete.

Ein Gespräch mit Lea Braun, Studienleiterin bei der Melanchthon-Akademie:

Was bedeutet der „Junge Campus“ ganz konkret?

Lea Braun: Mit dem Bau des Campus Kartause entsteht durch das Haus der Bildung ein Ort, der neue Wege der Zusammenarbeit öffnet – über Institutionen und Disziplinen hinweg. Diese Synergien wollen wir, auch vor unserem Umzug, aktiv nutzen. Unser Ziel: ein innovatives Angebot für junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren, das Bildung neu denkt – interdisziplinär, dialogorientiert und nah an den Themen, die unsere Gesellschaft bewegen. Wir wollen eine Plattform schaffen, auf der junge Menschen ihre Talente entfalten, sich weiterbilden, vernetzen und ihre Perspektiven zu zentralen Zukunftsfragen einbringen können. Es geht um Austausch, Empowerment und gemeinsames Lernen.

Woher kommt die Idee?

Lea Braun: Die Idee zu diesem Projekt entstand aus einer gemeinsamen Initiative der Melanchthon-Akademie und des Evangelischen Jugendreferats – getragen von dem Wunsch, Bildung als Raum der Begegnung und gesellschaftlichen Mitgestaltung gezielt für ein diese Altersgruppe zu gestalten. Ab den Sommerferien ergänzt die Familienbildungsstätte die Kooperation und bringt auch die Perspektive junger Eltern mit hinein.

Was steckt hinter der Idee der „Sommernächte“?

Lea Braun:Die Sommernächte sind unsere Kick-Off Veranstaltung. Wir haben uns zwei gesellschaftspolitische Fragen herausgesucht: Flucht/Migration und die Suche nach gelingendem gemeinschaftlichem Leben in Zeiten des Klimawandels.

Was ist das Besondere beim Auftakt?

Lea Braun: „Das Schimmern der See“ ist ein gezeichneter Augenzeugenbericht über 72 dramatische Stunden an Bord der Sea-Watch 3 im zentralen Mittelmeer – eindrücklich festgehalten vom deutsch-iranischen Comiczeichner Adrian Pourviseh, der als Beobachter und Seenotretter Teil der Crew war. Die Graphic Novel wirft einen schonungslosen Blick auf den Alltag an Europas Außengrenzen – und ist ein kraftvoller Appell für Menschlichkeit und gegen das Wegsehen (Fr, 13.06. 20 Uhr, Innenhof der Kartäuserkirche, Anmeldung hier). 

Und der zweite Abend?

Lea Braun: Über 20 Monate begleitet der Film „Lützerath – gemeinsam für ein gutes Leben“ den Aufbau eines einzigartigen Experiments: ein selbstorganisiertes Labor für ein gutes Leben – und seine gewaltsame Zerstörung. Mit Kreativität, recycelten Materialien und gelebter Utopie entsteht ein Ort, an dem Menschen Baumhäuser bauen, Kultur schaffen und neue Formen des Zusammenlebens erproben – hierarchiefrei, gemeinschaftlich und voller Zukunftsvision. Regisseurin Carmen Eckhardt ist persönlich zu Gast für ein Gespräch (Mo, 23.06. 19:30 Uhr, Innenhof Haus der Ev. Kirche, Anmeldung hier).

An wen richtet sich das Format?

Lea Braun: Das Format spricht Menschen zwischen 20 und 40 Jahren an, die Fragen stellen, sich einmischen und über den eigenen Tellerrand schauen wollen.

Wie geht es nach den Sommernächten weiter?

Lea Braun: Bis wir gemeinsam in das Haus der Bildung einziehen, nutzen wir die Zeit, um mit neuen Veranstaltungsformaten zu experimentieren – offen, kreativ und im Austausch. Unter anderem startet nach den Sommerferien ein feministischer Lesekreis, für den sich Interessierte jetzt schon bei mir melden können.

www.melanchthon-akademie.de

Text: APK, Foto: Juref

Kunstwerk im Dom zum christlich-jüdischen Verhältnis – MAK-Leiter Martin Bock: „Sehr wichtiges Projekt“

Andrea Büttner, Guido Assmann, Rolf Steinhäuser und Peter Füssenich (v.l.) vor dem Siegerentwurf.

Andrea Büttner, Guido Assmann, Rolf Steinhäuser und Peter Füssenich (v.l.) vor dem Siegerentwurf.

Zahlreich sind die unsäglichen antijüdischen Artefakte im Kölner Dom. Seit einigen Jahren setzt sich das Kölner Domkapitel mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit den Kunstwerken in der Kathedrale auseinander, die von erschreckender Judenfeindschaft zeugen. Nun endete ein vom Domkapitel 2023 ausgelobter „Internationaler Kunstwettbewerb Kölner Dom“. Dessen Ziel lautete, den Dom dauerhaft um ein Werk zu bereichern, „das die Frage zum Ausgangspunkt nimmt, wie sich das christlich-jüdische Verhältnis zeitgemäß und für die Zukunft inspirierend darstellen lässt“. Eingeladen waren 15 international renommierte Künstlerinnen und Künstler. Im März kürte das Preisgericht den Siegerentwurf: Einstimmig zur Umsetzung empfahl es den Entwurf „Ohne Titel“ von Andrea Büttner.

MAK nahm antijüdische Artefakte im Dom früh in den Blick

2017 habe die Kölnische Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die Arbeitsgruppe „Der Dom und die Juden“ initiiert, informierte Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie (MAK) Köln. „Zu ihr gehören Vertreter der Kölnischen Gesellschaft, des Domkapitels, der Dombauhütte, aber auch der Synagogen-Gemeinde Köln.“ Für den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region (EKV) wurde Bock in diese Arbeitsgruppe berufen. Wohl auch deshalb, so der Theologe, „weil sich die MAK seit langer Zeit mit den antijüdischen Artefakten im Kölner Dom auseinandersetzt und sie problematisiert.“ 2002 bereits habe die MAK mit der Tagung „Gewalt im Kopf. Tod im Topf“ eine Kunstaktion verbunden. „Bei dieser ging der Aktionskünstler Wolfram Kastner vor dem Portal des Doms mit einem Schild um den Hals umher, auf dem stand: ´Judensau!´“, erinnert Bock. „Mit der Empörung und öffentlichen Aufmerksamkeit für die damals noch wenig bekannten antijüdischen Kunstwerke im Dom nahm die Auseinandersetzung ihren Anfang.“

Andrea Büttner mit ihrem Entwurf.

Andrea Büttner mit ihrem Entwurf.

Das neue Bild soll oberhalb des Lochner-Altars „schweben“

Der Entwurf der in Berlin lebenden Künstlerin Andrea Büttner, Jahrgang 1972, sieht ein Wandgemälde an der Stirnwand der Marienkapelle des Domes vor. Es soll das Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge Kölns in der Umgebung des heutigen Rathauses in originaler Größe und realistisch zeigen. Umgesetzt werden soll die Arbeit oberhalb des von Stefan Lochner um 1442 für die Ratskapelle geschaffenen und 1810 in den Dom überführten Altars der Stadtpatrone. „Die geplante Darstellung wirkt abstrakt und ist doch historisch und konkret“, informiert Büttner, die eine Professur für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München innehat.

Ersetzung eines Thoraschreins durch einen christlichen Altar

„Nach der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung Kölns 1424 wurde die Synagoge zur Ratskapelle umgewidmet und der Thoraschrein auf dem Fundament durch Lochners Altar ersetzt“, sagt Büttner. Ihr geplantes Kunstwerk verbinde im Dialog mit dem Altar die Geschichte des jüdischen Quartiers mit der des Domes. Das ermögliche auf unmittelbare Weise, die Ersetzung eines Thoraschreins durch einen christlichen Altar und die Präsenz jüdischen Lebens in Köln zu erzählen. „Es stellen sich Fragen über historische Schichtungen und Überschreibungen, Fragen über Alt und Neu, Oben und Unten. All diese Motive sind historisch, theologisch und politisch relevant.“

Idee für ein neues Kunstwerk für den Dom

Rolf Steinhäuser, Abraham Lehrer, Dr. Jürgen Wilhelm und Peter Füssenich (v.l.).

Rolf Steinhäuser, Abraham Lehrer, Dr. Jürgen Wilhelm und Peter Füssenich (v.l.).

Aus der Arbeitsgruppe „Der Dom und die Juden“ heraus sei es in den vergangenen Jahren zu einzelnen Veranstaltungen und auch Ausstellungen gekommen, die die verschiedenen Artefakte kommentiert, kontextualisiert und natürlich auf das Deutlichste kritisiert hätten, so der MAK-Leiter. „Immer wieder stand die Frage im Raum: Was kann es über diese Kontextualisierung hinaus an Möglichkeiten geben, das gegenwärtige Verhältnis von Juden und Christen in den Dom einzutragen? Am Rande einer Veranstaltung 2019 entstand dann die Idee, nach einem NEUEN Kunstwerk für den Dom Ausschau zu halten.“ Bock wurde – wiederum als Vertreter der evangelischen Kirche – in eine Projektgruppe berufen, die im Auftrag des Domkapitels diesen Gedanken eruierte.

Initiative für den Wettbewerb

Bock spricht von einer „historischen Sitzung im Sommer 2023“. Zu dieser hätten Abraham Lehrer und Bettina Levy, Vorstandsmitglieder der Synagogen-Gemeinde Köln und die jüdischen Vertretenden in der Projektgruppe, das Domkapitel in die Räume der Synagoge in der Roonstraße eingeladen. Bei dieser Begegnung, so Bock, „wurden die Weichen für die Initiierung des Internationalen Kunstwettbewerbes gestellt“. Und in diesem Rahmen habe man eine Jury benötigt, in der auch die theologische Kompetenz für den jüdisch-christlichen Dialog eine Rolle gespielt habe. In dieser Jury durfte Bock stellvertretendes Mitglied sein: „Ich konnte an allen Sitzungen auch mit vollem Rederecht teilnehmen. Ein aufregendes, für mein theologisches Leben einmaliges Projekt, für das ich sehr dankbar bin.“

Dompropst Assmann: „Ein ganz wichtiger Tag heute“

Zuletzt wurde die Entscheidung der Jury der Öffentlichkeit vorgestellt. Dompropst Msgr. Guido Assmann äußerte sich im Namen des Domkapitels, „dass wir alle wirklich froh sind, dass die Kölnische Gesellschaft mit dabei ist und von Anfang an gesagt hat, wir müssen etwas tun, und können wir nicht etwas gemeinsam tun?“ In seinen Dank schloss er auch die Synagogen-Gemeinde Köln ein, „die sich mit uns zusammen- und auseinandergesetzt hat“. Ebenso die christlich-jüdische Projektgruppe, die das Ganze mit vorangetrieben habe, sowie die Wettbewerbsteilnehmenden. Die Vorstellung des Siegerentwurfs bedeute nicht einen Abschluss. „Das Thema, das Verhältnis Juden-Christen/Christen-Juden, ist ein Dauerauftrag an uns, das immer wieder anzugehen. Ich bin froh, dass wir das mit einem Akzent heute deutlich machen können“, sagte Assmann. Das Domkapitel folge der Empfehlung der Jury und werde aufgrund eines einstimmigen Beschlusses dieses Kunstwerk gerne umsetzen lassen. Derzeit würden die denkmaltechnischen Möglichkeiten untersucht und der Zeit- und Kostenrahmen entwickelt.

Das Kunstwerk „,Ohne Titel‘ ist ein visueller Einschlag“

„Die Teilnehmenden des Wettbewerbs haben ganz unterschiedliche und sehr eindrückliche Konzepte für das neue Kunstwerk im Kölner Dom vorgelegt“, attestierte ihnen die Jury-Vorsitzende Prof. Andrea Wandel ein großes Engagement und eine sorgfältige und tiefgehende Auseinandersetzung mit dieser besonderen Thematik. „Das Kunstwerk ´Ohne Titel´ von Andrea Büttner ist ein visueller Einschlag“, zitierte die Architektin aus der Begründung des Preisgerichts. „Es fordert die Betrachtenden nicht nur visuell heraus, sondern auch intellektuell. Die Darstellung des schwebenden Steines bringt eine zum Nachdenken anregende Ambilavenz ins Bild. Andrea Büttners Kunstwerk stellt sich auf präzise Weise der Kontextualität des Ortes.“ Das Werk lege einerseits eine in der Stadtgeschichte ablesbare Missachtung der jüdischen Bevölkerung offen. Andererseits befördere es die Auseinandersetzung mit dem Dom als Bedeutung und Sinn stiftenden überzeitlichen Sakralraum. „Die Arbeit zeigt exemplarisch eine Möglichkeit auf, dem antijüdischen und antisemitischen Bilderbe in Kirchen zu begegnen und den christlichen-jüdischen Dialog im Wissen um die Verfehlungen in der Vergangenheit auf Augenhöhe zu führen.“

Erfüllt den Anspruch, Kunst zu sein und nicht eine Illustration

„Ich war sprachlos, als ich den Entwurf zum ersten Mal gesehen habe“, erinnerte Dr. Stefan Kraus. Der Leiter des Erzbischöflichen Kunstmuseums Kolumba hatte den Eindruck, „da kommt etwas auf uns zu, was tatsächlich den Anspruch erfüllt, Kunst zu sein und nicht eine Illustration oder eine Bebilderung von Vorgedachtem“. Gleichzeitig sei er intuitiv begeistert gewesen, „dass sich das erfüllt, was man im besten Falle hoffen kann: Dass wir ganz komplizierte Sachverhalte versuchen zu vermitteln, darzustellen, uns aber wünschen, dass etwas dabei rauskommt, dass mit der größten Einfachheit, mit der größten Präzision alles das mitnimmt, ohne unsere vorgedachten Erwartungen zu erfüllen, sondern mit dem Anspruch, den ich an Kunst prinzipiell hege, nämlich präzise Ambivalenz zu schaffen.“ Kraus sieht Büttner als eine Künstlerin, die sich souverän für jede Aufgabe das ideale Medium suche. Für eine ganz große Qualität des Werkes hält es Kraus, „dass es darauf angelegt ist, uns auch sprachlos zu machen und zu zeigen, dass die Kunst jenseits der Sprache Sinn stiften kann“.

Geschwisterlich begegnen

Büttner habe sich den wahrscheinlich bekanntesten Ort im Dom ausgesucht, meinte Weihbischof Rolf Steinhäuser. Die Marienkapelle erreiche durch die werktäglich aus ihr via TV im deutschen Sprachraum übertragene 8-Uhr-Messe eine Wahrnehmung wie kein anderer Ort im Dom, so der Domkapitular und Bischofsvikar für Ökumene und interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln. „Hochspannend“ nannte er Büttners entschiedenen Wunsch nach diesem Platz. Büttners Kunstwerk wolle mitten in diesem lebendigen liturgischen Alltag die Verdeckung und Überformung jüdischer Spiritualität durch christliche Spiritualität aufgreifen. „Der Thoraschrein und das Altarbild ruhen auf dem gleichen Fundament, historisch gesehen, aber jetzt auch ganz praktisch“, stellte Steinhäuser fest. Das sei der Glaube an den einen Gott, der Israel erwählt habe. Der von ihm mit diesem Volk geschlossene Bund sei nie gekündigt worden. Zwar bestehe bis heute eine bleibende Differenz zwischen jüdischer und christlicher Glaubenslehre. Aber es sei wichtig, dass wir uns geschwisterlich begegneten und Anknüpfungspunkte hätten.

„Das ist das, was wir uns gewünscht haben“

„Der Blick zurück in das christlich-jüdische Verhältnis, die Beschreibung der Gegenwart und der Blick in die Zukunft. Das ist das, was wir uns gewünscht haben“, freute sich Abraham Lehrer über den Entwurf. Das Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln sieht in „Ohne Titel“ ein Kunstobjekt, das möglichst alle drei Fragen und Bereiche auf einmal beantwortet. „Das Wandbild macht einen neuralgischen Punkt im jüdisch-christlichen Verhältnis sichtbar, zeigt eine offene Wunde in diesen Beziehungen und lässt den Altar der Stadtpatrone auch als Zeugnis beschämender christlicher Machtinteressen erkennen. Der Eingriff der Künstlerin spiegelt das jüdisch-christliche Verhältnis auf subtile Weise: Er reflektiert die Stadtgeschichte hinsichtlich des belasteten Verhältnisses und zeigt beispielhaft eine tiefe Verletzung.“ Der analytische Blick auf die ortsspezifische Geschichte weite sich in die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen, so Lehrer. Er dankte der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dass sie diesen gesamten Prozess vor vielen Jahren bereits in Bewegung gesetzt habe. Und er dankte dem Domkapitel, dass es diesen Prozess überhaupt und den Künstlern eine große Freiheit ermöglicht habe.

„Judentum und Christentum auf Augenhöhe im Kölner Dom“

„Wir sind außerordentlich zufrieden“, bewertete Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, den Entwurf. Das Werk „ist wirklich eine Sensation. Judentum und Christentum auf Augenhöhe im Kölner Dom. Dank und Anerkennung für diesen wirklich mutigen Schritt nach Jahrhunderten der Diffamierung und Ausgrenzung.“ Geradezu genial nannte er Büttners Einfall, „sozusagen das Lesepult der alten jüdischen Synagoge zusammen zu schließen mit dem Altar der Stadtpatrone, der eben jahrhundertelang“ in dieser zu einem christlichen Gotteshaus umgewandelten Synagoge gestanden habe. „Weil wir nach vorne gehen wollen, muss ich sagen, bin ich sehr, sehr zufrieden damit“, stellte er nochmals die hervorragende Zusammenarbeit heraus. Mit Büttners Kunstwerk werde ein Bogen zum jüdischen Köln und dem in der Entstehung begriffenen Jüdischen Museum im Archäologischen Quartier Köln, kurz MiQua, hergestellt. Ihr Werk sei sinnstiftend und werde für große Aufmerksamkeit sorgen, so Wilhelm.

Den Altar nicht mehr ohne dieses Bild sehen und denken können

„Der Dom ist unbestreitbar ein Gesamtkunstwerk, in dem sich künstlerische Aussagen von Menschen, Gesellschaften der jeweiligen Zeit versammeln“, stellte Dombaumeister Peter Füssenich fest. Es sei gut, dass der Dom ein weiteres modernes Kunstwerk erhalte, das Büttner als Teil unserer Generation hinzufüge. „Der Altar der Stadtpatrone ist in sich schon ein ganz ikonisches Werk.“ Mit ihrem Werk gewinne dieser ikonische Altar eine weitere ikonische Bildhaftigkeit. „Man wird den Altar nicht mehr ohne dieses Bild sehen und auch nicht mehr denken können.“ Es verweise in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft – auf unsere gemeinsamen Fundamente, und all das, was mit den Fragen verbunden sei, die das Kunstwerk an uns stelle. Bei der Prüfung der Denkmalverträglichkeit sei keiner der zuletzt vier Entwürfe beanstandet worden. Ganz im Gegenteil greife Büttners Arbeit „auf die Raumwirkung innerhalb der Marienkapelle und die Atmosphäre ein, und verändert sie zu einem ganz positiven neuen Gesamtbild“. Malerei auf Stein sei im Dom ganz klassisch vorhanden. So füge sich das Werk auch in der Technik ganz wunderbar in das Gotteshaus ein.

Bevor das Werk hoffentlich 2026 realisiert werden könne, müssten noch Vorkehrungen getroffen werden. Darunter die konservatorische Sicherung einer Wandmalerei aus dem Jahr 1260 hinter dem Altar. Füssenich sprach ein großes Lob und größten Dank an Rolf Lauer und Bernd Wacker aus. Beide hätten mit dem umfangreichen Symposium 2006 den „Stein ins Rollen gebracht“. Damals seien zum ersten Mal die gesamten antijüdischen Darstellungen und Artefakte im Dom aufgearbeitet worden.

Ein sehr wichtiges Projekt

Für Bock ist der Wettbewerb „ein sehr wichtiges Projekt gewesen, nicht zuletzt wegen der Einbindung der jüdischen und der politischen Akteure aus der christlich-jüdischen Gesellschaft in Köln“. Das Domkapitel habe beispielhaft gezeigt, „dass eine Kathedrale mit der judenfeindlichen Haltung christlicher Theologie ohne Scheuklappen umgehen kann. Und dass sie den ökumenischen Impuls der Theologie und Kirchen aufnehmen kann, um zu einem wirklich NEUEN Verhältnis von Judentum und Christentum zu kommen, das auf Augenhöhe und gegenseitigem Lernen beruht“, sagte Bock im Interview. „Es war und ist beispielhaft, dass durch Kunst christliche Bauwerke einen Diskurs mit ihrer eigenen Vergangenheit führen können, die es kritischen Menschen erlaubt, diese oft belastende Vergangenheit nicht nur als ´Kriminalgeschichte´ anzusehen, die erst von außen skandalisiert wird.“

Christliches Fundament durch die Thora Israels vorgegeben

Der Sieger-Entwurf ist laut Bock sehr deutlich und klar in seiner Überordnung des Steinfundamentes des Thoraschreines über den christlichen Altar der Stadtpatrone. „Dies ist eine historische und eine theologische Aussage: historisch, weil damit die Unsichtbarmachung jüdischen Lebens im Mittelalter als solche aufgedeckt und überformt wird; theologisch, weil klar gesagt wird, dass christlich-spirituelle Aussagen, als Gebete, Schriftlesungen, Lieder und Predigten, wie sie täglich am Altar der Stadtpatrone ausgesprochen werden, eines Fundamentes bedürfen, das wir als Christen nicht selbst haben, sondern dass uns durch die Thora Israels vorgegeben ist.“ Dies sei ein „Wahrheitsraum“, den das Christentum immer wieder sträflich unterlaufen habe, indem es sich selbst – wie mit der Ratskapelle – an die Stelle des Gottesvolkes Israel gesetzt habe.

Das Werk „Ohne Titel“ ist in keiner Weise harmlos

Andrea Büttners Kunstwerk habe keinen „Titel“, so Bock, sie lasse diese und andere Deutungen in ihr Bild einfließen, sei dafür eine Leerstelle. „Ohne Titel“ sei dabei in keiner Weise harmlos – das Werk habe diese besagte konstruktive Facette, aber sie könnte als eine Drohung gelesen werden: „Dieser Fundamentstein ist ‚wieder aufgetaucht‘. Wehe dem, der ihn erneut zu vergraben sucht. Dem oder der ‚fällt er auf den Kopf‘. Mit ihm ist also zu rechnen. Andere können den ‚schwebenden Stein‘ aber auch als Angebot zu einer weniger festgezurrten Verhältnisbestimmung zwischen Kirche und Judentum lesen, also eher als ein gemeinsames Herausgefordertsein und Geeint-Werden durch die großen Polarisierungen unserer Zeit“, stellte Bock fest.

Text und Fotos: Engelbert Broich

Steinrelief „Judensau“ im Kölner Dom: Leitlinien für den Umgang mit antijüdischen Bildern – Interview mit Martin Bock

Foto: APK/Canva

Foto: APK/Canva

Text: Jil Blume-Amosu für „Himmel & Erde“ /APK

Ein Fenster im Kölner Dom zeigt jüdische Figuren aus der Bibel – und zwar so, wie sie auch die Nazis im Dritten Reich gesehen haben: als finstere Fratzen mit Hakennase. An anderer Stelle im Dom hängt ein Steinrelief. Es zeigt Juden, die an den Zitzen einer Sau hängen. Diese „Judensau“ und andere antijüdische Bilder sind leider keine Einzelfälle. Man findet sie bis heute in vielen evangelischen und katholischen Kirchen bundesweit.

Die meisten dieser verletzenden Kunstwerke stehen oder hängen dort schon seit vielen Hundert Jahren. Ein Grund mehr, sich mit ihnen zu beschäftigen, meint Dr. Martin Bock, Leiter der Melanchton Akademie in Köln: „Ich glaube, dass die jüdischen Gemeinden, mit denen wir in unseren Städten zusammenwohnen, von uns sehr, sehr erwarten, dass wir uns konkret mit dem christlichen Antijudaismus, mit unserer eigenen Geschichte auseinandersetzen.“

Martin Bock ist deshalb froh, dass die drei evangelischen Landeskirchen in NRW und die fünf katholischen Bistümer im Land das Thema jetzt aufgegriffen haben. Auf 40 Seiten haben sie im März Leitlinien herausgegeben, wie Gemeinden antijüdische Darstellungen in ihren Kirchen erkennen und wie sie mit ihnen umgehen können. Sie wollen damit „sozusagen eine Sehhilfe schaffen und dann aber die Gemeinde nicht mit Entscheidungen konfrontieren, sondern sagen: Was wollt ihr jetzt damit machen? Wollt ihr das aus den Kirchen rausholen? Wollt ihr es kommentieren? Wollt ihr es verhüllen? Wollt ihr es ergänzen durch eine neue zeitgenössische Darstellung?“

Für welche davon man sich letztlich entscheidet, ist zweitrangig, meint Dr. Martin Bock. Viel wichtiger ist, dass sich die Kirchen jetzt endlich um dieses lange totgeschwiegene Thema kümmern: „Damit wir dem Antisemitismus in unseren eigenen Reihen was entgegensetzen. Denn Antisemitismus findet nicht nur auf der Straße statt, ist kein Problem von anderen, sondern es ist unser eigenes Thema.“

Das anzupacken und aufzuarbeiten, wird ein langer Weg, der sich aber lohnt, sagt Martin Bock: „Das ist wirklich keine Sache, die man nebenbei machen kann, dazu muss man sich entschließen, als Gemeinde, als Kirchenkreis, und dann wird man auf jeden Fall Mitstreiter finden. Man wird aber auch Gegner haben. Aber um unseren jüdischen Mitmenschen in unserer Gesellschaft eine würdige Lebensperspektive zu schaffen, bin ich wirklich über diese Leitlinien dankbar. Das ist ein wichtiger Step.“

Der Original-Radiobeitrag ist bei „Himmel und Erde“ erschienen, dem Magazin der Kirchen in den NRW-Lokalradios. Sie finden ihn hier.

Das knapp 40 Seiten starke PDF-Dokument kann man hier herunterladen.

Unser Veranstaltungshinweis:

Gegen die ‚ostentative Ahnungslosigkeit‘: Ein neues Kunstwerk zum christlich-jüdischen Verhältnis für den Kölner Dom

„Der Kölner Dom soll … um ein Werk bereichert werden, das die Frage zum Ausgangspunkt nimmt, wie sich das christlich-jüdische Verhältnis zeitgemäß und für die Zukunft inspirierend darstellen lässt…“ Mit diesem Ziel lobte das Kölner Domkapitel 2023 den „Internationalen Kunstwettbewerb Kölner Dom“ aus. Inwiefern löst der Anfang April präsentierte Siegerentwurf diesen selbst formulierten Anspruch ein und welche Wirkungen sind von seiner Rezeption zu erwarten? Diese Frage wird an diesem Abend mit Vertreter:innen der Wettbewerbs-Jury aus jüdisch-christlich theologischer, künstlerischer und kuratorischer Perspektive eingeordnet und diskutiert. Dem Einladungswettbewerb, an dem sich 15 international renommierte Künstler:innen beteiligten, vorausgegangen war ein langjähriger Gesprächsprozess, bei dem sich das Kölner Domkapitel auf Initiative der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit der Frage nach einem angemessenen Umgang mit den zahlreichen antijüdischen Artefakten im Kölner Dom auseinandergesetzt hat. Noch wenige Jahre nach der Shoa wurde für den Kölner Dom das sogenannte Kinderfenster geschaffen, das von einer „ostentativen Ahnungslosigkeit“ (B. Wacker) gegenüber der antisemitischen Vergiftung christlicher Bildkunst zeugt und sie auf erschreckende Weise reproduziert.

Di, 29.04. 19-21.30 (3 UStd)

Dieser Kurs kostet 8,00€.
Zahlung an der Tages-/Abendkasse.
Nr. 1041B

Domforum, Domkloster 3

Die Teilnahmegebühren in Höhe von 8,00 € zahlen Sie bitte an der Tages- / Abendkasse. Anmeldung erforderlich.

MAK lädt in die Abtei Brauweiler: Anpassung – die richtige Strategie gegen die Klimakrise?

Fotos: Stefan Hössl

Fotos: Stefan Hössl

Anpassung – die richtige Strategie gegen die Klimakrise? Der Berliner Soziologe Philipp Staab stellt am Dienstag, 8. April, 20 Uhr bis 21.30 Uhr, im Kaisersaal der Abtei Brauweiler, Ehrenfriedstraße 19, sein viel beachtetes Buch „Anpassung. Leitmotiv der nächsten Gesellschaft“ vor. Für den Autor ist der Begriff der „Anpassung“ das „Leitmotiv der nächsten Gesellschaft“.

Philipp Staab schreibt, dass in der Moderne der Glaube dominierte, die Welt ließe sich gestalten und der Fortschritt sorge quasi automatisch für ein besseres Morgen. Erderwärmung, Wachstumskrise und subjektive Überlastungen haben laut Staab diesen Optimismus erschüttert. Heute gehe es in erster Linie darum, die Katastrophe abzuschwächen. Und selbst wenn dies gelingen sollte, werde man mit dem Wandel umgehen müssen. Fragen der Selbsterhaltung überlagerten dann jene der individuellen und kollektiven Selbstentfaltung. Anpassung werde zum Leitmotiv der Gesellschaft. Auch die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Menschen im Angesicht der Interdependenz und der ökologischen Gefahren nicht länger der grenzenlosen Emanzipation huldigen können. Stattdessen, so Philipp Staab, wird die nächste Gesellschaft vor allem mit der Stabilisierung einer prekär werdenden Ordnung befasst sein.

Philipp Staab, geboren 1983, ist Professor für die Soziologie der Zukunft der Arbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2021 wurde er mit dem Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. Er beschäftigt sich in seinen Forschungen mit dem ökonomischen, sozialen und politischen Wandel spätmoderner Gesellschaften.

Die Lesung ist eine Kooperation des Freundeskreises der Abtei Brauweiler mit der Melanchthon-Akademie.

Der Eintritt kostet 14,40 Euro. Eine Anmeldung ist hier erforderlich.

www.melanchthon-akademie.de

Bildungsurlaub bei der Melanchthon-Akademie: Bis zu fünf Tage bezahlt lernen und den Horizont erweitern

Foto: Tom Jur

Foto: Tom Jur

Wussten Sie schon? Bis zu fünf Tage können Arbeitnehmende zur persönlichen Fort- und Weiterbildung freigestellt werden. Das nordrhein-westfälische „Bildungsurlaubsgesetz“ (AWbG) macht dies möglich. Ideal für alle, die sich persönlich und  beruflich weiterentwickeln möchten. Auch die Melanchthon-Akademie bietet zahlreiche Bildungsurlaube an.

Ihr Weg zum Bildungsurlaub

Suchen Sie sich Ihren Bildungsurlaub aus und kontaktieren Sie uns. Wir reservieren Ihnen einen Platz und Sie erhalten die Antragsformulare für Ihren Arbeitgeber. Nach dessen Zustimmung ist Ihr Bildungsurlaub gebucht und die Vorfreude kann beginnen.

Breites Themenspektrum

Schwerpunktmäßig bieten wir insbesondere Bildungsurlaube zur Gesundheitsbildung, Resilienzförderung, sowie zu theologischen und ökologischen Inhalten an.

Ein Interview mit Studienleiterin Lea Braun:

Was unterscheidet einen Bildungsurlaub bei der Melanchthon-Akademie von klassischen Weiterbildungen – und was schätzen Teilnehmende besonders daran?

Lea Braun: Neben fachlichem Wissen stehen persönliche Weiterentwicklung, gesellschaftliche Reflexion und ethische Fragestellungen im Fokus. Statt trockener Theorie setzen die Veranstaltungen auf dialogisches Lernen, kreative Ansätze und erfahrungsorientierte Methoden.

Welche Themen sind besonders gefragt (die ihr anbietet) – und welche überraschenden oder neuen Angebote gibt es aktuell im Bereich Bildungsurlaub?

Lea Braun: Der Schwerpunkt unserer Angebote der Bildungsurlaube liegt im Bereich der Gesundheit. Aber in diesem Jahr finden sich neue Bildungsurlaube im Programm, die theologische Themen als Schwerpunkt setzen: Die große Stille und Verwandlung und Mensch sein.

Wie reagieren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in der Praxis auf Bildungsurlaubsanträge – und was raten Sie Teilnehmenden, die sich zum ersten Mal trauen möchten?

Lea Braun: Die wenigsten Arbeitnehmer*innen wissen um dieses Recht. Daher wird es selten genutzt. Dabei liegt darin eine wunderbare Chance, um außerhalb von eigenen Frei- und Urlaubszeiten die eigene Weiterbildung zu fokussieren. Das nutzt sowohl Ihnen persönlich, als auch Ihrem Arbeitgeber. Ich rate Ihnen es einfach mal zu auszuprobieren und Ihr Recht wahrzunehmen.

Warum ist es gerade heute wichtig, sich auch im beruflichen Kontext mit Themen wie (die von dir genannten Themen) zu beschäftigen?

Lea Braun: In der Zeit des Bildungsurlaubs lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Viele von uns sind in unserem Alltag stark eingespannt und es fehlt an Zeit, um sich mit Routinen, der eigenen Gesundheit oder einem thematischen Schwerpunkt auseinander zu setzen. Der Bildungsurlaub als gesetzlich verankertes Recht bietet die Chance sich für die eigene Persönlichkeitsentwicklung Zeit zu nehmen und mit neuen Gedanken zu gesellschaftlichen oder politischen Themen zurück an den Arbeitsplatz zu kehren.

Alle Angebote finden Sie auf: www.melanchthon-akademie.de/programm/bildungsurlaub-studienreisen

Liebe ist politisch!

Foto: Jan Dooley

Foto: Jan Dooley

„‚Liebe‘ – ist das nicht ein falsches Wort?“ fragt der französische Philosoph François Jullien (2019: 159) in seinem Buch „Vom Intimen“. Und tatsächlich lässt sich zu Recht fragen: Was bedeutet „Liebe“ denn eigentlich? Wie lässt sie sich verstehen und be-/greifen? „Liebe“ ist ein schillernder Begriff – wofür eigentlich genau? Handelt es sich da um ein körperliches Begehren, eine Sehnsucht nach Berührung, Ekstase und Genuss, die schon bald wieder im Verschwinden begriffen ist? Handelt es sich um ein emotionales, vllt. manchmal auch übersteigertes Idealisieren von Personen, Lebewesen, Gegenständen oder auch z. B. Landschaften? Ist „Liebe“ nur schön und mit Vertrauen und Geborgenheit verbunden? Ist „Liebe“ nicht aber auch ein Vehikel, um letzten Endes Hass und Ausgrenzung zu legitimieren, wie bspw. im Rahmen nationalistischer „Vaterlandsliebe“ oder einer Ablehnung von Queerness im Kontext von heteronormativen Vorstellungen von Liebe, Partner*innenschaft und Familie? … oder ist „Liebe“ insbesondere eine ethisch-universalistische Grundhaltung und Wertorientierung, wie sie im Altruismus und in der Karitas ihren Ausdruck findet?

Wenn „Liebe“ all das gleichzeitig sein kann, bedeutet „Liebe“ dann am Ende… nichts mehr? … zumindest nichts Konkretes? Heißt das am Ende, dass „man nicht mehr ich liebe dich sagen sollte“, wie es Jullien (2020) formuliert, der stattdessen lieber „Intimität“ in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen rückt?

Love is all around. Liebe ist Thema!

Im ersten Halbjahr rückt die Liebe in den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe der Melanchthon-Akademie – und so facettenreich, wie dieser Begriff ist, sind auch die damit verbundenen thematischen Vertiefungen. Bei diesen zeigt sich, dass Liebe fast immerzu gesellschaftsrelevante, politische Dimensionen aufweist – und auch das in vielfältiger Weise. Wer liebt wen oder was? Wer liebt wie? Wer soll wen oder was (nicht) lieben? Wie viel(e) darf man lieben? Was ist mit ungestillter Liebe? Wo hat Liebe vllt. auch anti-/demokratische Implikationen? Wie kann Selbstliebe ein Akt des Widerstands gegen Zumutungen sein – gegen Autoritäres, gegen Einengendes, für die eigene Freiheit und Emanzipation sowie die anderer?

Wir laden Sie und Euch herzlich ein, diese Fragen mit uns und unseren Referierenden zu vertiefen!

Einige ausgewählte Veranstaltungen in der Reihe „Liebe ist politisch“:

27. März 2025, 19.00-21.00 Uhr: Eva Illouz: Konsum der Romantik. Ausgewählte Passagen: Mit Markus Melchers. Hier anmelden!

9. April 2025, jeweils 19.00-21.00 Uhr: Starke Gefühle – Bibliolog meets Gewaltfreie Kommunikation. Was uns die starken Gefühle biblischer Figuren heute erzählen: Mit Jörg Heimbach und Antje Rinecker. Hier anmelden!

Sa, 5. April, 18:30-20.00 Uhr: Selbstoptimierung ≠ Selbstliebe. Warum grenzenlose Selbstoptimierung uns am Ende mehr schadet als nützt: Mit Marcel Eulenbach. Hier anmelden!

30. April 2024, 18.00-20.00 Uhr: Queeres Leben in Köln vom Mittelalter bis heute – ein historischer Stadtrundgang: Mit Thomas Freund. Hier anmelden!

7. Mai 2025, 18.30-20.00 Uhr: reasons for love. Ein philosophisch-menschenrechtliches Plädoyer für den Respekt vor unterschiedlichen Formen der Liebe: Mit Maike Nadar und Prof. Dr. Joachim Söder. Hier anmelden!

Hinschauen! Sexualisierter Gewalt gemeinsam entgegentreten

Sexualisierte Gewalt ist ein gesellschaftliches Phänomen, dessen Bekämpfung u.a. einer klaren Sprache, faktenbasierter Information und Handlungswissen bedarf. Sexualisierte Gewalt geschieht – im Alltag, in Familien, Einrichtungen, Vereinen und Kirche. Die evangelische Kirche im Rheinland hat sich Januar 2021 dazu entschlossen, auf Basis eines Kirchengesetzes die Aufdeckung und Verhinderung von sexualisierter Gewalt ernstzunehmen und im kirchlichen Alltag zu integrieren.

Sensibilisierungsschulungen

Vor diesem Hintergrund bieten wir in der Melanchthon-Akademie seit Sommer 2021 in Kooperation mit den Ev. Beratungsstellen regelmäßige Schulungen zur Sensibilisierung gegen sexualisierte Gewalt an. Ziel der Schulungen ist, durch den Austausch von Erfahrungs- und Fachwissen zu sensibilisieren, sowie über Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zu informieren.

Schulungstypen im Überblick

Auch 2025 setzt sich das Schulungsangebot fort. Die Schulung richtet sich an ehren-, haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter:innen des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Es werden mehrere Schulungstypen angeboten. Zum einen finden regelmäßige Basis-Schulungen statt. Den unterschiedlichen Arbeitsfeldern entsprechend, bieten wir zudem in Kooperation mit der Ev. Beratungsstelle Leitungsschulungen für bspw. Presybter:innen, sowie Schulungen für hauptamtliche Mitarbeiter:innen in sozialen Arbeitsfeldern an.

Inhouse Schulungen

Für die Schulung eines gesamten Teams bieten wir eine Inhouse Schulung mit individueller Terminabsprache an. Auch hier erfolgt die Anmeldung über die Homepage der Melanchthon Akademie.

Offene Termine für 2025

Offene Termine für das Jahr 2025 finden Sie unter:

melanchthon-akademie.de/praevention

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Fr., 28.03.2025, 10:00–16 Uhr

Traumasensiblere Kirche werden
Weiterdenken – ein Jahr nach der ForuM-Studie

Die Melanchthon-Akademie und die Frauenbeauftragte der evangelischen Kirche in Köln haben sich zur Aufgabe gesetzt, das kirchenleitende Handeln zur Aufarbeitung und zur Prävention von sexualisierter Gewalt durch Bildungsangebote und Einladungen zum theologischen
Nachdenken zu begleiten. Ein Jahr nach der Veröffentlichung der ForuM-Studie laden wir Sie ein, gemeinsam zu fragen und auszuloten,
was passieren muss, um auf dem Weg zu einer traumasensibleren Kirche zu sein…. Unser Studientag mit Vorträgen und Workshopangeboten soll Motivation und Auftakt sein sich auf den Weg zu machen.

Mit Prof. Dr. Michaela Geiger und Prof. Dr. Katharina von Kellenbach konnten wir Vortragende aus biblischtheologischer und sozialethischer Perspektive gewinnen. Workshops zu einzelnen thematischen Aspekten vertiefen das Vordenken. Kunst, Musik und kulturelle Interaktion bieten Freiräume zum Empowerment und Lust zum Weiterleben. Traumasensiblere und diskriminierungssensiblere Kirche können wir nur gemeinsam werden. Wir laden Sie zum Vor- und Weiterdenken ein.

Haus der Kirche I Kartäusergasse 9-11 I Nr. 1005B

LITERATURTIPP

„Entstellter Himmel: Berichte über sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche“
Christiane Lange, Andreas Stahl, Erika Kerstner (Hrg.)
Zehn Menschen, die in der evangelischen Kirche Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind, erzählen in diesem Buch, was sie erlebt haben. Sie decken auf, wie Missbrauch unter protestantischen Vorzeichen geschehen konnte. Sie finden Worte dafür, was es bedeutet, wenn Glauben und Sexualität in ihrer Intimität verletzt werden.
26,00€ I Herder Verlag

Stille: Ein Modus des Wachsens

Pascal Chanel, unsplash

Pascal Chanel, unsplash

Wir, die Melanchthon-Akademie, sind mit unseren unterschiedlichen Bildungsangeboten Teil der quirligen Kölner Stadtgesellschaft. Wir stehen mit dem breiten kulturellen Angebot der Stadt in direkter Konkurrenz. Unser Kerngeschäft sind Worte, manchmal Musik, Kunst, Erkundungsgänge, Praktiken des Einübens, u.v.m.  Immer mit anderen, in Gruppen, Vorträgen, Workshops.

Ist es da nicht ein Widerspruch in sich, Stille zum Thema zu machen? Nein, still will die Akademie nicht sein. Und dennoch beschäftigt uns das Thema: STILLE, denn sie passt zu uns.

Warum?

Stille ist eine Qualität, die viel zu geben hat.

  • „Es gibt zwei Arten von Stille: die unangenehme, wenn man nach Hause kommt und alles ist still und leer. Diese Stille mag ich gar nicht. Aber die andere Art der Stille, wenn man keine Lust auf den ganzen Trubel hat. Dann tut Stille sehr gut.“ (Schülerin einer 5. Klasse)

Stille, oft angstbesetzt, wird so zum Sehnsuchtsort, zur Möglichkeit zur Ruhe zu kommen. Das Wort Stille beschreibt auf diese Weise etwas, das uns fehlt, einen Mangel.

Dabei ist Stille mehr, kraftvoll, sie verbindet. Dank der Stille werden unsere Sinne geöffnet. Wir werden wacher, nehmen ganzheitlicher wahr. In der Stille bringen wir die Welt über die Sinne ins Innere. So befreit sie uns von der Zweiteilung in Innen und Außen. Das Sehen wird zum Schauen, das Tasten zum Ergreifen und Ergriffensein, das Hören zum Horchen.

Stille ist ein Modus des Hörens, aus der Stille wachsen gute Worte.

  • Stille gibt Antwort auf die Frage, wer wir im Grunde sind, – oder sein möchten. „Es führen verschiedene Wege zur Stille, aber keiner führt an mir selbst vorbei.“ (Nikals Brantschen, Jesuit)

Die Stille macht sensibel für unsere zahlreichen Ersatzlösungen und Ersatzhandlungen, um uns selbst nicht zu begegnen. Sensibel für Arbeitswut, die sich als Fleiß tarnt, für das Sammeln von Wissen, dass nicht verarbeitet ist, für das Anhäufen von materiellen Gütern, als ob die Erfüllung der menschlichen Sehnsucht eine Frage der Quantität und nicht der Qualität wäre.

Dabei ist Stille einfach da. Wir müssen Stille nicht herstellen.

Es ist lediglich nötig zu lassen, was sie stört: zu viel Arbeit, zu viele Menschen, zu viele Geräusche, zu viele Ortswechsel, zu viele Erwartungen. Es ist befreiend, ein Akt der Selbstfürsorge, die unterschiedlichen „zu viel“ zu lassen und so präsent in Jetzt sein zu können. Wir brauchen Stille, um unterscheiden zu können: was vom Vielen schreit nur laut und was ist wirklich wichtig.

Stille ist ein Modus des Wachsens, in der Stille lernen wir zu unterscheiden. (Nicol Kaminsky, Landespfarrerin i.R.)

  • Es ist ein Unterschied, sich Zeiten der Stille zu reservieren, oder aus der Stille zu leben. Wie finden wir zu einer „Kultur der Stille“?

Um aus der Stille leben zu können, gerade wenn sich die Hektik unseres Alltags bemächtigt, bedarf es des Hörens, des Unterscheidens und- des regelmäßigen, geduldigen Übens. Kontemplationspraktiken verlangsamen das Leben. Sie geben Emotionen Raum, klären den Verstand, nehmen den Köper liebevoll ernst. Sie schenken Erfahrungen, die über den Menschen hinausgehen; manche nennen dies spirituelle Erfahrungen. Sie schenken Vertrauen, Kraft und Energie, innere und äußere Balance. Sie sind hilfreich und mitunter heilsam.

Kontemplation oder Meditation kann im stillen Sitzen sein, aber auch im Gehen in der Natur gelingen. Entscheidend ist das „Sich-Einlassen auf die Stille“. „Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler“, sagte J.W. von Goethe. Es müssen nicht hohe Berge sein, auch beim Waldspaziergang in der Nähe stellen wir fest, dass alles Getue, Gerede, die ganze Geschäftigkeit von uns abfällt und wir stiller werden. Stille will immer wieder erlebt sein. Allein und auch in Gemeinschaft. Gut, dass es Orte gibt, an denen wir gemeinsam üben können.

Stille ist ein Modus der Kultur, beim Üben in der Stille machen wir Erfahrungen, die über uns hinausgehen.

So vieles hat uns die STILLE zu geben. Deshalb passt sie so gut zu unserer Arbeit und deshalb machen wir uns in der Akademie  auf in Räume der Stille.

Programmhighlights:

254114R Willkommen im Raum der Stille – ein Abend, der zur Erkundung der Stille einlädt
Mi., 26.02.
18:00-20:00 Uhr
Haus der ev. Kirche| Kartäusergasse 9-11

25115R Still am Morgen – gemeinsam in den Tag starten
Mo., 10.03. bis Fr. 14.03.
08:30-09:00 Uhr
Sandkapelle der Ev. Studierendengemeinde Köln| Bachemer Str. 27

254117R Die große Stille – Film-Abend in der Kartäuserkirche
Mi, 07.05.
18:00-21:00 Uhr
Kartäuserkirche| Kartäusergasse 7

254119 R „Weil es mir guttut“ – Eine Hinführung zu Meditation und Köperwahrnehmung
Di. 13.05. und 20.05.
19:00-20:30 Uhr
Haus der ev. Kirche| Kartäusergasse 9-11

Ein Beitrag zur Klimawende in der Stadt

In diesem Semester zeigt unser Titelbild Judith Mayer und Bernadette Jochens, deren Arbeit beim Ernährungsrat Köln ganz im Zeichen einer nachhaltigen Ernährung steht.

In diesem Semester zeigt unser Titelbild Judith Mayer und Bernadette Jochens, deren Arbeit beim Ernährungsrat Köln ganz im Zeichen einer nachhaltigen Ernährung steht.

Das Thema Ernährung, bzw. Ernährungsplanung, spielt eine zentrale Rolle in der Förderung von Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels. In einer Stadt wie Köln, in der Urbanisierung und Umweltbewusstsein zunehmend miteinander verknüpft sind, wird die Förderung eines regionalen und ökologischen Lebensmittelanbaus zunehmend wichtiger. Dies liegt nicht nur an der Notwendigkeit, Transportwege zu verkürzen und CO2-Emissionen zu reduzieren, sondern auch daran, lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken und die Frische sowie Qualität der Nahrungsmittel gewährleisten zu müssen.

Der Kölner Ernährungsrat setzt sich aktiv für eine gerechte und nachhaltige Lebensmittelversorgung ein. Er unterstützt und vernetzt Initiativen, die auf eine umweltfreundliche Produktion abzielen und das Bewusstsein für gesunde Ernährung schärfen. Durch verschiedene Bildungsangebote wird Wissen vermittelt, das den Bürger:innen ermöglicht, informierte Entscheidungen über ihre Ernährung zu treffen. An dieser Stelle setzt auch die Kooperation mit der Melanchthon-Akademie an: Wir wollen Bildungsangebote entwickeln und durchführen, die zunehmend den Zielen der Nachhaltigkeit begegnen.

So unterrichtet Judith Mayer an der Akademie den Kurs „Permakultur – in Theorie und Praxis“, in dem Teilnehmende die Prinzipien der Permakultur kennen und umsetzen lernen. Permakultur funktioniert auch in der Stadt! Die Teilnehmer:innen lernen, wie sie Kreisläufe zwischen versiegelten Flächen, an Fassaden und (Hoch-)Beeten entstehen lassen. Sie erhalten Anregungen, welche mehrjährigen Pflanzen sich für eine essbare Beetgestaltung eignen und wie man diese mit klassischen Gemüsesorten kombiniert. Ziel des Kurses ist auch, dass am Ende alle eine griffige Erklärung zum Begriff “Permakultur” parat haben.

Bernadette Jochens bietet den Kurs „Ernährungsbildung auf Balkon und Fensterbank“ an, in dem sie Eltern zeigt, wie sie ihren Kindern spielerisch Wissen über gesunde Ernährung vermitteln können. Um Kinder für Ernährung zu begeistern, braucht es nicht viel. Sie sind von Natur aus neugierig und erleben die Welt gerne mit allen Sinnen; hier ist Gärtnern das perfekte Mittel, um dieses Thema im wahrsten Sinne des Wortes greifbar zu machen. Samen in die Erde zu setzen, Tomaten wachsen zu sehen, die Kräuter fürs Essen selber zu ernten – all das macht Kindern großen Spaß und führt dazu, dass Wertschätzung der Nahrung, Verständnis für Umwelt und vor allem auch die Neugier auf neue Lebensmittel zunehmen.

Wir wollen weiter über die Bedeutung von Ernährung in unserer Stadt nachdenken – denn nachhaltige Veränderungen beginnen oft im Kleinen. Umso mehr freuen wir uns über diese Kooperation.

PROGRAMMHIGHLIGHTS
Sa., 29.03.2025, 11.00 – 14.00 Uhr
Permakultur in Theorie und Praxis – Einführungsworkshop
Judith Mayer
1 Termin | 2 UStd | 5,00 € | Nr. N114F

Sa., 17.05.2025, 12.00 – 16.00 Uhr
Ernährungsbildung auf Balkon und Fensterbank – Kindgerechtes Gärtnern für jede Gelegenheit
Bernadette Jochens
1 Termin | 5 UStd | 5,00 € | Nr. N116F

Ein weiterer spannender Termin wird sein: Saatgutfestival in der VHS Köln am Neumarkt, 22.02.25 – Tausch und Verkauf von samenfesten Kräutern, Gemüsesorten, Blumen und mehr.

Die Arbeit des Ernährungsrats Köln lebt durch das Engagement der Kölner Bürger:innen. Die Teilnahme an den verschiedenen Ausschüssen steht allen Interessierten offen. Dort vernetzen sich Menschen z.B. zu den Themen “Essbare Stadt” oder “Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung”. Termine hierzu finden sich auf der Webseite: www.ernaehrungsrat-koeln.de

„Man könnte sich jeden Tag ärgern, ist aber nicht dazu verpflichtet“

Hannelore Gabor-Molitor über Humor, Vertrauen und die Freude am Wachsen

Hannelore Gabor-Molitor ist Diplom-Pädagogin mit dem Schwerpunkt Erwachsenenbildung. Seit über 30 Jahren ist sie leidenschaftlich als Dozentin, Kommunikationstrainerin und Coach in verschiedenen Bildungseinrichtungen und Organisationen tätig. Ihre Schwerpunkte sind Rhetorik, Konfliktmanagement, Persönlichkeitsbildung, Intuitionsschulung und Frauenbildung.

Frau Gabor-Molitor, was reizt Sie an der Arbeit mit Erwachsenen?

Hannelore Gabor-Molitor: Erwachsene kommen oft aus eigener Motivation in meine Seminare, weil sie ein bestimmtes Anliegen haben. Das kann zum Beispiel ein Konflikt sein, den sie lösen möchten, oder der Wunsch, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Es entsteht schnell ein Klima des Miteinanders und Vertrauens. Alle verfolgen ein gemeinsames Ziel, und während des Seminars gibt es oft Aha-Momente, die den Teilnehmenden helfen, ihre Sichtweise zu ändern oder neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

Wie wählen Sie die Themenschwerpunkte für Ihre Seminare? Kommen die Themen zu Ihnen oder suchen Sie sie aktiv?

Hannelore Gabor-Molitor: Das ist eine Mischung. Ich versuche, den Puls der Zeit zu spüren und Themen zu wählen, die Menschen weiterbringen können. Oft sind es auch Themen, die mir selbst wichtig erscheinen, um ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben zu führen.

Wie hat sich Ihr Ansatz im Laufe der Zeit verändert?

Hannelore Gabor-Molitor: Zu Beginn meiner Laufbahn lag mein Fokus auf Frauenbildungsarbeit – es ging viel um Emanzipation, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Später wollte ich sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen ansprechen. Mein pädagogischer Ansatz hat sich dabei über die Jahre weiterentwickelt. Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) von Ruth Cohn bildet den Kern meiner Arbeit. Dabei geht es um die Balance zwischen der sachlichen und emotionalen Ebene sowie um den Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls. Ergänzt habe ich diesen Ansatz durch die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg und das Focusing-Modell von Gene Gendlin.

Gab es Schlüsselmomente in Ihrem Leben, die Ihre berufliche Entwicklung maßgeblich beeinflusst haben?

Hannelore Gabor-Molitor: Ja, mehrere. Ein prägender Moment war die Entdeckung des Buches Dein Körper weiß die Antwort. Das ermöglichte mir den Zugang zur inneren Stimme der Intuition. Auch die Begegnung mit Marshall Rosenberg, als er die Akademie besuchte, und seine Arbeit zur Gewaltfreien Kommunikation hat meinen Weg stark beeinflusst. Wir haben sogar einmal gemeinsam in einer kleinen Runde am Chlodwigplatz in einer Pizzeria gegessen – eine unvergessliche Begegnung!

Mit welcher Grundhaltung begegnen Sie den Menschen in Ihren Seminaren?

Hannelore Gabor-Molitor: Respekt, Wertschätzung und eine offene, unvoreingenommene Haltung sind für mich zentral. Ich glaube daran, dass Vertrauen entsteht, wenn Menschen zusammen lachen können. Ein wenig Humor hilft, schwierige Situationen zu entspannen. Ein Leitsatz, der mich begleitet, lautet: „Man könnte sich jeden Tag ärgern, ist aber nicht dazu verpflichtet!“ Humor kann uns im Alltag viel Leichtigkeit schenken.

Was ist das Wesentliche bei Ihren aktuellen Seminarthemen?

Hannelore Gabor-Molitor: In meinen Seminaren – ob es um das Überwinden von Einsamkeit, das Lösen von Konflikten oder ums Zuhören geht – ist es mir wichtig, das Vertrauen zu uns selbst und zu anderen zu stärken. Diese innere Verbundenheit zu vertiefen und in sinnvolles Handeln umzusetzen, das ist mein Ziel und meine Motivation.

VERANSTALTUNGEN

Fr., 21.02.2025, 18:00–20:30 Uhr
Von der Kunst aufmerksamen Zuhörens
Qualität echten Zuhörens
1 Termin | 2 Ustd | 16,00€ | Nr. 3135BR

Sa., 08.03.2025, 10:00–16:30 Uhr
Unterstützung bei Konfliktlösungen
Konfliktfähigkeit: Regeln, Techniken, Strategien
1 Termin | 6 Ustd | 35,00€ | Nr. 3136BR

Mi., 12.03.2025, 18:30–21:00 Uhr
Einsamkeit überwinden, Alleinsein genießen
Verbindung und Verbundenheit mit sich selbst und Anderen
1 Termin | 2 Ustd | 16,00€ | Nr. 3138BR

Fr., 04.04.2025, 18:30–21:00 Uhr
„Abschiedlich leben lernen“
Phasen des Loslassens bewusst gestalten
1 Termin | 2 Ustd | 16,00€ | Nr. 3195BR

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