Monat: Dezember 2025

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause – Interview mit Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie

Martin Bock

Martin Bock

Auf dem Gelände des Campus Kartause, dem ehemaligen Kartäuserkloster in der Kölner Südstadt, entsteht ein neues gemeinschaftliches Wohnprojekt: eine christliche Wohngemeinschaft. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge geschlossen werden.
Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, spricht darüber, wie aus persönlichen geistlichen Erfahrungen, ökumenischer Spiritualität und dem Wunsch nach neuen gemeinschaftlichen Lebensformen die Vision einer christlichen Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause entstanden ist.

Wie ist die Idee entstanden, auf dem Campus Kartause eine christliche Wohngemeinschaft aufzubauen?

Martin Bock: Das hat in meinem Kopf verschiedene Wurzeln: Zunächst habe ich selbst mit kommunitärem Leben positive Erfahrungen gemacht. Während meines Studiums habe ich für ein Jahr in einer ökumenischen Wohngemeinschaft gelebt, die mit einem Benediktiner-Kloster verbunden war. Das gemeinsame Gebet und die vielen ökumenischen Erfahrungen, die hier zusammenflossen, haben mich sehr geprägt, und der Gedanke, ob ein modernes ‚gemeinsames Leben‘ weitgehend dem Katholizismus vorbehalten sein muss, hat mich immer wieder beschäftigt. Dann erzählte mir der ehemalige Kölner Citykirchenpfarrer Bertold Höcker, der u.a. von der  skandinavischen lutherischen Theologie geprägt war, vor etlichen Jahren von seiner Vision, dass die Kartause, das ehemalige Kartäuserkloster, doch eigentlich wieder ein evangelisches Stadtkloster beherbergen könnte. Für ihn würde sich so ‚ein Bogen schließen‘. Zu Recht knüpfte er an die vielen evangelischen Kommunitäten an, die sich seit der Reformation bis in die Gegenwart auf unterschiedlichste Weise gebildet haben.

Wie ging es weiter?

Martin Bock: Als dann der Vorstand des Ev. Kirchenverbandes den Stein für den Campus Kartause ins Rollen brachte, haben Bernhard Seiger und ich uns über diese Fragen ausgetauscht und gemerkt, wie ähnlich unsere Gedanken dazu sind. Der Stadtsuperintendent hat den Impuls dann sehr konkret in die architektonischen Planungen eingebracht, die auch für das Büro Kaspar Kremer innovativ waren. Zugleich haben wir zu diesem Zeitpunkt eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen, in der sich Menschen treffen, die die Sehnsucht nach neuen gemeinsamen Wegen in der Spiritualität verbindet. In dieser Weggemeinschaft ging es zunächst um uns. Immer wieder – denn der Planungs- und Bauprozess für den Campus schritt voran – tauchte aber auch die Frage auf: Wer könnte die geplante christliche Wohngemeinschaft beleben, wer könnten ihre Initiator*innen sein? Wir haben im Lauf der letzten Jahre verschiedene Wohngemeinschaften nach Köln eingeladen, uns ihre Gründungs- und Entwicklungsgeschichten erzählen lassen und versucht daraus zu lernen. Der ‚Schlussstein‘ war die Idee, das Wohnprojekt mit der Spiritualität der Iona-Community zu verknüpfen. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Spiritualität von einer ‚neuen Sprache‘ lebt, die unsere heutigen Themen aufgreift und sie mit dem lebendigen Gott verknüpft.

Was begeistert Sie persönlich an dieser Vision?

Martin Bock: Zunächst muss ich sagen: Ich bin mir dessen bewusst, wie sehr diese Vision aus unseren sehr subjektiven (geistlichen) Erfahrungen herrührt. Das macht sie angreifbar, weil sie vielleicht mit den Erfahrungen und mit den Sehnsüchten anderer nicht zusammenpasst! Und ich bin mir dessen bewusst, dass eine Wohngemeinschaft eigentlich von denen her wachsen muss, die das Wagnis ‚Zusammenwohnen‘ eingehen. Wir können also NICHT FÜR ANDERE DENKEN UND PLANEN, sondern nur Rahmenbedingungen schaffen. Wir können mit der Einladung zu dem Projekt Worte setzen, die Sehnsüchte freisetzen und ihnen „Futter geben“. Die Erfahrungen, die daraus beim gemeinsamen Leben entstehen, können wir nicht vorwegnehmen. Deshalb ist es im Moment auch sehr wichtig, dass wir den Interessierten vermitteln: Wir lassen euch bei eurer Aufgabe, das gemeinsame Wohnen anzugehen und auszuprobieren, nicht allein! Wir stehen ‚hinter euch‘, wohlwollend und zusammen mit Menschen, die Erfahrung in geistlicher Weggemeinschaft mitbringen.

Gibt es bereits Interessierte?

Martin Bock: Ja, es gibt drei Menschen, die sich aus jeweils persönlichen Gründen sehr gut vorstellen können, in diesem christlichen Wohnprojekt mitzumachen. Das ist ein Wagnis, und ich habe davor große Hochachtung. Aber die WG hat neun Plätze, und wir benötigen in den nächsten Wochen mehr Öffentlichkeit, damit diese Botschaft möglichst viele potentiell Interessierte erreichen kann.

Mehr Infos:

Die Wohnflächen der Appartements liegen zwischen 59 und 83 Quadratmetern inklusive anteiliger Gemeinschaftsräume. Der Mietpreis beträgt voraussichtlich 18 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. Kontakt für Interessierte: rinecker@melanchthon-akademie.de

Gemeinschaft neu denken: Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Entdecken Sie vielfältige Bildungsformate im neuen Programm 1/ 2026 der Melanchthon-Akademie!

Über das Reparieren von Rissen, kollektive Krisenresilienz und Widerstand für die Demokratie.

Soeben ist das neue Programm der Melanchthon-Akademie für das erste Halbjahr 2026 erschienen. Neben den vielen bekannten und bewährten theologischen, gesellschaftspolitischen und kulturellen Fokussierungen finden sich im aktuellen Programm viele neue Akzente. In allen Fachbereichen der Akademie ist den Verantwortlichen klar: Ein zentrales Anliegen ist und bleibt das Engagement für Demokratie, Frieden und Nachhaltigkeit. Denn all das ist gerade mehr bedroht denn je.

Doch mittlerweile drängen sich auch neue Fragen auf: Was, wenn nicht alles gut geht? Wie können wir als Gesellschaft resilienter in der Krise werden? Eines der Highlights im kommenden Programm ist in diesem Zusammenhang der Fachtag „ÜberLeben in Kollapsen“ am 5. Februar 2026, bei dem die Rolle von Kirche und Diakonie in Krisenzeiten ausgelotet wird.

Die un/reparier/bar am 13. Juni 2026 ab 17 Uhr im Innenhof des Hauses der Ev. Kirche erkundet, wie Menschen in unserer Lebenswelt, die ständig Risse zu Tage fördert, Verantwortung übernehmen und Handlungsspielräume schaffen können. Nachdem die Akademie im letzten Programm „Risse“ in den Mittelpunkt  gerückt  hat,  richtet  sich  der  Blick  nun  auf  die

„Un-/Reparierbarkeit“. Was kann repariert werden – und was nicht? Was muss neu gedacht werden – und wie? Welche Möglichkeiten liegen im Reparieren?

Auch im theologischen Bereich liegt ein Fokus in diesem Themenfeld: Vor dem Hintergrund der Gefährdungen von Demokratie fragt ein mehrteiliges Seminar:

„Brauchen wir eine Theologie des Widerstandes?“. Angesichts des Ringens um eine aktuelle Friedensethik widmen sich zwei Veranstaltungen (in Kooperation mit  der  Karl  Rahner-Akademie)  dem  Mentalitätswandel  zwischen

„Friedensfähigkeit“ und „Kriegstüchtigkeit“. „Friedensbotschafter oder Konfliktverschärfer? Die evangelischen Kirchen und der Nahostkonflikt“ ist der Titel eines Diskussionsforums, das die Akademie gemeinsam mit der AntoniterCityKirche anbietet.

Wir laden Sie herzlich ein!

Unser neues Programm ist ab sofort online sowie in gedruckter Version an der Melanchthon Akademie erhältlich: www.melanchthon-akademie.de. Die Anmeldung ist telefonisch, schriftlich per Mail, Fax, Post oder online möglich.

Reklamier:

Die Melanchthon-Akademie des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region ist eine anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung im Sinne des WBG-NRW und hält ein umfangreiches und vielseitiges Programm vor. In der Kölner Südstadt gelegen hat die Melanchthon-Akademie im Sinne Ihres Namensgebers Philipp Melanchthon den Auftrag, Bildungsangebote zwischen Himmel und Erde zu ermöglichen. In der Akademie arbeiten 13 hauptamtliche Mitarbeiter:innen und rund 150 Dozent:innen, in jedem Semester finden rund 300 Angebote statt.

Kontakt:

Melanchthon-Akademie Köln | Dr. Martin Bock (Akademieleiter)

Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause: Was ist die ökumenische Community of Iona?

Die Iona-Kommunität ist eine christliche Gemeinschaft von Menschen, die für eine gewisse Zeit in einer alten Benediktinischen Abtei mit dazugehöriger Klosteranlage auf der schottischen Insel Iona lebt.

Die Iona-Kommunität ist eine christliche Gemeinschaft von Menschen, die für eine gewisse Zeit in einer alten Benediktinischen Abtei mit dazugehöriger Klosteranlage auf der schottischen Insel Iona lebt.

Auf dem Gelände des Campus Kartause, dem ehemaligen Kartäuserkloster in der Kölner Südstadt, entsteht ein neues gemeinschaftliches Wohnprojekt: Eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge geschlossen werden.

Was ist die ökumenische Community of Iona?

Es handelt sich um eine christliche, überkonfessionelle  Gemeinschaft von Menschen aus allen Kontinenten, die ihr Zentrum in einer alten Benediktinischen Abtei mit dazugehöriger Klosteranlage auf der schottischen Insel Iona hat (Foto). Dort leben Menschen zwischen sieben Wochen bis drei Jahren in einfachen Verhältnissen zusammen. Ziel ihrer Arbeit ist es, das christliche Zeugnis in der Mitverantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu leben. Die Gemeinschaft tut das unter anderem durch neue Gottesdienstformen und Lieder sowie den Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. In der Gemeinschaft von Iona sind lesbische und schwule, bi-,trans-, intersexuelle und queere Menschen (LSBTIQ) herzlich willkommen. 260 Mitglieder, 1600 assoziierte Mitglieder und 1600 Freunde bilden weltweit die Gemeinschaft von Iona – dort, wo sie leben und ihr Christsein teilen.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der (englischsprachigen) Internetseite der Community:

https://iona.org.uk/

Gemeinschaft neu denken: Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Iona-Andacht in der Kartäuserkirche: Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit im Einklang mit der Natur

Gemeinschaft neu denken: Christliche Wohngemeinschaft auf dem Campus Kartause

Auf dem Gelände des Campus Kartause, dem ehemaligen Kartäuserkloster in der Kölner Südstadt, entsteht ein neues gemeinschaftliches Wohnprojekt: Eine christliche Wohngemeinschaft, die sich an der Vision der ökumenischen Community of Iona orientiert. Das Wohnprojekt wird Anfang 2027 bezugsfertig sein; bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge geschlossen werden.

Martin Bock, Leiter der Melanchthon-Akademie, kündigte auf der Verbandsvertretung des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region an: „Wir werden konkret Menschen suchen, die sich einbringen wollen und mit denen, die sich dazu schon entschlossen haben, in Kontakt treten möchten.“

Drei Grundregeln stehen bereits fest: ein gemeinsamer Abend pro Woche, regelmäßige Treffen mit dem Iona-Freundeskreis, Engagement bei spirituellen Angeboten im „Raum der Stille“ auf dem Campus Kartause oder in der Kartäuserkirche.

Antje Rinecker, Studienleiterin der Melanchthon-Akademie, beschreibt, wie gemeinschaftliches Wohnen mit spiritueller Tiefe Einsamkeit begegnen und eine nachhaltige Form von Gemeinschaft ermöglichen kann. „Gesellschaftlich gibt es in meinen Augen zwei Themen, die viele Menschen im Alltag umtreiben: Einsamkeit und Wohnen. Darin liegt die große Stärke des Projekts“, sagt Rinecker. „Menschen teilen ihr alltägliches und ihr geistliches Leben. Das verbindet, schafft Vertrauen, Miteinander – und vielleicht sogar Kreativität und Engagement.“ Gleichzeitig böten die Appartements genügend Rückzugsmöglichkeiten.

Das verbindliche, geistlich geprägte Miteinander gehe über eine klassische Wohngemeinschaft hinaus. Die Grundideen der Community of Iona prägen auch das Kölner Projekt: Gebet, Bibelstudium, ein verantwortlicher Umgang mit Zeit und Geld sowie Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Diese Werte seien, so Rinecker, „hochaktuell für die Kölner Südstadt“. Besonders wertvoll sei die Möglichkeit zur kollegialen Beratung im Umgang mit Ressourcen: „Im konstruktiven Austausch können neue Perspektiven entstehen, auf die man alleine gar nicht kommt.“

Was Interessierte mitbringen sollten

Für ein gelingendes Miteinander seien Bewusstsein für eigene Bedürfnisse und Fähigkeiten ebenso wichtig wie Freude am geistlichen Austausch: „Wer gemeinschaftlich leben will, sollte sich darüber bewusst sein: Was brauche ich und was kann ich geben? Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues, das erscheint mir ein guter Mix“, so Rinecker.

Das Wohnprojekt umfasst neun Appartements sowie großzügige Gemeinschaftsbereiche mit Küche und Essbereich. Die Wohnflächen der Appartements liegen zwischen 59 und 83 Quadratmetern inklusive anteiliger Gemeinschaftsräume. Der Mietpreis beträgt voraussichtlich 18 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. Interessierte sollten sich idealerweise für mindestens drei Jahre zum gemeinschaftlichen Leben verpflichten.
Kontakt für Interessierte: rinecker@melanchthon-akademie.de

Ein Geschenk für Kopf und Herz: Bildungsgutscheine verschenken!

Jetzt zu Weihnachten Bildungsgutscheine der Melanchthon-Akademie verschenken! Im Programm der Akademie finden sich philosophische Gespräche, Seminare zu Glaubensfragen und auch kreative Workshop-Formate zum Zeichnen, Tanzen oder Schreiben. Mit einem Bildungsgutschein können die Beschenkten frei wählen, an welchen Veranstaltungen sie teilnehmen möchten.

Ab sofort können die Gutscheine zu unseren Geschäftszeiten in der Geschäftsstelle der Akademie am Sachsenring 6, 50677 Köln, erworben werden. Den Wert des Gutscheins können Sie selbst bestimmen.

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns gerne unter 0221/931803-0 an oder senden Sie uns eine Mail an anmeldung@melanchthon-akademie.de.

Wohnprojekt im „Campus Kartause“: Warum Antje Gensichen Teil der neuen Kommunität werden möchte

Auf dem Gelände des Campus Kartause, des ehemaligen Kartäuserklosters, ist eine evangelische Kommunität geplant. Bereits Anfang des kommenden Jahres können die ersten Mietverträge unterschrieben werden. Antje Gensichen möchte dort einziehen. Sie hat viele Jahre das Café Lichtblick in Köln Stammheim geleitet, war dreieinhalb Jahre in Wuppertal in der Stadtmission und hat dort das Café Prio eröffnet. Nun hatte sie ein halbes Jahr Auszeit und ist den Camino gegangen, von Wuppertal bis nach Santiago.

Warum haben Sie den Wunsch, Teil der neuen Kommunität zu werden?

Antje Gensichen: Die Idee in einer christlichen Gemeinschaft zu leben, ist schon länger irgendwo in meinem Hinterkopf und ploppte immer mal auf. Ich habe deshalb die Chance genutzt und 2018 mal einen Monat im Rahmen eines „Kloster-auf-Zeit“- Angebots zu verbringen. Die Tagesstruktur aus Arbeit und klaren Gebetsritualen, in dem Fall das tägliche Beten der Psalmen, sehe ich als große Chance an: Der Arbeitstag wird immer wieder unterbrochen durch gemeinsames Gebet. Und wenn es ein festgelegter Gebetsablauf ist, wie z.B. mit den Psalmen oder auch die Gebetszeiten in Taizé, muss mir auch nicht immer innerlich nach beten sein – und ich kann dennoch gut daran teilnehmen. Grundsätzlich: Ich möchte gerne Glauben unkompliziert miteinander im Alltag teilen – im Miteinander leben. Dabei geht es nicht darum, ständig über Glaubensfragen reden zu müssen. Aber der Glaube sollte für mich in einer christlichen Kommunität ein bewusster Teil des Alltags sein.

Sie haben sich bewusst eine Auszeit genommen und sind den Camino von Wuppertal bis nach Santiago gelaufen. Welche Einsichten haben Sie gewinnen können?

Antje Gensichen: Ich bin gerade einmal sechs Wochen zurück. Aus einer anderen Auslandserfahrung weiß ich: Die wichtigsten Veränderung nach solch einer Geschichte werden innerhalb des ersten halben Jahres klar. Deshalb kann ich noch nicht so viel sagen. Vielleicht lebe etwas mehr in den Tag, gehe ihn entspannter an. Das heißt jetzt nicht, dass ich nicht plane, keine Termine überschlage, etc.. Es ist ja auch nicht so, als würde man auf einer solch langen Wanderung gar nicht planen. Man muss unterwegs ja auch die nächsten Übernachtungen planen, schauen, wann man wo einkaufen kann, etc. Es geht um den längerfristigen Plan: „Dann werde ich dies oder jenes machen“. Ich habe es genossen, auf jede Frage nach dem „Wann bist du wohl da?“ oder „Wann kommst du zurück?“ entspannt sagen zu können: „Das weiß ich noch nicht“ oder „Darum kümmere ich mich erst, wenn ich Santiago erreicht habe“. Ich wusste ganz klar, was gerade die erste Priorität ist. Wenn ich das mit in den Alltag nehmen kann, habe ich viel gelernt.

Welche Begegnungen von diesem Weg begleiten Sie?

Antje Gensichen: Man begegnet auf dem Weg sehr vielen Menschen. Es gibt daher nicht die eine, einzelne herausragende Begegnung. Wichtig geworden ist mir immer wieder: Jede/r hat seinen eigenen Weg – sowohl wie er oder sie den Camino geht, als auch im täglichen Leben. Dem möchte ich immer wieder mit Offenheit begegnen.

Gemeinschaftliches Leben bringt Nähe, Tiefe – aber auch Herausforderungen. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Leben in der Kommunität?

Antje Gensichen: Ich erhoffe mir, ein Miteinander im Alltag, bei dem wir uns gegenseitig akzeptieren mit unseren Stärken und Macken, so wie wir sind. Und ich hoffe auf ein Miteinander, dass uns hilft Glauben miteinander zu teilen. Es wäre cool, wenn wir klare Absprachen oder Rituale finden, wie wir das möglich machen können.

Was möchten Sie selbst in diese Gemeinschaft einbringen?

Antje Gensichen: Mich! 🙂 – Noch kann ich nicht sagen, was ich dort konkret einbringen möchte oder welche Gabe gerade die ist, die wir in dieser Kommunität brauchen. Das wird sich im Zusammenleben entwickeln. Erst einmal bringe ich einfach mich ein mit meinen Stärken, aber auch mit meinen Ecken und Kanten.

Wenn Sie an die Zukunft des Projekts denken: Welche Art von Miteinander, Spiritualität oder Alltag wünschen Sie sich für die Menschen, die dort zusammenleben werden?

Antje Gensichen: Ich wünsche mir Austausch und Offenheit gerade auch in spirituellen Fragen. Das wird für uns alle wieder eine große Herausforderung sein, wirklich offen für den andern zu sein, auch was den Glauben des anderen angeht. Dabei geht es ja um etwas, was wir ganz tief drin für uns als richtig erachten. Da fällt es manchmal schwer, den anderen so stehen zu lassen, wie er das sieht. Für mich gehört dazu, diesen spirituellen Austausch zu einer festen Verabredung für alle unter der Woche zu machen. Wenn wir nichts konkret ausmachen und es immer wieder verschieben auf ein: „Ach ja, mal beim Frühstück“, wird daraus nichts. Sich regelmäßig zum Glauben auszutauschen, gehört für mich zu „Glauben miteinander leben“, also nicht nur schweigend miteinander leben, sondern eben auch durch Worte. Ich habe die Chance von Ritualen kennen gelernt. Deshalb hoffe ich auf feste Rituale. Besonders während des Monats auf dem Schwanberg im Rahmen von „Kloster-auf-Zeit“ habe ich die Chance der sich wiederholenden Rituale kennen und schätzen gelernt. Mal sehen, wie das die möglichen Mitbewohner*innen sehen. Auch wünsche ich mir, dass wir ein Stück weit an einem Strang ziehen. Das kann heißen, dass wir eine gemeinsame Aufgabe entdecken, mit der wir auch Verantwortung nach draußen übernehmen, beispielsweise eine regelmäßige Andacht oder ein diakonisches Projekt. Das sind meine Wünsche und Ideen. Wir werden uns gemeinsam auf den Weg machen. Es ist ein Prozess mit offenem Ende.

„Neugierde, etwas Mut, Lust am Miteinander und auf Neues“: Evangelische Kommunität im „Campus Kartause“ geplant

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