WÜRDE doch gehen…..

„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?  ……., mit Würde und Schönheit  hast du ihn gekrönt.“               Aus Psalm 8

Gerade eben haben wir Worte aus Psalm 8  gehört: ein Gebet von Menschen sehr viele Jahrhunderte vor uns gesprochen, gebetet, gesungen und aufgeschrieben.  Eine Frage, die uns am heutigen Tage genauso herumtreibt wie damals:  Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?  Wer sind wir, dass wir so wichtig sind, dass sich dieser eine Gott so verbindlich an die Menschen des Volkes Israels auf ihrem Weg aus der Sklaverei, gebunden hat?

Wer sind wir Menschen, dass wir von diesem Einen Gott mit Würde, Schönheit und Gottesebenbildlichkeit ausgestattet werden?

Mit Würde ausgestattet sein!!! Das ist ein großes Startkapital mit dem wir auf diese Welt kommen…. Wir sind also ALLE so wie wir sind und geworden sind Würdenträger und Würdenträgerinnen Gottes. Dafür müssen wir kein Mann sein, kein Amt bekleiden, keiner Kirche angehören: ALLE so wie wir eben sind, sind WürdenträgerInnen der Gottesebenbildlichkeit! In unseren Leben passieren Dinge und wir treffen auf Menschen, die uns vermitteln, dass das so ist, oder die  uns das Gegenteil  vermitteln und dann beginnt unser Weg zwischen gefeierter Würde und verletzter Würde….zwischen Beschädigungen und Heilungen zwischen Schmerz und  Freude….

….und an dieser Stelle möchte ich Ihnen die Königin der Würde vorstellen, die ich ihnen heute mitgebracht habe. Ich habe sie bei der gemeinsamen Mahlfeier von Maria 2.0  auf dem Roncalliplatz  vor dem Dom kennengelernt. Der Holzbildhauer Ralf Knoblauch hat auch mir eine seiner Königinnen der Würde geliehen, damit ich damit losziehen kann und sie dort hinstelle, wo Würde verletzt wird und damit wir uns daran erinnern, dass wir mit Ehre und Würde ausgestattet sind.  Es gibt über 200 dieser Könige und Königinnen, die mittlerweile weltweit tätig sind und an unsere Gottesebenbildlichkeit und Würde erinnern und diejenigen, die sie begleiten, stehen miteinander im Kontakt. Heute erreichte mich ein Bild mit einer Königin mit einem zugeklebten Mund mit dem Satz:

Die Würde der Mächtigen stirbt da, wo sie die Würde der Ohnmächtigen verletzen.

Der Gehirnforscher Gerald Hüther fragt so:  Verletzt nicht jeder, der die Würde eines anderen verletzt, in Wirklichkeit seine eigene Würde?

Heute beginnt die Frühjahrkonferenz der deutsche Bischofskonferenz. IN vielen Städten haben Frauen der Initiative Maria 2.0 im Vorfeld dieser Konferenz 7 Thesen an katholische Kirchentüren befestigt, weil sich sich deutliche Reformationen in ihrer Kirche wünschen, weil ihre Würde oder die Würde von anderen Betroffenen verletzt worden ist oder immer noch verletzt wird.

Diese Thesen sind ein Zeugnis davon wie ALLE Menschen als Gottes Ebenbilder  und WürdenträgerInnen gewertschätzt werden. Deshalb lese ich die ersten 4 Thesen an diesem Tag in  einer evangelischen Kirche in Solidarität mit den Aktivistinnen von Maria 2.0 und allen, die sich für eine gerechte und faire, für eine bunte und teilhabeorientierte Kirche einsetzen,  für alle Menschen in diesem Kirchraum und in allen Bischofskonferenzen und Synoden dieser Welt  jetzt vor:

  1. In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern.
  2. In unserer Kirche wird Macht geteilt.
  3. In unserer Kirche werden Taten sexueller Gewalt umfassend aufgeklärt.
  4. Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber achtsamer und  selbstbestimmter Sexualität und Partnerschaft.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir alle unsere eigene Würde spüren und feiern können, damit wir zu ehrlichen Würdenträgern und Würdenträgerinnen heranwachsen und es  nicht länger nötig haben, die Würde einer anderen oder eines anderen  strukturell oder persönlich zu beschädigen oder gar zu zerstören.

Gott Du ewiger! HILF!!!

Hilf zu allererst  den Opfern von Gewalt, Ungerechtigkeit, Ungleichbehandlung  und Diskriminierung, dass sie nicht bitter werden. Hilf den Tätern, dass sie hinsehen und zugeben können, wen Unrecht geschehen ist.  Hilf all denjenigen dazwischen, die wegschauen oder nicht wissen, was sie tun können. Hilf uns allen, damit wir STOPP sagen, STOPP hören und  STOPP beherzigen, wenn wir sehen und selber erleben, dass Würde verletzt wird!

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? ……., mit Würde und Schönheit  hast du ihn gekrönt.“

WÜRDE doch gehen, oder?

Gott Du Ewige!  Hilf!!!

Amen

 

10minutenandacht der Frauenbeauftragten des evangelischen Kirchenverbandes am 24.2.  am Tag des Beginns der Frühjahrkonferenz der deutschen Bischofskonferenz: