
Antje Rinecker, Studienleiterin bei der MAK.
Rückzug und Weltbezug, Stille und Gemeinschaft – christliche Spiritualität hat über Jahrhunderte hinweg Lebensformen hervorgebracht, in denen genau diese Spannungen fruchtbar wurden. Die Zisterzienser im Kloster Altenberg suchten sie ebenso wie die Kartäuser, die lange Zeit auf dem heutigen Gelände des Campus Kartause in der Kölner Südstadt lebten. An diese Tradition knüpft nun ein neues Projekt an: eine christliche Wohngemeinschaft, die geistliches Leben und gemeinschaftlichen Alltag miteinander verbindet.
Inspiriert von klösterlichen Lebensformen
Begleitet wird das Vorhaben von Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie und Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen. Die Idee ist über mehrere Jahre gewachsen. „Seit vier, fünf Jahren trifft sich eine Arbeitsgemeinschaft und überlegt, was für die Kölner Südstadt interessant sein könnte, wenn es Menschen gibt, die zusammen wohnen und auch ihr geistliches Leben teilen“, sagt Rinecker. Inspiriert ist die Wohngemeinschaft von der ökumenischen Community of Iona. Deren Spiritualität trennt Glauben und Alltag nicht, sondern versteht sie als untrennbar verbunden. Es geht um eine bewusste Lebensform, die Raum für Tiefe, Ruhe und Orientierung schafft – mitten im modernen Alltag.
Spirituelles Leben im Alltag verankern
„Viele klösterliche Gemeinschaftsbewegungen waren Versuche, das alltägliche Leben in gewisser Weise zu reparieren – also wieder zu dem zu finden, was wichtig ist“, erläutert Antje Rinecker. „In einer Gemeinschaft zu leben, die auch spirituelle Bedürfnisse teilt, kann zu mehr Ruhe und Tiefe führen und gleichzeitig in der Alltäglichkeit unserer modernen Welt guttun.“ Zum Campus Kartause gehört auch Lebensraum für diese christliche Wohngemeinschaft. Neun Personen leben dort in einer Gemeinschaft aus persönlichen Appartements und gemeinsam genutzten Bereichen – einem Wohn-, Ess- und Küchenbereich sowie einem Raum der Stille. Gemeinschaftliches Leben soll hier möglich sein – in aller Individualität und persönlichen Freiheit.
Für wen ist das Projekt gedacht?
Die Wohngemeinschaft versteht sich als ein offener Prozess. Getragen wird sie von der Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt, von der Überzeugung, dass Gemeinschaft verändernde Kraft hat, und von einem geistlichen Leben, dessen Formen sich im gemeinsamen Alltag entwickeln. Respekt, aufmerksames Hören, ehrliches Sprechen und Teilen prägen das Zusammenleben. Angesprochen sind insbesondere Menschen, die sich bewusst auf diese Form des Zusammenlebens einlassen möchten. „Wir denken an Menschen, die schon fortgeschrittener in ihrem Alter sind, bei denen die Zeit mit Kindern und Familie vielleicht vorbei ist – oder die sagen: Wir wollen uns auf das konzentrieren, was für uns im Leben wesentlich ist“, so Rinecker. Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 Quadratmetern inklusive der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis liegt voraussichtlich bei 18 Euro pro Quadratmeter (zzgl. Nebenkosten).
Weitere Informationen finden Interessierte unter www.campuskartause.de. Ansprechpartnerin ist Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, erreichbar unter rinecker@melanchthon-akademie.de