Monat: Januar 2026 (Seite 2 von 2)

Neue Debatten: Nachhaltiger und krisenresilienter leben

Wer nachhaltig lebt, lebt ökologischer und naturbezogener. So weit so klar. In den letzten Jahren ist mir noch ein weiterer Aspekt klargeworden, was „nachhaltig leben“ bewirken kann: Nachhaltigkeit führt zu einer höheren Krisenresilienz. Nachhaltigkeit und Krisenresilienz hängen eng zusammen, denn nachhaltige Strukturen sind langfristig stabiler, anpassungsfähiger und weniger verletzlich.

Regionale Lebensmittel und kurze Lieferketten, immer mehr Photovoltaik-Anlagen in privater Hand oder begrünte Wohnviertel sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bieten auch bei anhaltender Starkhitze, Stromausfällen oder Versorgungsengpässen wichtige Ressourcen, um klarzukommen.

Dieser Zusammenhang gilt auch umgekehrt, auch wenn er nicht so leicht gesehen wird. Wer für Krisen vorsorgen will, nutzt meistens Ressourcen, die eben nachhaltig sind. Zum Beispiel sich nachbarschaftlich zu unterstützen. Oder wissen, wer einem bestimmte Dinge leihen oder sie reparieren kann.

In diesem Zusammenhang erlebt ein Stichwort erlebt gerade einen Boom: „Solidarisch Preppen“. „Preppen“ bedeutet, sich auf mögliche Krisen so vorzubereiten, dass man einigermaßen gut versorgt ist: zum Beispiel mit Lebensmittelvorräten, Wasser und Energie. Neu ist die Idee des „Solidarischen Preppens“. Hier geht es nicht nur um materielle Vorsorge, sondern auch um soziale Kontakte und emotionalen Support, um nachbarschaftliche Unterstützung und die Stärkung von Infrastrukturen im Stadtteil. Wer gut vorgesorgt hat, kann andere unterstützen. Letztlich geht es um kollektive Krisenresilienz

Der Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Krisenresilienz ist spannend und noch gar nicht so stark im Blick. Wir wollen anfangen, diesen Blick zu schärfen und schauen, wie wir nachhaltiger & krisenresilienter leben können. Und dabei an der Idee eines „Guten Leben für Alle“ festhalten – selbst in harten Zeiten.

Kann ich die Welt reparieren? Christliche Wohngemeinschaft, öffentliches Beten und Entwicklungstage 2026

Reparierbar? Das ist das Thema, das sich durch das Programmheft der Melanchthon-Akademie im ersten Halbjahr 2026 zieht. Das Wort ist sehr konkret, handwerklich.  Ich kann mein Fahrrad reparieren, kleine Dinge zu Hause, schon beim Toaster wird es schwierig, von einem Auto ganz zu schweigen. Funktioniert das Reparieren auch im übertragenen Sinn? Kann ich die Welt reparieren? Oder menschliche Beziehungen, oder gar meine Beziehung zum Göttlichen?

Spirituelle Bewegungen sind genau dieser Versuch.

Drei Beispiele:

1.

Das alte und auch das neue Gebäude der Melanchthon-Akademie steht auf dem alten Klostergelände des Kartäuser Ordens, der im 14. Jahrhundert erkannte, dass Kontemplation nicht nur in einsamen Gebirgsgegenden wichtig ist, sondern besonders mitten in der Stadt. So kam es im 14.und 15. Jahrhundert zur Gründung von Stadtkartausen, wie hier in Köln. Ein Beitrag etwas zu reparieren? Vielleicht, bemerkenswert ist auf jeden Fall: Kirche ist nicht nur traditionell, Kirche ist der nächste Schritt.

2.

Im September 2025 führte eine Studienreise der Akademie nach Iona, Schottland. (Welcome to the Iona Community – A Christian ecumenical community) Die Iona-Community ist eine ökumenische, weltweit zerstreut lebende Gemeinschaft von Menschen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Ihr Zentrum haben sie in der alten Benediktiner-Abtei auf der Insel Iona, der Iona-Abbey. Alle Menschen, die dorthin kommen, bilden die Gemeinschaft und erleben Gemeinschaft auf Zeit in ihrer schönsten Form. Es ist das erklärtes Ziel der Community of Iona, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Ich übersetze das so: die Welt ein Stückchen zu reparieren.

Wir machen sie das? Ihre herausfordernde These heißt: nur in und mit Gemeinschaft können wir einen Beitrag zu Frieden und Gerechtigkeit leisten. Gemeinschaft/Beziehung ist ihr Werkzeug zur Reparatur.

Wie geht das konkret? Mit einer einladend, gastfreundlichen Haltung voller Respekt.

Wie sieht das aus? Im alten Refektorium sitzen während der Mahlzeiten immer 10 Menschen auf Bänken am langen Tisch. Ein Platz ist der „Head of the table“. Für diese Mahlzeit ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle eine angenehme Mahlzeit haben. Er achtet darauf, dass die Wasserkaraffen gefüllt sind, genug Brot auf dem Tisch steht, holt die Suppentassen und räumt am Ende den Tisch mit ab. Alle anderen dürfen ihre Mahlzeit einfach genießen. Sie wissen, bei einer der nächsten Mahlzeiten bin ich dran, denn diese Aufgabe wechselt durch.

Gelingende Gemeinschaft braucht respektvolle Kommunikation. Das ist ein Herzstück der Arbeit auf Iona. Respektvolle Kommunikation untereinander, mit der Mitwelt und der Ewigen. Auf Iona sind sich alle klar, dass sich unsere Sprache verändert und es Worte gibt, die nicht mehr für jede/n passen. Sie laden dazu ein, solche Worte zu ändern, tun dies auch selbst. Immer mit Respekt. Die Sprache in den Gottesdiensten ist mitten in der Welt von heute verankert, klar, schlicht und voller Schönheit. Für Jede/n ist ein Wort dabei, das berührt, Gottes Wirklichkeit transparent werden lässt. Ein Wort, das ermutigt diese Haltung, diese Erfahrung nach zu Hause zu tragen, in das eigene Leben.

3.

Diese Ermutigung trägt das Wohnprojekt: Gemeinsam leben – Wohnprojekt im Campus Kartause. Dort können ab Januar 2027 Menschen im Geist der Community of Iona kommunitär zusammen leben.

Hier finden Sie die Ausschreibung:

In der Südstadt von Köln entsteht auf dem Gelände der „Kartause“, des ehemaligen Kartäuserklosters, heute Sitz der Evangelischen Kirche in Köln und einer lebendigen Gemeinde, ein großer Campus – ein Haus der Bildung für Menschen in der langen Spanne des Erwachsenenseins, dazu Wohnraum für Studierende, für Menschen mit und ohne Einschränkungen und vieles mehr. (Home – Campus Kartause)

Es entsteht Raum für gemeinsames Leben, in aller Individualität und persönlichen Freiheit.

Inspiriert von der Vision der ökumenischen Community of Iona (Welcome to the Iona Community – A Christian ecumenical community), und in der Überzeugung, dass Gemeinschaft verändernde Kraft hat, starten wir ein Wohnprojekt, das Anfang 2027 bezugsfertig ist.

Das wollen wir teilen:

  • Wir teilen unsere Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt, in der das Leben für alle Geschöpfe blühen kann.
  • Wir teilen Gemeinschaft, die sich als ein offener Prozess versteht.
  • Wir teilen geistliches Leben, dessen Formen sich in unserer Gemeinschaft entwickeln werden.

Wir vertrauen dabei auf die verändernde Kraft einer Gemeinschaft, die respektvoll miteinander umgeht, im Hören, Sprechen und Teilen.

Es gibt 9 Appartements und gemeinschaftliche Räume wie Küche und Essbereich.
Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 qm incl. der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis pro qm beträgt voraussichtlich 18,-€ ohne Nebenkosten.
Wir erwarten, dass sich Interessierte zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zu einem Zusammenleben mit der Gruppe verpflichten.

Wenn Sie/Dich das interessiert, können hier Fragen gestellt oder eine Interessensbekundung abgeben werden: rinecker@melanchthon-akademie.de

Text: Anje Rinecker

 

Programmhighlights

„Ihre Verbindung wird gehalten“. Workshop zum öffentlichen Beten

Holger Pyka.

Holger Pyka.

„Die Sitzung endet mit Gebet“, so heißt es in vielen Sitzungsprotokollen. Nur: Irgendjemand muss es ja machen. Wie kann ich für den gemeindlichen Alltag (und mein persönliches Leben) Gebete formulieren, die einladend sind, theologisch und geistlich weit, aber auch konzentriert, und die andere zum eigenen Mitbeten ermutigen? Wir tasten uns an eigene Worte heran, probieren aus, stellen um, verwerfen oder behalten. Und stellen (hoffentlich) fest: Es geht. Unsere Verbindung wird gehalten…

Mi, 11.03. 19-21 Uhr

Pfr. Dr. Holger Pyka
Antje Rinecker

Kostenfrei, Melanchthon-Akademie, Sachsenring 5, 264124R

 

Integrale Entwicklungstage “Siehe ich mache alles neu“

Do-So, 23.07.-26.07.2026
Beginn Do. 13 Uhr, Ende So. 13 Uhr

Wandel und Transformation in unserer verletzlichen Welt

Die Integralen Entwicklungstage 2026 öffnen über vier Tage einen gemeinsamen Prozess von Wandel und Transformation. Es entsteht ein Erfahrungsraum für Menschen, die den integralen Weg christlicher Spiritualität leben und vertiefen wollen – eine Spiritualität, die neue Tiefe erfahrbar macht und das transformative Potenzial für unser Leben und die Welt erschließt. Wir erkunden theologisch integral die Begriffe Wandel und Transformation mit Tilmann Haberer und Marion Küstenmacher.

Frühbucherpreis 525 €, Haus Klara, Kloster Oberzell, D-97299 Zell am Main bei Würzburg, Nr. 4119Ra

„Menschenrechte stark machen! Menschenrechte machen stark!“: Interview mit Maike Nadar

Maike Nadar.

Maike Nadar.

Maike Nadar ist Expertin im Bereich Kinder- und Menschenrechte. Seit mehreren Jahren ist sie enge Kooperationspartnerin der Melanchthon-Akademie in diesem Themenfeld. Studienleiter Dr. Stefan Hößl führte ein Gespräch mit ihr.

Maike, seit Langem arbeitest Du mit der MAK zusammen im Themenfeld „Menschenrechte“. Zusammen haben wir z. B. einen Fachtag zur Kritik des Antisemitismus gestaltet und im Rahmen der Reihe „Liebe ist politisch!“ hast Du ein menschenrechtlich fundiertes Plädoyer für den Respekt vor unterschiedlichen Formen der Liebe formuliert hast. Viele Menschen aus dem Akademie-Umfeld kennen Dich insofern schon. Für die anderen: Bitte stelle Dich kurz vor.

Maike Nadar: Ich bin Sozialarbeiterin. Seit 2024 baue ich – zusammen mit Anna Bahr – an der Universität Rostock das Transferzentrum Kinderrechte & Kinderschutz auf. Im Zentrum unserer Arbeit stehen Kinder und Jugendliche als Rechtssubjekte und Gestalter:innen unserer Gesellschaft. Wir setzen uns dafür ein, die Menschenrechte von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft bekannter zu machen und umzusetzen.

Auf Menschenrechte wird immer wieder Bezug genommen. Um was genau geht es da?

Maike Nadar: Menschenrechte sind Rechte, die allen Menschen gleichermaßen allein aufgrund ihres Menschseins zustehen und in der Würde eines jeden Menschen gründen. Wie in der UN-Behindertenrechtskonvention beschrieben, muss es allen Menschen ermöglicht werden, ein Bewusstsein ihrer Menschenwürde zu entwickeln.

Wenn Du auf die aktuellen Entwicklungen blickst – wie nimmst Du diese wahr?

Maike Nadar: Ich ziehe eine sehr nüchterne Bilanz. Es steht sehr ernst um Menschenrechte, Freiheit und Demokratie! Menschenrechte waren nie auch nur halbwegs verwirklicht, aktuell befinden sie sich in einer fundamentalen Krise. Mit Rückschlägen musste immer gerechnet werden. Die Idee der Menschenrechte wurde in der Vergangenheit von einem Glauben an eine langsame, aber stetig positive Entwicklung getragen. Dieser Rückenwind scheint aktuell auszubleiben, wie Heiner Bielefeldt, der von 2010 bis 2016 Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats war, attestiert.

… trotzdem sollte an der Idee der Menschrechte unbedingt festgehalten werden…

Maike Nadar: Ja klar. Es gibt gute Gründe für mehr menschenrechtliches Selbstbewusstsein! Denn Menschenrechte sind plausibel und haben Überzeugungskraft. Wir müssen Menschenrechte ernst nehmen, denn menschenrechtliche Verträge sind mehr als politische Ziele oder ethische Leitlinien. Sie sind in Deutschland bindendes Recht. Menschenrechte leben von Menschen, die von ihrem Sinn überzeugt und bereit sind, politisch dafür einzustehen und deren Plausibilität immer wieder argumentativ darzulegen, gegen Angriffe, Missverständnisse, Verdrehungen und Einwände zu verteidigen. Menschenrechte stellen, mit Waltraut Kerber-Ganse gesprochen, eine Vision und einen Maßstab dar, der schon heute gilt und „der im Hier und Jetzt“ umzusetzen ist. Es geht bei Menschenrechten um Standards, die neben der juristischen und ethischen auch eine politische Dimension besitzen, aus denen gesellschaftliche Konsequenzen resultieren, die nicht vergessen werden dürfen. In der Quintessenz bedeutet das: Menschenrechte machen stark, aber wir müssen uns immer wieder auch für sie stark machen!

Fachtag Menschenrechte. Jetzt erst RECHT!

Mit Prof. Dr. Janieta Bartz,
Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt,
Prof. Dr. Christoph Gille,
Saloua Mohammed,
Maike Nadar &
Prof. Dr. Joachim Söder.

Mi, 29.04. 12-20 (10 UStd)

Dieser Kurs kostet 10 Euro

Nr. 2129H

Haus der Ev. Kirche, Kartäusergasse 9-11

20 Jahre Kölner Friedensverpflichtung: Was sagen Sie dazu?

Vor 20 Jahren unterzeichneten VertreterInnen aus Synagoge, Kirche und Moschee und der Stadt Köln im historischen Rathaus die Kölner Friedensverpflichtung. Hat diese Verpflichtung heute noch Bedeutung? Wo wird sie in der Kölner Region in die Tat umgesetzt? Kennen Sie Beispiele? Wir sammeln sie und möchten sie sichtbar machen. Lassen Sie es uns wissen und senden ihre Beispiele oder Kommentare an:  schaper@melanchthon-akademie.de

Köln, am 29.10. 2006:

Täglich werden zahllose Menschen Opfer von Fanatismus, Krieg und terroristischen Anschlägen. Menschen werden getötet, misshandelt und entwürdigt. Religion wird immer wieder für die Anwendung von Terror instrumentalisiert und missbraucht. Die Gewalt und der Hass, der Terror und die Kriege in der Welt erschüttern uns und fordern uns zur Besinnung und zum Handeln heraus.

Als jüdische, christliche und muslimische Frauen und Männer erklären wir, dass Gewalt und Terror um Gottes Willen nicht sein dürfen und dem authentischen Geist unserer Religionen widersprechen. Unsere Religionen zielen auf ein friedliches und konstruktives Zusammenleben aller Menschen gleich welcher Religionszugehörigkeit.  Für uns gilt unverrückbar: Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar: die Würde eines jeden Kindes, jeder Frau und jedes Mannes.

Als Religionsgemeinschaften verpflichten wir uns:

  • jeder Verhetzung und Erniedrigung von Menschen entgegenzutreten
  • für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und ethnischer Gruppen einzutreten und Menschen zusammenzuführen, die bislang den Kontakt zu anderen gescheut haben,
  • den anderen zuzuhören und die Ängste der anderen ebenso wahrzunehmen wie die eigenen,
  • unseren Beitrag für eine Gesellschaft zu leisten, die nicht nur durch Toleranz, sondern von Respekt und Achtung geprägt ist,
  • eine Gesellschaft mitzugestalten, in der alle Religionsgemeinschaften, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, ihren unumstrittenen Platz haben,
  • in der Erziehung zum Abbau von Vorurteilen und zu gegenseitigem Verständnis zu wirken,
  • zur Verständigung, zur Begegnung und zu einem Dialog der Religionen, der Gemeinsamkeiten entdecken hilft und Verschiedenheiten achtet.

Mit unserer ganzen Kraft wollen wir dazu beitragen, dass Hass und Gewalt überwunden werden und Menschen in unserer Stadt Köln und überall auf der Welt in Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit leben können.

Gemeinschaften und Initiativen ebenso wie einzelne Personen jeden Glaubens und jeder Weltanschauung laden wir ein, sich dieser Verpflichtung anzuschließen und in ihrem Sinne zu wirken.

Erstunterzeichner im Historischen Rathaus zu Köln, am 29. 10. 2006:

  • Synagogen-Gemeinde Köln
  • Katholisches Stadtdekanat Köln
  • Katholikenausschuss in der Stadt Köln
  • Evangelischer Kirchenverband Köln und Region
  • Türkisch-islamische Union Köln /DITIB
  • Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Köln
  • Oberbürgermeister der Stadt Köln

ROOM OF ONE: Das multireligiöse Nachmittagsgebet lädt ein

Aus klösterlicher Tradition in die Gegenwart – Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Antje Rinecker, Studienleiterin bei der MAK.

Rückzug und Weltbezug, Stille und Gemeinschaft – christliche Spiritualität hat über Jahrhunderte hinweg Lebensformen hervorgebracht, in denen genau diese Spannungen fruchtbar wurden. Die Zisterzienser im Kloster Altenberg suchten sie ebenso wie die Kartäuser, die lange Zeit auf dem heutigen Gelände des Campus Kartause in der Kölner Südstadt lebten. An diese Tradition knüpft nun ein neues Projekt an: eine christliche Wohngemeinschaft, die geistliches Leben und gemeinschaftlichen Alltag miteinander verbindet.

Inspiriert von klösterlichen Lebensformen

Begleitet wird das Vorhaben von Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie und Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Altenberg/Schildgen. Die Idee ist über mehrere Jahre gewachsen. „Seit vier, fünf Jahren trifft sich eine Arbeitsgemeinschaft und überlegt, was für die Kölner Südstadt interessant sein könnte, wenn es Menschen gibt, die zusammen wohnen und auch ihr geistliches Leben teilen“, sagt Rinecker. Inspiriert ist die Wohngemeinschaft von der ökumenischen Community of Iona. Deren Spiritualität trennt Glauben und Alltag nicht, sondern versteht sie als untrennbar verbunden. Es geht um eine bewusste Lebensform, die Raum für Tiefe, Ruhe und Orientierung schafft – mitten im modernen Alltag.

Spirituelles Leben im Alltag verankern

„Viele klösterliche Gemeinschaftsbewegungen waren Versuche, das alltägliche Leben in gewisser Weise zu reparieren – also wieder zu dem zu finden, was wichtig ist“, erläutert Antje Rinecker. „In einer Gemeinschaft zu leben, die auch spirituelle Bedürfnisse teilt, kann zu mehr Ruhe und Tiefe führen und gleichzeitig in der Alltäglichkeit unserer modernen Welt guttun.“ Zum Campus Kartause gehört auch Lebensraum für diese christliche Wohngemeinschaft. Neun Personen leben dort in einer Gemeinschaft aus persönlichen Appartements und gemeinsam genutzten Bereichen – einem Wohn-, Ess- und Küchenbereich sowie einem Raum der Stille. Gemeinschaftliches Leben soll hier möglich sein – in aller Individualität und persönlichen Freiheit.

Für wen ist das Projekt gedacht?

Die Wohngemeinschaft versteht sich als ein offener Prozess. Getragen wird sie von der Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt, von der Überzeugung, dass Gemeinschaft verändernde Kraft hat, und von einem geistlichen Leben, dessen Formen sich im gemeinsamen Alltag entwickeln. Respekt, aufmerksames Hören, ehrliches Sprechen und Teilen prägen das Zusammenleben. Angesprochen sind insbesondere Menschen, die sich bewusst auf diese Form des Zusammenlebens einlassen möchten. „Wir denken an Menschen, die schon fortgeschrittener in ihrem Alter sind, bei denen die Zeit mit Kindern und Familie vielleicht vorbei ist – oder die sagen: Wir wollen uns auf das konzentrieren, was für uns im Leben wesentlich ist“, so Rinecker. Die Appartements haben eine Größe von 59 bis 83 Quadratmetern inklusive der Anteile an den Gemeinschaftsflächen. Der Mietpreis liegt voraussichtlich bei 18 Euro pro Quadratmeter (zzgl. Nebenkosten).

Weitere Informationen finden Interessierte unter www.campuskartause.de. Ansprechpartnerin ist Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, erreichbar unter rinecker@melanchthon-akademie.de

REPARIERBAR?! Herzlich willkommen im neuen Semester der Melanchthon-Akademie!

Lea Braun.

Lea Braun.

„Melt down“. Mit diesem Titel habe ich meine Eis-Kunst im Raum für Risse überschrieben, die jetzt unser Titelbild ist. Über den Tag veränderte sich durch den Schmelzprozess die Form, die festgefrorenen Glasmurmeln lösten sich, fielen auf den Boden.

Für mich war es ein großes Geschenk, die Besucher:innen an diesem Tag zu beobachten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihre Resonanzen und Assoziationen zu hören. Es hat mich tief berührt.

Das Kunstwerk entstand aus meinen eigenen biografischen und aus den gesellschaftlichen Rissen, die ich wahrnehme. Aus dem Gefühl der Ohnmacht diesen großen gesellschaftlichen Krisen gegenüber. Diskursverschiebungen, Rechtsruck, Klimakrise. Demokratische Grundannahmen zerfließen vor unseren Augen. Aggregatzustände verändern sich.

Ich sehe Risse, manchmal so tief, dass ich aufpassen muss, nicht von ihnen verschluckt zu werden.

Aber ich verweigere mich der Resignation: Ich sehe auch Widerständigkeit und Trotz. Ich sehe Verbindung und Freude. Ich sehe Schönheit. Ich sehe Reparaturversuche.

Nachdem wir im letzten Programm einen Blick auf die Risse gewagt haben, wollen wir in diesem Semester einen Schritt weitergehen. Es geht um die Frage der Reparatur. Wir forschen, was repariert werden kann – und was nicht. Was neu gedacht werden muss – und wie.

Gemeinsam wollen wir erkunden, wie wir in dieser Welt, die ständig aufreißt und Risse zu Tage fördert, Verantwortung übernehmen und Handlungsspielräume schaffen können. Wir wollen schauen, welche Möglichkeiten im Reparieren liegen. Hierzu laden wir Sie schon jetzt in die UN/REPARIER/BAR am 13.06.2026, 17 Uhr in den Innenhof des Hauses der Ev. Kirche ein.

Bis dahin ist auch unsere Kollegin Dorothee Schaper wieder dabei. Von Januar bis Mai 2026 wird sie beurlaubt sein und sich u.a. an dem Begleitprogramm des Weltrates der Kirchen in Israel und den palästinensischen Gebieten (EAPPI) beteiligen. Wir wünschen ihr alles Gute und sind gespannt auf ihre Berichte.

Ihnen nun viel Vergnügen beim Durchsehen des Programmheftes und ich freue mich, wenn wir Sie bald bei uns im Haus begrüßen dürfen.

Für das Team der Akademie
Lea Braun

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