Der Blog der Melanchthon-Akademie Köln

Kirche und Lachen sind kein Widerspruch – 30 Jahre Klüngelbeutel

Ulrike und Wolfram Behmenburg, Urgesteine des Kirchenkabaretts „Klüngelbeutel“ und der ersten alternativen evangelischen Karnevalssitzung, der PROT’sSitzung, gehen in den Ruhestand und verlassen Köln zugunsten von Leipzig, wo Kirchenkabarett in kleinerem Rahmen weitergeführt werden könnte, wie Ulrike Behmenburg verrät. Etwas Neues in einer spannenden neuen Stadt anfangen, möchte das Ehepaar und hofft, dort Wurzeln zu schlagen.

Kirche und Lachen

Um noch einmal auf drei Jahrzehnte Kabarett und humoristisch aufgearbeitete Kölner beziehungsweise rheinische Kirchengeschichte zurückzublicken, lud die Melanchthon-Akademie die beiden Kabarettisten zu einem von Pfarrerin und Studienleiterin Dorothee Schaper moderierten Interview ein. Elf Programme haben Ulrike und Wolfram Behmenburg insgesamt geschrieben, mit ihren Mitstreitern vor Publikum präsentiert und wie der Pfarrer i.R. sich erinnert, fing es so an: „Mir war klar geworden, neben dem Pfarramt, das mich sehr forderte, brauche ich noch etwas anderes. 1989, beim Kirchentag in Berlin, sah ich ein bayerisches Kirchenkabarett und hatte das Gefühl, das könnte meine Berufung sein. Der nächste Gedanke war: Das traue ich mir auch zu.“ Die Premiere des ersten Klüngelbeutelprogramms „Aus Gottes Villen“ in Köln war ein großer Erfolg und einige aus dem Kreis der Akteure damals hatten Lust, weiterzumachen.

Dass Kirche und Lachen durchaus kein Widerspruch sein müssen, zeigte sich im Programm „Das Geräusch“ von 1995 – in der Presse allerdings wurde dieses Miteinander von Kirche und Spaß als ungewöhnlich angesehen. Auch Ulrike Behmenburg erinnert sich an eine christlich-strenge Jugend. Dann kam sie nach Köln und erlebte große Offenheit: „Ich hatte mich als Teenager etwas von Kirche gelöst, wollte Antworten, erlebte Köln und dann später das Kirchenkabarett als Befreiung. Lachen und Kirche war für viele Menschen etwas, das sie sich gewünscht hatten.“So erreichten die Mitglieder des Klüngelbeutel die unterschiedlichsten Christen auf eine spielerische und kreative Art im Umgang mit dem Glauben.

Ökumene und Religionen

Sie machten aber auch die Erfahrung, dass Menschen sich vor den Kopf gestoßen fühlten und Kompromisse erbeten wurden, mit denen sich die Akteure wiederum nicht wohlfühlten. „Wir sollten einmal unser Ökumene-Endspiel nicht aufführen, weil beim Auftritt auch Katholiken zugegen waren und sie nicht brüskiert werden sollten. Es war ein Lernprozess, dann zu sagen, dass das so nicht geht und zu dieser Haltung zu stehen“, sagt Wolfram Behmenburg.

Auftritte Wolfram Behmenburgs als singender Kardinal auf dem Kölner Kirchentag 2007 folgten, zu denen Ulrike Behmenburg sagt: „Katholiken-Bashing war das nie. Zu Diskussionen kam es am ehesten auf ökumenischen Veranstaltungen.“ Wolfram Behmenburg ergänzt: „Wenn überhaupt, war es immer eher ein Christen-Bashing, bei dem beide Konfessionen ihr Fett abbekommen haben, was auch oft nötig war. Ich fühlte mich ja auch stets als Teil der Kirche an sich.“

Interreligiöses Kirchenkabarett wäre sicherlich für die Zukunft etwas Gutes, ist das Ehepaar sich einig, aber sagt auch realistisch, Kirchenkabarett heute sei ein normales Angebot der kirchlichen Unterhaltung und „interreligiöses Kabarett wirkt immer noch provokant, was nicht jeder mag, wie wir 2015 im Programm ,Djihad in Wittenberg‘ erlebt haben. Das andere Extrem, das wir beobachten, ist, dass Religion nicht mehr so recht interessiert.“ Daher sei es spannend, Kirchenkabarett nach Sachsen mitzunehmen, das dort „tatsächlich in den Gesprächen mit den Menschen eher Christenkabarett genannt wird“.

Das Interview mit Ulrike und Wolfram Behmenburg ist hier zu sehen.

Text: APK
Foto(s): APK/MAK

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