Autor: Frauke Komander (Seite 2 von 5)

„An den Kanten Stark“ – Interreligiöses Bildungsprojekt der Melanchthon-Akademie ab September

Ab September geht’s in Köln und im Rhein-Erft-Kreis wieder stark zu – zumindest im theologischen Sinne. Die Melanchthon-Akademie startet ihr Bildungsprojekt „An den Kanten Stark“. Dabei geht es um große Fragen: Wo stehen wir als Gesellschaft? Wo wird’s brenzlig? Und wie können Religionen Brücken bauen?

Pfarrer Martin Bock leitet die Melanchthon-Akademie und hat das Projekt zusammen mit seinen Kolleginnen Dorothee Schaper und Antje Rinecker geplant: „Wir werden im September dieses Jahres ein schon sehr etabliertes Projekt wieder neu auflegen, was den bekannten Namen ,Stark‘ hat. Damit ist gemeint, dass theologisches Reden und Denken immer auf das Mit-Denken der Anderen angewiesen ist. Das „stärkt“. Theologie als Dialog-und Gemeinschaftsprojekt. Diesmal legen wir „Stark“ mit zwei regionalen und überregionalen Kooperationspartnern aus dem jüdischen und dem muslimischen Bereich auf. Was wir damit erreichen wollen, ist, sich zu vergegenwärtigen, dass wir an den großen Rissstellen oder Abbruchkanten, in denen wir im Moment gesellschaftlich stehen, mit möglichst einer Stimme sprechen oder zumindest auf eine abgestimmte gemeinsame Erzählung aus sind.“

Diese „Kanten“ sind für Martin Bock nicht nur ein Bild – sie stehen für echte Herausforderungen, bei denen die Religionsgemeinschaften auf eine neue Art Theologie zu treiben beginnen. Er erklärt: „Wir haben dieses Projekt ,An den Kanten‘ genannt und gehen eigentlich auf eine Erfahrung aus, die viele machen, die selber sozusagen an so einer Kante gestanden haben. Zum Beispiel Menschen aus dem Klimaaktivismus, die gesagt haben, wenn ich in einem Braunkohleabbaugebiet an einer Kante stehe, dann habe ich eine andere Spiritualität. Und dann sehe ich Geschichten aus der Bibel nochmal mit einer anderen Dringlichkeit und Aktualität.“

Theologie treiben, aber nicht im stillen Kämmerlein

Und diese Kanten erlebt Martin Bock auch persönlich – vor der eigenen Haustür: „Ich bekomme als Mensch, der in Pulheim wohnt, im Rhein-Erft-Kreis schon mit, dass das Thema, wie geht es in Zukunft im Rhein-Erft-Kreis weiter, wenn es den Braunkohleabbau nicht mehr gibt, von den Menschen unterschiedlich beurteilt wird. Wir sind alle von den großen Spannungen in der Welt, den Kriegen in Gaza, in der Ukraine, und so weiter, mitgenommen und suchen nach Einblicken und Perspektiven, die auch von den Texten der Heiligen Schriften geprägt und geleitet sind. Das wollen wir in diesem Stark-Kurs nochmal besonders intensiv, face-to-face, miteinander besprechen.“

Klingt intensiv – und das ist gewollt. Theologie treiben, aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Austausch der Religionen, mitten im Leben. Wer dabei sein will, muss kein theologisches Vorwissen haben – nur Lust auf neue Perspektiven und Begegnungen.

Weitere Infos gibt’s hier auf der Website der Melanchthon-Akademie. Hier können Sie den Flyer herunterladen.

Den Beitrag können Sie auch auf Radio Erft in der Sendung Himmel und Erde oder in der Mediathek von Studio Eck e.V. hören.

Martin Bock

Martin Bock

WenDo: Selbstbehauptung und Selbstverteidigung als Bildungsauftrag

In der Erwachsenenbildung gewinnen Themen wie Gewaltprävention, Persönlichkeitsstärkung und Gendergerechtigkeit zunehmend an Bedeutung. Ein Ansatz, der all diese Aspekte vereint und dabei auf lebensnahe, praxisorientierte Weise arbeitet, ist WenDo – ein feministisches Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungstraining für Frauen und Mädchen.

Der Name „WenDo“ setzt sich aus dem englischen Wort(en) „when“ (für Zeitpunkt) und dem japanischen „Do“ (Weg) zusammen. Übersetzt bedeutet es sinngemäß: „Weg der Frauen“. WenDo wurde in den 1960er Jahren in Kanada entwickelt als Reaktion auf die gesellschaftsspezifischen Bedürfnisse und Erfahrungen von Frauen. Es entstand eine Methode, die Strategien zur Verhütung von Angriffen mit konkreter Verteidigung oder körperlicher Gegenwehr kombiniert.

WenDo ist keine Kampfkunst im klassischen Sinn. Es geht nicht um sportliche Leistung, körperliche Fitness oder Trainingsdisziplin. Vielmehr zielt WenDo auf das Erkennen und Vermeiden gefährlicher Situationen, auf Selbstbehauptung und Selbstverteidigung im umfassenden Sinn versteht. Die Teilnehmerinnen lernen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu kommunizieren, sich klar und deutlich auszudrücken – mit Stimme, Blick und Körpersprache – und im Ernstfall gezielt und effektiv zu handeln.

Typische Inhalte eines WenDo-Kurses sind:

  • das Erkennen und Einschätzen von Gefahren
  • das Einüben klarer „Nein“-Situationen
  • Stimmbildung und Körpersprache mit Alltagsbezug
  • Rollenspiele mit Alltagsbezug
  • Reflexion sowie alltagspraktische körperliche Techniken

WenDo bietet eine Alternative zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen und räumt der Erfahrung der Teilnehmerinnen den Vorrang ein. Erfahrungen, Perspektiven und die persönlichen Spielräume der Teilnehmerinnen stehen im Mittelpunkt. Jede Person soll sich in ihrem Alltag geschützt fühlen.

Feministischer Hintergrund

WenDo ist ein explizit feministischer Ansatz. Die Methode geht davon aus, dass Gewalt gegen Frauen kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist. Frauen erfahren in allen gesellschaftlichen Machtverhältnissen die bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen. WenDo setzt hier an, indem es Selbstermächtigung fördert und einen Raum schafft, in dem Erfahrungen ernst genommen und Handlungsstrategien gemeinsam entwickelt werden können.

In den Kursen wird nicht nur trainiert, wie man sich körperlich wehren kann – mindestens ebenso wichtig ist es in der Auseinandersetzung mit eigenen Haltungen zu erkennen: Wovor habe ich Mut, und zu werden? Warum zögere, friere ich in Situationen? Wie kann ich meine Angst in Handeln verwandeln? WenDo schafft ein geschütztes Umfeld, in dem solche Fragen offen besprochen werden können.

Bedeutung für die Erwachsenenbildung

Gerade im Kontext der Erwachsenenbildung bietet WenDo großes Potential. In einer Zeit, in der die psychische und physische Belastung vieler Menschen steigt, Empowerment-Ansätze jedoch oft nur auf individueller Ebene greifen, bietet WenDo einen kollektiven, solidarisch Lernprozess. Es fördert Selbstwirksamkeit und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten – unabhängig von Bildungssstand, Herkunft oder Alter.

WenDo ist weit mehr als ein Selbstverteidigungskurs. Es ist ein Bildungsansatz, der Menschen stärkt, gesellschaftliche Strukturen hinterfragt und dazu anregt, dass Gewalt nicht als individuelles Schicksal, sondern als veränderbare Realität verstanden wird. WenDo leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer emanzipierten, solidarischen Gesellschaft.

Angebot in Kooperation mit Paula e.V.

Paula e.V. in Köln ist eine spezialisierte Beratungsstelle für Frauen ab 60 Jahren, die bestehende oder traumatische Erfahrungen von (sexualisierter) Gewalt, Stalking, Diskriminierung oder Pflegeabhängigkeit betreffen. Der Verein bietet traumasensible Beratung und therapeutische Unterstützung für Frauen aus der Lebenswelt Alter. WenDo als Selbstbehauptung und Selbstermächtigung bereichert Frauen auch in späteren Lebensphasen. Deshalb ist Paula e.V. gefragter Kooperationspartner für Bildungsurlaube und WenDo-Kurse bei der Akademie, um auch auf diese besonderen Bedürfnisse aufmerksam zu machen.

Orange Days #Köln gegen Gewalt an Frauen

Zwar fällt die Veranstaltung nicht in den Zeitraum der Orange Days, sie steht jedoch inhaltlich ganz in ihrem Zeichen.

VERANSTALTUNGSTIPPS

Mi, 10.09.2025, 10:00 – 14:00 Uhr
WenDo Kurs für Frauen ab 60
Stärken erkennen, Grenzen setzen und Handlungsspielräume erweitern
Sabine Rasquin
Teilnahmebeitrag nach Selbsteinschätzung: 10,00 – 45,00 € | Nr. 2526BIR

Kölner Rom:nja und ihre un-/sichtbare/-n Geschichte/-n

Im zweiten Halbjahr rücken Kölner Rom:nja mit ihren Geschichten in den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe der Melanchthon-Akademie. Viele dieser Geschichten sind mit Erzählungen verbunden, in denen es um Zumutungen, Unsichtbarkeit, Verdrängung, Missachtung, Feindschaften, Gewalt oder Ressentiments geht.

Auf dem Bild sehen Sie die Teilnehmerinnen des Deutschkurses von Wila Borrings im ROM e.V. Am 9. Mai 2025 lasen sie bei einer festlichen Veranstaltung selbst verfasste Gedichte zum Thema „Wenn ich an meine Geschichte denke, denke ich an…“. Die Texte wurden auf Romanes, Serbisch und Deutsch zu Gehör gebracht.

Auf dem Bild sehen Sie die Teilnehmerinnen des Deutschkurses von Wila Borrings im ROM e.V. Am 9. Mai 2025 lasen sie bei einer festlichen Veranstaltung selbst verfasste Gedichte zum Thema „Wenn ich an meine Geschichte denke, denke ich an…“. Die Texte wurden auf Romanes, Serbisch und Deutsch zu Gehör gebracht.

Rom:nja sind schon sehr lange Teil der pluralen Gesellschaft in Deutschland und auch in Köln, wobei ihnen immer wieder eine selbstverständliche Zugehörigkeit abgesprochen wurde und wird. Ein spezifisch, sich gegen Rom:nja und Sinti:ze richtender (Gadje-)Rassismus war aus der deutschen Bevölkerung nie verschwunden – auch nicht nach dem Porajmos, dem nationalsozialistischen Genozid an europäischen Sinti:ze und Rom:ja.

Gadje-Rassismus imaginiert Sinti:ze und Rom:nja als fremdartig, anders, bösartig und wird auch in der Gegenwart als Begründung für Ausgrenzung, Feindschaft bis hin zu Gewalt genutzt. In der sog. Mitte-Studie des RomaniPhen Instituts stellte 2023 mehr als jede:r zweite befragte Person Sinti:ze und Rom:nja eine Neigung zur Kriminalität¹ vor – noch weniger als jede:r gaben in einer anderen Studie mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie ein Problem damit hätten, „wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegenwart aufhalten“² – deutsche Zustände.

Immerhin, mehr als 80 Jahre nach dem Ende des NS, nach dem Zivilisationsbruch, nach der Befreiung von Auschwitz, sind solche Zustimmungswerte nichts anderes als ein Skandal.

Darum – um Zumutungen, Feindschaft, um das Verdrängen von NS-Verbrechen – wird es bei den Veranstaltungen in unserer Reihe gehen, aber nicht nur: wir wollen Kölner Rom:nja auch ganz andere Geschichten erzählen lassen: Geschichten vom Erinnern, vom Widerstand, von Kämpfen um Anerkennung sowie ihrer Bürger:innenrechte, von Selbstbehauptung und Empowerment, von Freundschaften, Allianzen und von Solidarität, von ganz alltäglichen Erfahrungen von Schönheit, Liebe und Geborgenheit, von Poesie und von Träumen, von Kreativität in der Literatur und der Romanes-Sprache, in der Musik und im Theater.

Bei allen Veranstaltungen kommen Menschen aus Rom:nja-Communities selbst zu Wort. Alle Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem ROM e.V. Köln statt. Wir laden Sie und Euch herzlich dazu ein!

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Di., 02.09.2025, 17:30–20:30 Uhr
Rom:nja. Auf Spurensuche der Geschichten von Rom:nja und Sinti:ze in Köln
Stadtführung
José Xhemajli und Lisa Willnecker
1 Termin | 5,00 € | Nr. 2212H

Mi., 03.09.2025, 19:00–20:30 Uhr
Unsichtbare Geschichte(n)? Perspektiven von Rom:nja auf Kölns Erinnerungskultur
Vortrag & Diskussion
José Xhemajli und Lisa Willnecker
1 Termin | Eintritt frei | Nr. 2213H

Mi., 29.10.2025, 18:30–20:00 Uhr
„Aus der Hoffnungslosigkeit erwuchs die Liebe“
Ein biographisch-literarischer Abend mit dem Dichter und Rom-Aktivisten Radjko Russo Sejdovic
1 Termin | 5,00 € | Nr. 2219H

Mi., 19.11.2025, 18:00 Uhr
Lesung mit dem Lyriker, Kolumnisten, Kabarettisten Jovan Nikolić zum Internationalen Tag der Romanes-Sprache
Jovan Nikolić liest aus Hotel Nicaragua und ausgewählte Lyrik
1 Termin | Eintritt frei | Nr. 6213F

Quellen:
¹ Zick, Andreas/Küpper, Beate/Höller, Nico (Hrsg., 2023): Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2022.
² Decker, Oliver/Hegemann, Johannes/Brähler, Elmar (2014): Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014, Leipzig, S. 50.

Semestereröffnung „Brot & Buch & Innenhof“: Herzliche Einladung!

Das Haus der Kirche mit seinen wundervollen Räumen ist in den letzten eineinhalb Jahren ein Zuhause für die Melanchthon-Akademie geworden. Gleichzeitig gibt es immer noch viel zu entdecken. Deshalb haben wir uns entschieden, die Semestereröffnung für das 2. Halbjahr 2025 wieder in den Innenhöfen zu gestalten.

Herzliche Einladung zu „Brot & Buch & Innenhof“

Das große Rahmenthema dieses Halbjahres heißt „Raum für Risse“. Wir werden unsere Aufmerksamkeit darauf richten, welchen Klang die Worte entwickeln, wenn sie in Räume gesprochen werden, die von ihren eigenen Rissen erzählen. Wir sind gespannt auf die Resonanz, die zwischen Mensch, Wort und Mitwelt entstehen kann.

Im Anschluss an die Buchvorstellungen gibt es bei Brot und Wein die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

Mi., 17.09.2025 | kostenfrei | 18:00–20:00 Uhr | Anmeldung erforderlich | Nr. 251200B

In der gleichen Woche:
LIT KARTAUSE 2025
Die Kleinkunstbühne im Kreuzgangsaal öffnet die Tür:
Drei besondere Lesungen „80 Jahre danach“
Details auf der Webseite bzw. Flyer

Bildungsurlaub: Fünf Tage bezahlt weiterbilden und neue Perspektiven entdecken

Raus aus dem Alltag – rein ins Bergische oder in die lebendige Südstadt!

Foto: J. Lacar von Unsplash

Wussten Sie schon? Arbeitnehmer:innen in Nordrhein-Westfalen haben Anspruch auf bis zu fünf Tage bezahlte Freistellung zur persönlichen Fort- und Weiterbildung. Möglich macht das das Bildungsurlaubsgesetz (AWbG NRW) – eine tolle Gelegenheit für alle, die sich persönlich und beruflich weiterentwickeln möchten.

So einfach geht’s zum Bildungsurlaub: Wählen Sie Ihren Wunschkurs aus unserem Programm und nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir reservieren Ihren Platz und stellen Ihnen die passenden Antragsunterlagen für Ihren Arbeitgeber zur Verfügung. Nach dessen Genehmigung steht Ihrem Bildungsurlaub nichts mehr im Weg!

Vielfältige Themen – für Körper, Geist und Seele: Unser Angebot reicht von Gesundheitsbildung und Resilienz über theologische Fragestellungen bis hin zu ökologischen Themen.

Das gesamte Angebot finden Sie unter Bildungsurlaub & Studienreisen auf unserer Website: www.melanchthon-akademie.de
– Rubrik Bildungsurlaub & Studienreisen

BILDUNGSURLAUBE

Mo., 01.12.2025 – Fr., 05.12.2025
Atem
Schlüssel zu Ruhe und Kraft im Berufsalltag
Bereits das achtsame Wahrnehmen des Atems hilft, stressige Momente mit Stress und Unruhe zu bewältigen. Der „erfahrene Atem“ nach Prof. Ilse Middendorf unterstützt dabei, innere Ruhe zu finden, Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen und neue Kraft zu schöpfen. In diesem Bildungsurlaub lernen Sie, wie Sie achtsam atmen können, zur Ruhe zu kommen und persönliche Ressourcen freizulegen – einfach und alltagstauglich.
Karin Bukatz
250,00 € | Nr. ZSJ739BR

Mo., 16.02.2026 – Fr., 20.02.2026
Kreatives Hatha-Yoga
Konstruktiv und entspannt im (Berufs-)Leben
Das Praktizieren von Kreativem Hatha-Yoga bietet die Möglichkeit, Kontakt zu sich selbst aktiv herzustellen. Neben Körper- und Atemarbeit und dem Üben von Meditation werden die Reflexion des eigenen Stresserlebens, das Erkennen und Lösen von Stressmustern sowie die nachhaltige Integration des Geübten in den (Berufs-) Alltag Thema dieses Bildungsurlaubs sein. Die Woche findet überwiegend im Einzelzimmer statt.
Stephan Maey
590,00 € | Haus Wiesengrund I Nr. ZSJ501BR

Mo., 23.03.2026 – Fr., 27.03.2026
Atempausen für berufstätige Eltern
Achtsamkeit und Selbstfürsorge
Berufstätige Eltern jonglieren viele Rollen – oft bleibt wenig Raum zum Durchatmen. Dieser Bildungsurlaub schenkt ihnen Zeit: zum Innehalten, Reflektieren und Neu-Ausrichten. Mit Achtsamkeit, Yoga, Impulsen aus MBSR und Mindful Parenting sowie dem Austausch in der Gruppe wachsen neue Spielräume.
Sonja Boxberger
300 € | Nr. ZSJ843BR

StudioECK: Bürgerfunk an der Akademie

StudioECK ist eine Bürgerfunk-Redaktion mit 16 freien Journalist:innen und Techniker:innen, die an der Melanchthon Akademie angesiedelt ist. Die Redaktionsleitung hat Anne Siebertz inne.

Von links: Melani Köroglu, Birgit Niclas, Silvio Cisamolo, Priska Mielke, Martina Schönhals, Hartmut Leyendecker, Jutta Hölscher,Anne Siebertz, Patrick Kloß.

Von links: Melani Köroglu, Birgit Niclas, Silvio Cisamolo, Priska Mielke, Martina Schönhals, Hartmut Leyendecker, Jutta Hölscher,
Anne Siebertz, Patrick Kloß. Foto: Sabine Lehmann

Liebe Anne, was genau ist Studio ECK und was machst Du dort? Wie kommt Ihr auf Eure Ideen?

A. Siebertz: Beim Bürgerfunk von StudioECK machen wir Radio und Podcasts und das seit vielen Jahren mit einem engagierten Team. Viele von uns sind mit Mikrofon und Aufnahmegerät unterwegs und recherchieren Beiträge rund um die Themenbereiche Soziales, Kultur, Kirche oder bürgerschaftliches Engagement. Andere kümmern sich um die Technik, also das Zusammenführen und Abmischen von Beiträgen, Moderation und Musik zu einer Sendung. Ich leite die Redaktion, d. h. ich plane die Sendungen der nächsten Wochen und sorge wöchentlich dafür, dass sie bei den Lokalsendern Radio Köln und Radio Erft ausgestrahlt werden. Und die Ideen? Viele von uns sind seit Jahren dabei und bringen eigene Themen mit. Zudem zeige ich in der Redaktionssitzung ein breites Spektrum an Vorschlägen auf.

StudioECK produziert auch Beiträge für das lokale Fenster der landesweiten Kirchensendung „Himmel und Erde“. Ausgestrahlt werden diese Beiträge sonntagvormittags über die Sender Radio Köln, Radio Erft und Radio Berg. Die Leitung der Redaktion „Himmel und Erde“ liegt bei Christina Löw aus der Bürgerfunk-Redaktion.

Liebe Christina, was können wir uns unter der Sendung „Himmel und Erde“ vorstellen? Wie wählt Ihr aus, über wen berichtet werden soll?

C. Löw: Seit dem Start der NRW-Lokalradios im Jahr 1990 haben auch die beiden großen Kirchen ihren festen Platz im Programm: Jeden Sonntag sowie an kirchlichen Feiertagen geht „Himmel und Erde – das Magazin der Kirchen“ von 8 bis 9 Uhr „on Air“. Produziert und verantwortet wird die Sendung im wöchentlichen Wechsel von der katholischen und der evangelischen Redaktion. In unseren Beiträgen für das lokale Fenster greifen wir ganz unterschiedliche Themen aus den ortsansässigen Gemeinden auf: Ein neu gegründeter Kinderchor findet dabei ebenso Beachtung wie ein besonderer Gottesdienst, eine ökumenische Spendenaktion oder kulturelle Angebote oder auch Veränderungen in Gemeindestrukturen und Kirchenräumen. Besonders freuen wir uns dabei auch über Inhalte, die direkt aus den 25 Evangelischen Gemeinden und Einrichtungen in und um Köln kommen, die Mitglieder im Förderverein Studio ECK e. V. sind.

Im letzten Jahr produzierte StudioECK insgesamt 59 Magazinsendungen mit 133 Beiträgen, die wöchentlich donnerstags um 20:30 Uhr und einmal im Monat auch eine Stunde lang auf Radio Köln ausgestrahlt wurden. 7 Stunden-Sendungen mit insgesamt 20 Beiträgen wurden davon auf Radio Erft (alle zwei Monate, sonntagsabends um 19 Uhr) ausgestrahlt. Zwei der Magazinsendungen sind mit Studierenden der Uni Köln gemeinsam entstanden. Hartmut Leyendecker ist nicht nur langjähriges Redaktionsmitglied, sondern auch der Vorsitzende des Vereins.

Lieber Hartmut, bist du ein Gründungsmitglied vom Verein Studio ECK? Was macht für Dich den Reiz am Bürgerfunk aus oder am Radio allgemein?

Hartmut Leyendecker. Foto: Ute Glaser

Hartmut Leyendecker. Foto: Ute Glaser

H. Leyendecker: Ich bin 1995 über ein Seminar der Melanchthon-Akademie zu Studio ECK gekommen, bin also kein Gründungsmitglied. Radio als Medium fand ich immer spannend und durch viele Besuche im WDR in meiner Jugend habe ich gesehen, was hinter den Kulissen stattfindet. Das haben wir mit ein paar Leuten mit Tonbandaufnahmen, die wir als Cassetten rumgeschickt haben, nachgemacht. Über den Kartäuser-Krankenhausfunk aus dem Keller der Melanchthon-Akademie und später über Programme für einige Altenheime in Köln habe ich das immer weiter betrieben. Jetzt finde ich es spannend, dass ich über die Interviews sehr viele Menschen mit interessanten Ideen kennenlerne. Und jedes Mal lerne ich neue Dinge über Köln und die Welt.

Ein breites Themenspektrum kennzeichnet die Magazinbeiträge der Redaktion. Pro Jahr gibt es zudem zwei Themenschwerpunkte. 2024 waren das „Köln – zuhause und in der Welt“ und „Hürden – da geht noch was“. In diesem Jahr geht es um: „Radeln – mehr als frischer Wind um die Nase“ und „Gemeinsinn“. Auch Jutta Hölscher ist langjähriges Redaktionsmitglied.

Liebe Jutta, Du produzierst selber aktiv Sendungen und bist auch oft als Moderatorin zu hören. Gibt es ein Highlight in Deiner Zeit bei StudioECK, an das Du Dich noch gerne zurückerinnerst?

J. Hölscher: Ich war von Anfang an vom Radio-Virus infiziert und bei StudioECK dabei und habe diverse Höhen und Tiefen, Umzüge und die Umstellung von analog auf digital miterlebt. Am Bürgerfunk gefällt mir, dass er so vielfältig und unabhängig ist. Ich lerne immer wieder neue Initiativen, Vereine und Themen kennen. Ich mache am liebsten „reportagige“ Beiträge, die den Zuhörer mit auf eine Audio-Reise nehmen. Ein Highlight habe ich nicht, denn in allen Beiträgen steckt immer Herzblut und der Wunsch, die Zuhörer:innen zu erreichen. Umso schöner, wenn ich ein positives Feedback bekomme! Wir sind ein tolles Team und können uns aufeinander verlassen, deshalb macht das Radiomachen auch noch nach so vielen Jahren sehr viel Spaß!

Die Redaktion wächst ständig und Nachwuchs ist willkommen. Wer Interesse hat, gegen Aufwandsentschädigung Radiobeiträge zu verfassen oder sich in der Radio-Moderation zu versuchen, kann einfach bei den Redaktionssitzungen vorbeikommen. Das Handwerk kann man erlernen, ebenso bei Interesse auch die technische Erstellung einer Radio-Sendung.

Im nächsten Halbjahr finden Redaktionssitzungen statt am 6.8., 17.9., 29.10. und am 10.12., immer ab 19 Uhr.

Aktuelle Mitglieder der Redaktion sind:

Hartmut Leyendecker – Moderation, Technik, Beiträge
Florian Hügel – Technik, Beiträge
Tom Eggemann – Technik
Georg Bongartz – Technik
Christian Klein – Technik, Beiträge
Silvio Ciasamolo – Technik, Beiträge
Anne Siebertz – Moderation, Beiträge
Christina Löw – Moderation, Beiträge
Jutta Hölscher – Moderation, Beiträge
Vincent op het Veld – Moderation, Technik
Melani Köroglu – Beiträge, Moderation
Priska Mielke – Beiträge
Birgit Niclas – Beiträge
Eva-Maria-Marx – Beiträge
Elisabeth Kausche – Beiträge
Lea Braun – Beiträge

Credo? Nicäa: Was uns verbindet – 1700 Jahre Glaubensdialog

Vor 1.700 Jahren beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 rangen die Christen mit Fragen des Glaubens und ihrer Identität. Die damals noch junge Kirche, vor kurzem noch verfolgt und nun aus den Katakomben hervorgekommen, gab sich ein verbindliches Bekenntnis, eine Lehrgrundlage für eine Gemeinschaft, die zur Weltreligion wurde.

Foto: Griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Christi Himmelfahrt zu Berlin

Seit 381, dem Konzil von Konstantinopel, gilt das Nicäno-Konstantinopolitanum bis heute konfessionsübergreifend als das maßgebliche Bekenntnis der Christenheit. Ein ökumenischer Schatz.

Heute, 2025 Jahre nach Christi Geburt und 1700 Jahre nach Nicäa, steht unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen und ringt erneut um ihre Identität und Einheit. Beunruhigende geopolitische Entwicklungen fordern uns heraus. Und immer wieder steht da die Frage nach einem Gott, der so etwas eigentlich nicht zulassen kann.

Wenn wir in unserer Zeit von Diskussionskultur sprechen, ist unsere Bereitschaft, Ansichten und Positionen respektvoll zu teilen, mit schlüssigen Argumenten zu untermauern und dem Gesprächspartner das Recht einer anderen Meinung einzuräumen, oft zu bezweifeln.

Warum also das Jubiläum einer Synode längst vergangener Zeiten feiern, wenn sich sowieso alle uneins sind?

Nicäa war eine Zäsur! Die theologischen Unterschiede jener Zeit wurden in einem Gesprächsprozess auf Augenhöhe erörtert, führten zu einem für alle gültigen Ergebnis. Die Bereitschaft in Nicäa, eine konkrete Formulierung zu finden, die das Zeugnis des Glaubens in Form goss und vermittelbar machte, war die Grundlage dieser Zusammenkunft.

Ebendieser Umstand sollte uns motivieren, den Dialog zu intensivieren und seine Chancen zu erkennen.

Es lohnt sich, das Credo auf verschiedenste Weisen weiterzubuchstabieren.

Eine Weise ist die Verwandlung von Worten in Bilder, eine Visualisierung des christlichen Glaubens. Dafür steht die in diesem Jahr neugeschriebene „Nicäa-Ikone“. Die byzantinische Konstantins-Ikone zeigt, worum es geht: Einheit in Christus! Sie kommt im September nach Köln und ermutigt uns, unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt durch den Dialog und den Einsatz aller zu stärken und gemeinsam in die Welt hineinzuwirken.

Eine andere Weise führt uns in das Reich der Musik. Wir brauchen Klänge und Töne, die mehr sagen können als tausend Worte. Für Luther war das Reich Christi ein Hör-Reich, nicht ein Seh-Reich. Weil das Ohr so nah an unserer Seele ist, weil es das Erste und Letzte ist, was uns zu Geschöpfen macht.

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Mo., 08.09.2025, 19:00–21:00 Uhr
Knotenpunkt „Nicäa“
Zur Entwicklung und Beziehung des christlichen und jüdischen Glaubens in den ersten drei Jahrhunderten
Prof. Jens Schroeter, Prof. Matthias Morgenstern
In Zusammenarbeit mit der Karl Rahner-Akademie
14,00 € | Anmeldung erforderlich | Nr. 1212B

Fr., 26.09.2025, 16:30–17:30 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst im Kölner Dom
Anlässlich des 1700-jährigen Geburtstages des Glaubensbekenntnisses von Nicäa mit einer musikalischen Uraufführung von
„Credo. Six Composers – Six Parts – One Christian Faith“
Ökumenischer Projektchor, Erzpriester Constantin Miron,
Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Köln

Fr., 26.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Unglaublich. Bekennen heute
Eine Soiree
Mit: Erzpriester Constantin Miron, Prof. Dirk Ansorge, Dr. Reiner Leister, LKR Markus Schaefer
Domforum, Domkloster 3

Mi., 08.10.2025, 20:00–21:30 Uhr
CREDO? Ich glaub schon
Ein Liederworkshop
Mechthild Brand, Helga Heyder-Späth, Antje Rinecker
Kostenfrei | Gemeindehaus der Ev. Christuskirche Köln-Dellbrück
Dellbrücker Mauspfad 345
Nr. 4214R

Das neue Kunstwerk zum christlich-jüdischen Verhältnis im Kölner Dom: Kunstbegriff auf dem Prüfstand

„Mit der Judensau steht neben der Glaubwürdigkeit der kirchlichen Umkehr

von 2000-jähriger Judenfeindschaft

auch unser Kunstbegriff insgesamt auf dem Prüfstand.“

Fotorechte; Hohe Domkirche Köln; Visualisierung: A. Büttner auf Basis einer Fotografie von C. Knieps

Marten Marquardt, ehemaliger Akademieleiter der Melanchthon-Akademie, hatte im Jahr 2002 zusammen mit Reiner Bernstein und anderen eine Tagung zum Thema „Gewalt im Kopf. Tod im Topf“ initiiert. Mit ihr war eine Kunstaktion verbunden. Der Aktionskünstler Wolfram Kastner ging vor dem Portal des Doms mit einem Schild um den Hals umher, auf dem stand: „Judensau!“. Mit der Empörung und der öffentlichen Aufmerksamkeit für die damals noch wenig bekannten antijüdischen Kunstwerke im Dom nahm eine Auseinandersetzung ihren Anfang, deren Meilenstein in diesem Jahr 2025 dazu geführt hat, dass wir von zahlreichen antijüdischen Artefakten im Dom wissen, die vom Mittelalter bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts führen. Von einer „ostentativen Ahnungslosigkeit“ bis in diese jüngste Zeit spricht daher zu Recht Bernd Wacker, ehemaliger Leiter der Karl Rahner-Akademie, der sich auf dem langen Weg seit 2002 bis zur Gegenwart maßgeblich für einen tiefgreifenden Weg der Umkehr im christlich-jüdischen Dialog eingesetzt hat.

Umso beglückender ist es, dass in diesem Jahr ein vom Domkapitel ausgerichteter internationaler Kunstwettbewerb im Kölner Dom stattfand – mit einem aufregenden Ergebnis. Das Kunstwerk der Berliner Künstlerin Andrea Büttner „Ohne Titel“ wurde ausgelobt und wird vom kommenden Jahr an in einer ständigen Intervention an der Stirnwand der Marienkapelle im Süden des mittelalterlichen Doms zu sehen sein. Es wird eine Wandmalerei mit dem Steinfundament des Thoraschreins aus der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge zeigen, die im 15. Jahrhundert nach der Vertreibung der Juden aus Köln in eine Ratskapelle umgewandelt wurde. In dieser Kapelle, die eigentlich die Synagoge der vertriebenen Juden ist, stand bis zur Zeit des 2. Weltkriegs der Altar der Stadtpatrone, der dann nach Zerstörung der Ratskapelle in den Dom wanderte. Das neu entstehende Bild des schwebenden Fundaments des Thoraschreins über dem christlichen Altar macht einen neuralgischen Punkt im jüdisch-christlichen Verhältnis sichtbar, zeigt eine offene Wunde in diesen Beziehungen und lässt den Altar der Stadtpatrone auch als Zeugnis beschämender christlicher Machtinteressen erkennen. Der Eingriff der Künstlerin spiegelt das jüdisch-christliche Verhältnis auf subtile Weise: Er reflektiert die Stadtgeschichte hinsichtlich des belasteten Verhältnisses und zeigt beispielhaft eine tiefe Verletzung – so hat es Abraham Lehrer, stellvertretender Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, ausgedrückt.

Die jüdische Gemeinde war – auch das ist eine beglückende Erfahrung – von Anfang an in die Initiative zu dem Kunstwettbewerb eingebunden, hat ihn mitgetragen, ebenso wie die Kölner Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region, der durch unsere Akademie in der Jury vertreten war.

„Unser Kunstbegriff steht auf dem Prüfstand.“ Wir sind in den 23 Jahren nach 2002 einem erneuerten Verhältnis von Christinnen und Juden ein Stück nähergekommen – und zwar nicht in theologischer Sprache, sondern im Medium zeitgenössischer Kunst.

VERANSTALTUNGSHINWEIS

Mo., 29.09.2025, 18:00–20:00 Uhr
Alte und neue Kunst – Zwischen Christen und Juden
M. Bock, D. Schaper, P. Füssenich, u. a.
Kostenlos | Nr. 1207B

Philosophische Praxis an der Akademie: Markus Melchers bringt uns den “Sinn auf Rädern”

Wer eine Philosophische Praxis gründet, weiß nicht, worauf er (oder sie!) sich einlässt. Dies galt schon 1998, als „Sinn auf Rädern“ startete. Und dies gilt auch heute noch. Wer eine Praxis gründet, muss wissen, mit welchem Angebot und welchen Fähigkeiten er am Markt (– ein Wort, das im Studium so gut wie nie vorkommt –) bestehen kann. Aber wie macht man das, ohne BWL-Studium, ohne Vorbereitung an der Uni? Und existiert für den Fall des Scheiterns ein „Plan B“? Diese Fragen, die auch heute noch von Absolvent:innen immer wieder gestellt werden, hat Markus Melchers sich auch gestellt. Seine Antwort darauf war die Veränderung des Konzepts von Philosophischer Praxis, das 1981 in Bergisch Gladbach vorgestellt wurde und bis heute Nachahmung findet.

Fotorechte: M. Melchers

Philosophische Hausbesuche, die schon in der äußeren Form die Distanz zu jedweder Therapieform ausdrücken, das war ein grundlegender Gedanke. Im Rahmen ambulanter Philosophie zeigt sich bis heute, dass wer zu Gast ist oder als Gastgeber:in den Praktiker, die Praktikerin einlädt, sich auch als Gast verhält und sich als Gastgeber:in eben nicht als Klient:in versteht. Gleichberechtigung und das Ernstnehmen der Position der Gesprächspartner:innen sind bei diesen Zusammentreffen die entscheidenden Kriterien. Abstraktionsakrobatik, Unverständlichkeit und Schulbildung sind fehl am Platz. Denn im Zentrum der Arbeit des Praktikers und der Praktikerin steht dasjenige philosophische Wissen, das für die individuelle Lebensführung bedeutsam ist oder es werden kann. Die daraus folgende argumentierende Beratung beruht auf diesen Voraussetzungen.

Der andere grundlegende Gedanke betraf die Namensgebung der Praxis. Nach einigem Nachdenken stand „Sinn auf Rädern“ fest – es ist einprägsam und verweist auf die Mobilität des Angebots. Damit aber ist noch nicht – und dies ist ein anderer wichtiger Punkt – der Schritt in die Öffentlichkeit getan. Denn was nutzt ein Praxisschild an der Haustür, wenn niemand so recht weiß, was eine Philosophische Praxis ist? Wo ist der Ort, an dem sich das grundlegende Verständnis des Philosophischen Praktikers von ihm selbst regelmäßig mitteilen lässt? Wie lässt sich dieses Verständnis so formulieren, dass es nicht nur die Expert:innen erreicht?

Das Philosophische Café Bonn, das am 17.07.1998 zum ersten Mal durchgeführt wurde und bis heute monatlich stattfindet, war dieser Schritt in die Öffentlichkeit. Hier konnten und können die Teilnehmenden den Praktiker, Markus Melchers, regelmäßig erleben. Dies und die bald einsetzende Berichterstattung, die sich nur wünschen, aber nicht herbeiführen lässt, waren die Elemente, die zu einiger Bekanntheit führten.

Auch Buch- und Essayveröffentlichungen (bis heute mehr als 50 zu verschiedenen philosophischen, soziologischen, künstlerischen Themen) trugen dazu bei, wie auch Einladungen zu Tagungen und Workshops. Katholische und evangelische Träger der Erwachsenenbildung, Firmen, Verbände, Akademien, Universitäten und Privatpersonen engagieren „Sinn auf Rädern“ bis heute, sodass dessen jährliches Output bei bis zu 200 Veranstaltungen liegt. Markus Melchers gründete die Philosophische Bücherschau Bonn und als Mitherausgeber auch das Fachmagazin „Leidfaden. Fachmagazin für Krisen, Leid, Trauer“. Seit 2020 erscheint seine monatliche Kolumne „Sinn und Sein“ im Bonner Stadtmagazin „Schnüss“.

Philosophische Praxis ermöglicht es uns, die Philosophie aus der Theorie und dem akademischen Elfenbeinturm in unsere konkrete Lebenswelt zu integrieren und hier anwendbar zu machen. Sie eröffnet Raum für Reflexion, Selbstverantwortung und Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt. Durch ihre Anwendungsbezogenheit hilft sie dabei, existenzielle Fragen, ethische Dilemmata oder persönliche Krisen mit klarem Denken und begrifflicher Schärfe zu beleuchten. Dies stärkt die Urteilskraft, fördert innere Klarheit und hilft, einen bewussteren, sinnstiftenden Lebensstil zu entwickeln.

Dafür steht auch Markus Melchers’ Angebot an der Melanchthon-Akademie: Seit einigen Jahren bietet er bereits und mit einiger Gegenliebe das Philosophische Café an der Akademie an, bei welchem die Gespräche, ohne den Umweg über eine bestimmte Theorie zu nehmen, sich direkt an die Menschen wenden, die auch die eigene Biografie zum Ausgangspunkt des Nachdenkens machen können. So können auch die verschiedenen Philosophien im Hinblick auf ihre Bedeutung für die eigene Lebensführung befragt werden. Eine philosophische Grundbildung ist dafür nicht notwendig, einzig die Freude am Nachdenken und gemeinsamen Sinnieren qualifiziert für die Teilnahme.

Inzwischen gibt es auch weitere Angebote, die sich auf bestimmte Philosoph:innen beziehen und tiefer in die Textarbeit einsteigen. Nach ethischen und sozialphilosophischen Auseinandersetzungen mit Immanuel Kant, Eva Illouz und Hannah Arendt wird in diesem Semester Martin Seel philosophisch bis politisch nach dem menschlichen Wohlergehen befragt.

VERANSTALTUNGSTIPPS

Do., 11.09., 09.10., 13.11., 11.12.2025, 19:00–21:00 Uhr
Das Philosophische Café
Das beliebte Format mit Markus Melchers
Markus Melchers
7,00 € je Termin | Nr. 6240F ff.

Di., 25.11.2025, 19:00–21:00 Uhr
Textseminar: Martin Seel
Wohlergehen – über einen Grundbegriff der praktischen Philosophie
Markus Melchers
10,00 € | Nr. 6244F

Weiterdenken – ein Jahr nach der ForuM-Studie

Tanz aus der Wunderkammer: Künstlerische Begleitung der Tagung durch Ulrike Oeter. Weiße Kinderkleider der Unschuld durchschreiten den Raum. Tanzende, springende Wesen voller Energie verzaubern. Schutzkleider und Mummenschanz treten in einen Dialog.

Tanz aus der Wunderkammer: Künstlerische Begleitung der Tagung durch Ulrike Oeter. Weiße Kinderkleider der Unschuld durchschreiten den Raum. Tanzende, springende Wesen voller Energie verzaubern. Schutzkleider und Mummenschanz treten in einen Dialog. Foto: U. Oeter

Der Studientag im März 2025 war ein Baustein, um konkrete Schritte hin zu einer traumasensibleren Kirche zu gehen und weiterzudenken. Entstanden sind Fragen, Ideen, Workshopwünsche:

  • Was brauche ich als Betroffene oder Überlebende, damit ich in Kirche und Gottesdienst das bekomme, was ich brauche?

  • Wie schaffen wir Räume/Atmosphären/Einstellungen und Strukturen, in denen die Scham die Seite wechselt?

  • Wie geht das mit Schuld, Wut, Trauer, Rachelust und Vergebung eigentlich wirklich?

  • (Wie) können wir Kirche in einem Gemenge von Täter:innen, Betroffenen, Verbündeten, Unterstützenden, Indifferenten, Bystandern leben?

  • Was verändert sich, wenn wir biblische Texte als Traumaliteratur lesen?

VERANSTALTUNGEN

Do., 27.11.2025, 10:00–12:00 Uhr
Sexualisierte Gewalt in der Kirche überwinden: welche Gottesdienste wollen wir feiern?
Wie klingt unsere Gottesdienstsprache im Ohr von Menschen mit Gewalterfahrungen? Wo haben Wut, Angst, nicht vergeben können Platz? Welche Gebete, Fürbitten, Lieder brauchen wir als Menschen mit unterschiedlichen Gewalterfahrungen? Ein Workshop nach der ForuM-Studie für Gottesdienstvorbereiter:innen und Interessierte.
Eli Wolf, Pfarrerin
9,00 € | Anmeldung erforderlich | Nr. 02515

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