Ab September geht’s in Köln und im Rhein-Erft-Kreis wieder stark zu – zumindest im theologischen Sinne. Die Melanchthon-Akademie startet ihr Bildungsprojekt „An den Kanten Stark“. Dabei geht es um große Fragen: Wo stehen wir als Gesellschaft? Wo wird’s brenzlig? Und wie können Religionen Brücken bauen?
Pfarrer Martin Bock leitet die Melanchthon-Akademie und hat das Projekt zusammen mit seinen Kolleginnen Dorothee Schaper und Antje Rinecker geplant: „Wir werden im September dieses Jahres ein schon sehr etabliertes Projekt wieder neu auflegen, was den bekannten Namen ,Stark‘ hat. Damit ist gemeint, dass theologisches Reden und Denken immer auf das Mit-Denken der Anderen angewiesen ist. Das „stärkt“. Theologie als Dialog-und Gemeinschaftsprojekt. Diesmal legen wir „Stark“ mit zwei regionalen und überregionalen Kooperationspartnern aus dem jüdischen und dem muslimischen Bereich auf. Was wir damit erreichen wollen, ist, sich zu vergegenwärtigen, dass wir an den großen Rissstellen oder Abbruchkanten, in denen wir im Moment gesellschaftlich stehen, mit möglichst einer Stimme sprechen oder zumindest auf eine abgestimmte gemeinsame Erzählung aus sind.“
Diese „Kanten“ sind für Martin Bock nicht nur ein Bild – sie stehen für echte Herausforderungen, bei denen die Religionsgemeinschaften auf eine neue Art Theologie zu treiben beginnen. Er erklärt: „Wir haben dieses Projekt ,An den Kanten‘ genannt und gehen eigentlich auf eine Erfahrung aus, die viele machen, die selber sozusagen an so einer Kante gestanden haben. Zum Beispiel Menschen aus dem Klimaaktivismus, die gesagt haben, wenn ich in einem Braunkohleabbaugebiet an einer Kante stehe, dann habe ich eine andere Spiritualität. Und dann sehe ich Geschichten aus der Bibel nochmal mit einer anderen Dringlichkeit und Aktualität.“
Theologie treiben, aber nicht im stillen Kämmerlein
Und diese Kanten erlebt Martin Bock auch persönlich – vor der eigenen Haustür: „Ich bekomme als Mensch, der in Pulheim wohnt, im Rhein-Erft-Kreis schon mit, dass das Thema, wie geht es in Zukunft im Rhein-Erft-Kreis weiter, wenn es den Braunkohleabbau nicht mehr gibt, von den Menschen unterschiedlich beurteilt wird. Wir sind alle von den großen Spannungen in der Welt, den Kriegen in Gaza, in der Ukraine, und so weiter, mitgenommen und suchen nach Einblicken und Perspektiven, die auch von den Texten der Heiligen Schriften geprägt und geleitet sind. Das wollen wir in diesem Stark-Kurs nochmal besonders intensiv, face-to-face, miteinander besprechen.“
Klingt intensiv – und das ist gewollt. Theologie treiben, aber nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Austausch der Religionen, mitten im Leben. Wer dabei sein will, muss kein theologisches Vorwissen haben – nur Lust auf neue Perspektiven und Begegnungen.
Weitere Infos gibt’s hier auf der Website der Melanchthon-Akademie. Hier können Sie den Flyer herunterladen.
Den Beitrag können Sie auch auf Radio Erft in der Sendung Himmel und Erde oder in der Mediathek von Studio Eck e.V. hören.

Martin Bock
Der Name „WenDo“ setzt sich aus dem englischen Wort(en) „when“ (für Zeitpunkt) und dem japanischen „Do“ (Weg) zusammen. Übersetzt bedeutet es sinngemäß: „Weg der Frauen“. WenDo wurde in den 1960er Jahren in Kanada entwickelt als Reaktion auf die gesellschaftsspezifischen Bedürfnisse und Erfahrungen von Frauen. Es entstand eine Methode, die Strategien zur Verhütung von Angriffen mit konkreter Verteidigung oder körperlicher Gegenwehr kombiniert.
WenDo ist ein explizit feministischer Ansatz. Die Methode geht davon aus, dass Gewalt gegen Frauen kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist. Frauen erfahren in allen gesellschaftlichen Machtverhältnissen die bestimmte Gruppen systematisch benachteiligen. WenDo setzt hier an, indem es Selbstermächtigung fördert und einen Raum schafft, in dem Erfahrungen ernst genommen und Handlungsstrategien gemeinsam entwickelt werden können.
Orange Days #Köln gegen Gewalt an Frauen
Das Haus der Kirche mit seinen wundervollen Räumen ist in den letzten eineinhalb Jahren ein Zuhause für die Melanchthon-Akademie geworden. Gleichzeitig gibt es immer noch viel zu entdecken. Deshalb haben wir uns entschieden, die 





Dafür steht auch Markus Melchers’ Angebot an der Melanchthon-Akademie: Seit einigen Jahren bietet er bereits und mit einiger Gegenliebe das Philosophische Café an der Akademie an, bei welchem die Gespräche, ohne den Umweg über eine bestimmte Theorie zu nehmen, sich direkt an die Menschen wenden, die auch die eigene Biografie zum Ausgangspunkt des Nachdenkens machen können. So können auch die verschiedenen Philosophien im Hinblick auf ihre Bedeutung für die eigene Lebensführung befragt werden. Eine philosophische Grundbildung ist dafür nicht notwendig, einzig die Freude am Nachdenken und gemeinsamen Sinnieren qualifiziert für die Teilnahme.